Westmünsterländische Dialekte Plattdeutsch in der Grenzregion

Wörterbuch der westmünsterländischen Mundart

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1363 Lemmas

RaaRadd

Raab m. Raps. Wi häbbt vandaage Raab häckselt.Raps

Raabe, Raaben-, raaben-Raawe, Raawen-, raawen-

Raabgaffel f. Holzgabel (Arbeitsgerät zum Aufladen von Raps od. zum Wenden des Flachses bei der "Flachsröste", → rööten)

raabigraapig

Raabkooke(n) m. gepreßte Rapssaat als Futter. → Olliekooken

Raab-ollie m. Rapsöl, Öl aus Rapssamen (wurde z.B. zum Backen von Buchweizenpfannkuchen u. als Heilmittel gebraucht). → Olliesaod, Lien-, Rööw-ollie

Raab-olliekruuke f. Krug für Rüböl (aus Steinzeug)

Raab-ollielämpken Öllampe (für Rüböl)

raabraakt "gerädert", in der Wendg. Ik bün so möö, as wann 'k raabraakt bün.

Raabsaod n. Rapssamen

Raade f. (Raaden) Kornrade (violett blühendes Unkraut). → Bolle.
Zs.: Kaorn-

Raadel (Ot, Sü, We, Bor, Rae); Räädel (Hei) f. (Raadels; Räädelken) Karfreitagsratsche (Lärminstrument, das in der Karwoche die Glocken ersetzte u. von den Meßdienern zum Eiersammeln benutzt wurde). → Kraake 1, Rättel, Takträädel

Räädel n. (Räädels, Räädelken) Rädchen mit Griff zum Kopieren von Schnittmustern. → uuträädeln

Raadeljunge m. (Sü, We, Bor, Rae) Junge, der das Lärminstrument in der Karwoche betätigt

räädeln (St, Sü, Hei, Rae) mit der Karfreitagsratsche durchs Dorf ziehen

räädenreeden

Räägen, Räänge(n) m. Regen. Bekannte Anzeichen für Regenwetter finden sich in Wendungen mit dann giff't Räägen, z.B. Wann 'n Väänedamp rück. Wann 't wilde Föör in de Panne schleet (under de Panne löpp). Wenn de Froulöö loopt (un de Blaagen singt,Wiew). Wenn Froulöö sik't Gatt wörmt. De Froulöö praot't 'n Räägen loss (wenn die Frauen zusammenstehen u. tratschen). → Banke, daaleschlaon, Fessewind, flöistern, froh 1, Geetling, Gesichte, Gröss, Haamerschlagg, harunderschlaon, Hohn n., Hund, Iewer, Karkentaorn, Katte, katten, klaatern 1, kläppen, Kräie, Krampsodder, kriöölen, Lachduuwe, langhäörig, lecken 2, lecken 3, Ledder, leege, Liekdaorn, lööpsk, Maontied, Mieg-ampe, Moddegatt, Morgenrood, Mott, Nüst, Pedde, praoten, Pütt, Rattenfallenkäärl, Recke, reern, Root, schooien, schweeten, Solder, Specht, Steen, Ssuckerij, Steen, stinken, Sünne, Waatervoggel, Weerglass, weh, wild, Wind, witt.
Zs.: Aobend-, Fissel-, Gold-, Ies-, Land-, Luuse-, Mäi-, Mott-, Newwel-, Plass-, Schmuddel-, Schnee-, Schnuuw-, Stoff-, Stott-, Suddel-, Sünnen-

räägenräängen

Räägen- auch: Räänge(n)-

Räägenbiese f. Regenbö

Räägenboggen, -boogen m. Regenbogen

Räägenboggenfarwen (Pl.) Regenbogenfarben. Dat Ooge schinnt in alle Räägenboggenfarwen ("blaues Auge", → blund u. blau).

Räägenbööie f. Regenschauer

Räägendagg m. Tag mit anhaltendem Regen

räägendich(t) regendicht

Räägendroppen m. Regentropfen

Räägenfatt n. Regentonne. → Räägentunne

Räägengotte f. Regenrinne

Räägenjaor n. regenreiches Jahr

Räägenlaaken n. (Ot, St, Sü, Bor, Rae) Regentuch, Kopfmäntelchen, Plane gegen Regen

Räägenlock n. Ort, an dem es oft regnet. → Weerlock

Räägenmantel m. Regenmantel

Räägenrenne f. Regenrinne

Räägenpieper m. Sandregenpfeifer. → Vääne-, Waatertüüte

Räägenschirm, -scherm m. Regenschirm (mod.). → Paraplüü

Räägenschuur n. Regenschauer, Regenböe

Räägenschwarke f. Regenwolke

Räägentunne f. Tonne für Regenwasser (Es wurde als Spülwasser für die Wäsche gesammelt.)

Räägenwaater n. Regenwasser. → Väänewaater

Räägenweer, -wäär n. Regenwetter. He süht uut as dree Daage Räägenweer (verdrießlich).

Räägenwelpe, -welte f. (Vr) Moorvogel, großer Brachvogel. → Tüütewelpe, Väänetüüte

Räägenwolke f. Regenwolke

Räägenworm m. Regenwurm (mod.). → Piere

räägnerig regnerisch. → räängs

Räägnerij f. anhaltender Regen

Raake f. (Raaken) Feuerloch des offenen Herdfeuers (wurde zum Kochen, Backen od. Erhitzen benutzt). de Melk in de Raake setten (Milch erwärmen). → Föörkuhle, Pottgatt, scheern 1, toraaken.
Zs.: Föör-

rääkelnreekeln

raaken 1. zusammenscharren (z.B. die Asche im Feuerloch).
2. berühren, anrühren; (an jd., etw.) geraten. Ik hadde den Hund bolle raakt met'n Steen (fast getroffen). Wi raakt us nich (Wir tun uns nichts, stören uns gegenseitig nicht). Denne kaas met'n Spierken raaken (De is gau raakt) (Er ist schnell beleidigt, → Haorn). Dao was he an den Verkehrten raakt (an den Falschen geraten). Wahr di, et raakt di (Vorsicht, es wird gefährlich, z.B. beim Holzaufladen). → geraoden.
3. geben, herreichen. Raak mi äs de Botter!Kiewe, reeken

rääken rechnen; gegeneinander abwägen. He häff daor met rääkt (hat darauf vertraut). Daor kaas noch met wat rääken (Drohung, → gefaßt). Daor mütt wi nich up rääken. Wenn t Geld nich rääks, dann is't ümsüss (wenn etw. sehr teuer ist). Et kümp ait wat, waor du nich met rääks (Es kommt immer etw., womit man nicht rechnet). Se rääkt sik rieke un schiet't sik arm (anfangs planen, aber dann reicht es nicht). Wi willt't nich äs ne Visiete rääken (wenn jd. nur kurz bleibt). Ih mut't so rääken: öwwerall is wat (Jeder hat seine Not). Se bünt all an de Jaoren, dao mutt'm met alls rääken (von sehr alten Leuten). → Doodenvoggel, Maoltied, rieke, vull.
Zs.: lieke-

Rääkenbook n. Rechenbuch

Rääkenfehler m. Rechenfehler

Rääkenheft n. Rechenheft

Rääkenlaa(de) f. (St, Sü, Ge) Rechentafel, Schiefertafel

Rääkenmester m. Rentmeister, Kassenwart; Amt in der Nachbarschaft. → Rentmester

Rääkenmaschien(e) f. russische Rechenmaschine, Rechner mit zehn Perlen pro Reihe, Abakus

Rääkensied(e), -siete f. karierte Rückseite der Schiefertafel zum Rechnen

Rääkenstunde, -stunne f. Rechenstunde in der Schule

Rääkentaofel f. Rechentafel, Schiefertafel. → Läitaofel

Rääken-upgaabe, -gaawe f. Rechenaufgabe

Rääker m. Rechner. ne ganz fienen Rääker (wer sehr genau rechnet)

Rääkerij f. Gerechne, Rechnerei. Bi de ganze Rääkerij kümp nix haruut.

Raak-kuhle f. Feuerloch im Herdfeuer. → Raake

Rääknung f. Rechnung. .n Streckel döör de Rääknung maaken (einen Strich durch die Rechnung machen).
Zs.: Af-

Raamääker, -maaker m. Wagenbauer, Stellmacher. → Stellmääker

Raamääkersholt n. Holz für den Wagenbauer (Spaltholz, bes. Eiche, Esche)

Räänge(n), Räänge(n)-Räägen, Räägen-

räängen, räägen regnen. Et räängt em van'n Kopp (Er schwitzt). Et räängt, dat't män so dügg (migg) (Es regnet stark). Et räängt Döppe up't Waater (Es regnet tüchtig). Wenn't vull räängt, is't gudd Wäär föör de laaten Kiekföske. He lött de Lippe hangen, dat et em de bolle in räängt (Er ist verdrießlich, niedergeschlagen, → Lippe). • Wenn't nich räängt, dann dröppelt't (Wenn das Geschäft nicht flott geht, auf die Frage Wo geht't?). → arbäiden, Baromeeter, Been, geeten, Haamerschlagg, Hemds-schlippe, Hölle, Hundsdaage, Kattenkopp, meeste, Missen, Pastoor, stotten, stuuwen 2, trouen, uphäörn, Wind.
Zs.: schnuuw-

räängs (Vr, St, Sü, Ge, Ra, Hei) regnerisch. räängs Weer

raanßelnranzeln

Raaper(t) m. wer Geld zusammenrafft, Geizhals. → Raffkert, Schraapert

raapig, raabig habgierig, geizig. → rappig

raar, raor 1. selten, knapp (alt). → betöönt, knapp, selten. De Kollen bünt raar wodden (knapp geworden). Moss di män 'n bettken raar maaken (dich selten sehen lassen, als ob du keine Zeit hättest).
2. eigenartig, selten, komisch, unwohl. Dat Ding süht raar uut. Dat is so ne Raaren. raar Wäär (komisches Wetter). sik raar föhlen. Mi is so raar tomoote (Ich fühle mich schlecht). Et kann sik monks raar häbben in de Welt. Ne Ente is 'n raaren Voggel, föör een te völle un föör twee te minn.aardig, Dood, eeklig, frömd, häbben

Räär-, räärnReer-, reern

RaaspeekeRaddspeeke

raaßelnranzeln

räätern unaufhörlich schwätzen. → schnäätern

Raawe, Raabe m. (Raaben) Rabe. Wenn't Aos ligg in'n Graawen, dann roopt alle Raawen (Spott bei Schadenfreude). → Graawen

Raawen-, raawen- auch: Raaben-, raaben-

Raawen-aos n. gemeine, hinterhältige Person

Raawenbitter m. "Ravenbitter", Sorte Magenbitter (Vredener Spezialität)

raawendüüster (St, Sü, Ge, We, Hei, Rae) sehr dunkel. → pickedüüster

raawenschwatt pechschwarz

rääwig (St) ranzig (vom Speck). → gänstrig

Rabarber m. Rhabarber, Pestwurz, Ampfer.
Zs.: Buurn-, wilden

Rabarberbladd n. Rhabarberblatt. ´n Rababerbladd to´t Köhlen under´n Sünnhood bi´t Höien

Rabarberstengel m. Rhabarberstengel

Rabatte f., Rabatt n. (Rabatten) Gartenanlage, Rabatte. Dat Rabatt is toröit met Ruut. in de Rabatten wenn. (verloren sein). Miene Schlöttel bünt doch stäörig in de Rabatten.
Zs.: Arften-, Bloomen-, Börger-, Buurn-, Fiezebohnen-, Groote- Bohnen-

Rabattenpranger(t) m. leichtsinnige Person

Rabattenspringer m. (Ot, St, Sü, Ge) leichtsinnige Person; wendiges, leichtfüßiges Kind; Person, die quer durch den Garten geht (abw.)

Rabattenteckel m. (Ot, Vr, St, Ge) läufiger Hund; Person, die quer durch den Garten geht (abw.)

Rabatz m. 1. Ärger, Unannehmlichkeiten; Streit. Daor häbb'ke lellk Rabatz met kreggen.
2. Lärm, laute Veranstaltung

Rabau-appel, Rabauk(appel), Rabaul m. graue Reinette (grau-grüne Apfelsorte, deren Aroma sich erst nach längerem Lagern entfaltet). Ne Rabau-appel mott bes Middewinter liggen (etw. muß alt genug sein, z.B. von Mädchen). → griese Renette, öwwerjäörig

Räbbel m. 1. Flachsbreche. → Braake 1.
2. Mund. He kann 'n Räbbel nich hollen. He häff 'n Räbbel loss (loses Mundwerk). Wat 'n Räbbelken (klatschsüchtige Person). → Bäbbel, Häbbel, Räppel 2

Räbbeldööse, -doose f. (Ot, Vr, St, Sü We, Bor) wer viel u. schnell redet

Räbbelgatt (Ot, Vr, St); Räppelgatt (Ge) n. geschwätziges Kind, Mädchen

Räbbelkaore f. (Ot, Vr, St, Sü, Bor) geschwätzige Frau

Räbbelkunte (Ot, Vr, St, Bor, Rh); Räppelkunte (Ge) f. geschwätzige Frau

rabbeln, räbbeln 1. zupfen.
2. schnell sprechen, in einer Tour reden. → raddeln

Räbbelschüüte f. geschwätzige Frau

Räbbeltaske, -tasse f. geschwätzige Frau

rabiaat unverschämt, frech

rabottenrafottken

rabraaken loslegen; wüst arbeiten.
Zs.: loss-

Rabunkel n. (Rabunkels) Geschwür, z.B. "Gerstenkorn" am Auge. → Karbunkel

Rachen m. (Rachens) Rachen. em dat Geld in'n Rachen (Hals) schmieten (ihn z.B. für unnötige Arbeit bezahlen)

rachmeesen (Rae) sammeln (bes. verdorrtes Holz)

Racker → Rackert

rackern schnell u. schwer arbeiten

Racker(t) m. zähe od. ungestüme Person, Bösewicht, Draufgänger, Rowdy. .n taoen Rackert (wer sich abmüht, zuviel arbeitet, z.B. bei Akkordarbeit)

Radau m. Lärm, Radau, Krawall

Radaumääker, -maaker m. wer Krach macht, Unruhestifter

Radd n. (Raa, Raade; Räddken) 1. Rad (z.B. vom Wagen, Spinnrad). met'n Räddken määten (z.B. Meßrad des Schmiedes zum Ausmessen des Flacheisens für Reifen). • Em is 'n gudd Radd an'n Waagen loopen (Er hat Glück gehabt). • Em is 'n gudd Radd van'n Waagen loopen (Er hat einen guten Mitarbeiter verloren). • De löpp ook noch maol 'n Radd an'n Waagen (wer meint, auf niemanden Rücksicht nehmen zu müssen, sich alles leisten zu können). .n Radd up'n Palmstock (best. Gebäck, → Palmradd). De häff 'n Räddken in de Träöte ("Zäpfchen-R"). → Bollerwaagen, döggen, fiewte, Footvolk, Gemen, Hubbel, kraaken, Lüns, Weel.
2. Fahrrad. He sitt up't Radd as ne Aape up'n Päcksken Tebak (ungeschickt). → Fietse.
Zs.: Ächter-, Bollerwaagen-, Döwwel-, Dräi-, Glücks-, Gummi-, Kamm-, Kaoren-, Klinken-, Knapp-, Kooken-, Luft-, Määt-, Melk-, Möllen-, Palm-, Ploog-, Schuss-, Schuuwkaoren-, Schwung-, Speeken- , Spinn-, Staol-, Stern-, Stüür-, Stuuten-, Twee-, Vöör-, Waagen-, Weel-

Radd-asse f. Radachse

Raddbremse f. Radbremse

Räddel m. (Räddels; Räddelken) (Ot, Vr, Ge, We, Hei) der feste Rand des ungepflügten Landes, auf dem das kleine Pflugrad lief. → Rewwel, Höwwel

raddelig (Vr) struppig (z.B. vom Fell des Hundes). Wat soog de raddelig uut.

raddeln, räddeln reden, schwatzen, schnell sprechen. → rabbeln

Raddeltaddel m. (Bor, Hei) Plunder, wertloses Zeug. → Pröttel

radderig (St, Ra, Bor, Rae, Rh, Bo). rodderig (Ge) ausgezehrt, mager, schmächtig, unterernährt. so'n radderig Aos (ein mageres Luder, Mensch od. Tier). → ratzig

raddföhrn, -führn radfahren. → fietsen

Raddkooke(n) m. (Bo) runder, in einer Form gebackener Kuchen. → Rodonkooken

Raddlöchte f. Fahrradlampe

Raddmantel m. 1. weiter, radförmiger Mantel, Cape.
2. Fahrradmantel, Bereifung

Raddpartie f. Fahrradtour, -ausflug. ne Raddpartie maaken

Raddpatt m. Fahrradweg. → Fietsenpatt

Raddprussioon(e) f. Pilgerfahrt mit dem Fahrrad (z.B. nach Kevelaer)

raddschlaon radschlagen. → Ratzeköpper

Raddspeeke, Raaspeeke f. Radspeiche

Raddspoor, -spöör n. Radspur, Wagenspur

Raddwegg m. Fahrradweg. → Raddpatt

radeern radieren

Radewuu f. (Vr, Sü) kurze Rast

Radiesken n. Radieschen. He sall sik de Radieskes (de Erpel) van under bekieken (wird tot sein).

radikaal, rattikaal gänzlich, vollständig. De Engelkes pisst sik vandaage ook radikaal uut! (vom Dauerregen). Up de Hochtied häbbt se rattikaal alls upefrääten. Dat is ne ganz Rattikaalen (nimmt auf nichts Rücksicht).

Raesfeld. Raosfeld ON Raesfeld. Raosfeldske Fossenstätte (Ortsneckerei aus Erle u. We über den schlechten Boden in Rae, auf dem Windhalm wuchs)

raffenraffken

raffineert schlau, gewitzt

raffken, raffen habgierig zusammenraffen, zugreifen; geizen. → grappken, schraapen

Raffker(t) m. habgierige Person. → Raapert

rafottken, rabotten; rafüttken (St, Sü). rafuttken (Bo) 1. ausgelassen, übermütig spielen, herumtollen. de Blaagen bünt an't Rafottken.
2. herumarbeiten ohne Ergebnis. He ligg daor te rafottken.fottken

Rafottkert; Rafüttkert m. (St, Sü) übermütige, unruhige Person, wer überall zugleich ist

Rahm n. (Rahmens; Rähmken) Fenster (alt). → Fenster, Rahmen, Ruute 1

Rahmen m. (Rahmens; Rähmken) 1. Rahmen, z.B. Gerüst zum Aufpacken des Fuders (bes. für Roggen). dat Foor breed up'n Rahmen packen (wenn das Fach des Wagens voll war, packte man nicht mehr längs, sondern quer). Et mott in'n Rahmen bliewen (Es hat seine Grenzen).
2. Fensterrahmen, Fenster. döör'n Rahmen kieken (aus dem Fenster sehen). en fain Beld in'n Rahmen (wenn jd. im Fenster liegt). → Rahm.
Zs.: Belder-, Blind-, Block-, Föör-, Glass-, Guss-, Holt-, Keller- , Kiek-, Köcken-, Luur-, Nickel-, Scheer-, Schlicht-, Schuuw-, Speegel-, Stick-

rahmen einrahmen; Rahmen machen

Rahmenholt n. Holz für Wagengerüst (meist Esche). → Raamääkersholt

Raibach m. Reibach, Profit, Gewinn

Räier; Räiger (Ge) m. (Räiers) Reiher, Fischreiher. He spijt as ne Räier (von starkem Erbrechen).
Zs.: Fisk-, Koh-

räiern sich übergeben, erbrechen. → gööbeln

Räiernüst, -nüss n. Reihernest

RäigerRäier

räin sauber, rein; echt, rechtmäßig. De schlaopt sik räin (z.B. Kinder, die sich nicht waschen). Ne gudde Frou un ne gudde Katte, de hollt't Huus räine (St). Wann't Hatt maor räin is, sagg Kampmanns Mooder, as se ne äösige Brünte vöörhadde. Dat is kiene räine Botter (keine echte Butter; das ist nicht rechtmäßig). Praot di räin uut! Sägg dat räin haruut (Sprich dich aus, ohne Umschweife). De Frou was so maager, de konn sik achter'n Bessenstell 'n räin Hemd antrecken (Ortsneckerei über das Rachen-R in Rh, → Rieserbessem). De will wi äs räinen Wien inschenken (die Meinung od. die Wahrheit sagen, zurechtweisen). Dat is noch nich in't räine (Das ist - z.B. rechtlich - noch nicht in Ordnung, noch nicht endgültig). Büs du met em in't räine? met sik sölws in't räine kommen. met de Karke (usse Häärgott) in't räine kommen (sich versöhnen mit der Kirche, mit Gott). De Koh is nich räin wodden (hat die Nachgeburt nicht ausgestoßen, → Fuul). → Huud, Jungen, klaor, Luft, Ooge, ruhig, schoone, wahrn.
Zs.: ast-, bessem-, haasen-, natuur-, un-

Räinefaarn, -faan(e) m. (Vr, St, Sü, Bor, Hei, Bo) Rainfarn. → Buurnwormkruud, Faornt

Räinefaa(r)nstee m. (Vr, St, Sü, Bor, Hei, Bo) Tee aus Rainfarn (gegen Wurmerkrankung). → Wormtee

Räinefaornt f. (Sü) Rainfarn

räin(e)maaken saubermachen, reinigen. → klaor-, schoonemaaken

räinewegg 1. ganz u. gar, völlig. Ik häbb mi räinewegg vertwollen (gänzlich verirrt).
2. klar, deutlich. Ik sägg di dat räinewegg.

räinigen reinigen

räinlik reinlich. .n räinlik Määschke.prick

räinmaakenräinemaaken

räinrassig reinrassig. ne räinrassige Duuwe

RäinstrupRamsdorf

Räise f. (Räisen) Reise. up Räise gaon. Ik bün bedrööwt (bedretten, beschetten) van de Räise kommen (zu Schaden gekommen, Erwartungen wurden nicht erfüllt). → Köln.
Zs.: Rund-

Räisedagg m. Reisetag

räisefäär(d)ig, -feer(d)ig reisefertig

Räisegeld n. Reisegeld

Räisekoffer m. Reisekoffer, kleiner viereckiger Reisekorb (um 1900)

räiseln 1. rieseln, abfallen, bes. von Körnern aus überreifen, trockenen Ähren. De Rogge räiselt.
2. üppig säen, (Korn) verschütten; verschwenden

räisen (ver)reisen. Daor wo'k wall met nao Peetrus räisen (Met denne ha. ik wa. räisen mocht) (wenn ein guter Mensch gestorben ist).

