Westmünsterländische Dialekte Plattdeutsch in der Grenzregion

Wörterbuch der westmünsterländischen Mundart

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2977 Lemmas

B (Be) Buchstabe B. → A, Stuutenknappen

pfui! (Ausruf des Ekels, Abscheus)

bääd-achtig sehr fromm, oft betend

BäädaggBäädedagg

Bäädebank(e) f. Betbank in der Kirche

Bäädebook n. Gebetbuch. De Deern häff 't verkährte Bäädebook (Gesangbook) (ist evangelisch). → Gebäädebook

Baadebux(e) f. Badehose. Wenn de Buur nich schwemmen kann, dann ligg't an de Baadebuxe (an't Waater) (Ausrede, → Striekstock).

Bää(de)dagg m., Bäädedaage (Pl.) Gebetstag(e); 40-Stundengebet, z.B. zu Beginn der Fasten (Drei Tage lang wird das Sakrament "ausgesetzt"). → Bidd-dagg, Veertig-Stunden-Gebääd

Bäädefahrt, -faort f. (St, Sü, Ge, Bor, Rae, Rh, Bo) Wallfahrt

Baadehüüsken Umkleidehäuschen (z.B. an einer Badestelle am Bach)

Baa(de)kaamer, Baadkaamer f. Badezimmer

Bäädeklocke f. Gebetsglocke; Gebetsgeläut, das zum Beten vom "Engel des Herrn" auffordert

Bäädekloppe f. Betschwester

Baadekolk m. Badeteich

Bäädekopp m. frömmelnde, scheinheilige Person

Bäädekuuse f. übertrieben fromme Frau

Bäädel-, bäädel- auch: Beddel-, beddel-

Bäädel m. Bettelei, Armut, in Wendungen wie Ne Däärne uut de Stadt häff´n Bäädel an´t Gatt. He is up´n (an´n) Bäädel.

bäädel-arm bettelarm

Bäädelbreew m. Bettelbrief (bes. von der Kirche, auch z.B. von Studenten)

Bäädelbröör, -brüür m. Bettler. Bäädelbröör un Bessenbinder (Beide sind aufdringlich, vagabundieren, haben schlechten Ruf).

Bäädelbüül m. 1. Bettelsack, Beutel des Bettlers. 'n Bäädelbüül bliff nich allselääben vöör eene Dööre hangen (von der Armut). → Geldbüül.
2. Bettler

Bääd(e)ler m. Bettler. Wann den eenen Bäädeler den andern wat giff, dann danzt de Engel in'n Hemmel. Wenn he Pech häff, dann verlüss de Bäädeler et Brood noch uut'n Büül. → Bäär, Häär, Hamsterer, Käiser, Mijnheer, Pracker

Bäädelerij f. Bettelei

Bäädelkind n. Bettelkind

Bäädelkunte f. Bettlerin

Bäädelmann m. Bettler, im Abzählvers. → Käiser

bäädeln. beddeln (Bor, Hei) betteln. De bäädeln, wäägen dat se kinn Wark ha'n (über Arbeitslose um 1930). → Koh, prackern

Bäädelpack n. Bettler (alle zusammen)

Bäädelsack m. Bettelsack

Bäädelstaff m. Bettelstab. Ik komm an´n Bäädelstaff terechte (sagt der Händler, wenn ein Kunde handeln will).

Bäädelvolk n. Bettler (alle zusammen)

Bäädelwiew n. Bettelweib

Bäädemünte f. (We, Bor, Bo) Betmünze, Geldabgabe an die Kirche

baaden, baan baden. In'n Kolk baan, dat deen blooß de Jungs. in'n Venüüspott baan (baden am Samstag im warmen Wasser aus dem Viehkessel). De Höhner baad't in'n Sand (scharren, wühlen). Daor häbbt Trieshohner baad't (Spuren von Rebhühnern im Sand). → kruulen, rossen 2, starwen