Räise-onkel m. Reisender, Vertreter, Hausierer. De Räise-onkels frühr, de kweemen faake met'n Kutskwaagen.

Räisesack m. Reisesack, -beutel

Räisetante f. Frau, die gerne reist

Räisetaske, -tasse f. Reisetasche

Raiskes (Pl.) (Bo) Krämpfe bei Säuglingen. → Termiene

RäisterReester

Raitstock m. (Bo) Teil der Drehbank. → Hand-uplaage

RaistrupRamsdorf

Ramm n., Ramme f. (Ramme) Krampf, bes. in der Beinmuskulatur, Gliederreißen, Gicht. Ramm in'n Poot. Ramme in't Been (z.B. eingeschlafenes Bein). → Kramp

Rammbäär, -beer m. Rammbär, Holzklotz mit Griffen zum Einschlagen z.B. von Rohren

Rammbuck 1 m. Prellbock am Eisenbahngleis

Rammbuck 2 m. störrisches Stück Vieh. → Rammler

rammdöösig, -däösig benommen, verwirrt, verrückt, dumm; nervös. He mäck mi ganz rammdöösig.

Ramme f. (Rammen) Ramme, Fallklotz. → Rammbäär

Ramme "Krampf" → Ramm

RämmelRammler

Rämmel-appel m. (Rh) Prinzenapfel. → Rappel-appel

Rammelbuude f. Abstellraum; unordentliche Werkstatt

Rammeldööse, -doose f. 1. Kinderspielzeug, das Lärm macht, Rassel.
2. Sammelbüchse.
3. unruhige Frau, die viel unterwegs ist. → Rammeltaske

rammelig unordentlich, grob, ungehobelt. Du rammeligen Buur!

Rammelkaore f. unruhige Frau

rammeln poltern, rumpeln, rumoren, klopfen. Wat rammelt in den Buuk?rappeln). He frijt, dat't män so rammelt ("was das Zeug hält"). Wenn du dat döös, dann häs du dat Rammeln in de Pötte un dat Schmieten in de Glaase (Lärmanstiften, Streit).

rämmeln brünstig sein; begatten (von Kaninchen). → räppeln

Rammelschüüte f. unruhige, redselige Frau. → Räbbelschüüte

Rammeltaske, -tasse f. unruhige Frau, die viel unterwegs ist. → Loopschüüte

rammelvull sehr voll

rammen einrammen, heftig stoßen

Rammler, Rämmler, Rämmel m. 1. männl. Hase od. Kaninchen (alt). → Haasen-, Kanienenbuck.
2. Kater (alt, Bor, Bo). → Hengstkatte, Kaater.Bolts
Zs.: Kanienen-, Kanickel-, Katten-

Rammlock n. Loch, in das das Saugrohr der Pumpe eingelassen wird

Rammpaol m. angespitzter Pfahl, der eingerammt wird

Rammpumpe f. Wasserpumpe aus Gußeisen (wurde eingerammt)

Rampe (Rampen) f. Rampe

Rams 1 m. (Vr, St, Sü, Rae, Rh, Bo) magere Person, mageres Tier. He is so maager as ne Rams. ne maageren Rams van ne Deern

Rams 2, Ramsch m. 1. Ausschußware, billiges Zeug, Ramsch.
2. in der Wendg. in eene Rams (in "Bausch u" Bogen., alles zusammen). in eene Rams koopen.Ruuse

Ramsdorf. Ramstrup, Ramsdrop (Vr); Ranstrop (Ra). Rai(n)strup (Sü, Ge, We, Bor, Rh, Bo) ON Ramsdorf. In Ramsdrop loopt jeeden Morgen fiewtig Ploddenkräämers af. Ranstropske Plodden. Ramsdrop is ne Ploddenstadt (Ortsneckerei auf die Textilfabrik in Ra). → Ploddenkäärl, -lock, -kreemer, -stadt, Stadtlohn

ramsken ergattern; zufällig passend finden, günstig kaufen. Dat häbb ik noch ääben ramsket.

Ramsmelk f. (Rh) Magermilch zum Verfüttern. → Ündermelk

ran heran. → heran, Speck

Rand m. (Ränder; Rändeken) 1. Rand; unteres Ende von Gegenständen. den Rand van de Hüüwe (Untersatz des Bienenkorbes).
2. Ende, Äußerstes. Et was bes an't Rändeken (bis zum Äußersten, kaum noch erträglich). He was kott an't Rändeken (beinahe tot).
3. Mund. Holl dienen Rand!Band, Nüst, Schmand.
Zs.: Bödden-, Emmer-, Gold-, Heft-, Krimmert-, Kuhlen-, Plaggen-, Pütten-, Schussee-, Sollen-, Straoten-, Teller-, Wegg-

randaleern randalieren, lärmen, toben

randen mit einem Rand versehen

Randmess, -er n. flaches Messer des Schusters zum Schneiden der Sohlenränder. → Schnitt-ieser, -mess

Randstück n. Randstück (z.B. seitliche Kruste, → Siedenkoste)

randverkant, rand-van-kant alles, restlos. randverkant up-ääten. → ratzekatz

randvull bis oben hin voll. → flöppenvull

Rang m. (Ränge) Rang. nao Rang un Gerechtigkäit.
Zs.: Vöör-

rangeln sich balgen (albern)

Rängesken (Sü, Bor) Kapuzinerkresse. → Klämmerken.
Zs.: Gold-

rank dünn, biegsam, geschmeidig

Ranke f. (Ranken; Ränksken) Ranke; Efeu. → Äiloof.
Zs.: Brümmelbääsen-, Düüwels-, Hoppen-, Waater-

ranken ranken, sich schlingen. Gao nao binnen met diene Gedanken, laot se stillekes ranken (Bo).

rannenrennen

Rannepeeter m. (Hei) Kreisel für Jungen. → Hack-kloot

RanstropRamsdorf

ranzeln, raa(n)ßeln (Ot, Sü, Ge, Rae, Rh, Bo) schimpfen, anschnauzen

ranzig ranzig (mod.). → gänstrig

Raod m. Rat, guter Rat. Daor is wall Raod föör (Daor weet ik Raod an) (Dagegen läßt sich wohl etw. machen). Se wuss sik kinn Raod mähr. Raod nemmen (beratschlagen, aufpassen). → Bookwäitensaod, Daod, inhollen.
Zs.: Amts-, Bi-, Gehaim-, Gemeende-, Huus-, Karken-, Land-, School-, Stadt-, Verschöönerungs-, Zier-

Räödelgatt n. geschwätzige Person, bes. Kind

räödelig geschwätzig, redselig (z.B. nach Alkohol-, Kaffeegenuß)

Räödelkunte f. geschwätzige Person

räödeln lallen, plappern (von munteren Kleinkindern); gackern. De Höhner räödelt (wenn Hühner gesund sind u. gut legen). → kackeln, krouen, räötern

raoden, raon (rödd; reed, reeden; raoden) (jd.) raten, einen Rat geben. Daor rao ik ook noch ne Dagg (de Wääke) met! (Ich bestimme auch noch mit). → afraoden.
2. erraten. Dat kann'k nich raoden. Knicker(s) raoden (Ratespiel: abschätzen, wie viele Knicker in der geschlossenen Hand sind). Käiser Kardel hadde 'n Hund. Ik legge di den Naamen in den Mund. Raod äs, wu hett de Hund? (Antwort: Rodes, Raod-äs). → Gaffel, Lampe, Maote, Pricke, Rouert.
Zs.: miss-

Raodhuus n. Rathaus. Wann ih van't Raodhuus kommt, bün ih klööker, as wann ih hengaot (iron.). He häff ne Kopp as 'n Raodhuus (as ne Mutthoop) (hat viel zu behalten u. zu bedenken). → Amt

raodsaam, -sam ratsam. Dt is mi nich raodsaam genugg (Das möchte ich anders machen).

Räödsel n. Rätsel. Et was mi 'n Räödsel (unerklärlich).

Raom, Rohm m. Rahm, Sahne. Dann is 't beste Räömken dr' af (Dann ist das beste schon weg, → Nijlaot, Schmand).
Zs.: Botter-

Raom- auch: Rohm-

Raombotter f. Butter aus der Kirne (noch ungewaschen u. nicht geknetet)

Raompott m. Gefäß, in dem Rahm zum Buttern aufbewahrt wird. De Melk in den Rohmpott wodde suur. Ne ollen iesernen Pott met Glood, daor kamm den Raompott up (kirnen am Herdfeuer). → Schmandpott

raonraoden

raorraar

Raosebüül m. Draufgänger, ungestüme Person, die Unruhe erzeugt

Raoseding(en) n. schnelles Fahrzeug

Raosejaore (Pl.) Flegeljahre, Pubertät. → Buller-, Fläägeljaore

Raosekaste(n) m. schnelles Fahrzeug

raosen 1. rasen, schnell laufen, toben. De Wind raost üm't Huus.
2. lärmen, Krach machen. Wat'n Raosen!
3. schimpfen; jähzornig, von Sinnen sein.
Zs.: band-

Raoserij f. Raserei; Lärm, Toberei

Raosetied f. Flegeljahre, Pubertät

RaosfeldRaesfeld

räösig unruhig. räösig Weer (windig)

Raosk, RäöskRhade

raosken rufen (vom Kuckuck). Laot den Kuckuck raosken (im Heischelied zu Palmsonntag). → Palmpaosken

räötern (Rae) unaufhörlich schwätzen. → räödeln

Rapp n. in Wendungen wie Rapp un Ruut (Stroh u. Unkraut zusammen; alles zusammen). Dat Faaselfarken wodd foort met Rapp un Ruut (mit minderwertigem Futter). Daor wöss Rapp un Ruut döörmerkaare (gut u. schlecht durcheinander). Se fratten Rapp un Ruut (nicht wählerisch im Essen). Rou un Rapp (einfaches Futter, Essen). → gruusfrääterig, Kapp, Roufoor, Schuud, Sspipp

rapp 1 (Vr, St, Sü, Ge, Hei, Rae, Rh, Bo); ropp (Bo) beschädigt, kaputt. De Klumpe bünt rapp (beschädigt). Dat Fatt is rapp (undicht, leck, ausgetrocknet). → frack, leck, rappelig

rapp 2 1. wendig, pfiffig, rege; geschwind.
2. geizig, gewinnsüchtig. → rappig

Rappe m. (Rappen) Rappe, schwarzes Pferd

Rappel m. 1. Unfestigkeit. Daor is Rappel drin (Es ist kein Halt darin).
2. innere Unruhe, Nervosität. Se häbbt de Blaagen up'n Rappel (nervös, durcheinander).

Räppel 1 m. (Räppels; Räppelken) (Vr, Sü, Bor, Hei) männl. Kaninchen. → Rammler, Reckel

Räppel 2 m. (Räppels; Räppelken) Karfreitagsratsche → Kraake 1). Räppelken (Kinderspielzeug, das Lärm macht, Rassel). Laot dat Kind dat Räppelken, et häff blooß eene! (Laß ihm doch seinen Spaß). Räppelkes (zwei Paar längliche Fingerhölzer, Geschicklichkeitsspiel, klingen wie Kastagnetten, Bo). → Rammel-, Rappeldööse

Rappel-appel m. (Ot, Vr, St, Sü, Ge) Prinzenapfel (dicke, gelbe Apfelsorte, die Kerne "rappeln" im Gehäuse des reifen Apfels). → Rammel-, Wien-appel

Rappeldööse, -doose f. 1. Kinderspielzeug, das Lärm macht, Rassel. → Räppel.
2. geschwätzige, nervöse Frau. → Räbbel

rappeldrööge sehr trocken. Dat Holt is rappeldrööge (Das Holz ist so trocken, daß es beim Aneinanderstoßen klappert). → öwwerdrööge

RäppelgattRäbbelgatt

Rappelgeld n. Kleingeld

rappelig 1. unruhig, nervös, wild, unbeherrscht; geistig verwirrt, verschüchtert, verkalkt; albern, geschwätzig. → braddelig.
2. trocken, brüchig, zerbrechlich (Hei, Bo). → rapp 1

Rappelkaore f. nervöse, unruhige Person

Rappelkaste(n) m. Telefon (scherzh.)

Rappelkiste f. alter, klapperiger Gegenstand, z.B. Fahrrad

Rappelkopp m. geschwätzige, hitzköpfige, jähzornige Person

rappelköppig, -koppig nervös, verwirrt; jähzornig

rappelköpps nervös, verwirrt (im Kopf), verrückt. Ik wodd de rappelköpps van (verrückt, z.B. vom Lärm).

RäppelkunteRäbbelkunte

rappelmaager sehr mager (bes. von Vieh). → brandmaager

rappeln, räppeln klappern, geräuschvoll aneinanderstoßen (z.B. von Kernen im reifen Apfel, von nicht festsitzenden Wagenrädern); rasselnd bewegen, rasseln (z.B. mit der Karfreitagsratsche); poltern, rumoren. met de Tande rappeln (mit den Zähnen klappern). De Stadtlohnsken Kaoren, de rappeln so, de laggen loss up'n Assenkloss.Wenn olde Beeste bisst, dann rappelt de Klouen (von älteren Personen, scherzh.; wenn alte Kühe unruhig hin-, u. herlaufen, klappern die Klauen). Hennerik, oh Hennerik, wat rappelt in dienen Buuk, dat dööt de suure Kaarnemelk, de will nich weer haruut (Buttermilch liegt schwer im Magen, Kindervers). → bullern, rammeln

räppeln, räppen (Ot, Sü, Ge, Bor, Hei, Rae) 1. klettern (z.B. auf Bäume, Leitern, Dächer).
2. besteigen, brünstig sein. De jungen Büllkes bünt ook all an't Räppeln (steigen aufeinander). → rämmeln

Rappelschnuute f. schwatzhafte, nervöse Person

räppenräppeln

rappig (Vr, St, Sü, We, Bor, Hei) geizig, gewinnsüchtig. → grappig 2, raapig, rapp 2, schraapig

Rappklumpe(n), -klump m. Holzschuh mit gespaltener Kappe, der beim Laufen klappert (wurde auf dem Weg zur Hebamme benutzt; das geräuschvolle Laufen diente als Signal, daß es eilig war). Et wödd hooge Tied, he mutt met den Rappklump loss. De sall noch wall met'n Rappklump loopen (als werdender Vater). met'n Rappklump danzen (Hochzeitsbrauch: Nachts auf dem Heimweg von der Hochzeit, wenn die Braut nach Hause u. ins Bett gebracht wurde, machten die jungen Männer Lärm mit beschädigten Holzschuhen). → Geetklumpen

Rapplement n. (Vr, St, Sü, Ge, Rae) Rüffel, Rüge, Verweis, Strafpredigt. Rapplement hollen (ein deutliches Wort reden)

Rapp-putz m. Mauerverputz aus Kalkmörtel (wurde mit einem großen Brett grob aufgetragen). → Beesen-, Rouputz

rappschöttlig unruhig, zappelig, nervös. Wat büs doch weer rappschöttlig, kaas nich stille sitten!

Raps m. Raps. → Raab

Rapsflackte f. (Rh, Bo) Ackerstück, auf dem Raps angebaut wird

Rapskääfer m. Rapskäfer (Schädling)

Raps-stroh n. Rapsstroh

Raps-stück n. Ackerstück, auf dem Raps angebaut wird

Raseer-apparaot m. Rasierapparat. → Scheer-apparaot

Raseerer m. (Sü, Bor, Hei, Rae) Friseur. → Scheerbaas

Raspe f. (Raspen) (Vr, St, Sü, Ge, Bor, Rae) Karfreitagsratsche. → Kraake 1

Raspel f. (Raspels) Raspel, Feile für Holz u. Leder. ne Raspel to't Uutputzen van'n Schoh (zum Glätten des Schuhleders, Schusterwerkzeug).
Zs.: Holt-, Hoow-

raspeln raspeln, (Holz) feilen.
Zs.: wegg-

Rasse f. (Rassen) Rasse, z.B. von Pferden

Rassehund n. Rassehund

Rass(e)peerd n. Reitpferd, Warmblut

Rasshengs(t) m. Warmbluthengst. → Rassmann

rässig rassig, schönwüchsig.
Zs.: räin-

Rassmann m. 1. Kutschpferd, Reitpferd, Warmblut. Rassmänner wäärd öller as 'n normaal Peerd.
2. flottes, schlankes, langbeiniges Mädchen

RasspeerdRassepeerd

Rast f. Ruhepause. Röst un Rast is halwe Mast (Wer sich ausruht, setzt Fett an). → Röste

rasten ausruhen, rasten, schlafen. ääben van de Beene rasten.rösten 1

Ratse f. (Ratsen) (Rh, Bo) Riß, Verletzung. He häff ne Ratse in de Bux (in't Gesicht).ratsken

Ratske f. (Ratsken) (Ge, Ra) Karfreitagsratsche. → Kraake 1

rats(k)en ratschen, ritzen, leicht schneiden. He häff sik an'n Draod ratsket. so ääben ratsket (gestreift, verletzt).
Zs.: kaputt-

Ratte f. (Ratten) 1. Ratte. Waor Ratten bünt, daor bünt ginn Müüse. He süht de Ratten a. met de Sünnenschirmkes loopen (Er ist so vorsichtig, betulich). Ähr könnt de Ratten in de Buxe kruupen (Sie läßt sich nicht stören, sieht u. hört nichts). so geck as ne Ratte (verliebt, mannstoll).
2. Filet, Lendenmuskel beim Schwein, mit dem der Schlachter den Kindern Angst machte. → Muus.
Zs.: Balken-, Grund-, Huus-, Lääse-, Waater-

Rättel f. (Rättels) (Bor) Karfreitagsratsche. → Kraake 1, Raadel

Rattenfalle f. Rattenfalle, Drahtfalle für Ratten

Rattenfallenkäärl, -kerl m. Hausierer mit Drahtfallen für Ratten u. Mäuse. Wenn de Rattenfallenkäärls loopt, giff't Räägen.

Rattenfänger m. Rattenfänger

Rattengang m. von Ratten gewühlter Gang in der Erde

Rattengift, -giff n. Rattengift. Wat'n Rattengift! (z.B. beim Schnapstrinken).

Rattenjagg(d) f. Rattenjagd

Rattenkapelle f. (St, Sü, Ge) Kastenfalle für Ratten

Rattenklooster n. Kastenfalle für Ratten (wurde im First des Daches aufgestellt; bei Sturm sammelten sich die Ratten in der Falle, die Enden wurden verriegelt, u. die Ratten waren gefangen).

Rattenkooje f. (Sü, Hei, Rae) Kastenfalle für Ratten. → Rattenklooster

Rattenköttel m. Rattenkot

Rattenlock n. Rattenloch

Ratten-nüst, -nüss n. Rattennest

Ratten-örgel m'n. Frau, die viel redet

Rattenstatt m. 1. Rattenschwanz.
2. lange konische Rundfeile. → Rundfiele

Rattentüüg n. Ratten (alle zusammen, abw.)

Rattenverlies n. (St, Sü) Kastenfalle für Ratten. → Rattenklooster

Rattenvolk n. Ratten (alle zusammen, abw.)

Rattenwonnung f. Kastenfalle für Ratten. → Rattenklooster

rattikaalradikaal

Ratz m. Kleinigkeit; ein wenig. Se häbbt nen Ratz Rogge staon laoten. Den Ratz kaas du noch wall ääten (das bißchen). Et was mon ne Ratz (z.B. ging flott bei der Arbeit).

ratz ganz u. gar, gänzlich, vollständig. Et is ratz an de Sied (Es ist ganz weg). He is ratz van't Passeel (ratz van de Wiese) (Er verliert die Richtung, Vernunft; ganz aus der Fassung). → knatts, totaal

RatzeRatse

ratzekahl sehr kahl. De Wäide is ratzekahl (ganz abgeweidet).

ratzekatz alles. Se hadden't ratzekatz up-gääten, 't was so lecker.radikaal, randverkant

Ratzekopp, Ratzeköpper m. (St, Sü, Ge, Bor, Hei, Rh, Bo) Purzelbaum. Ratzeköppers maaken (radschlagen, Purzelbäume schlagen). → Koppsdebolter, Pusselboom, Tummelent

ratzen stehlen, unbemerkt wegnehmen. Appels ratzen. → ratsken, stiebitzen 2

ratzig (Sü, Ge, Hei) mager, schmächtig. → radderig, ritzig

ratzwegg ganz u. gar. → ratz

Reaal, Regaal n. (Regaale) Regal, Gestell

reaalreell

RebbelRewwel

rebberebberebb im Vers eines Kinderspiels. → Klümpken-rebben

rebelleern rebellieren

rebells(k) widerspenstig; frech. Wat häbbt de rebellske Blaagen! → upstrinäötsk

Rebullie f. (Vr, St, Bor) Lärm, Radau. Daor was ne Tropp Jungs, de määken vull Rebullie.