bääden; bääten (Wes, Ot, Vr). bedden (Ra) (bedd; badd, badden; bääden) beten. bääden vöör't Ääten (Tischgebet). He häff sik bäädt (hat gebetet). Häs di all bäädt? Solang as du so bääds, bruuks du föör mi nich met bääden (scheinheilig). Wenn dien Bääden Geld kost, wödds du 'n armen Mann! (fromm tuend, Bor). Well bääden lehrn will, mutt up't Waater gaon (Not lehrt beten). Well wennig weet, häff licht bääden. Den eenen verdennt sien Geld met Arbäiden un den andern met Bääden (mit Nichtstun: Bauern über Akademiker). Solange at de Wind van Oosten kümp, bruuks üm Räägen nich te bääden (gegen alle Vernunft beten). bääden bi't Ball-spöllen (beim Ballspiel an der Mauer: mit gefalteten Händen, z.B. elfmal). → Aawergloowen, Hemmel, lachen, leegen, Mann, Misse, prötteln, Räägen, schlaopen, Vaader-unser, Wind.
Zs.: dood-, Dooden-

bääden "mit heißem Wasser behandeln" → bään

Baadestommen, -stowwen m. Badezimmer

Bääd(e)stunde, -stunne f. Betstunde

BaadkaamerBaadekaamer

BäädlerBäädeler

Bäädschwester f. Betschwester

BäädstundeBäädestunde

bääenbään

Bääk-, bääk- auch: Beck-, beck-

BaakaamerBaadekaamer

bääk-af, -of bachabwärts, den Bach, Fluß hinab

Bääke. Becke (Wes, Ot, Ge, We, Ra, Bor, Hei) f. (Bääken; Bääksken) Bach; der jeweils größte Wasserlauf einer Gegend (z.B. Berkel, Aa, Issel). met de Bääke af (bachab). Et geht de Bääke harunder (1. Es treibt abwärts, z.B. ein Boot. 2. Es geht mit jd. abwärts). → Aa, plumpsen, Pütt, springen, up-passen, Waater.
Zs.: Öwwer-, Under-

Bääk(en)- auch: Beck(en)-

Bääkenbrügge f. Brücke über den Bach

Bääkenfisk, -fiss m. Flußfisch, Süßwasserfisch

Bääk(en)hohn, -höhnken n. grünfüßiges Teichhuhn, Ralle. → Waaterhohn

Bääkenkant(e) f. Bachufer

Bääk(en)midde f. Mitte des Baches, Flusses. De Bääke höört den Anligger bes Bääkmidde.

Bääkenpuls(k)er m. Kind, das im Wasser spielt u. planscht

Bääkenschipperij f. Flußschiffahrt

Bääken-ülk m. Fischotter

Bääkhohn, -middeBääkenhohn, -midde

Baakoh f. Kuh (Kinderspr.). → Muhkoh

Bääk-oower n. Bachufer

bääk-up bachaufwärts, den Bach, Fluß hinauf

Bääkwaater n. Wasser aus dem Bach, Fluß (z.B. in Vr: Berkelwasser). He is met Bääkwaater dööpt (ist hier zu Hause).

Bääkwäide f. Weide, Wiese am Bach, Fluß

Baal m. (Baals) (Vr, Rh) großer Sack, schwerer Jutesack

Baalamm m. (Baalammen) Tölpel, unbeholfene, unbeherrschte, ungeschickte, ungeschlachte Person (grob im Aussehen u. Benehmen). Wat'n Baalamm van ne Jungen (wilder, mutwilliger Junge, Grobian).

baalammen sich albern, wild, stürmisch benehmen; herumtoben; wüst feiern. Bi uhe Baalammen häbb wi kinn Ooge todaon.

Baalammerij f. grobes, wüstes Benehmen; ausgelassenes, wildes Feiern

Baalifatt n. (Ra, Bor, Hei) 1. großer, weiter Bottich.
2. unbeholfener Mann, Junge

Baal(i)sack m. dicker, grober Sack, schwerer Jutesack für Kraftfutter, Sojamehl (kam aus den Kolonien; Gewebe auch mit Kokosfasern verstärkt). → Probaalsack

Baalschotte, -schötte f. (Vr, We, Bor) Sackschürze, halbe Schürze aus Jute. → Schloowe, Vöördook

Baan m., Baanken, Baantjen Beschäftigung, Arbeitsstelle, "Pöstchen" (alt). → Posten. He häff 'n mooi Baanken.

baanbaaden

bään, bää(d)en, bädden 1. mit heißem Wasser behandeln (Geschwür, entzündete Stelle) feucht erwärmen, einweichen, heiß baden; bähen. Schweers met heet Soodawaater bään. Liekdöörner bään in heet Waater met Haawergötte. de Beene bi Gicht in Höisaod heet bään (verschiedene Heilmittel). → blöökern, köhlen, pappen.
2. sieden. Dat Wostwaater mott nich kocken, et mott bääen (Kochwurst muß darin ziehen). → trecken

Bää(n)sel (Wes, Ot, Vr, Ge). Bai(n)ßel (St, Sü, We, Ra) m. (Bäänsels) 1. dicker Knüppel.
2. Rüpel, ungehobelter Junge. → Bääsel.
Zs.: Buusken-

baar bar, nur, lauter, rein. baar Erpel (Salzkartoffeln; Mittagessen ohne Fleisch, → blood, drööge). Daor döös baar Geld bi (Das bringt nur Verluste). Se drünken baar Melk (reine Vollmilch, nicht etwa Milchkaffee). Dat Land was baar Löcker un Bülten (sehr uneben). Bi baar te dicke Tööge namm. wi dat Kott-ieser (für allzu dicke Äste). Baar so laate gingen wi nich nao Bedde (allzu spät). baar betahlen. → bihen, lutter, Pleseer

Bäär, Beer m. (Bäärs; Bäärken) 1. Eber, männl. Schwein. Ih gaot wegg as ne Häär un kommt weer as ne Bäär (Bäädeler) (von Bauern, die betrunken z.B. von der Kirmes zurückkommen, Sü, → Mijnheer).schnieden.
2. Bär. → frääten.
Zs.: Aor-, Binnen-, Brüll-, Brumm-, Farkens-, Puggen-, Ramm-, Schwiene-

Bäär "Birne" → Peere

Bäär- auch: Beer-

BäärbeenBeerbeen

Bääre, Bäären-Bääse, Bääsen-

Bäärfoor m. verschnittener Eber (alt). → Borg m., Foor m.

Baargeld n. Bargeld

Bäärgelte f. geschlechtsreifes Schwein; Zuchtschwein, Zuchtsau (noch nicht gedeckte Sau)

bäärn, beern brünstig sein (bes. von der Sau, auch von anderen Haustieren). De Sogge bäärt. De Katte bäärt. De Farken draff'm nich schlachten, wenn de bäärt, dat Flees bliff blööderig. En gudd Farken bäärt dree Daage. De bäärt acht Daage an eenen Tuur (kommt bei Sauen selten vor; z.B. von ausgiebigem Feiern). Wat bünt se doch an't Bäärn (un an't Braasken) (saufen, johlen, wüst feiern). → Määrt

Bäärn- .Birnen-. → Peern-

BäärndBennerd

Bäärndharm, Berndharm PN Bernhard-Hermann

Bäärndhinnerk, Berndhinnerk PN Bernhard-Heinrich

Bäärnken-van-Gaolen in Spottversen wie Bäärnken-van-Gaolen konn puchen un praolen, konn leegen un fleegen un alle Löö bedreegen. Bäärnken-van-Gaolen häff 't Gatt vull Naolen, häff de Rügge vull Piggen, kann nich sitten of liggen (wenn jd. steif sitzt).

bäärs(k), beers(k) rauschig, brünstig (von der Sau). ne bäärske Sogge. He häff de Haore up'n Kopp staon as so'n bäärs Farken (Haare stehn zu Berge).

Baas m. (Bääsken) Herr, Chef, Meister. • Den Hund höllt met denne, well de Baas is (Der Hofhund hält zu seinem Herrn). Is de Baas in't Huus? (Hausherr). Ik bün de Baas in't Huus, maor wat de Frou sägg, dat geböört! De will'k doch wiesen, well hier Buur un Baas is. Dat is mi ne Baas! ne Baas van ne Käärl (tüchtig, "Mordskerl"). Du büs mi'n Bääsken (zu einem Kind: du Racker!). He bliff de kinn Baas öwwer (bleibt nicht Herr der Lage, schafft es nicht). → Babaaskäärl, Boss 3, ganz, tebaas.
Zs.: Äier-, Buller-, Fohr-, Jaggd-, Kaor-, Lehr-, Lou-, Müür-, Puche-, Scheer-, Schlachte-, Spöll-, Stöcke-, Strieke-, Wessel-

baas überlegen; sehr. Ik bün em baas. Et was baas gudd.baaskönnen

Bääse. Beer(e) (Ot, We, Ra, Bor, Hei, Rae) f. (Bääsen; Bääseken) Beere; Johannisbeere (schwarze u. rote); Stachelbeere.
Zs.: Aol-, Bick-, Blau-, Brümmel-, Drüüwkes-, Düüwels-, Eerd-, Erpel-, Fleer-, Flöite(nholt)-, Foss(en)-, Hinne-, Holunderboom-, Ieben-, Jans-, Jöcke-, Kass-, Knack-, Knall-, Krissel-, Kroose-, Krüüs-, Mähl-, Pluff-, Quecke-, Schleh-, Schnee-, Schnotter-, Schwucke-, Spraakel-, Steck-, Stengel-, Sünte-Jans-, Tuffel-, Voggel-, Waakel-, Wien-