Rech, rech, Rechs-, RechensRecht, recht, Rechts-, Rechtens

rechs, Rechsrechts, Rechts-

Rechsel n. (Vr, Rae, Rh) Regel beim Knickerspiel: Es wird ein Viertelkreis rechts um den Knicker des Gegners gezogen. → Linksel

Recht, Rech n. Recht, Anrecht. Du sass ook to dien Recht kommen (Du sollst deinen Willen haben). • Du häs Recht, dann häbb ik mien Frää (Du hast recht u. ich meine Ruh). Recht häbben van (ein Anrecht haben auf). van Rechts wäägen (von Rechts wegen, offiziell; eigentlich). Ik weet nich, wu de van Rechts wäägen nöömt wödd. Van Rechts wäägen stonn em dat to.Häbberecht, Käiser.
Zs.: Brou-, Ehrn-, Fiske-, Höwwe-, Huus-, Jaggd-, Naober-, Ölders- , Stüwwe-, Un-

recht, rech 1. richtig, recht. recht gudd wetten (ganz, völlig wissen). He ett so recht nich (Er ißt nicht so gut). Buusken wödd vandaag recht nich mähr daone (Reisigbündel werden heute fast nicht mehr gemacht). de rechte Pääte (der erste Pate, Hauptpate). rechten Ollie (Speiseöl, im Ggs. zu Schmieröl). De eerste Melk kreeg dat Kalw, daor moss't dat Kalw recht van häbben (davon mußte es hauptsächlich leben). Dat soll recht wat weern (etw. Besonderes). so recht un schlecht.Wann de rechte Joosepp kümp, sägg Maria "Jao".Alls, wat recht is, owwer de Pastoor häört nich in de Schuuwkaore (von unpassender Arbeit). .t rechte Wark to rechte Tied.Ääten, billig, Naamen, sööken, Sünte Viet.
2. auf der rechten Seite befindlich. rechter Hand. He kick met't rechte Ooge in de linke Westentaske (Buxentaske) (Er schielt).
Zs.: flucht-, lienen-, loot-, piel-, reegel-, senk-, un

rechtdöör 1. geradenwegs, geradeaus. → liek-uut.
2. korrekt. He is rechtdöör (aufrecht, korrekt).

Recht-eck n. Rechteck

recht-eckig rechteckig

rechtefaort jetzt, neuerdings, gegenwärtig, heutzutage. Daor kann'k rechtefaort kien Staot met bedriewen (Die Sache ist zur Zeit nicht in Ordnung). Dat Nije dögg rechtefaort doch meestied nich! Rechtefaort dööt man dat nich mähr (Es ist kein Brauch mehr). → teggenwaorig

Rechtens, Rechens in der Wendg. üm Rechens spöllen (mit Gewinn u. Verlust). nich üm Rechens spöllen (Gewinn wird nach dem Spiel zurückgegeben).

rechtentied; rechtertied (Bor). recht-tied (St) rechtzeitig, zeitig. He kümp rechtentied.recht-tiedig

rechterhand rechts, rechterhand. Den Schmitt steht alltied tüsken Föör und Amboss, so dat dat käntige Haorn rechterhand is.

rechtertiedrechtentied

rechtfäär(d)ig, -feer(d)ig gerecht, gerechtfertigt. De Straofe was nich rechtfeerdig (ungerecht).

rechthäbberig rechthaberisch

Rechtigkäit f. Genauigkeit. Daor is kinn Rechtigkäit an (Das ist nicht akkurat). → Richtigkäit

rechtlik rechtlich

rechts, rechs rechts. rechts üm. rechts harüm. sik rechts hollen.links

Rechts- auch: Rechs-

Rechtsbohr n. Bohrer für den rechten Schuh an der Holzschuhbohrmaschine (läuft rechts herum)

Rechtsfüüster m. Rechtshänder

Rechtshänder m. Rechtshänder

Rechtschriewen, -ben Rechtschreiben. In Rechtschriewen was he gudd.

Rechtspoot m. Rechtshänder

recht-tiedrechtentied

recht-tiedig rechtzeitig

recht-to geradewegs. He kann mähr as recht-to (kann mehr als andere). → lieke-to

recht-up steil; aufrecht, korrekt

recht-uut geradeaus, geradenwegs

Recke 1, Reck n. (Recken; Recksken) lange hölzerne Stange (im Hühnerstall), Hühnerstange. dat Reck van't Schlopp (Geländer der Bodenluke). Wenn de Hohner nich up't Recke willt, dann giff't de andere Daage Räägen. He is van't Recke follen. He lagg dood under't Recke (Er ist plötzlich gestorben). Is all wall ährer ne Hahn west, de häff aowends noch düftig kräit un lagg .s morgens dood under't Reck.Buurn-öhme, Fäckel, Hohn n., luurn.
Zs.: Büssen-, Flinten-, Hohner-, Kalwer-, Lää-pel-, Melk-, Piepen-

Recke 2 n. (Recken) Maß der ausgestreckten Arme

Reckel m. (Reckels) 1. männl. Kaninchen (alt, Bo). → Rammler, Räppel.
2. männl. Hund; grobe Person. ne Reckel van ne Buur (eigensinnig, querköpfig). Wann du twee Buurn häs un eenen Reckel, dann sägg män, du häs dree Reckels (grob). Wann ih twölw Hunde un eenen Buur in'n Sack stoppt, dann kommt dattehn Reckels weer ruut (Wortspiel, St, → Knewwel). → frömd.
Zs.: Band-, Buurn-, Schubbe-

reckeln von Hunden: Geschlechtsverkehr ausüben.
Zs.: band-

Recken n. (Reckens) Seitenbrett vom Kastenwagen. → Runge.
Zs.: Waagen-

Recken ON → Rekken

recken 1. recken, strecken, dehnen, weiten. den Strickstrump recken (Gestricktes in die Länge od. Breite ziehen). Dat moss 'n bettken in de Längte recken, dann päss't. Eenes Daages reck'm de Beene van sik (stirbt man). sik recken (sich rekeln).
2. sich weiten, weiter werden. De Bänder reckt (Die Nabenbänder werden weiter). → längen, strecken, wieden.
Zs.: Nössen-

Reckenspaol m. (Rh) Weidepfahl

Reckenspost, -possReckpost

Reckenstuun m. (Rh) Weidezaun. → Frücht-tuun

ReckertReekert

Reckpost, -poss; Reckenspost, -poss (Rh) m. Weidepfahl. → Früchtpost

ReckskeRekken

redden 1. retten; (etw.) schaffen. Dat hä' we weer redd! (Das wäre geschafft). De könnt dat macklik aone mi redden (z.B. wenn man beim Fest nicht mitmacht). He häff't redd't (Er hat es geschafft; ist gestorben).
2. in der Wendg. sik redden (sich helfen, zurechtkommen). De redd sik daor wall met (Das schafft er wohl alleine, damit wird er wohl fertig). Dat redd sik wall ümschlieks (Das wird wohl in Ordnung kommen). De könnt sik gudd redden (Sie kommen gut zurecht, haben ein gutes Auskommen).

Redder m. Retter

ReddikRerk

ReeRhede

Reed m. (Reedken) 1. Riedstaude, Schilf, Röhricht (wurde benutzt z.B. als Dachstroh, für die Stangen der alten Regenschirme od. als Weberblatt). → Löös, Rohr.
2. Weberblatt (am mechanischen Webstuhl). → Reedkaom

Reed-dack n. mit Ried gedecktes Dach. → Strohdack

Reed-decke f. untergenagelte Matte, unter die der Putz gezogen wird (zum Verputzen der Zimmerdecke)

Reed-decker m. Rieddachdecker

Reede f. (Reeden) Rede.
Zs.: Fest-, Uut-

ReedeRhede

reeden; rääden (St, Sü, Ge) reden. Kinder un daore Löö reedet de Waorhäid.

Reedgeld n. (Vr) Bargeld

Reedkaom m. Weberblatt, Kamm am Webstuhl aus Ried (wurde früher mit Pech verbunden, heute aus Stahl)

reedlik, reelik 1. korrekt, verläßlich, redlich, gerecht. ne reeliken Käärl.
2. ordentlich, reichlich, tüchtig, viel. Daor is reelik wat an te verdeenen. Dat brach reelik Geld an. Dat was reelik billiger (viel billiger).
3. einfach, bequem, schnell zu erledigen. Dat is so reelik Wark. Et is reelik gudd gaone. De kann de reelik gudd met gewährn (sehr gut damit fertig werden).

Reedmess, -er n. breites Messer des Rieddachdeckers

Reednaodel, -naole f. dünne Nadel aus Weidenrute od. Draht mit Haken daran (damit zog der Dachdecker den Faden um die Dachlatten herum durch das Stroh). → Strohdeckernaodel.
2. dünne Nadel mit einer Öse daran als Einfädelhilfe am Webeblatt. → Reedkaom

Reedpiepe f. Halm, Stengel von Ried, Schilfrohr. Reedpiepken in de Kinnerpulle (Der Halm verhinderte das Auslaufen im Liegen u. ermöglichte das Trinken).

Reedschnieder m. 1. Gerät zum Schneiden des Dachstrohs. → Strohschnieder.
2. wer Dachstroh schneidet

reedsellig, -säälig gesprächig, redselig (z.B. nach Genuß von Alkohol). → räödelig

Reedstock m. Rohrstock

Reedstohl m. Rohrstuhl, Binsenstuhl. → Korwstohl

Reefholt n. (St, Sü) Töpferschiene mit Rillen zum Anbringen der Wulste auf Gefäßen

Reefken (St, Sü) Rillen am Ober- u. Unterrand von Töpfen, Krügen (oft blau angelegt)

Reegel f. (Reegels) Regel. in de Reegel (im allgemeinen). Et is good, dat in de Reegel de Hund äher bleckt, as he bitt (Man soll trotzdem auf der Hut sein, Bo).

reegelmäötig regelmäßig

reegeln regeln, in Ordnung bringen. De Saake kann ik wall ääben reegeln. Dat reegelt sik alleene.

reegelrech(t) ganz u. gar, völlig, regelrecht. Den Buurnhoff was reegelrecht verkommen. reegelrecht uuteschmacht (ganz verhungert).

reegen, sik sich regen. → Flucht 3, Knecht

reekeln, rääkeln, sik sich rekeln. Dat Farken reekelt sik.

reeken reichen; geben. De Köhe reekt under'n Draod wegg (langen unter dem Zaun her, um zu fressen). hoog reeken (hoch u. weit reichen, sich strecken). met't drööge Holt nao'n Hemmel reeken (mit dem Flegel dreschen). • Wenn ähr 'n kläinen Finger reeks, dann nemmt se de ganze Hand (Sie ist habgierig). → löi, Reken

Reeker(t), Recker(t) m. hoch aufgeschossener Baum; aufgeschossene Person. ne langen Reekert

reell, reaal ehrlich, zuverlässig, korrekt. De Handwerkers, dat wassen reelle Löö.

reelikreedlik

Reemen; Reem (Rh, Bo) m. (Reemens; Reemken) Riemen, schmaler Streifen; Treibriemen. ne Reemen Speck un ne Tratt Mettwoste (Speck so breit wie ein Riemen, Mettwurst von der Länge eines Schrittes). • Van andermanns Läär is gudd Reemens schnien (Sachen anderer Leute kann man gut verteilen, verschenken). Wi hadden daor so ne Reemen liggen (schmale, handtuchartige, z.T. nur 4 m breite Parzelle). den Reemen up de Mölle schmieten (abfahren, anfangen mit der Arbeit, scherzh.). de Reemens richtig lang trecken (schwer ins Geschirr gehen). • Van't Reemens-lecken kommt de Hunde an't Läär-frääten (Vom Naschen kommt man zum Stehlen).
Zs.: Aftreck-, Anspann-, Binde-, Bladd-, Bost-, Buuk-, Buxen-, Drääge-, Dracht-, Driew-, Gewehr-, Kehl-, Kipp-, Knee-, Leer-, Nacken-, Näi-, Nössen-, Rügge(n)-, Sattel-, Schlagg-, Schmacht-, Schoh-, Schuft-, Schulder-, Sellen-, Spann-, Striek-

Reemen-afschniederReemenschnieder

Reemenfabriek f. Fabrik, in der Treibriemen aus Rindsleder hergestellt wurden. De Reemenfabriek meek Driewreemens.

Reemengaobel f. gabelförmiges Eisen zum Verschieben des Treibriemens

Reemenschnieder, Reemen-afschnieder m. 1. Weißgerber.
2. Betrüger

Reemschiewe, -be f. Riemenscheibe, Riemenantrieb (z.B. in der Weberei)

Reemschlott n. Riemenschloß (Maschinenteil, z.B. der Baumwollspinnmaschine)

Reemsgatt n. Loch in der Hoftür für einen Lederriemen od. ein Band, mit dem der Riegel innen angehoben wird

Reepe 1 f. (Reepen) Zugseil, Stück Tau an einer Kette am Geschirr (an Kutschen für Pferde, die angelernt wurden). → Treck-kette

Reepe 2; Reppe (Rh, Bo) f. (Reepen) Flachsriffel (Eichenbrett mit kantigen Eisenzinken zum Abreißen der Samenkapseln vom Flachsstengel).
Zs.: Flass-

reepeln, reepen; reppen (Rh, Bo) riffeln; von Flachs: Samenkapseln abstreifen

Reepenrock m. (St, Hei) Reifrock, festlicher Rock der Frau

Reepschlääger m. Seiler. → Touschlääger

Reer- auch: Räär-

Reerbeck m. Schreihals. → Bläärbeck

Reerhals m. Schreihals. → Schräihals

ReerkRerk

Reermuule f. Schreihals

reern, räärn brüllen, schreien, lärmen, heulen, laut weinen. Dat Veh reert van Schmach (brüllt vor Hunger). Wenn de Koh nao'n Bullen mott, dann reert se 'n ganzen Dagg. De Blaagen reert so, et giff Räägen. De Quecke reert up't Land (Die Quecke "ruft"; es gibt sehr viel Unkraut im Acker, → knuck). → Dummhäid, Fuulhäid, geern 1

Reester. Räister (Wes, Ot, Hei) n. Streichbrett, Pflugeisen, mit dem die Erdschollen gewendet werden. → Spitzschaar.
Zs.: Ploog-

reeten → rieten

Reeter m. (St, Hei, Rae) Schneidezahn bei Tieren. → Schnie-, Vöörtand

refemäärtrefermeert

refendeernrewendeern

refermeert, refemäärt reformiert. de Refemäärten. → Fienen, gerefermeert

RegaalReaal

regeern regieren, beherrschen, bewältigen. Dat kann'k nich regeern (nicht bewältigen, zu übermächtig). Wat regeert di dann? (Was fällt dir ein). → Häär

Regeerung f. Regierung

Regement n. Regiment. Se häff dat Regement in't Huus (Sie hat das Sagen im Haus). → Gesagg, Ruuder.
Zs.: Wiewer-

Regementskanne f. große Kaffeekanne

Register n. Register. He häff 'n ganz Register up'n Puckel (Sündenregister, hat einiges "ausgefressen").
Zs.: Dööp-, Sünden-

Regulaatoor m. Pendeluhr, Wanduhr mit Feineinstellung (kam um 1850 auf)

reguleern regulieren, in Ordnung bringen. dat Waater reguleern

Reh f. Fohlenrehe (Huflederhautentzündung). → Rehkrankhäid, Verschlagg 2, wääterig.
Zs.: Hoow-

Reh n. (Rehe) Reh.
Zs.: Schmall-

reh (Ot, Vr, Ge, Bor) steif, lahm, schlapp. → rehlamm

Rehbeen n. (Ot, Vr, St, Sü, Hei, Rae) Rehbein; dünnbeinige Person

Rehbrao(de)n m. Rehbraten

Rehbuck m. Rehbock

Rehjagg(d) f. Rehjagd

Rehkalw n., -kälwken Rehkitz (alt) → Rehkitz

Rehkitz n. Rehkitz (mod.). → Rehkalw

Rehkrankhäid f. (Ot, Vr, Sü, Ge, Bor, Hei, Rae) Fohlenrehe, Hufkrankheit bei überernährten Pferden od. bei Stuten, die ein Fohlen bekommen (war schwer auszuheilen). Dicke Peerde kreegen bi dat Füllkriegen wall äs de Rehkrankhäid.Reh f.

Rehlääwer, -ber f. Rehleber

rehlamm (Ot, Vr, Sü, Ge, Bor) lahm durch Fohlenrehe, Überernährung; steif, schlapp

Rehposten m. Bleikugel, grober Schrot. → growwen Haagel

Rehstrick n. Schlinge zum Fangen von Rehen

Reken. Reeken ON Reken (Groß- u. Klein-Reken). In Reeken, dao is nix te weeken as hatte Knabbeln in suurn Wien; de Donner magg in Reeken sien! (Ortsneckerei aus Lette). In Kläin-Reeken häbbt se den kotten öwwer den langen (von den Röcken, Ortsneckerei aus der Umgebung von Reken). Ik bün van Groot-Reeken (wenn man weit reichen muß, z.B. bei Tisch, Bor, → reeken). Reekske Bleesekes. Reekske Bleesekenmääker (Ortsneckerei aus Ge, Ra, We, Hei: Sie reizten die Rekener damit, daß sie den Ton der Stechfliege nachahmten; führte oft zu Schlägerei).

Rekken ON Rekken, NL. de Recksken Waaterklocken (sagte man in Vr- Wennewick, wenn man bei Westwind die Glocken von Rekken hören konnte). → Domineer

reklameern 1. reklamieren, bemängeln.
2. vom Militärdienst befreien, "u.k. stellen". He wodde reklameert.

Rektoraatschoole f. Rektoratsschule, Mittelschule

Rektoornschoole f. von geistl. Rektor geleitete Rektoratsschule. → Studentenschoole

Reljoon f. Religion

Reljoons-stunde f. Religionsstunde in der Schule

reljöös religiös

relk vertrocknet, welk (z.B. Laub, Gras). → welk

relken antrocknen (z.B. von geschnittenem Gras). Dat Gröss is all relkt.

Relle. Rölle (Bor, Hei, Rae) f. (Rellen) unterirdischer Gang, z.B. Maulwurfsgang, Kaninchen-, Fuchsbau. → Rille.
Zs.: Fossen-, Göören-, Hamster-, Kanienen-

Remester m. energische, herrschsüchtige, laute Person

remestern 1. unruhig, nervös sein, arbeiten. De Blaagen bünt weer an't Remestern (zappeln, können nicht stillsitzen). 2. vorlaut sein, schulmeistern. Du häs hier nix te remestern!

Remiese f. (Remiesen) Gebäude zum Unterstellen von Fahrzeugen, Wagenschuppen. → Schirm-, Waagenschoppe.
Zs.: Waagen-

Remme f. (Remmen) Handbremse, z.B. am Fahrrad. → Bremse 2

remmen bremsen. → bremsen

Rempempel, Remtempel m. verschiedene ungeordnete Dinge, "Krimskrams", Allerlei. He häff 'n heelen Rempempel up't Papier staon. He praot sik ne Remtempel terechte (Er redet unsinnig, ohne Zusammenhang). → Kraom 1

rempempeln Unordnung machen; wild od. laut sein. Liggs daor te rempempeln!

Remonte m. (Remonten) junges Pferd beim Militär, das noch nicht belastbar ist (drei bis fünf Jahre alt); Jugendlicher, der die Arbeit noch nicht richtig im Griff hat

RemtempelRempempel

Renette f. (Renetten) Reinette, Apfelsorte Rabau-appel, rooden Stern.
Zs.: Gold-, griese, grööne, Stern-,

Rengel m. (Rengels) 1. Knüppel, dicker Stock, schwerer Spazierstock (Ot, St, Bor).
2. grober, rüpelhafter Junge. socke Rengels van Jungs.Brengel, Prengel, Rüngel

Rengste f. (Rengsten) (Ge) Seitenbrett am Erntewagen (immer paarig). → Bouwaagenledder.
Zs.: Jaggd-

Rengstenwaage(n) m. (Ge) Erntewagen mit Seitenbrettern, Ackerwagen. → Bou-, Rungenwagen

Renne f. (Rennen) Rinne, Rille, flache Ausschachtung zum Ableiten von Wasser. → Dackgotte, -renne.
Zs.: Dack-, Göören-, Räägen-, Ssenkrennen.

rannen (Hei, Rae, Rh, Bo) (rennt; rannte, rannten; gerannt) rennen.
Zs.: fast(e)-, loss-, wegg-

Renner m. Rennpferd; wilde Person

Rennpeerd n. Rennpferd

renommeern sich brüsten, angeben, renommieren. Wenn daomaols Visiete kömm, dann wodde renommeert un diskoteert.

Rentäi f. Rentei, fürstliche Verwaltung. De Rentäi van Stadtlohne häff de Kottens under sik (die Domänen).

Rente f. (Renten) Rente. He is in Rente gaon (pensioniert).

renteern, sik sich lohnen. Dat renteert sik.

Renten-older n. Rentenalter

Rentmester m. Schatzmeister, Kassenwart; Amt in der Nachbarschaft. → Rääkenmester

Rentner m. Rentner. Et is nümms so druck as ne Rentner.

Reparatuur f. Reparatur. Froulöö bünt mooie Dinger, wenn de blooß nich so vull Reparatuur an was (von teuren Frisuren, teurer Kleidung der Frauen).

repareern reparieren. He was met de Kaore an't Repareern.

ReppeReepe

reppelnräppeln

reppenreepeln

reppesripps

Rerk, Reerk; Reddik (St, Sü, Rh) m. Gemeiner Knöterich.
Zs.: Voggel-, Waater-

Reseeda f. Reseda (Gartenblume)

reselfeern, resselfeern, sik sich entschließen; sich beeilen bei der Arbeit. Reselfeer di äs 'n bettken! (Beeile dich, arbeite mit Verstand, z.B. zum Lehrjungen).

reselfeert, resselfeert resolut, entschlossen, mutig. → trankiel

reseluut, resoluut, ressoluut energisch, resolut, selbsbewußt, flink, entschlossen. Se was 'n resoluut Froumääsk. Se pock de Kohtitten nett so resoluut an äs den Suppenpott.

resenaobel (St, Sü, Ge) vernünftig, ordentlich. .n resonaobel Deernken

Reserwe f. Reserve. een in Reserwe häbben (z.B. beim Kartenspiel)

Reserwebeld n. Andenken an den Militärdienst

Reserwist m. ausgedienter Soldat. → Uutgedeenten

Reserwistenpiepe f. lange Tabakspfeife (bemalter Porzellankopf mit Stiel aus Horn u. Regimentsabzeichen als Erinnerung an den Militärdienst). → Offizierspiepe

reskant, reskeernriskant, riskeern

resoluutreseluut

resoneern quengeln, nörgeln

Respekt m. Achtung, Respekt

Respektspersoon f. Respektsperson (z.B. Lehrer, Pastor). Den Magister is ne Respektspersoon, daor moss de Kippse vöör afnemmen!

resselfeern, resselfeertreselfeern, reselfeert

ressoluutreseluut

Rest m. (Reste; Restken) Rest.
Zs.: Öwwer-, Wass-

resteern übrig bleiben (bes. beim Bezahlen von Schulden). Daor resteert noch wat.

restoreern, resteweern restaurieren

retereernrütereern

Rette f. (Retten) Riß.
Zs.: Ies-

retuur zurück. He soll män maaken, dat he retuur kümp.trügge

Reweer m. (Reweers) Jackenaufschlag, Revers

Reweer n., Rewier Revier, z.B. Jagdrevier

Rewell n., Rewellje f. Lärm, Alarm. Wat maakt de Blaagen Rewell in de Schoole. Rewellje maaken (blaosen) (wecken, Alarm schlagen, aufscheuchen). → Lawaai, Rebullie

Rewelutsjoon f. Revolution

rewendeern (Vr, St, Hei); refendeern (Ge) genau nachsehen, überprüfen, untersuchen, inspizieren. He wodde van de Kommiesen rewendeert. Unna kümp to't Rewendeern (Durchsuchung der Höfe z.B. auf Schwarzschlachtung hin während der Nazizeit). → Rookfang

Rewolwer, Rewölwer m. (Rewolwers) Revolver

Rewolwerbläddken Boulevardzeitung

Rewwel, Rebbel, Röwwel m. (Rewwels; Rewwelken) Rille, z.B. Wagenspur, längliche Erhöhung mit scharfer od. hoher Kante. den lesten Rewwel (die letzte Reihe Getreide, die noch stehen blieb). ne Rewwel Schnee. ne Rewwel Sand (vom Wagen abgekippter Sandhaufen). → Höwwel, Räddel, Ribbe.
Zs.: Sand-, Schnee-

Rhade. Rao ON Rhade. Räöske Kodden (Ortsneckerei aus Bor, wo man Puggen statt Kodden für "Ferkel" sagt)

Rhede. Ree(de) ON Rhede. Reese Knollen un Bookelse Pannekooke (Ortsneckerei aus Bo). Dat Reese Hündeken häff em ebetten (Er ist angeheitert, Ortsneckerei aus der Umgebung von Rh). → Bocholt

Ribbe f. (Ribben; Ribbeken) 1. Rippe. gesaltene Ribben (Rippen aus der Pökel). Moos met'n Ribbeken un Wotteln met'n Bisseken, dat schmeck good (Rh). Moos met'n Ribbeken, Wost met'n Pinneken (Grünkohl mit Rippchen, Wurst mit einem Glas Schnaps). em in de Ribben stooten (ermuntern, einen Rippenstoß geben). He mott wat in de Ribben häbben (etw. zu essen). He krigg gudd wat achter de Ribben (bekommt gut zu essen). Dat steht in de Ribben (Fettes Essen sättigt). Denne kaas up de Ribben Meddagg lüüden (sehr mager). wat an de Ribben kriegen (verhauen werden). Man kann sik 't Geld doch nich uut de Ribben schnieden.Fell, Ganseschmolt, Speck, uutlehnen, Vaader-unser.
2. Streifen. Se häff Ribben in't Gesicht (Striemen vom Schlaf, → Striepen).
3. rippenartiger Aufwurf, Riegel, Brett, Schwelle. ne Ribbe föör'n Balken (Balken für den Bretterboden). ne Ribbe staon laoten (beim Torfstich: einen Riegel gegen Wassereinbruch stehen lassen, → Rümpel). de Grund an Ribben schmieten (Erde in Reihen aufwerfen beim Urbarmachen von Feuchtland). → Rewwel.
Zs.: kotte, Schaops-

ribbelnriffeln

Ribbenbröcke f. Rippenbruch

Ribbenbutt n. Rippenknochen

Ribbenfell n. Rippenfell

Ribbenflees, -fleesk n. Rippenfleisch

Ribbenknocken m. Rippenknochen

Ribbenkorw m. Brustkorb

Ribbenspeck n. Rippenspeck

Ribbenstoot, -stott m. Rippenstoß. → Schubs

Ribbenstück n. Rippenstück (Teil des Schlachtschweins). → kotte Ribbe

ribben → rippen

Ribberebbken kurzer Reim

richricht

Richel; Richele (Bo) f. (Richels; Richelken) Lattengestell für Zierteller am Rauchfanggesims; Wandgestell zum Aufstellen von Geschirr (Tellern, Schüsseln, Töpfen). → Boosem, Schöttelschapp.
Zs.: Flinten-, Gewehr-, Teller-

Richelken, Riekelken (Vr, St, Ge, Hei, Rh, Bo) Schlüsselblume, Primel. → Schlöttelbloome

Richelkespriemel f. (Bo) Schlüsselblume

richt, rich vom Weg: kurz, direkt. richt gaon (querfeldein gehen). Hier is't vull richter (viel näher, kürzer, ein Richtweg). De richste Wegg is ait de köttste.

Richtboom m. Baum beim Richtfest (an den Dachfirst genagelte Birke). → Mäiboom

Richte f. Richtung; kurzer Weg, Richtweg. Hier geht't in de Richte (Hier führt der abkürzende Weg entlang).
Zs.: An-

Richtemaol n. Festessen beim Richtfest (nach dem Aufrichten der Dachsparren, z.B. für die Nachbarschaft). → Huus-böörn, Pannemaol

richten richten, ausrichten, gerade machen (z.B. Eisen, Wagenachsen). en Huus richten (ein Haus richten, das Hausgerüst u. die Dachsparren errichten). sik richten nao (sich richten nach). Ik kann mi nao uh nich richten, ik mott wat doon (Abschiedsgruß od. scherzh. zu jd., der sich ausruht). → lüüden, Schnieder 1

Richter m. 1. Richter.
2. Amtsinhaber in der Nachbarschaft, Ältester. → Klääger

Richtfest n. Richtfest

richtig richtig, gut, ordentlich. Se häff alls up'n richtigen Plass. Dat häff he richtig (Er hat recht). → Arbäid, Kopp, ticken, Tier

Richtigkäit f. Richtigkeit; Ordnung. Dat häff (krigg) alls siene Richtigkäit.Rechtigkäit

Richtkranz, -kraa(n)s m. Kranz auf dem Dach beim Richtfest

Richtlatte f. Richtlatte, Hilfe beim Verputzen. → Putzleere

Richtkroone f. Richtkranz

Richtwegg m. Richtweg, Abkürzung

Rick n. (Ricken) (St, Sü, Ge, Bor) kleines Bündel Flachs

Ricke f. (Ricken) weibliches Reh

Rickenwaage(n) m. (Vr, St, Rae) Wagen mit waagerechten Seiten

riddern (St, Ge, Bor, Rae, Hei) zittern. riddern un böwwen. → ruddern

Riebe, Riebe-, riebenRiewe, Riewe-, riewen

Ried- auch: Rie-

Riedbahn(e) f. Reitbahn

Riedbux(e) f. Reithose

rieden, rien (ridd; reed, reeden; redden) reiten. De reeden up Küje as up'n Peerd (Jungen ritten auf den Kühen). He ha. ne Buck bi redden (schotten) (einen Fehler, eine Dummheit gemacht). • Well vöör dattig Jaor ridd, mott nao dattig Jaor te Foote gaon.Well jung ridd, mutt old te Foote gaon (Wer in der Jugend ein aufwendiges Leben führt, wird später verarmen). → schlee, Werth, Wessum.
Zs.: wegg-

Rieder m. Reiter

Riedersmann m. Reiter

Riedpeerd n. Reitpferd

Riedpiets(k)e f. Reitpeitsche

Riedsattel m. Reitsattel

Riedschoole f. Reitschule

Riedstall m. Reitstall

Riedstewwel m. Reitstiefel

Riedtüüg n. Hose u. Stiefel als Reitkleidung

Riedwegg m. Reitweg

riegas-anrieges-an

Riege f. (Riegen) 1. Reihe; Ordnung. in Riegen potten (in Reihen pflanzen). in eene Riege stellen. ne Riege schmieten (beim Knickerspiel: eine Reihe werfen). de Riege nao (der Reihe nach). Nu is de Riege an Uh (Jetzt sind Sie dran). Dat was uut de Riege (die Ausnahme). in de Riege maaken (brengen) (in Ordnung bringen, bezahlen; Testament machen). up de Riege kriegen (zustande bekommen, ordnen, gelingen). kott up de Riege (kurz nach einander). Riege up hollen (Ordnung halten). He kann't gudd up de Riege kriegen (kann gut reden). Se häff se wa. alle, owwer nich alle up de Riege (von einer komischen Frau, Wortspiel). De häff sewwen Haore un dattehn Riegen (sieben Haare u. dreizehn Scheitel, spottend von sich lichtendem Haar).
2. von Gelenken, Gliedmaßen: uut de Riege (verrenkt, verstaucht, ausgekugelt, → verspringen). in de Riege setten (einrenken, → terechtesetten). Ik häff mien Liew so recht nich in de Riege (etw. unpäßlich, kränklich). Ik häbb den Buuk in de Riege (bin satt).
3. eine Reihe von, viele. ne ganze Riege van Jaoren.
Zs.: Boom-, Erpel-, Tuffel-

Riegel m. (Riegels) Riegel (z.B. an der Tür, am Schrank). He kamm achter Schlott un Riegel.Gründel

Riegelpaol m. Pfahl eines Bretter- od. Lattenzaunes

riegen 1. einrenken. Butten riegen
2. in der Wendg. sik riegen (in Ordnung kommen; in die Reihe bringen, ordnen, regeln). Et riegt sik alls, Johanna. Et sall sik wall riegen (Es wird wohl in Ordnung kommen). sik riegen an'n Disk (sich nach der Tischordnung setzen, → schicken). Riegt uh, sägg de Buur, daor ha. he män eene Koh in'n Stall.Brood

Riegen-scheeten Knickerspiel (Die Knicker wurden in Reihen gelegt.)

riegenwiese; riehenwiese (St) reihenweise

riegersweggriegeswegg

rieges-an, riegas-an, riegers-an reihenweise, der Reihe nach. Riegas-an, usse Froulöö bünt alle gudd (vom Heiraten: bei der Ältesten anfangen, → Pannekooken).

riegesnao der Reihe nach. De Kohnen mochen doch riegesnao staon up ähren Plass.achterneene

riegesrund der Reihe nach. Et geht riegesrund.

riegeswegg, riegerswegg der Reihe nach

riehenwieseriegenwiese

Riek n. (Rieke) Reich, Herrschaft. Ik häbb 't Riek föör mi alleene (Ich bin allein zu Hause).
Zs.: Hemmel

riekrieke

Rieka PN Henriette. → Henrieka

riekdäönig verschwenderisch

Riekdum, -doom m. Reichtum. Nao grooten Riekdum süht dat hier nich uut (von ärmlichen Verhältnissen). • Waater is 'n kläinen Riekdum un ne groote Verläägenhäid (bei Dürre). • Riekdum kümp van'n Behelp (wenn man sparsam ist). Je grötter den Riekdoom, je grötter dat Unglück.Kaptaol

riek(e) reich. He is so riek, dat he bölkt (sehr reich, → bölkerieke). He häff rieke Bööker (vom Kaufmann, der viele Außenstände hat, → uutstaon). Rieke rääken un arm frääten (nicht im voraus den Verdienst berechnen, keine zu hohen Erwartungen stellen). • Wo kann ik riek wessen, sägg de Buur, ik häbbe noch mähr miene eerste Frou (Ra). • Well met Arbäid rieke wödd, wödd melääwen nich weer arm.Rieke Löö Kinner un kläine Löö Ossens bünt froh groot (Kinder reicher Leute heiraten früh). • Rieke Löö häbbt fette Katten. Rieke Löö kenn ih nao ähren Dood. Wann't de Rieken afkoopen un de Armen afloopen konnen, göng keen Määske dood. Rieke Frou, laot de Küh uut! (So wurde der Gesang des Pirols gedeutet, St). → argern, arm, bekoopen, Bruud, dumm, gewwen, gliek, Grund, Könning, nooit, prozessen, Ringelduuwe, Taske, wiesmaaken.
Zs.: bölke-, öwwer-, schatt-, steen-, stink-

RiekelkenRichelken

rieklik reichlich, im Überfluß, verschwenderisch. De Appel wann. nich mähr so rieklik in't Fröhjaor. De häbbt't rieklik up'n Diss. rieklike Löö (verschwenderische Leute). → Fisk

Rieks (Vr, St, Ge) PN Heinrich. → Hinnerk

Rieksdaaler m. Reichstaler. → Daaler

RiemRiemßel

Riemel m. (Rae, Rh, Bo) Rauhreif. → Rouriepe.
Zs.: Rou-

riemeln (Rae, Rh, Bo) mit Rauhreif bedecken. → riepen 1

riemeln "reimen" → riemen

Riememääker, -maaker m. Versemacher, Dichter

riemen; riemeln (Bo) reimen; Gedichte machen. Schohmääkers Jan kann riemen un dichten, aone 't Gatt van'n Stohl te lichten (Juxvers). sik riemen (sich reimen, zusammenpassen)

Riemßel n., Riem m. (Ot, St, Sü, Ge, We) Reim. Dat häbbt se gudd in'n Riem esatt.

Rien FlußN Rhein. → Badde, Waater

rienrieden

Rienländer, -länner m. 1. vom Rhein stammend.
2. Rheinländer (Tanz)

riep → riepe

Riepe f. Reife

riep(e) reif. Sünt Jans is't Waater riepe (Nach dem 24. Juni ist das Wasser zum Fischen u. Baden geeignet). Den Räägen is noch wa. riepe (Es kann aus jeder Wolke regnen). De Tied is riepe (Es ist soweit). Dat Schweer is riepe (Das Geschwür bricht durch). • Wat 'n eenen riepe is, dat blöit 'n andern (Das Schicksal, das den einen trifft, droht auch dem andern; man soll den Mund nicht so voll nehmen über andere Leute). Riepe Peern flaatst händig kapott (Bo). → blöien.
Zs.: dood-, döör-, froh-, legge-, hoog-, nood-, öwwer-, plück-, schlagg-, trouens-, un-

riepen 1 mit Rauhreif bedecken, leicht frieren (vom Boden). → gieseln.
Zs.: rou-

riepen 2 reif werden, reifen. De Rogge riept (ein best. knackendes Geräusch bei reifem Roggen).
Zs.: nood-

rieplik reiflich, in der Wendg. Dat mo'k mi rieplik öwwerleggen.

Ries m. Reis. Ries met Ssucker un Kaneel (met Pruumen) (Nachspeise z.B. beim Hochzeitsessen). Arftensuppe un dicken Ries (Abendessen am Tag der Kindtaufe, bis ca. 1920).
Zs.: dicken, Melk-

Ries n. Rieser (Ra, Rae, Rh, Bo) (Riese; Rieseken) Gerte, Reisig, einzelner grüner Zweig. Up't leste Foor Rogge kamm 'n Ries up te staon (Erntebrauch). → Quadde, Stoppelhahn.
Zs.: Arften-, Barken-, Bessen-, Braom-, Buusken-, Schaa(n)ßen-, Waater-

Riese m. (Riesen) Riese, riesige Person

Riesekaste f. (Ot, Vr, St, Rae) Gärschrank der Backstube. → riesen 2

rieselnriesen 1

Rieselsand m. feiner Sand (der durch die Hände rinnt). → Mahl-, Wellsand

riesen 1; rieseln (Bor, Bo) nadeln, Nadeln fallen lassen (von Nadelhölzern). → höideln, riesken 2

riesen 2 (riest; rees, reesen; ressen (sth. s)) (Vr, St) aufgehen von Teig, Pfannkuchenteig. → dijen, Riesekaste

riesengroot sehr groß. .n riesengroot Lock. ne riesengrooten Käärl

RieserRies n.

Rieserbessem, -n m. Reisigbesen aus Besenheide od. Birkenreisern, feinerer Besen. Dat Schlachteschwien konn sik achter'n Rieserbessen verstoppen (sehr mageres Schwein, scherzh., → räin, Schüppenstell). → Däälbessem

riesken 1 (Vr, Ge) schnell fahren. met de Fietse riesken.riesten, röisken

riesken 2 gleiten, rieseln. Ik laot den Sand döör de Hande riesken.glieden, höideln, mahlen, riesen 1, röisken, sichten, süüseln.
Zs.: wegg-

Riesmelk f. Milchreis, Milchsuppe mit Reis

Riespapp m. dicker Milchreis als Pudding u. Nachtisch. Van Riespapp dööt mi de Buuk so seer, ik äät melääwen kinn Riespapp mehr. In 'n Hemmel, daor giff 't Riespapp met goldene Lääpels (zu Kindern). → dicken Ries

Ries-suppe f. Reissuppe (z.B. Brühe aus Schweinefleisch mit Reis)

Rieste f. (Riesten) Reihe, best. Maß, Anzahl. ne Rieste Klumpe (zehn Paar Holzschuhe auf dem Stock aufgereiht). → Rijstock. ne Rieste Flass (Flachsdocke, kleines Bündel Flachs für die Tauröste). ne heele Rieste Löö (sehr viele Leute). Daor kwamm ne heele Rieste Vöggel an fleegen.Schwicht

riesten (zu) schnell laufen od. gehen. → riesken 1.
Zs.: wegg-

Riester m. (Riesters; Riesterken) Flicken auf dem Oberleder des Schuhs. Daor sett ik ääben en Riester up.Lappen

Riete f. (Rieten; Rietken) Feldrain, schmaler Grasstreifen am Rand des Ackers. an de Riete Koffie drinken (bei der Feldarbeit). → Aanewende, Hegge, Weggrand.
Zs.: Boom-, Grössrieten.

reeten (St, Sü, Ra) (ritt; reet, reeten; retten) reißen, einreißen. Dat höllt nich lange, dat ritt. Dat rett in't Geld.saor, schöörn.
Zs.: kaputt-, kott-, loss-, wegg-

Rietmaote f. Reißmaß. met de Rietmaote antrecken (mit dem Reißmaß anzeichnen, bei verschiedenen Handwerkern, z.B. Schreiner, Schlosser). → Krassmaote

Rietnaodel, -naole f. Reißnadel (Schreinerwerkzeug)

Riet-uut "Reißaus", in der Wendg. Riet-uut nemmen (weglaufen). He häff Riet-uut nommen. → Haasenpatt, uutrieten

Riewe, Riebe f. (Riewen; Riewken) Reibe. ne Riewe föör Erpel of Wotteln. 'n Riewken föör Muskaatnötten.
Zs.: Erpel-, Tuffel-, Wottel-

riewe verschwenderisch, nicht sparsam, mit vollen Händen ausgebend. He geht de riewe met üm. Se was riewe in't Gelduutgebben. He häff 't nich te riewe (hat Geld nicht zu üppig). • Getällt Geld un geschnedden Brood is riewe (beide geben sich leicht u. schnell aus, Bo, → gau, huushollen). riewe Tieden (Zeiten, in denen es einem gut ging, z.B. vor dem Krieg). → balldiesig, schmetts, schrao, verdoosaam, Wegg, schääpels-, zentnerwiese.

Riewe- auch: Riebe-

RiewekookenRiewepannekooken

riewen, rieben (riewt; reew, reewen; rewwen) reiben. Usse Mooder reew de Erpel föör'n Riewekooken. Jan-Bäärnd, de riewte, un Äölken, dat bock; daor scheet sik usse Janbernd vöör Fröide in'n Rock (Spottvers, gesungen beim Pfannkuchenbacken). He reew em dat under de Nösse (machte ihm Vorhaltungen). → friewen, Gesicht.
Zs.: kaputt-

Riewe(panne)kooke(n) m. Reibekuchen, Kartoffelpfannkuchen. → Erpelpannekooken

Riewer m. bes. dicke Kartoffel, im Ggs. zu → Pötter, Schwieneerpel

Riew-ieser, -n Reibe (für Kartoffeln)

Riewsel n. Geriebenes, Späne

Riewsteen m. Glättstein zum Leinenglätten am Webstuhl

Riffel m. (Riffels) Rille, kleine längliche Erhöhung. In de Lohmölle was ne Trummel met Riffels.Rewwel.
Zs.: Flass-

Riffelmaschienken (Vr, St, Hei, Rae, Rh) Gerät zum Plissieren der Haubenränder.

riffeln, ribbeln Gestricktes auflösen. → uutriffeln.
Zs.: loss-

Rijdraod m. Reihfaden

Rije f. (Rijen) Riegelholz, Querholz; Riegel im Fachwerk (die die einzelnen Gebinde zusammenhalten).
Zs.: Hilden-

rijen reihen; vorläufig nähen

Rijfaa(de)n m. Reihfaden. → Rijdraod

Rijgaorn n. Reihfaden, Reihgarn

Rijgröss, -gräss n. grobes, hartes Gras, Raigras, Wiesenloch

Rijmüür(e) f. Zwischenmauer im Haus, dünne Trennwand (Mauerwand aus ca. 12 cm breiten Ziegelsteinen). → Halwsteens-, Klampsteens-, Steensmüüre

Rijstock m. (Ot, Vr, St, Sü, Bor, Rae) Stock zum Aufreihen der Holzschuhe. → Rieste

Rijwark n. Fachwerk(wand), mit Lehmflechtwerk gefüllt od. mit Ziegeln ausgemauert

Rille f. (Rillen; Rilleken) Rille, Furche; kleiner Graben; Schlitz. Rillen trecken föör Arften (fingerbreite Furchen zum Erbsenlegen). → Relle.
Zs.: Erpel-

rillen Rillen machen; reihenweise säen. Erpel rillen (Kartoffeln häufeln). → drillen

rimperig runzelig, faltig. Wat häff he 'n rimperig Gesichte!foolig, verbruusket

rin "hinein" → harin

Rind n. (Rinder; Rindken) junge Kuh, vom Zeitpunkt, da sie zum ersten Mal tragend wird, bis zum zweiten Kalben. Dat Rind is melk wodden.Kalw, Kalwskoh, Naober, Starke

Rinderpest f. ansteckende Rinderkrankheit

Rindflees, -fleesk n. Rindfleisch. Rindflees met Backpruumen (Teil des Hochzeitsessens). • Sewwen Pund Rindflees giff ne gudde Suppe.Van'n Ossen kann'm nich mähr verlangen as 'n Stück Rindflees.