BääselBäänsel

Baaselij f. (Wes, St, Hei) unüberlegtes, wüstes Benehmen

baaseln (Wes, St, Ra) sich grob, wüst benehmen; unüberlegt rennen, fahren

Bääsen- auch: Beer(e)n-

Bääsenbuss, -busk m. Beerenstrauch. → Heiden

Bääsenkorw m. Korb zum Sammeln von Beeren. → Bickbääsenkorw

Bääsen-ssapp m. Beerensaft

Bääsenstruuk m. Beerenstrauch

Bääsenwien m. Beerenwein (aus Johannisbeeren u. anderen Beeren od. Früchten)

Baaskäärl, -kerl m. tüchtiger Kerl (meist iron.)

baaskönnen (jd.) gewachsen, überlegen sein. Denne kann'k noch wall baas (Mit dem kann ich es wohl aufnehmen).

baasplacken, bassplacken anerkennend u. liebevoll tätscheln, streicheln, leicht klopfen (z.B. ein Pferd, ein Kind)

BaateBadde

baatenbatten

bäätenbääden

bääter. better (Wes, Ot) besser, gesund. De Koh wödd nich weer bääter (nicht wieder gesund). Dat dööt di bääter (tut dir gut). Dat dööt mi bääter gudd, as wenn de Pastoor mi gudden Dagg sägg (Maurerspruch beim Trinken). Et konn wall bääter (Es könnte besser gehen). •• Hier is´t bääter as midden up´t Markt (wenn jd. in die warme Stube tritt). He wödd nich weer bääter (sterbenskrank). He weet alls bääter (schulmeisterlich). Ik soll nich bääters wetten (wüßte es nicht anders). at ik nich bääter weet (soweit ich weiß). He wuss 't nich te bääter (wußte es nicht besser). Dat weet ik bääter (habe ich anders gehört). Se trock sik lück bääter an (zog sich sonntagsfein an). bäätere Brünte (Schürze für Feiertage, → griese, blaue Brünte). bäätere Löö ("bessere Leute", reichere Leute, Herrschaft). lück bääteren Besöök. ne Bäätere van hoogen Komm-af (Dame höherer Herkunft). De bünt wat Bääteres. •• Bääter wo wat is, as wo wat kommen mutt. miene bäätere Hälfte (Ehemann, Ehefrau, scherzh.). → Backer, bange, beklaagen, beste, Driete, fien, Gesundhäid, gudd, Hooghäid, kreggel, Luus, mähr, Markt, metgaon, Rindflees-suppe, satt, Schlagg, Untied, vull, weern, weeten, Welt

Bääter- auch: Better-

baatern (Bor, Rae, Rh, Bo) schlagen, hämmern, Krach machen. → kloppen

bäätern. bettern (Wes, Ot) bessern, zum Besseren hin verändern. Moss nich denken, dat denne sik noch bäätert. He is an't Bäätern (wird gesund).

Bääterschop, -schup f. Besserung. Et konn noch Bääterschup inträän.

Bääterung f. Besserung, Genesung. He is all an de Bääterung. Gudde Bääterung!
Zs.: Ver-

Baats m. (Baatsen) (Rh, Bo) Schlag

baats, baatsig (Bo) plötzlich. Dat kamm nucks baats (ganz unerwartet). → bamstig

baatsen (Rh, Bo) schlagen

Babaaskäärl m. (Vr) bes. tüchtige Person, wer alles kann. → Baas

Bäbbel, Babbel m. (Bäbbels; Bäbbelken) 1. Mund. He häff 'n Bäbbel te wied loss hat. Kaas 'n Bäbbel nich hollen?
2. Unterkinn. → Häbbel, Räbbel, Schnäbbel