Rindflees- auch: Rindfleesk-

Rindfleesbröie f. Rindfleischbrühe

Rindfleesnatt n. (Vr, St, Ge, Hei, Bo) Brühe, in der das Rindfleisch gekocht worden ist

Rindflees-suppe f. Rindfleischsuppe. Bääter is bääter, sagg de Frou, daor dee se Melk in de Rindflees-suppe (We).

Rindleer, -läär n. Rindsleder

Rindsfilee n. Rinderfilet

Rindveh n. Rindvieh

Ring m. (Ringe; Ringesken) Ring. an jeeden Finger ne Ring (Zeichen von Reichtum). Se häff all Ringe (Kringe) üm de Häörne (Sie hat schon Ringe um die Hörner; das Alter der Kühe wird nach der Zahl der Ringe um die Hörner bemessen; scherzh. von einer alten, runzeligen Person). Wenn't under'n Ring schwatt wödd, dann häs wat in de Huud (unter dem Fingerring, auch z.B. von der "Regel" der Frau, → püük). → sunndaags
Zs.: Aol(s)-, Aor-, Appel-, Drääge-, Fastel-, Finger-, Gülden-, Hohner-, Hunde-, Jaor-, Kockmaschienen-, Näi(e)-, Pütten-, Schlöttel-, Trou-, Tunnen-, Weck-

Ring-appel m. getrocknete Apfelscheibe für Backobst. → Appelring, Back-, Stück-appel

Ringdöösken Dose zum Ablegen des Ringes

Ringelbloome f. Ringelblume. → Goldbloome

Ringelduuwe, -be f. Ringeltaube. Dat bünt Ringelduuwen, sagg de Buur, daor hadde he teggen ne rieken Käärl ne Prozess wunnen (seltener Glücksfall; Ringeltauben sind selten). Buckwäite is 'n Ringeldüüwken, sägg de Buur, man häff se nich ähr sicher, as wenn'm se in'n Sack häff. → Holtduuwe

Ringelingeling m. (Hei, Rh, Bo) Ringfinger (im Kindervers)

Ringelklaower m. Hornklee. → Röiklaower

Ringelnatter f. Ringelnatter

Ringelpiepe f. große gebogene Tabakspfeife. → Fohrmannspiepe

Ringel-Rangel-Roose Vers zu einem Kreisspiel

Ringelwolte(r) f. Ackerwalze (die die Krume zerkleinert)

ringen 1 1. mit einem Ring versehen (Bullen einen Ring durch die Nase ziehen; Hühner mit einem Ring am Bein versehen, damit sie von denen des Nachbarn zu unterscheiden sind).
2. ringförmig aufstellen, Torfringe bilden. → bülten, tunnen

ringen 2 (ringt; rang, rangen; gerungen) ringen, kämpfen

Ringfinger m. Ringfinger

Ring-jaagen (Wes, Hei) Reifenschlagen. → Band-jaagen, Jaageband

Ring-ommen, -owwen(t) m. Ringofen der Ziegelei. → Steen-ommen

Ringpott m. Sackkessel, Eisentopf, der tiefer in der Feuerung des Kochherdes hängt. → Papp-pott

rings (Ot, Vr, St, Sü, Ge Rae) drehwüchsig (Fehler im Stammholz). → windsk 1

Ringschlöttel m. Ringschlüssel (Werkzeug z.B. zum Öffnen der Mutter am Kutschwagenrad)

Ringschmeerlaager n. Ringschmierlager (Teil der Transmission z.B. in alter Schrotmühle, Kreissäge; eine Art Kugellager: statt Kugeln liegen Ringe im Lager, um das Öl nach oben zu befördern). blanke Olliepöttkes met Ringschmeerlaager

Rinnsel n. (Rinnsels) Gerinnsel. → stölpen 2

rioolen tief umgraben, z.B. Unkraut in die Furche legen; pflügen. → kuhlbouen

Rioolsploog m. (St, Sü, Ge, Bor, Rae) Beetpflug zum tiefen Pflügen vor der Einsaat

rippen, ribben (Vr, St) abmagern

rippesripps

rippig mager. ne rippige Koh

Ripps m. (Rippsken) mageres Vieh, magere Person. ne Ripps van ne Koh. Dat was mon so'n Rippsken (mageres Kind).

ripps, rippes, reppes tot, verloren, unbrauchbar. reppes gaon (sterben, wird hergeleitet von RIP - requiescat in pace). → Ripps

risk (St, Sü, Ge, Rae) aufrecht, selbstbewußt. He geht risk up'n End (gerade, stolz).

riskant, reskant 1. gefährlich. ne reskante Saake.
2. mutig, waghalsig

riskeern, reskeern mutig sein, wagen. He riskeerde Liew un Lääwen.henhollen

Rispe f., Rispel n. (Rispen) (Sü, Bor, Hei, Rh, Bo) Kartoffelschälkorb, flacher ovaler Weidenkorb ohne Bügel (auch für Rüben). → Schällschüüte

Rispelbredd n. Schalbrett (roh am Gatter gesägt)

rispeln aufrauhen

rispen durchhecheln. Flass rispen.döör-rispen

Riss m. (Risse) 1. Zeichen auf Brettern, Bauholz od. Bäumen beim Behauen (schwarzer Strich auf weißem Feld). De Boom is up Riss (gezeichnet).
2. Riß. De Planken häbbt Risse nao't Saagen. Risse un Löcker in'n Disk. → Boste, Ritz.
Zs.: Haar-

Rissel n. (Rissels; Risselken) (Rh, Bo) abgetrennter Streifen, schmaler Stoffrest (z.B. beim Zuschneiden abfallender Rest, wurde als Strumpfband verwendet); Randstück beim Backen von → Beschüüte auf dem Backblech

rissenritzen

Ritt 1 n. (Ritte) Einfahrt zu einem Grundstück (am Hof, an einer Acker- od. Weideeinfriedung); Durchfahrt durch eine Wallhecke. Maak't Ritt äs loss!Fohrlock, Hecke.
Zs.: Af-, Fohr-, Göör(en)-, Schleeter-, Wäide-

Ritt 2 n., 1. Wegstrecke. He häff 'n ganz Ritt afsehn (ein ansehnliches Stück zurückgelegt). → Ruck.
2. in der Wendg. He is immer up Ritt (immer unterwegs). → Patt, Walz

Ritt(e)paol m. Eckpfahl an einem Tor od. an einer Weideeinfriedung

Ritz m. (Ritzen) 1. Ritz.
2. Zeichen auf Bäumen in der Forstwirtschaft. → Riss

Ritze f. (Ritzen) Ritze. De Wind jägg döör alle Ritzen.

ritzen, rissen anzeichnen (z.B. Bäume, Bretter); einteilen, vorstechen beim Torfstich. → afklämmen, anteeknen, uutschriewen

Ritzhaaken, -haok(en) m. U-förmiges Messer zum Anzeichnen der Bäume (zum Einritzen der Rinde). → Blässhaaken

ritzig 1 (Ot, Vr, Sü, Bor, Hei, Rae) mager, von leichtem Körperbau. De Peerde wann. ritzig (fienbüttig, rassig) (von Reitpferden). → ratzig

ritzig 2 (Ge) aufsässig. → upstrinäötsk

Ritzmess, -er n. 1. Haumesser zum Anzeichnen der Bäume (zum Einritzen der Rinde). → Blässmess.
2. Schnitzmesser (z.B. zum Schnitzen von Verzierungen an Truhen, Giebeln)

RobbeRowwe

robust grob, rauh, robust

Röchel, Röckel n. (Vr, St, Sü, Ge, Bor, Hei, Rae) Rochett, halblanges Priestergewand (bei der Beichte), Talar. → Albe, Talaar

röcheln röcheln. → qualstern

Röchte f. in der Wendg. in de Röchte (nach oben, empor). He kick in de Röchte.Ende, Höchte

Rochus m. Ärger, Wut, Haß. He krigg ne Rochus drup.

Rock m. (Röcke; Röcksken) 1. Rock, Jakett, Sonntagsrock. Up'n schwatten Rock süht'm alls up (von Fehltritten der schwarz gekleideten Priester). De ha. ne gröönen Rock an (Forstwärter). ne alldaggsen Rock (Werktagsrock). Ne ümgewennten Rock is selääwen kinne nijen (Aus einem gewendeten Rock wird kein neuer, wer seine Meinung gänzlich ändert, z.B. Konvertit). Hier verschliet't se mähr Röcke as Kiels (Faule Gesellen in einer Werkstatt verschleißen mehr Sonntagsröcke als Arbeitskittel). Man versöch, sienen Rock (sien Jass) an't beste Hecke up te hangen (vom Einheiraten). → Ammeloe, Kiel 1, näöger, schwatt.
2. Frauenrock. Rock un Schooßtallje (zweiteiliges Kleid, → Mix). Se nammen den Rock van't Kleed up'n Arm, dat he nich schmeerig wodd. Dat is alleen wat föör Röcke (Weibersache). → Buxe, Gericht 1, Noppe, riewen.
Zs.: Aapen-, Anstands-, Binde-, Bost-, Foolen-, Froulöö-, Gries-, Hemd-, Hubbel-, Kleeder-, Kommiss-, Kommßeer-, Nück-, Öwwer-, Pij- , Plissee-, Reepen-, Schlipp-, Soldaoten-, Stepp-, Under-, Vöör-, Watte-, Wull-

rock (Vr) lose, undicht, brüchig. Dat Fatt is rock (Die Bänder u. Dauben sind lose, das Faß ist undicht). → frack, rapp 1

RockeRocken

Röcke m'f. Geruch. An dat Flees is all Röcke an (verdorben). Se mossen alle eenen drinken, dat se eenen Röcke kreegen (damit sie denselben Geruch bekamen). • Se häbbt eenen Röcke (Sie sind miteinander vertraut). Daor is Röck an (Das ist anrüchig). → Driete.
Zs.: Aos-, Brand-, Fiske-, Ssiepel-

RöckelRöchel

rockelnruckeln

Rocken, Rocke m. (Rockens) Spinnrocken, gedrechselter Stock am Flachsspinnrad. → Dießen, Wocke.
Zs.: Spinn-

Rockenstock m. Stock, auf den die Flachspuppe gewickelt wurde

Rockflippse f. (St, Sü, Ge, We, Bor, Hei, Rae) Rockzipfel. met fleegende Rockflippsen (mit Schwung, in Eile)

Rockfoole f. Rockfalte

Rockfooringe f. Rockfutter

Rock-ies n. (Vr, St, Bo) Windeis, dünne, brüchige Eisschicht, die nicht trägt, bes. in der Wendg. • Pass up, dat nich up't Rock-ies terechtekümms (daß du nicht auf die schiefe Bahn kommst). → Holl-, Wind-ies, Biesterbahne

Rockschlippe f. Rockzipfel, Rockschoß

Rockschotte, -schötte f. Schürze ohne Oberteil

Rocksoom m. Rocksaum

Rocktaske, -tasse f. Rocktasche

Rocktimp(en) m. Rockzipfel. He häng Mooder an'n Rocktimpen (Er ist anhänglich).

Roddehacke f. Rodehacke, Spitzaxt

rodden, rotten 1. roden (z.B. Baumstümpfe, Sträucher, Wallhecken). Büske rodden (Wälder roden).
2. Kartoffeln ernten

Rodder, Rödder m. (Kartoffel-)Roder, Maschine zum Ernten von Kartoffeln (od. auch Steckrüben).
Zs.: Erpel-, Stell-

rodderigrudderig; radderig

Roddorrie! o Gott! (Ausruf des Erstaunens, Fluch). → Goddorrie

Rodonkooke(n), -kook m. runder, in einer flachen Springform gebackener Kuchen, Rodonkuchen. → Napp-, Pott-, Raddkooken

Rodonkookenform f. Kuchenform. → Nappkooken

Roggen m., Rogge f. (Röggsken) Roggen. Et wodde Tied van Rogge säien (bis zum 10. Oktober). frohe un laate Rogge (früher u. später Roggen). Van'n Roggen säggt se wall: Veertien Daage blöien, veertien Daage gröien, veertien Daage striepen, veertien Daage riepen (vom Blühen, Wachsen u. Reifen des Roggens von Ende Mai bis zur Ernte). Roggen sai wi nich vull; ne diättig Muorgen, de mai wi auk alle met'n Siech! (Spottvers aus Vr auf die Angebereien des "Kleigebietes" in Kernmünsterländer Mundart). → Haawer, laate, Mäi, pöllen, quäddelig, schüppen 1, schwaien.
Zs.: Back-, Erpel-, Feld-, Foor-, Karken-, Mieten-, Runkel-, Säi-, Saod-, Schnie-, Sommer-, Winter-

Roggen-aore f., -aor n. Roggenähre

Roggenbloome f. Kornblume (alt). → Kaornbloome. De Roggenbloomen mött't in de Bookwäitenfoore stuuwen (Bauerregel: Buchweizen erst säen, wenn die Kornblumen stäuben, um den 25. Mai). → Tremse 1

Roggenbou m. Roggenernte

Roggenbrood n. Roggenbrot (mod.). → Brood

Roggendeeg m. Roggenteig, Schwarzbrotteig

Roggengarwe f. Roggengarbe

Roggengaste f., -gast m. zum Trocknen aufgestellte Roggengarben

Roggenjaor n. Jahr, in dem der Roggen gut gedeiht

Roggenkaff n. Roggenspreu

Roggenkaorn, -kurn n. Roggenkorn

Roggenkien m. Roggenkeim

Roggenklampe(n), -klamp m. Roggenstapel (auf dem Dachboden)

Roggenland n. Roggenacker

Roggenmähl n. Roggenmehl. gebüült Roggenmähl met Alaun to't Tappßeern. → schrotten

Roggenmäier m. (Vr, St, Sü, Ge, We, Hei, Bo) Arbeiter mit Kniesense im Ernteeinsatz (Früher kamen Kolonnen von Arbeitern zur Ernte, bes. aus Holland.)

Roggenmiete f. freistehender, gepackter Haufen von Roggengarben (stand in Hofnähe, bis zum Dreschen)

Roggenpapp m. mit Roggenmehl angedickte Milchsuppe (wurde in Suppennäpfen aufgetischt)

Roggenpeer(e) f. frühe Birnensorte (klein, rund, grau-grün)

Roggenpries m. Preis des Roggens

Roggenpüppken (St, Ge, We, Bo) Roggengarbe (wurde bei kleineren Höfen zum besseren Trocknen einzeln aufgestellt). dat leste Roggenpüppken (Erntebrauch: Die letzte Garbe wurde anders gebunden als die übrigen; ein strammes Seil in der Mitte gab ihr eine schöne Form). → Gaste 1, Puppe

Roggensack m. Sack mit Roggen

Roggenschnaore f. Roggenähre

Roggenschrott m. Roggenschrot

Roggensemmel m. Roggenkleie

Roggenspier m. Roggenhalm

Roggenstoppel (Pl.) Stoppeln des Roggenfeldes

Roggenstroh n. Roggenstroh. → Beddestroh

Roggenstück n. Stück Land mit Roggen

Roggenstuute(n) m. Mischbrot (halb Weizen-, halb Roggenmehl)

Roggen-upschlagg m. wildes Ausschlagen von Roggen (Bei überreifen Ähren fallen die Körner beim Ernten auf den Acker u. schlagen wieder aus, auch bei liegengebliebenem Korn.)

Roggenverbou m. Roggenanbau

Roggenwaater n. Schnaps aus Korn

roh roh. Maikes, ih möggt ook leewer rohen halwen Kopp as gekockten (lieber einen Kuß, Wortspiel).

rohgaar (Vr, St, Sü) nicht gar

Rohm, Rohm-Raom, Raom-

Rohr, Röhr. Rühr (Rh, Bo). n. (Röhrs; Röhrken) 1. Rohr. An't Ritt was 'n Rohr kaputt (ein Durchlaßrohr an der Einfahrt zum Acker). Röhrs leggen un Grääwens schmieten (z.B. beim Straßenbau, drainieren).
2. Halm, z.B. Binsenrohr. → Reed.
Zs.: Af-fall-, Damp-, Dräng(e)-, Fall-, Melk-, Pütten-, Toon-, Waater-

Röhr- auch: Rühr-

Röhr-äi n. (Hei) Rührei. → Äierbotter

Röhrbund m. (Bo) verfeinerte Art des Rodonkuchens (aus Butter, Eiern, Zucker u. Gewürzen, feinem Mehl, Hefe, Rosinen u. Mandeln). → Raddkooken

Röhre f. (Röhren; Röhrken) 1. Röhre, Rohr.
2. Hohleisen, Werkzeug z.B. des Drechslers (Bo). in (döör) de Röhre kieken (nichts mitbekommen)

rohren Rohre verlegen

Rohrhaaken, -haok(en) m. Gerät, mit dem Gräben gezogen u. Drainrohre gelegt werden

röhrig. rührig (Rh, Bo). 1. rührig, tätig, fleißig, rege. Wat bünt se röhrig (betriebsam).
2. unruhig. So röhrig was dat, se wodd de wacker van.weerig

röhrn. rührn (Rh, Bo). rüörn (St, Sü) rühren, bewegen. den Koffie röhrn (umrühren). de Aske röhrn (stochern). De konn de Muule röhrn (geradenwegs die Meinung sagen). sik röhrn (sich rühren, bewegen, regen). Röhr di! (Beweg dich mal). He röhrn sik noch 'n bettken (bewegte sich noch schwach). Dann was de Köcken so vull, kaos di nich röhrn. Kaas di nich röhrn of weggen. Se konnen sik gudd röhrn (lebten in guten Verhältnissen). He mutt 't Geld röhrn (hat zuviel Geld). → Aobend, Driete, Finger, Hundeschott, Hundestatt, Papp, prööwen, Schüppe.
Zs.: dood-

Röhrpott m. Topf zum Anrühren von Mehlspeisen

Röhrschleet n. Stange zum Rühren der Jauche vor dem Herauspumpen (Fichtenstange mit Brett daran). → vöörkopps

Röhrstange f. (Ot, St, Ge) Schürhaken für die Glut im Backofen

Rohrstock m. Rohrstock. → Klopp-pietske, Reedstock

Rohrstohl m. Rohrstuhl (im Ggs. zu → Beesenstohl)

Röhrwark, -werk n. Rührwerk (z.B. Teil der Jauchepumpe, machte den Bodensatz flüssig, damit die Pumpe nicht verstopfte)

Röiber-un-Schandiet (Schandarm) m. Kinderspiel. → Kommiesen-jaagen

Röide, Röie (Vr, St); Rüüde f. Räude, Ausschlag.
Zs.: Näägel-, Sommer-

Röidel f. (Röidels; Röidelken) 1. (Kinder-) Schaukel. → Bummel 1, Büngel 1, Roile.
2. Tauschhandel

röideln 1. schaukeln. → bummeln, röilen.
2. tauschen, Gegenstände vertauschen, 'kungeln. (bes. von Kindern). → kungeln

röidenröien

Röidenmilbe f. (Ot, Vr, St, Hei, Rae) Rinderkrankheit, Ausschlag beim Vieh

Röie, Rüie f. Reue

Röie "Räude" → Röide

röien 1 (Vr, St, Ge); röiden (Rae) 1. entlang kriechen, den Boden bedecken, wuchern (von Pflanzen). Den Röiklaower röit so (Der Hornklee nimmt schnell eine große Oberfläche an). → gröien.
2. rieseln. Dat röit em öwwer de ganze Huud, ("läuft ihm den Rücken hinunter"). → Röierij

röien 2, rüien (be)reuen. Dat röit mi.

Röierij f. Jucken; leichter Ausschlag mit Schuppenbildung an den Beinen der Pferde, unsaubere Haut (meist bei Kindern). ne Röierij up de Huud (Gänsehaut, es rieselt kalt den Rücken hinunter). → Hundekring, Mouke, Röide, Rouerij, Schöikerij

Röiklaower m. Gemeiner Hornklee, Sumpfschotenklee (Kleesorte, die sich schnell ausbreitet u. den Boden bedeckt). → Hahnen-, Ringelklaower, röien 1

Röile f. (Röilen) (Bo) (Kinder-)Schaukel. → Röidel

röilen (Bo) schaukeln. → röideln

Röiske f. (Röisken) wildes, unruhiges, ausgelassenes Mädchen. → Röiskert

röisken, röiskern 1. laut sein, lärmen (z.B. mit Gefäßen).
2. schnell herumrennen, laufen, fahren. hen un weer röisken (einmal hierhin, einmal dahin). → riesken.
3. wild, ausgelassen toben od. spielen, nervös sein; hart arbeiten. He röisket sik alls van de Huud (Er rackert sich ab). → böönern.
4. zittern (Bo). → röistern

Röisker(t) m'f. wilde, laute Person, die immer unterwegs ist, nicht still sitzen kann (Junge od. Mädchen)

röisterig (Ra) naßkalt, trübe, windig. → rüüsterig

röistern 1. zittern, unruhig bewegen (bes. von Blättern). De Blaa van de Pöppeln bünt an't Röistern.böwwen.
2. übermütig spielen (von Kindern). → röisken

Röiter m. (Röiters) Holzgestell, Trockengestell für Heu, Klee (kam erst 1945 auf).
Zs.: Draod-, Höi-, Klaower-

RölleRelle

Rollööken (St) die erste Flamme am vorderen Salzloch im Töpferofen beim Beginn des vollen Brandes (Zuvor wird zwei Tage lang allmählich aufgeheizt.)

romsrums

Rondeelken rundes Blumenbeet, Rondell

ronneken, rönneken wiehern; schallend lachen. → frensken, gäiern, göllen, hüülen

Ronnekerij f. Balgerei, Lärm

Rönninge f. Entzündung, bes. Nagelbettentzündung. → Fingerworm, Röide.
Zs.: Näägel-

RooRoode

Rööbe, Rööben-Rööwe, Rööwen-

rood rot. ne Bolten in't Föör rood maaken (zum Glühen bringen). Se wann. alle lück an de roode Kante (fuchsige Haare, → fössig). Roodken schlöög Schwattken vöör't Gatt, daor föng Wittken an te pruußen (Rätsel: Die Flamme schlug an den Topf u. die Milch fing an zu 'niesen.). → Krewsk, Schlips, schwatt, Wostebrood, Zent.
Zs.: blood-, dunkel-, düüster-, föör-, foss-, glöi-, glöönig-, hell-, in-

roode Äierpruume f. Mirabellensorte. → gääle Äierpruume

roode Beete f. rote Beete

roode Büülwost(e) f. Mehlwurst aus Roggenschrot, Schweineblut u. Speckwürfeln (gekocht, früher ohne Darm, zu Kugeln geformt). → Bloodbrood, -kooken, griese Büülwoste

rooden Buuskohl m. (Vr, St, Sü, Ge, We) Rotkohl. → blauen, witten Buuskohl, rooden Kabbes

roode Dounettel f. violette Taubnessel. → witte Dounettel

roode Drüüwkesbääse f. (Vr, St, Sü, Ge, Bo) rote Johannisbeere. → schwatte Drüüwkesbääse, Sünt-Jansbääse

roode Grütze f. gelierter Wasserpudding, Wackelpudding

rooden Kabbes, Kapps m. Rotkohl. → blauen, rooden Buuskohl

rooden Klaower m. roter Klee (gröbere Kleesorte, die geheut wurde, im Ggs. zu → witten Klaower). → tammen Klaower

roode Klawiene f. Apfelsorte (rot). → rooden Tooms-appel

roode Kockwottel f. Möhre, Karotte (als Gemüse). → gääle, witte Kockwottel

roode Kuckucksbloome f. Rote Nachtnelke. → witte Kuckucksbloome

roode Miere f. Ackergauchheil (Primelart)

roode Mirabelle f. Pflaumensorte

roode Panne f. best. rote Dachziegelsorte

rooden Paradies-appel m. Apfelsorte

rooden Steen m. roter Ziegelstein (älter als → witten Steen)

rooden Stern m. rote Sternreinette (Apfelsorte)

roode Sünt-Jansbääse, -beer(e) f. rote Johannisbeere. → blanke, schwatte Sünt-Jansbääse

rooden Tooms-appel m. Apfelsorte (wohl identisch mit → roode Klawiene). → hellen Tooms-appel

roodbackig rotbackig

Roodbaord, -burd m. Rotbärtiger

Roodblick, -bleck n. 1. braunes Eisenwasser (in Gräben bei eisenhaltigem Boden).
2. Kupfer

Roodblickwaater n. Eisenwasser

roodblond rotblond, fuchsig (Haarfarbe)

roodblund rotblau (z.B. Bluterguß). → blund

Roodbööke f. Rotbuche. → Bloodbööke

Roodbost(e) f., -böst(e)ken 1. Rotkehlchen.
2. Männchen des Stichlings. → Gäälboste

roodbruun rotbraun. Den Gewwel wodde roodbruun anestrecken.Ossenblood

roodbunt rotbunt; rot u. weiß gefleckt (von Rindern). → bunt

Roodbuntveh n. Rotbuntvieh

Rood-daorn, -durn m. Rotdorn. → Wittdaorn

Rood-daornhegge f. Rotdornhecke

Roode 1 f., Rooe (Rooden) Rute (alt). → Garre, Ruute 2, Wedde.
Zs.: Barg-, Brand-, Föör-, Wicke-

Roode 2 f., Rooe (Ge, Hei, Rh) Rute (altes Flächenmaß, 1000 Quadratmeter). → Ruute 3, Schääpelsäi

Roode n., Rooe (Ge, Hei, Rh) "das Rote", Scheidenvorfall od. Senkung bei Kühen, Frauen. dat Rooe sehn laoten.

Roodeländer, -länner m. Rhodeländer (Hühnerrasse von Rhode Island stammend)

Röödeldraod m. dünner geglühter Draht (zum Verbinden z.B. von Baustahl)

röödeln eine Kante (z.B. von Blecheimern) umbiegen; mit Bindedraht zusammenbinden. → bäördeln

Rooden m. 1. Kartoffelsorte. → Borken.
2. roter Likör. → Sööten

Roodfoss m. Rotfuchs (Pferderasse); rothaarige Person

roodglöönig rotglühend

roodhäörig, -haorig rothaarig. → fössig

röödig (Ge, We, Ra, Bor, Rh, Bo) sparsam (im Verbrauch). • Old Brood un dröög Holt bünt röödig. → riewe

Roodkehlken, -kählken Rotkehlchen (mod.). → Roodboste

Roodkopper m. Kupfer. → Gäälkopper

röödlik, roodlik rot, rötlich; gerötet, rostig

Roodloop m. Rotlauf (bei Schweinen). → Föör

Rood-ooge n. Rotauge (kleine Karpfenart). → Bläier

Roodschimmel m. weiß-braun gefleckter Schimmel. → Fleegen-, Stääkschimmel

roodsieden aus roter Seide. .n roodsieden Ümschlaggdook (dreieckiges Schultertuch für den Sommer). → schwattsieden

Roodstättken Hausrotschwanz.
Zs.: Huus-

Roodstraoler m. Infrarotlampe, Rotlichtlampe. Vandaage häbbt se de Roodstraoler bi de Kodden.

Roodtücker(t) m. (Ge) Bluthänfling. → Flassfink

roodwarm rotglühend (von Eisen). → underbraanen, wittwarm

Roodwien m. Rotwein

roodwitt rotbunt (Rinder). dat roodwitte Veh.bunt, roodbunt

Roodwost(e) f. Blutwurst. → Bloodwoste

RooeRoode

Roof n. (Roofen) (Vr, Ge, Rae) Strohkorb, Saatgutbehälter aus Stroh geflochten (alt). → Korw, Mände.
Zs.: Kaorn-, Saod-

rooien 1 (etw.) erreichen, schaffen. Dat häbb wi noch mooie rooit (noch gerade geschafft). → backeläien, ruffken

rooien 2 (Vr, St, Sü, Ge) hereinschwärmen (von Rindvieh, wenn es nicht weiden will od. ausbricht)

Rook m. Rauch. Kien Rook sonder Föör ("Der Schein trügt nicht"). Et giff in alle Köcken Rook (Damp).Damp, gääl, Schinken.
Zs.: Hee(d)-, Moor-, Ssigaretten-, Ssigarren-, Tabaks-, Vääne-, Wij-

rooken 1. rauchen, dampfen. Den Ommen is an't Rooken.schmöllen.
2. (Tabak) rauchen (mod.). → schmööken. He rookt de Piepe. Met Löö, well nich rookt, kaas nich met arbäiden (sagen faule Arbeiter: Nichtraucher machen zu selten Pause). Rookt, dat't uh dampt uut'n Kopp, owwer fangt't Suupen nich an (elterlicher Rat). Wat, du rooks nich? Dann büs jao noch schlechter as ne Gaanseköttel, de rookt ja noch (Spiel mit den beiden Bedeutungen). → puupen

Rooker m. Raucher.
Zs.: Gesundhäids-, Kold-

röökerig räucherig

RöökerkaamerRook-kaamer

Röökerkaste f. Schrank zum Räuchern von Wurst, Speck usw.

röökern 1. räuchern. Den Schinken kwamm in'n Boosen to't Röökern.
2. qualmen.
3. heizen, aufheizen (z.B. beim Töpferofen: Beginn des Brennens, wobei 12 Stunden in den Aschenlöchern u. 48 Stunden auf der Feuerung gebrannt wird). → Pötter

Rookfang m. (Ot, Vr) Rauchfang. den Rookfang rewendeern un Wöste uphaalen (Fastnachtsbrauch: nach Würsten im Kamin Ausschau halten). → Boosem, Schosteen, Wost-uphaalen

Rookfilter m. Filterpapier für die Pfeife

Rookflees, -fleesk n. getrocknetes Rindfleisch. → Näägelflees

Rook-kaamer, Röökerkaamer f. Räucherkammer

röökloss (Vr, St, Sü, Ge, We, Rae) 1. rücksichtslos, unachtsam, wenig sorgsam. De Löö gaot manks röökloss met de Kinner üm. He gong röökloss vöörbi (ohne Gruß, achtungslos).
2. hinterrücks.
3. unversehens, plötzlich. He kümp röökloss uut de Tied (stirbt plötzlich).

Rook-ommen, -owwen(t) m. Räucherofen. → Röökerkaste

Rookpiepe f. (St) Rauchabzug des Herdfeuers auf dem Dachboden (aus Lehmwand). → Ommenpiepe

Rookspeck m. Räucherspeck

Rooktabak, -tebak m. Tabak (im Ggs. zu Kautabak, → Prüümtabak)

Rookwost(e) f. geräucherte Wurst

Room die Stadt Rom. • Room is nich in eenen Dagg bout.Van jeeden Buurnhoff geht ne Wegg nao Room (bei falsch angegebenen Wegen, iron.). Den Haawer geht nao Room (gedeiht nicht). • Je kötter bi Room, desto schlechter de Kristen (Je näher jd. an der Kirche wohnt, desto weniger fromm ist er). → Paopst

rooms(k) (römisch-)katholisch, kirchlich, fromm. Dat wann. ganz fiene roomske Löö (gläubige, fromme Leute). De is nich so rooms.karks, kattolsk

Roop m. Ruf. He ha'n gudden Roop (einen guten Namen). → Röppe.
Zs.: An-, Kuckucks-, Ver-

Rööpe 1; Roope (Bor) f. (Rööpen) Heuraufe für Pferde od. Schafe, Futterkrippe mit Gitterstäben. • Den Essel, de an de Rööpe steht, sall man de Muule nich tobinden.
Zs.: Foor-, Höi-, Peerde-, Schaops-,

Rööpe 2 f. (Rööpen) Niednagel, Abspliß von Haut seitlich am Finger (der schmerzhaft u. hinderlich sein kann), lose Teile der Nagelhaut. de Rööpen afschnien. He häff Rööpen an de Finger.Strööpe 1.
Zs.: Näägel-

roopen (röpp; reep, reepen; roopen) rufen. de Blaagen roopen (herbeirufen). Wenn usse Häärgott röpp, dann muss de wenn. (vom Sterben). De Könnigin röpp (Die Bienenkönigin ruft vor dem Schwärmen der Bienen, → tüüten). → Kiewitt, Kuckuck, küüs-küüs

Rööpnäägel, -naagel m. (Vr, St, Sü, Ge, Bo) Fingernagel mit abgesplissener Haut. → Rööpe 2, Spleet-, Strööpnäägel

rööpsen (Vr, St) aufstoßen → bölken

röörnrürsken

Roose f. (Roosen; Röösken) 1. Rose. Rööskes maaken (Papierrosen machen, z.B. zur Hochzeit).
2. rosenartiges Muster, z.B. Henkelansatz am Bügelkorb (rautenförmiger Schmuck am Ansatz des Bügels). → Aor 1, Ooge, Schild.
3. Entzündung. He häff de Roose in't Gäögel (Entzündung am Zahnfleisch). Höisaod nimp de Roose wegg (Heilmittel gegen Entzündung). → Wörmte, Wundroose.
Zs.: Alpen-, Busswind-, Dülmener, Heede-, Heggen-, Jooseefs-, Monnats-, Papier-, Pingster-, Stink-, Stock-, wilde, Wund-

roosen zu Entzündung führen, sich entzünden (nach Verletzung). Döör de Stoppeln loopen, dat roost (barfuß durchs Stoppelfeld laufen, war früher Mutprobe)

Roosenbedde n. Rosenbeet

Roosenbladd n. Rosenblatt

Roosenbuss, -busk m. Rosenstrauch; Kletterrosen am Haus

Roosendraod m. dünner Bindedraht (für Papierrosen, Tannengrün od. Kränze aus Tannengrün für Hochzeiten u'a. Feste). → Karrekassdraod, kränzen

Roosen-ente f. Pfropfenreis beim Veredeln von Rosen

Roosenfarwe f. Rosenfarbe

Roosenhegge f. Hecke aus wilden Rosen

Roosenholt n. Rosenholz (Material des Schreiners als Furnier für edle Möbel)

Roosenklocke f. Schwarzwälder Uhr. → Appelklocke, Quattelschlagg

Roosenknoppe f. Rosenknospe

Roosenkranz, -kraa(n)s m. Rosenkranz. Roosenkranz bääden. Se häbbt em ne Roosenkranz üm de Hande leggt (dem Toten um die Hände gelegt). •• Ih könnt bääter sien Roosenkraas wenn. as sien Peerd (wer bei der Arbeit angetrieben wird). •• Man kann leewer (bääter) sien Gebäädebook as sien Roosenkraas wenn. (Gebetbuch wird selten benutzt). •• Ik was leewer sien Roosenkraas as siene Frou (Er schont seine Frau nicht so wie seinen Rosenkranz, ist nicht fromm). af un to ne Roosenkraas dran waogen (etw. riskieren, iron.). → Kralle 2, Littenij

Roosenkranz- auch: Roosenkraa(n)s-

Roosenkranzkralle f. Perle vom Rosenkranz. Wi häbbt doch van't Jaor so ne schlechten Erappel, nich dicker äs Roosenkranzkrallen.

Roosenkranzmaond m. Rosenkranzmonat, Oktober. → Allerhilligenmaond

Roosenmaondagg m. Rosenmontag (mod.). → Faschlaowend

Roosenpiepe f. Pfeife mit Rohr aus Rosenholz

Roosenstengel m. Stengel der Rose

Roosenstock m. Rosenstock

Roosenstruuk m. Rosenstrauch

Roosentied f. Zeit, zu der die Rosen blühen

roosig rosig, günstig. Dat wann. kinne roosigen Tieden.

Rööster m'n. (Röösters) Rost, Gitter aus Eisen (Rost z.B. vor der Haustür zum Füßeabtreten od. auf dem Kellerschacht; Bratrost, Rost im Herd, Ofen). Den Rööster satt sik dichte (Asche u. Verbranntes verstopfen den Rost im Herd). öwwer'n Rööster trecken (maßregeln, zurechtweisen). → Peckelheering, Rost.
Zs.: Dräi-, Koffie-, Woste-

Röösterstange f. Eisenstange als Teil des Feuerrostes in der Feuerung des Brennofens. → Helle

Root n. (Wes, Ot, Vr, We, Bor, Rae) Ruß. Dat Root treckt nao buuten. Daor sitt ne halwen Finger dick Root up. Wann 't Root blöit in'n Schosteen (As 't Root löpp under de Panne), dann giff't Räägen (Rußniederschlag ist ein Anzeichen für Regen). → Pottschmittsel.
Zs.: Ommen-

Rööte 1. Rüüte (Ot, Sü, Ge, Rae, Bo) f. (Rööten) Bienenwabe mit Honig (wurde z.B. zur Behandlung entzündeter Euter od. beim Pfropfen benutzt). → Wass.
Zs.: Bijen-, Honning-

Rööte 2 f. Flachsröste.
Zs.: Flass-

Rööte- "Wabe" auch: Rüüte-

Röötekaste(n) m. Wabenkasten

Röötekuhle f. Teich, in dem Flachsstengel eingeweicht wurden. → Flasskuhle, rööten, Schewwe

Röötemess, -er n. Messer zum Ausschneiden der Waben aus dem Bienenstock

rööten (Vr, Ge, We) Flachs rösten (Flachsstengel einweichen, damit sich die Bastfasern lösen). Bi't Rööten wodde den Flass ümdräit met ne Raabgaffel.

rööterig rußig

Rööwe, Rööbe f. (Rööwen; Rööwken) Rübe, Futterrübe, Stoppelrübe (Zwischenfrucht nach Roggen). Maak dat nich up de Rööwen! (Verklüngel das nicht). He häff't up de Rööwen bracht (verloren, verjubelt, → Rabatte). He is in de Rööben (ganz durcheinander). → Bisse 2, Knolle, Kristkind, Laurenzius, löi.
Zs.: Foor-, Harwst-, Runkel-, Saod-, Ssucker-, Stääk-, Stoppel-

roowen rauben, räubern

rööwen Rüben ziehen

Rööwe(n)- auch: Rööbe(n)-

Rööwen-appel m. Dauerapfel, der in der Wintereinlagerung der Rüben aufbewahrt wurde

Rööwenbisse f. (Vr) Rübenwurzel

Rööwenblaa(de) (Pl.) Blätter, Krautbüschel der Rübe

Rööwenbotter f. Butter aus Milch von Kühen, die Rüben gefressen haben (hat bitteren Beigeschmack). → Spörriebotter

Rööwengreepe f. Rübengabel

Rööwenkamp m. Rübenacker

Rööwenkruud n. Sirup (alt). → Sierup, Stroop

Rööwenkuhle f. Kuhle zur Wintereinlagerung der Rüben. → Runkelkuhle

Rööwenland n. Rübenacker

Rööwenloof n. Blätter der Rübe. → Rööwenblaade

Rööwenmiete f. Wintereinlagerung der Rüben. → Runkelmiete

Rööwenplante f. Rübenpflanze

Rööwenplücker m. 1. Rübenziehmaschine.
2. wer Rüben zieht, erntet

Rööw(en)ruut n. (Vr, St, Sü, Ge) Stoppelrüben insgesamt (Knollen u. Blätter). Haal äs ääwen 'n Korw vull Rööwenruut!

Rööw(en)saod n. Stoppelrübensamen. → Knollsaod

Rööwenschnieder m. Gerät zum Zerkleinern von Futterrüben

Rööwenstück n. Stück Acker mit Rüben

Rööwentied f. Zeit der Rübenernte

Roowgood n. Raubgut. → Arwgood

Rööw-ollie m. (Rh, Bo) Öl aus Rübensamen, Rüböl. → Raab-ollie

Rööw-olliefläske, -flässe f. (Rh, Bo) Rübölflasche

RööwsaodRööwensaod

ropprapp 1

Röppe m. (Ge, Rh, Bo) Ruf. → Roop

Rosiene f. (Rosienen) Rosine

Rosienenbrood n. Rosinenbrot

Rosienenstuute(n) m. Rosinenweißbrot

Rosienenkette, -kedde f. Kette aus Rosinen (hängt am Palmstock)

Rösken, Röske, Rüske f. (Rösken) Binse, Schilf. He böwwede as ne Rüske (zitterte).
Zs.: Holl-, Pick-, Schüür-

Röskenpoll m. (Vr, St, Sü, Ge) Büschel Binsen, das über das Gras einer Wiese hinausragt. → Pickröskenpoll

Röskes-appel m. (Vr, St, Sü) Apfelsorte (klein, gelb mit roten Streifen, gelegentlich finden sich ganz rote u. ganz gelbe Äpfel am gleichen Baum).

Ross-appel m. Pferdeapfel, Pferdemist

Rossbinse f. (Bor, Rae, Rh, Bo) Binse, Teichbinse. → Pickrösken, Rösken

Rössel n. (Rössels) Bauch- u. Nierenfett des Schweines; Schmalz von Schweinen u. a. Tieren, z.B. Hunden (das gegen Schwindsucht helfen soll, → Hundefett). Kaas ähr achter de Rössels kieken (von tiefem Auschnitt, derb). → Floome, Nüürnfett, uuthaamern, uutlaoten

RösselRüssel

Rösselbast, -bass m. (Vr, St, Sü, Hei, Rae, Bo) Haut vom Fett, Nierenfett. Den tröck de Nibben bineene as ne Rösselbast (von gekräuselten Lippen, Bo).

rossen 1 1. nebenbei mit Vieh, bes. Pferden, handeln. He rossen met Peerde.
2. striegeln (bes. Pferde); gründlich reinigen, abschrubben (z.B. das Schwein bei der Hausschlachtung). → afschrubben.

rossen 2 1. kratzen, scharren (von Hühnern). → baaden, kruulen.
2. toben, spielen (bes. von Kindern)

rossen "rosten" → rustern

Rossgang m. Pferdebahn um den Göpel herum (Antrieb, gezogen von einem Pferd, einem Ochsen od. zwei Kühen)

rossig brünstig (von Stuten). → hengstig

rössig rötlich. .n rössigen Baord.fössig

Rosskaom m. Roßkamm, Pferdebürste, Striegel zum Putzen von Pferden u. Kühen. → Striegel

Rossmölle f. 1. Pferdemühle. → Rossgang.
2. Kinderspiel auf dem Eis: mit dem Schlitten wurde karussellähnlich um einen Pfahl gefahren (Die Leine des Schlittens war an einem Ring am Pfahl befestigt). → Ies-, Prickschledden

rossmöllen mit dem Schlitten um einen Pfahl fahren

Rosstüüß(k)er m. (Vr, St, Sü, Rae) Pferdehändler. → Dräipaol, Peerdehändler

Rost m. (Roste) (Vr, St, Ge, Bor) Rost, Gitter aus Eisen (z.B. vor der Haustür, Bratrost im Herd). → Rööster.
Zs.: Latten-

Rost "Oxidschicht" → Ruster

Röste f. Ruhe, Pause, Rast. Röste hollen (rasten, ausruhen). Lao we us lück Röste andoon. Laot dat Määske met Röste (in Ruhe). → Frää, Rast.
Zs.: Aobend-, Meddaggs-, Un-

Röstedagg m. Ruhetag

Röstekacke f. Ruhepause. He höllt ne Röstekacke (Er sitzt zu lange auf dem WC u. ruht sich dort aus, scherzh.).

röstekacken aus Faulheit zu lange auf dem WC sitzen

rostenrustern

rösten 1 rasten, ausruhen, Schläfchen halten, verweilen. Wenn ih sitt't, dat röst. Van de Beene, dat röst (beim Hinsetzen). sik rösten (ausruhen). Du soss di äs fääker lück rösten. Wi häbbt us röst. → meddaagen, rasten, töömen

rösten 2 (St, Ge, Rae, Hei, Bo) rösten. Bohnen rösten (grüne, ungeröstete Kaffeebohnen). → braanen

Röster m. Kaffeeröster.
Zs.: Koffie-

rosterig, rostigrusterig

RostplackenRusterplacken

rott (Vr, St, Sü) in der Wendg. He is nich rott (Er ist raffiniert, nicht auf den Kopf gefallen).

Rott-aos n. gemeine Person

Rottblaag n., -blaage f. lästiges, freches Kind

Rottbüül m. lästiger, frecher Junge, Mann

Rotte 1 f. (Rotten) Abteilung, z.B. beim Gleisbau

Rotte 2 f. Lauge zum Einweichen. in de Rotte setten (stark verschmutzte Wäsche einweichen). → Weeke

rotten verrotten, verfaulen. De Rogge rott up'n Halm (Der Roggen fault auf dem Halm, bei naßkaltem Wetter, dabei wächst Unkraut durch den liegenden Roggen). De Planken, de rotten, of daor satt Schwamm in (von Fußbodenbrettern).

rotten "roden" → rodden

rotterig, rötterig 1. verfault, faulig, morsch. rotterig Holt. De Wottel is rötterig (angefault).
2. wackelig, schief; ungesund, schlecht. en rotterig Kalw (schmächtig, kränklich, abgemagert, steht mit krummem Rücken). rotterig Weer. → radderig, rudderig, usselig.
Zs.: pier-

Rottgatt n. unverschämte Person, Frau

Rottholt n. tote Zweige, Holzstücke (als Brennholz). → Sprockenholt

Rotthook m. schlechtes Stück Land. → Driethook

Rotthoop m. Haufen Unrat, Dreckhaufen. → Mutthoop

Rottkäärl, -kerl m. unangenehme, unverschämte Person

Rottkaore f. schlechte Karre

Rottkopp m. unangenehme, unverschämte Person od. freches Kind

Rottmuffen (Pl.) Deutsche (abw., grob)

Rottsack m. unverschämte Person od. freches Kind

Rott-tüüg n. Unrat, Müll

Rottweer, -wäär n. sehr schlechtes Wetter, Dreckwetter. → Drietweer, rudderig

Rottwegg m. schlechter Weg

Rottwiew n. unangenehme, unverschämte od. verkommene Frau

Rotz m. 1. Pferdekrankheit.
2. Nasenschleim. frech as Rotz.Rotze

Rotzbaors m. (Bo) kleiner Kaulbarsch. → Schnötterbaors

Rotzbengel n. frecher, vorlauter Junge

Rotze f. Nasenschleim (mod.). → Schnöttert

rotzen 1. eine laufende Nase haben.
2. die Nase putzen; ausspucken, Nasenschleim auswerfen

rotzig 1. voller Nasenschleim. rotzige Nösse (laufende Nase).
2. sehr frech, "rotzfrech"

Rotzlääpel, -leppel m. frecher, vorlauter Junge

Rotznösse f. 1. laufende Nase.
2. frecher, vorlauter Junge

Rou f. (St, Sü) Trauer. Ik bün in de Rou.

rou rauh, grob. rou Weer (stürmisches Wetter). eers met de Biele in't Roue behouen un dann naobielen (behauen). • De rousten Füllen wäärd de gladdsten Peerde (von Mädchen). • Rou bi't Wark, knapp nao de Kark (grobe Kleidung bei der Arbeit, feine zur Kirche). Wat göngen de rou met üm. Dat Röüste is wegg, de Krömmelerij, de laot män liggen (z.B. bei der Ernte: die Hauptsache ist geschafft). Wenn de Farken so schwatt un ruppig up de Rügge un rou (rowwig) achter de Aorne wann´, dann wann´se nich gesund,Roode n.).fien, groff, Rapp, Rouert, Waskebredd

Rouball, Rouboll (Vr). Roubolt (Rae) m. Ackerschachtelhalm, Zinnkraut. → Kattenstatt

Roubank(e) f. Rauhbank (bes. langer Hobel, der von zwei Mann mit einem Seil gezogen wird, um Bretter z.B. für Dielen zu glätten). → Ploog, Lang-, Schrubb-, Treckhoobel

Roubast, -bass m. grobe, rauhe, robuste Person

roubästig 1. mit rauher Rinde od. Haut.
2. widerstandsfähig, grob

Roubeen n. grobe Person

roubeenig barsch, grob, resolut

Rouboll, -boltRouball

RoueRowwe

rouen rauh machen, (auf)rauhen

Rou-eggel m. (St) ungepflegter Junge; wer grob redet. → Ruut-eggel

Rouerij f. 1. Krankheit an den Beinen von Pferden; unsaubere Haut (bes. bei Kindern). → Röierij.
2. Aufrauhen (von Stoff, Geweben, bes. Flanell mit spezieller Maschine im Textilbetrieb)

Rouert m. der Rauhe, im Rätsel: Rouert sprüng in'n Gaapert (Die Katze sprang in den Backofen).

Roufoor n. Grünfutter, grobes, minderwertiges Futter für das Läuferschwein. Höi, Gröönfoor, dat wodde alle under Roufoor rääkt.Rapp

Roufost, -foss m. (Ot, Vr, St, Sü, Ge, Hei, Rae) Rauhreif. Roufost in't Holt wädd kiene dree Daage old. Roufost kold, wädd selten dree Daage old. Wädd he owwer dree Daage old, dann wädd't kold (Wetterregeln). → Giesel

Roufrääter, -fretter m. wer alles ißt (nicht wählerisch)

roufroorn (Ot, Vr, St, Sü, Ge, We, Hei) mit Rauhreif bedeckt. Et häff roufroorne.rougieseln

Rougiesel m. (Ot, Vr, St, Sü) Rauhreif. → Giesel, Roufost

rougieseln mit Rauhreif bedecken. Et häff rougieselt.gieseln, riepen 1, rouriepen

rougladd reifglatt

rouhäörig, -haorig rauhhaarig, struppig (vom Winterhaar der Tiere); haarend. ne rouhäörige Katte

rouklaagen (St, Sü, Ge, We, Bor) trauern, kondolieren. De Verwandschup kümp to't Rouklaagen (Zusammenkunft der nächsten Angehörigen od. Nachbarn zum Kondolieren).

Roukralle f. (St) schwarze Koralle (für die Trauerkette). → Bloodkralle, Kralle 2

Rouleer, -läär n. rauhes, unbearbeitetes Leder

Rouputz m. grober Mauerverputz aus Sand u. Kalk. growwen un fienen Rouputz.groff, Rapp-putz

Rouriemel m. (Rae) Rauhreif

Rouriep(e) m. Rauhreif. → Roufost

rouriepen mit Rauhreif bedecken. Et häff rouriept.gieseln

Rouschlump m. wer unordentlich arbeitet

Rouspais m. Grobputz. → Fienspais

Roustück n. Trauerkleidung

Routuute(n) m. ungepflegte Person (z.B. ungekämmt, schlecht gekleidet). He löpp as so ne Routuuten harümme.

rouwegg ungenau, oberflächlich; unbedacht. De Jungs kehrn de Dääle so rouwegg.

Rowwe, Robbe, Roue f. (Rowwen) Schorf, eingetrocknete Kruste auf einer Wunde, einem Geschwür; häßlicher Ausschlag, Pickel, Flechte. He häff Robben an'n Beck. He häff de Roue de weer afestott.Bloodkoste, Liek-klaowe, Narwe, Nijkloue, Schaorpel

RöwwelRewwel

röwwer "hinüber" → haröwwer

rowwig schorfig; vernarbt

Rubbel, Ruwwel m. (Rubbels; Rübbelken) 1. Unebenheit, leichte Anhöhe. → Bülten.
2. langer Hobel, mit dem schnell eine große Fläche abgehobelt werden kann. → Schrubbhoobel

rubbelig; rubbelik (Bo) rauh, holperig. rubbelige Schussee (z.B. ungeteerte Straße, Schotterstraße). → holperig, rumpelig

rubberig frostig, schaudernd. Wat'n rubberig Weer!rudderig

Ruchen m. (Ruchens). 1. dreckiges Tier (z.B. Schwein); dreckiges Kind.
2. unliebenswerte, böse Person

Ruck m. 1. Zug, Stoß.
2. eine Weile, (kurze) Zeit, Abschnitt. Dat is noch ne ganzen Ruck te föhrn. Moss noch ne mooien Ruck maaken (Wegstrecke). → Ritt 2, Ruff, Stoot

ruckeln, rockeln hin- u. herbewegen, erschüttern.
Zs.: loss-

rücken rücken, ziehen. Bööme rücken (Bäume aus dem Wald schleppen).
Zs.: Diss-

Rückfall m. Rückfall. He häff ne Rückfall kreggen (z.B. bei einer Krankheit).

Rucksack m. Rucksack. met'n Rucksack up Wanderschup gaon.Tornüster.
Zs.: Jaggd-

Rucksackbullen m. Besamungs-, Tierzuchttechniker (scherzh.). → Motoorbullen

rudd unschön, mager, struppig. → rudderig

Ruddbuck m. mageres, häßliches Tier.

rüddelnrütteln

Rudden m. (Ruddens; Rüddeken) nicht gedeihendes Tier; schlechte, böse, zornige Person. Wat ne Rudden! (z.B. mageres, struppiges Tier). .n Rüddeken van ne Käärl

rudderig, rodderig (Vr, St, Sü, Ge, Hei, Bor) schlecht, nicht gedeihend; struppig, räudig. .n rudderig Kalw. Ik föhl mi rodderig (unwohl). Du rudderigen Käärl! ("Alter Kumpel", scherzh.). rodderig Weer (schlechtes, naßkaltes Wetter). → raddelig, rotterig, ruppig

ruddern, ruddersken (Bor, Rae, Rh) zittern, frieren. → riddern

Rudding im Spruch bei der Einladung zur Hochzeit: Pudding is ne Rudding (Wortspiel). → rudd

Ruff m. (Rüffken) (Vr, St, Sü, We, Bor, Hei) kurze Zeit; Mittagsschläfchen. ne Ruff schlaopen. ääben en Rüffken maaken (1. kurz ausruhen, ca. 10 Minuten. 2. kurze Arbeit verrichten, um weiterzukommen). → Ruck

Rüffel m. (Rüffels) Verweis, Tadel, Abfuhr. He häff 'n Rüffel kreggen. → Afruff, weggstääken

Ruffels‘haawe, -be f. Hobel mit gebogenem Messer zum groben Vorhobeln. → Schrubbhoobel

ruffken (Vr, St, Sü, Ge, Bor, Hei, Rae) 1. ausrupfen, ausziehen (von Pflanzen). Flass wödd ruffket.ruppen.
2. schnell arbeiten, etw. schaffen (z.B. wenn es eilig ist). Dat häbb wi noch ääben ruffket.rooien 1

Rügge f., Rüggen m. (Rüggens; Rüggesken) 1. Rücken. Man droff dat Peerd nich de Fracht in de Rügge laan (Man durfte das Pferd nicht durch Vorderfracht auf dem zweirädrigen Karren belasten, → vöörne). up de Rügge in de Köcken (beim Zahnbrecher). met de Rügge teggen de Müüre sitten (kurze Ruhepause). Et leep em kold öwwer de Rügge. den Rüggen lönnen (in de Rügge packen) (den Rücken stärken, Partei ergreifen für). De stönnt met'n gesunden RüggenButt). He häff noch wat in de Rügge (hat noch Reserven). Dat häff he mi kotts (kottens) an de Rügge daone (erinnert, ans Herz gelegt). Dat will di noch de Rügge uploopen (Das wird dir Schwierigkeiten machen). Daor is kinn Egge (Kante) of Rügge an (Er hat keine feste Meinung, ist ohne Charakter). Ligg de Maon up de Rügge, geht 't Waater öwwer de Brügge (von der liegenden Mondsichel). met lieke Rügge arbäiden (möglichst nicht gebückt arbeiten). Denne, de häff´n Puggenbutt in de Rügge (steifen Rücken; arbeitet nicht gern).
2. Rückseite; rückenförmiges Teil. de Rügge van de Säiße (Verstärkung an der Sense). met de Rügge van de Harke (mit der umgekehrten Harke; damit schob man z.B. das Korn nach dem Dreschen mit dem Flegel zusammen). Rüggeskes (Beim Ballspiel an die Wand wird der Ball hinter dem Rücken her gegen die Wand geworfen, z.B. zweimal rechts, einmal links). → Gatt, Hemd, lieke, Määrt, Mügge, olderwetsk, Zentner.
Zs.: Hand-, Nössen-, Säißen-, Schüppen-

Rüggebutt n. Wirbelknochen, Rückenwirbel; Rückgratstück vom Fleisch. → Rüggestrang

Rüggekaom m. Wirbelsäule mit dem anschließenden Fleisch

Rüggeknocken m. Rückenknochen

Rüggelönninge f. Rückenlehne

Rüggemark n. Rückenmark

RüggenRügge

rüggen aus Roggen, Roggenmehl. rüggen Stuuten (Mischbrot). rüggene Semmel (Roggenkleie). rüggen Mähl (Roggenmehl, grob gemahlen, für Schwarzbrot). Dann gaff't Kraftfoor: kläine Erpel met rüggen Mähl. → Lünten

Rüggendeel n. Rückenteil. → Vöörderdeel

Rüggepiene f. Rückenschmerzen

Rüggesaage f. Fuchsschwanzsäge mit viereckigem Blatt u. verstärktem Rücken. → Fossenstatt

Rüggeschwemmer, -schwömmer m. Wasserinsekt. → Waaterjüffer, - lööper

Rüggestrang m. Wirbelsäule, Rückgrat; Stück vom Fleisch des Rückens (wurde mit dem Beil zerhackt)

Rüggestück n. Wirbelsäule mit Fleisch daran

Rüggewind m. Rückenwind

Ruhe f. Ruhe. Et lött mi kiene Ruhe. Ruhe, dat winnt, no män sinnig an! (Immer mit der Ruhe). in Ruh un Frää lääwen. Nu häff de arme Seele Ruh (zu Kindern, wenn alle Süßigkeiten aufgegessen sind) → arm

ruhig; rüig (Vr, St, Sü, Hei, Rae). rüüg (Ge, Ra, We, Bor) ruhig, besonnen. He is so ruhig wodden, de kaas met de Kippse fangen. Kläin un räin, rüig, dat winnt (vom Handel). Laot män rüig angaon! (Keine Eile). Wess maor ruhig, Mooder nimp di so! (Nur keine Aufregung). Bruud, diene rüige Nächte bünt uut. Diene unrüigen fangt an, daorföör schlöpps du bi'n Mann.Tossen.
Zs.: un-

Rühr, Rühr-, rührig, rührn → Rohr, Röhr-, röhrig, röhrn

Rüie, rüien → Röie, röien 2

rüig → ruhig

Rullbahn(e) f. in der Wendg. up de Rullbahne kommen (auf die schiefe Bahn kommen). → Biester-, Rüngelbahne

Rullboom m. Baumstamm zum Holzaufladen mit Pferd u. Ketten

Rulldöör(e) f. große Schiebetür auf Rollen (bes. bei Scheunen). → Schuuwedööre

Rulle f. (Rullen; Rülleken) Rolle. .n Rülleken Gaorn (Garnrolle, → Kloss, Klümmen). ne Rulle Linnen (Leinenrolle). Rüllekes (z.B. lose Manschetten; Schaftrollen am mechanischen Webstuhl). ne Rulle to't Witteln (Rollenquast des Anstreichers zum Weißen).
Zs.: Deeg-, Gaorn-, Gips-, Kooken-, Kops-, Piepen-, Schabloonen-, Seel-

rullen 1. rollen, rollend bewegen. Dünne Bööme deen se met Ketten up'n Waagen rullen (Baumstämme wurden mit Ketten über die Räder auf den Wagen gerollt). de Müüre rullen (mit Rollenquast streichen). Denne is so dick, de kaas (nao Amsterdam) rullen.Tapeete.
2. kugeln, kullern. Se liggt in't Höi te rullen (Kinder albern im Heu). sik rullen vöör Lachen → koggeln).Dübbelken, Jan, Stüüwer.
Zs.: Äier-, Kühlken-, Müürken-, Wand-, wegg-

Ruller m. (Vr, St, Sü, Ge, Rae, Rh, Bo) kleiner Knicker. → Olliebastert, Stöitert

Rullholt n. Teigrolle, Nudelholz. → Kookenrulle

Rullkette, -kedde f. sehr lange Kette mit kleinen, stabilen Gliedern. → Nusskette

Rullkommoode f. Sekretär mit Rollade, Zylinderbüro

Rull-laoge f. Rollage, Abschluß an Mauern. → Rullschicht

Rulloo n. (Rulloos; Rullööken) Rollo aus Stoff; Rolladen

Rullschicht f. Abschluß am Mauerwerk, Schicht z.B. als Türschwelle, Fensterbank (oft aus hochkant gestellten Backsteinen quer zur Wand vermauert)

rüm "herum" → harüm

rumeneern durcheinanderbringen, Unordnung machen. He ligg daor te rumeneern.

Rümlööper m. 1. Drehkreuz an Fußwegen. → Rundlööper.
2. Hausierer, Bettler

Rummel m. 1. Gerümpel, Müll, Abbruchmaterial.
2. viel, große Menge. He brach 'n ganzen Rummel met. 3. Kirmes, Rummelplatz

Rummelerij f. rumpelndes Geräusch. Rummelerij in'n Buuk as bi'n Schuur (Winde im Bauch wie bei einem Gewitter)

Rummelhook m. Abstellplatz drinnen od. draußen; Abstellraum, Rumpelkammer, Müllplatz, Schuttplatz. → Schrotthook

rummelig unordentlich. → rammelig

Rummelkaamer, Rumpelkaamer f. Abstellraum, Rumpelkammer

rummeln rumoren, grummeln. Et rummelt mi in'n Buuk (Bauchgrimmen). → rammeln

Rummelplass m. 1. Mülldeponie. → Schuttplass.
2. Kirmesplatz

Rummelpott m. Takt- u. Lärminstrument beim Heischegang zu Fastnacht. → Fuckepott

Rummeltaske, -tasse f. unordentliche Person. Nao Beddeweddewett, du olle Rummeltaske (im Kindervers, Bo).

rumoorn rumoren, Krach machen. Et rumoort mi in'n Buuk.

Rump m. (Rümpe; Rümpken) 1. Rumpf, z.B. der Mühle; Holztrichter des Mahlganges in der Mühle, über den Steinen; Wagenaufbau.
2. Mieder, Leibchen, gestrickte Unterjacke. → Jumper, Liewken.
Zs.: Buss-, Kaoren-, Möllen-, Mou-, Strick-

Rümpel 1 m. (Rümpels; Rümpelken) (Vr, St, Sü, We, Rae) Erhöhungskante, Schwelle; Weg. Et gaff ook breede Rümpels in't Vääne föör ne Kaore. ne Rümpel staon laoten (beim Torfstich einen Riegel gegen Wassereinbruch stehen lassen). → Drümpel, Rewwel, Ribbe

Rümoel 2 m. Zahnrad in der Mühle, das den Mahlstein dreht

rumpelig holperig. → rubbelig

RumpelkaamerRummelkaamer

rumpeln rumpeln

Rumpott m. Rumtopf

Rump-pott m. bauchiger Tontopf (z.B. für Sauerkraut)

rumpschlump, rumpschlums, rums-schlums unordentlich, ungenau, in Eile. Bi denne is't immer rumpschlump (Er macht nur unordentliche Arbeit). Dat geht alltied so rumschlump to: Eenen Dagg gesund, andern Dagg dood; dat geht monks rumpschlumps (vom plötzlichen Sterben). Rums-schlums, twalw Äier, dattien Küüken (Jux, Rh). → gesund

rump-un-stump (Ot, Vr, St, Sü, Ge) 1. ganz u. gar, radikal.
2. unordentlich gearbeitet

rums, roms rums! (Geräusch des Aufschlagens)

rums-schlumsrumpschlump

rund 1. rund, rundlich. ne runden Lääpel (runder Eßlöffel, bes. Zinnlöffel, → Papp-, Tinnlääpel). Rund is de Welt, rund is dat Geld, un rund is den Pisspott, wenn't Aor dr' af-föllt (Liedvers). → Buurnköcke, platt 1, Welt.
2. rund herum. Dat Peerd rund beschlaon (Das Pferd erhält vier neue Hufeisen). He was se alle rund (besuchte alle der Reihe nach). rund üm de Uhr. Et ging rund as de Koffiemölle (im Uhrzeigersinn, z.B. beim Kartenspiel). Et ging rund (Es war turbulent, z.B. beim Fest). → Huus.
Zs.: halw-, koggel-, rieges-, un-

Rundboggen, -boogen m. Rundbogen

Rundbohr n. Rundbohrer. → Doppbohr

rundbrengen, -breggen austeilen, überallhin bringen. Koffie rundbrengen (Frühstück zum Acker bringen, wenn die Leute weit entfernt vom Hof arbeiteten)

rund-draawen, -ben herumlaufen, -traben. → rundschüngeln

rund-dräien runddrehen, biegen (z.B. Eisen)

Runde, Runne f. (Runden) Runde. ne Runde gebben (eine Runde, z.B. Bier, ausgeben, → Pastoor). ne Runde uutkaarten. so'n bettken öwwer de Runden hen kommen ("über die Runden kommen"). → Ründte, uplaoten

runden, runnen (ab)runden

runder "herunter". harunder

Rundfiele f. Rundfeile. → Rattenstatt

rundföhrn, -führn von einem zum anderen fahren, zu allen Nachbarn der Reihe nach fahren (Einladung, Mitteilung)

Rundgang m. Rundgang

rundgängeln herumlaufen

rundgaon von einem zum anderen gehen. De gong rund längs de Buurn un dee Holt behouen. rundgaon laoten (Verpflichtung abwechselnd wahrnehmen). → Verschott

rundhäörn sich umhören; hören, was die anderen sagen. Ik will äs rundhäörn, wat de Löö säggt.

rundharüm rundherum, ganz u. gar, von allen Seiten. Dat Schapp is rundharüm van Eeke.

Rundholt n. 1. Rundholz, rundes Holz (z.B. zum Vorformen der Dachziegel).
2. best. Werkzeug des Stuhlmachers, Schreiners. → Schleet, Strieker

Rund-ieser, -n n. bes. dicker Draht, rund gebogenes Eisen (z.B. für den Griff eines Eimers). → Band-ieser

Rundigkäit f. Rundung, gerundete Seite. De Rundigkäit van'n Gründel was nao buuten.

rundjaagen rund treiben, jagen. Dat Radd wodd in't Waater rundjaggt (zum Abkühlen nach dem Aufziehen des Reifens in der Schmiede)

rundkieken umhersehen, -blicken

rundkloppen rundschlagen, -treiben. De Naabenbänder wodden up't Häörnken rundkloppt (auf dem Amboßhorn).

rundkommen auskommen, z.B. mit dem Geld. Daor komm wi nich met rund. hatt arbäiden, üm rund te kommen.uutkommen

rundlik rundlich

rundloopen (im Kreise) herumlaufen; von einem zum andern laufen

Rundlööper m. 1. Drehkreuz an einem Fußweg. → Haspel, Rumlööper.
2. drehwüchsiger Baum, Baumstamm. → Wind-dräier.
3. Tier (Schwein, Hund), das krankhaft ständig im Kreise läuft → Begaogen, dull).
4. Bockpflug, fester Einscharpflug. → Stattploog

Rundploog m. Bockpflug. → Buck-, Stattploog

Rundräise f. Rundreise

rundscheppen austeilen. den Papp rundscheppen (verteilen bei Tisch)

Rundschlagg m. 1. Rundschlag (ausholen mit der Faust, dann schlagen).
2. Felgumschwung. Se mäck 'n Rundschlagg an'n Stanketttuun.

rundschlaon rund schlagen, Rundung anbringen. Den lesten End van'n Hubbel wodde up'n Amboss rundschlaon.

rundschüngeln herumlaufen. den Stock an de Hand un dann rundschüngeln (bummeln, spazierengehen)

Ründte f. Runde, Kreis. He keek in de Ründte (rund herum, um sich herum). He löpp in de Ründte (im Kreise). in de Ründte stellen (im Kreis aufstellen).

rundtrillen sich drehen, sich im Kreis bewegen. Den Hackklood trillt rund.

Rundtruufel f. halbrunde Maurerkelle zum Fliesenlegen

rund-üm(me) 1. rund herum. Ik doo mi rund-üm topacken in'n Bedde. rund-üm rund in de Wörmte (rundherum warm, z.B. im Bett). rund-üm tefrää.
2. "über den Haufen". Gao an de Sied, ik loop di rund-ümme!

rund-ümto umher, rund um

Rundung, Ründung f. Rundung Den Stohl ha. ne Rundung.Rundigkäit

rundvertällen herumerzählen. Moss nich alls öwwerall rundvertällen.

rundwegg rundweg, rundherum

Runge f. (Rungen) Halterung, Stützholz am Aufbau des Ackerwagens (jeweils paarig eingesteckt im Querstück über der Vorderachse, → Schäämel; die "Wagenleitern" liegen dagegen). → Ledder, Recken, Rengste, Waagen.
Zs.: Barg-, Waagen-

Rüngel 1 m. in der Wendg. up'n Rüngel (ziel- u. planlos unterwegs, sich herumtreibend). Se bünt weer up'n Rüngel (Sie sind wieder unterwegs, z.B. die Frauen zum Tratschen). → Schüngel

Rüngel 2 m. (Rüngels) Bengel, grober Junge. → Rengel

Rüngelbahn(e) f. in der Wendg. up de Rüngelbahne kommen (auf die schiefe Bahn kommen).Biester-, Rullbahne

Rüngeler(t) m. (St, Sü, Ge) wer sich herumtreibt

rüngeln sich herumtreiben; hasten, schnell arbeiten

Rüngelpatt m. (Ra) in der Wendg. up'n Rüngelpatt kommen (auf die schiefe Bahn kommen)

Rüngelschüüte f. wer sich viel herumtreibt, auf Feste geht. → Loopschüüte

Rungenkette, -kedde f. Kette, die zwei Halterungen am Wagenaufbau zusammenhält

Rungenlock n. Loch für das Stützholz im Leiterwagenaufbau

Rungenwaage(n) m. Erntewagen mit Seitenbrettern, seitlichen Leitern; Ackerwagen. → Rengstenwaagen

Runkel f. (Runkeln; Rünkelken) Runkelrübe, Futterrübe. Runkeln planten. Runkeln trecken. Runkel blaaden (die untersten Blätter der Runkel abnehmen, wurden als Viehfutter verwendet). Lämpken van Runkeln (Laternen aus Runkelrüben, zum Nikolaus-, St. Martinsfest) → möllen, Rööwe, Runkelrööwe, uuthöllen, vöörgebben

Runkelbladd n. Blatt der Runkelrübe (als Grünfutter z.B. für Läuferschweine verwendet). met de Schuuwkaore Runkelblaa van't Land haalen

Runkelgreepe f. Gabel mit stumpfen Enden in Korbform (zum Aufladen von Futterrüben, Kartoffeln). → Erpelgreepe

Runkelgröön n. Blätter der Runkelrüben. → Runkelbladd

Runkelhook m. Ecke auf der Tenne für einen kleineren Vorrat an Futterrüben (der im Winter aus der größeren Wintereinlagerung ins Haus gebracht wird)

Runkelkaore f. Karre für Runkelrüben

Runkelkaorn, -kurn n. Saatkorn der Runkelrübe. Runkelkäörner leggen

Runkelkönning m. wer den Vogel abgeschossen hat, aber noch zu jung ist, um Schützenkönig zu werden (Vereinsbrauchtum)

Runkelkorw m. geflochtener Korb mit Henkeln für Runkeln

Runkelkuhle f. Kuhle für die winterfeste Einlagerung von Runkelrüben im Freien. → Runkelmiete

Runkel-land n. Stück Land, auf dem Futterrüben angebaut werden

Runkel-lock n. Vertiefung für die winterfeste Einlagerung von Runkelrüben im Freien. → Runkelkuhle, -miete

Runkel-loof n. Blätter, Krautbüschel der Runkelrübe

Runkelmaschien(e) f. Gerät mit Motorantrieb zum Zerkleinern von Futterrüben

Runkelmiete f. Wintereinlagerung der Rüben (oft am Wald od. an der Wallhecke, wurde mit Stroh, Laub u. Erde abgedeckt)

Runkelmölle f. Gerät zum Zerkleinern von Futterrüben (mit Kurbel, im Handbetrieb). → Muusmölle

Runkelplante f. Runkelrübenpflanze

Runkelpötter, -potter m. Pflanzgerät für Runkelrüben

Runkelroggen m., -rogge, f. später Roggen (der nach dem Abernten des Rübenackers gesät wurde)

Runkelrööwe f. Futterrübe

Runkelruut n. Krautbüschel der Futterrübe. Haal äs ääben ne Kaore Runkelruut.

Runkelsaod n. Samenkörner der Runkelrübe. Runkelsaod leggen.Runkelsaod geht an sewwen Ende up (Eine Sorte von Runkelsamen ist mehrkammerig, hat mehrere Keimkörner).

Runkelschnieder m. Gerät zum Zerkleinern von Futterrüben

Runkelschüüte f. ovaler Korb für zerkleinerte Runkelrüben

Runkelstück n. Stück Land, auf dem Runkelrüben angebaut werden

Runkeltied f. Zeit der Runkelernte (Mitte Oktober)

Runkelverbou m. Runkelrübenanbau

Runne, runnenRunde, runden

runner "herunter" → harunder

Runzel f. (Runzels) Runzel

runzelig runzelig, faltig. → rimperig

rüörn → röhrn

rup "hinauf" → harup

ruppen (Sü, Hei, Rae, Bo) rupfen, ausziehen (von Pflanzen). → ruffken, ruuen

ruppig 1. ruppig, struppig. Wat häff he ruppige Diers in'n Stall! (in schlechtem Zustand, → rudderig).
2. unangenehm kalt. ruppig Weer (Sü)

rürsken; röörn (Ra) Federn verlieren, verfedern, mausern (von Vögeln u. Federvieh). → rüüsken

rürskig mausernd. → plüüsterig

Rüsie n. 1. Lärm, Unruhe. Se bünt an't Rüsie maaken.
2. kleine Streiterei. Se häbbt de Rüsie öwwer kreggen.Rüüserij

Rüsiemääker, -maaker m. wer Streit sucht, stichelt; Aufhetzer, Radaumacher

RüskeRösken

Russe m. (Russen) 1. Russe.
2. Russenpony.
3. wildes Kind; widerstandsfähige Person

Rüssel; Rössel (Hei, Bor) m. (Rüssels; Rüsselken) Rüssel.
Zs.: Bijen-

Rüsselkääfer m. Rüsselkäfer (Schädling bes. bei Tannen)

russeln pfuschen. He is an't Russeln bi't Wark.fusken

Russenponni m. Russenpony, bes. zähe Pferderasse (aus Rußland importiert)

rüsten Gerüst aufbauen, richten; rüsten

Ruster (Vr, St, Sü, We, Rae); Rost (Ge, Bo) m. Rost, Oxidschicht auf Eisen. Dat häff Ruster ansatt.

rusterig; rosterig (St). rostig (Ge, Bor, Bo) rostig, verrostet, rötlich (von Eisen). ne rusterigen Näägel

Rusterkaore f. altes, rostiges Fahrzeug (z.B. Fahrrad, Traktor)

rustern; rostern (St, Bo). rosten (St, Sü, Bo). rossen (Rae) rosten, rostig werden. Et sall di in't Gatt wall neet rosten (Es wird dir sicher bekommen, Bo).

Rusterplacken; Rustplacken (Ot, Wes). Rostplacken (Ge) m. Rostflecken (z.B. in der Wäsche)

rüstig rüstig; rührig; zügig

rütereern, retereern 1. aufrücken, sich der Reihe nach hinstellen (z.B. von Kühen im Stall).
2. weggehen, verschwinden. He moch rütereern (Er mußte weggehen, Arbeitsstelle u. Wohnung verlassen).

ruts Ausruf; Geräusch des Rutschens. Ruts, daor schott he herunder!

rutsen, rutsigrutsken, rutskig

Ruts(k)bahn(e) f. Rutschbahn (zum Schlittern od. z.B. glatte Straße). → Ies-, Schlierbahne

ruts(k)en 1. rutschen.
2. gelingen. Et rutsket nich.flutsken, stroopen

ruts(k)ig rutschig. Dat natte Holt was rutskig.flutskig

Rüttelfalke m. Rüttelfalke, Turmfalke

rütteln, rüddeln rütteln, schütteln

Ruttsack m. Lümmel. Ne Ruttsack van ne Käärl

Rüüde, Rüür, Rüü m. (Rüüden; Rüürken) (junger) Hund. • Rüüens Jankeln un Froulöös Krankeln düürt nich lange.blecken, Hund, Pastoor.
Zs.: Ketten-

Rüüde .Räude. → Röide

Ruuder n. (Ruuders) Ruder; Regiment. He is Buur wodden un an't Ruuder kommen (Er hat zu sagen, regiert). → Regement

ruu(e)n, ruuwen 1. ausrupfen; Unkraut jäten. Gröss ruuwen (Gras ausreißen, von Vieh).
2. Rüben, Knollen aus der Erde ziehen, ernten. Manks könn ih bes Wienachten ruuen.Stoppelrööwe, weeden

Ruuf m. (Rüüfe) (Ot, Sü, Ge) Einstieg des Holzschuhs (alt). → Footgatt, Gaape, Intratt

rüügruhig

Ruuk-appel m., -äppelken "Apfel" von einem Zierstrauch (rosa Blüte, die Frucht duftet gut, wurde wegen des Aromas in den Schrank gelegt)

Ruukedaorn, -durn m. Zierstrauch mit duftenden Früchten. → Ruukappel

ruuken (rück; rock, rocken; rocken) 1. riechen, stinken. He rück as 'n Ülk.Fiske fangt bolle an te ruuken.
2. Geruch vernehmen; schnüffeln. Well 't eerste rück, uut dat Lock krüpp't. Hengste könnt sik nich ruuken, dat währt so lange, dat eene schlapp mäck. Ik kann em nich sehn of ruuken (nicht ausstehen). → Foole, Huud, öwwerall, Schüppe

Ruukevisiete, -vesiete f. erster Besuch der Eltern der Braut bei den zukünftigen Schwiegereltern (um sich zu "beriechen"). → Besehns-, Schnüffelvisiete

Ruukfläske, -flässe f. Riechflakon für Kölnisch Wasser. En Ruukfläsken hadden blooß bäätere Löö.

Ruukseepe f. Toilettenseife

Ruukwaater n. Parfüm

Ruum m. (Rüüme; Rüümken) Zimmer, Raum. van't eerste bes veerte Jaor in eenen Ruum (Klassenzimmer der alten Landschule). Daor is vull Ruum achter't Huus (viel Platz).
Zs.: Banken-, Binnen-, Drööge-, Hoff-, Laade-, Laager-, Maschienen-, Nääben-, School-, Tüsken-, Vöör-, Wonn-

ruum 1. weit, geräumig, weiträumig. ruum Spill. He häff 'n ruum Gewetten (unehrlich; gewissenlos). → gerüümlik, wiedlöftig.
2. reichlich; verschwenderisch. Mooder was met Ssucker nich so ruum.riewe

Rüümbohr n. Bohrer zum Ausräumen des Holzes aus dem Holzschuh. → Klumpen- Längtenbohr

Rüümbuck m. Zugbock (Werkbank des Holzschuhmachers)

rüümen räumen, aufräumen (z.B. Gräben säubern, Schneisen hauen); schnell arbeiten; vonstatten gehen. Dat is met't Rüümen weggekommen (beim Aufräumen). In'n Winter rüümt so'n Spill nich (z.B. der Hausbau geht nicht voran). He kann demet rüümen (Es geht ihm schnell von der Hand). Dat rüümde met de Arbäid bääter (ging schneller voran).
Zs.: wegg-

Rüümer(t) m. Mann, der Gräben säubert od. schnell mit der Arbeit vorankommt

Rüümhaaken, -haok(en) m. Aushöhlmesser (Werkzeug des Holzschuhmachers zum Aushöhlen des Fußbettes)

rüümig geräumig, weiträumig, mit viel Platz. rüümig bouen.ruum, rüümlik

rüümlik groß, geräumig. .n rüümlik Huus

Rüümlik-käiten (Pl.) Räume

Rüüm-mess, -er m. Aushöhlmesser (Werkzeug des Holzschuhmachers). → uutrüümen

Rüümstraote f. große Säuberung, in Wendungen wie Rüümstraote maaken (ordentlich aufräumen, Ordnung schaffen). Rüümstraote hollen (Hausputz machen). → Bahne, Bollhuus

rüümstraoten (Vr, St, Sü, Bor, Hei, Rae) aufräumen, großreinemachen

Rüümte f. Raum, Platz. Wi häbbt daor kinn Rüümte vöör.

Ruun, Ruune(n) m. (Ruunen) (Vr, Sü, Rae) Wallach (alt). → Wallach. Dat is ook so nen Ruunen met so nen langen Ruunentand (ein Junggeselle, der noch heiratet, scherzh.).

ruunruuen

Ruunentand m. (Vr, Sü) besonderer Zahn bei männl. Pferden (zwischen Schneide- u. Backenzahn)

Ruupe f. (Ruupen; Rüüpken) Raupe; Larve von Schädlingen. → Untüüg.
Zs.: Kabbes-

Rüüpel m. (Rüüpels) Flegel

Ruupen-nüst, -nüss n. Raupennest (z.B. in Obstbäumen). → uutbraanen

Ruupsack m. Lümmel, Rüpel

RüürRüüde

RuusRuust

Ruuse f. 1. in der Wendg. in de Ruuse (in Bausch u. Bogen). in de Ruuse koopen (nach Schätzung, eilig kaufen, z.B. Schlachtvieh nicht nach dem Gewicht, → Rams 2). He kann in de Ruuse ääten (unerhört viel, Ge).
2. Laune, Stimmung, in Wendungen wie Se häff't met Ruusen (so bi Ruusen) (ist launisch). Et löpp (geht) em in de Ruuse (Er ist geistig verwirrt, verrückt, redet durcheinander, z.B. von alten Leuten, → demet, Foot). Dat Wäär häff't met Ruusen (unbeständiges, launisches Wetter). → Pudding, Tuur.
Zs.: Hunde-, Sünt-Jans-

Ruusen (Pl.) gefrorene Unebenheiten, überfrorener Schneematsch

ruusen 1. (etw.) auf gut Glück als Ganzes nehmen; ungefähr abschätzen. He ruust dat ganze Spill (kauft alles zusammen).
2. schnell, ungenau, unordentlich arbeiten. → Loof.
3. rasen, toben

Rüüserij f. (We, Bor) Streiterei, Lärm, Unruhe. → Rüsie

ruusig (Vr, St, Sü, We, Bor, Rae) ungenau, unproduktiv; verschwenderisch. He arbäidt so ruusig.

Rüüske f. (Rüüskes) Rüsche. Rüüskes an'n Kleed

ruusken rauschen. De Wind ruusket. Waater ruusket.

rüüsken 1. rauschen. De rüüsket nett as ne olle Kluckhenne (vom Geräusch eines weiten Rockes).
2. Federn verlieren. → rürsken

Ruust, Ruus f. (Vr, St, Sü) zähe, robuste, burschikose Person (nicht leicht einzuschüchtern). ne Ruust van ne Deerne.Fruust, Rüütert, Wörgel

rüüsterig 1. naßkalt, trübe, regnerisch, windig. rüüsterig Weer.
2. ungepflegt, schlecht aussehend. → Buurngatt, plüüsterig, röisterig

rüüstig zäh, hart. Dat rüüstige Holt moch dr'uut (beim Holzschuh).

Ruut n. Unkraut (sämtliche Arten). Ruut uut-trecken. Wi gaot in't Ruut (Wir jäten). Dat Ruut steht mi achter't Gatt weer up (Unkrauthacken bei nassem Wetter ist vergebliche Mühe). → Bucht 3, Rapp, ruut, Unbucht, Untüüg, weeden, Wildgröss.
Zs.: Erpel-, Rööwen-, Runkel-, Waater-

ruut heraus. Ik täll uut met ne Hand vull Kruud, un du büs ruut (Abzählvers; Wortspiel mit Ruut u. ruut). → haruut, uut

Ruut-äide, -ääg(e)de f. große Egge mit langen Zinken (um tief zu jäten od. Kartoffellaub auszuziehen). → Saod-äide

Ruutbedde n. Beet, Ecke mit viel Unkraut im Garten

Ruute 1 f. (Ruuten; Rüütken) 1. Raute; Karo. Ruuten was Truuw. He moch de Ruuten bi doon (Karo im Kartenspiel). → Karro.
2. Fensterscheibe im Rahmen (früher kleine, in Blei gefaßte Scheiben). Ruuten insetten (verglasen). Ruuten inschmieten (Scheiben einwerfen). Wat kicks so däämlik döör de Ruuten? Jeede Ruute eene Schnuute (von neugierigen Leuten am Fenster). → blau, Glass, Rahm n.

Ruute 2 f. (Ruuten) (Vr, St) Peitschenstiel; geteilter Riemenstrang, z.B. als Wünschelrute; Ochsenziemer. → Roode 1 f., Wickeroode

Ruute 3 f. (Ruuten) Rute, altes Längenmaß (vor Einführung des Meters). → Roode 2

Rüüte, Rüüte- .Wabe. → Rööte, Rööte-

Ruut-eggel m. 1. Igelpflug, Reihenegge zur Unkrautvertilgung (zwischen Reihen von Kartoffeln, Hackfrüchten, von Pferd od. Mensch gezogen).
2. wilde od. eigensinnige Person. → Rou-eggel

ruuten kariert. ruuten Tüüg (karierter Stoff). ruuten Küssentogg (karierter Kissenbezug). → kareert, Waofeldook

Ruuten-As n. Karo-As

Ruuten-Buur m. Karo-Bube

Ruuten-Daame f. Karo-Dame

Ruuten-Könning m. Karo-König

rüütergaar halbgar

Rüüter(t) m. (Vr, We, Rae) wilder, unvernünftiger Kerl, Rauhbein; wildes Tier. ne Rüütert van ne Jungen.Ruust.
Zs.: Buss-, Sand-

Ruuthacke f. Unkrauthacke

Ruuthäcker m. Unkrauthacke

Ruuthook m. Stelle voller Unkraut (wenn das Unkraut überhand nimmt, die Frucht kaum zu sehen ist). Wat ha. he daor ne Ruuthook!

Ruutkaore f. Schubkarre für Unkraut

Ruutkorw m. Korb für Unkraut

Ruutkrässer m. Zinkenhäcker, Unkrauthacke. → Ruut-eggel

Ruutlaa(de) f. Schublade unten in der Kornfege (für Unkrautsamen od. zu feine Körner). → Kaffmöllenlaade

Ruutsack m. Sack voller Unkraut, in Ortsneckerei. → Velen

Ruutsaod n. Unkrautsamen. → Untüügsaod

Ruutschnieder m. wilde, unordentliche Person. Du sühs uut as so ne Ruutschnieder!

Ruutspier n., -spierken Unkrauthalm. Man süht doch kinn Ruutspierken mähr in't Saod.

Ruutwaade f. (Bo) Gerät zum Fischen (Netz zwischen zwei Stöcken, oben mit Korkstücken, unten mit einer Bleileine, 2x3 m groß)

ruuwenruuen

RuwwelRubbel

Elisabeth Piirainen & Wilhelm Elling: Wörterbuch der westmünsterländischen Mundart. (Beiträge des Heimatvereins Vreden zur Landes- und Volkskunde, 40). Vreden, 1992.
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