Bäbbeler m. wer schnell u. viel spricht

Babbelken, Bäbbelken Bonbon. → Bömbsken

babbeln, bäbbeln kindisch sprechen, lallen; weinen, klagen

Babbelschnuute, Bäbbelschnuute f., -schnuuten m. Plappermaul

Babbelerij f. Geschwätz

Babeluun m. (St) Baldachin, Traghimmel bei Prozessionen. → Hemmel

Back m. (Bäcke; Bäcksken) 1. Napf (z.B. irdenes Gefäß zum Aufbewahren der Milch), Faß, Kübel, Trog (z.B. für das Vieh in der Weide). ne hölten Back föör't Veh (Holzkübel). → Becken.
2. Gelaß, Ecke; Gefängnis. achter de Back sitten (im Gefängnis sitzen, → Pietermann).
Zs.: Aal(en)-, Äöse-, Asken-, Blood-, Bröi-, Bröö-, Brood-, Buller-, Farks-, Fimpen-, Föör-, Geer-, Gruss-, Holt-, Hunde-, Jauche-, Kanienen-, Kaor-, Klüwwen-, Kodden-, Kollen-, Kopper-, Melk-, Puggen-, Salte-, Scheer-, Schmiggsel-, Seepen-, Spais-, Spij-, Spööl-, Suppen-, Suup-, Torf- , Uutwask(e)-, Waater-, Waske-, Wijwaater-

Back-appel m. getrockneter Apfelring als Backobst. → Backpeere, Ring-appel

Backblick, -bleck n. Backblech. → Kookenblick

Backbredd n. Model, Spekulatiusform

Backdagg m. Tag, an dem gebacken wird

Backdeeg m. Backteig

Backe f. (Backen; Bäcksken) 1. Backe, Wange (mod.). → Kiewe. Se häff roode Bäckskes. Den Wind jägg di döör de Backen (eisiger, schneidender Wind). Dat kaas di van de Backe strieken (putzen) (keine falschen Hoffnungen). → Hacke 1, Kuhle, Vaader-unser.
2. backenförmiger Gegenstand, paarig angeordnet. de Backen an de Zilinderpötte (halbschalenartige Griffe an Zylindertöpfen, → Kappe). de Backe van'n Schruuwstock (Schraubstockbacke).→ Wange.
Zs.: Äärs-, Hamster-, Hange-, Kinne-, Klau-, Laade-, Pluuster-, Puuste-, Schmuuse-, Schruuwback(

e)läien (Wes, Ot, Vr, St, Sü) 1. verüben, ausrichten, hinkriegen. Dat häbb'ke so nett backeläit.
2. fehlen (an etw.). Et backeläit us nich an Klooken, et backeläit us an Dummen (Arbeiter fehlen). → mankeern, schellen 1

Backemähl n. Mehl, das verbacken wird

backen (bäckt; backte, backten; backen) backen. Brood backen. Kooken backen. backte (backene) Äier (Rühreier). backte Peeren (Backbirnen). Pötte backen (Steinzeug brennen). Dann is 't Backen (Mengen) düürer as 't Brouen (z.B. bei Reparaturen, die sich nicht mehr lohnen od. wenn man eine einfache Sache kompliziert macht). Gao hen backen (Laß mich in Ruhe, "geh zum Teufel", → flöiten). Jao, morgen backt se Bröödkes (ausweichende Antwort, nicht überzeugt). → Brood, inbööten, Koste, Middewinter, Peere, Pisspott, sööten, stocken 1.
Zs.: blau-, fast(e)-, lecht-

Backenbaord, -burd m., -bäörd(e)ken Backenbart, Koteletten

Backenbutt n. Backenknochen. → Kiewenbutt

Backenknocken m. Backenknochen

Backensessel m. Ohrensessel

Backenstohl m. Ohrensessel. → Aornstohl

Back(en)tand m. Backenzahn. → Kiewentand

Backer, Bäcker m. Bäcker. •• Bääter nao'n Bäcker as nao'n Dokter (Gute Ernährung beugt Krankheiten vor). De Katte van den Bäcker häff't daone (wenn man den Übeltäter nicht ermitteln kann: Beim Bäcker ist immer eine Katze). Bäckers un Möllers hollt immer Brood (auch in Notzeiten). → Apteeker, döörbrääken, Möller 1.
Zs.: Brood-, Büülkes-, Buurn-, Fien-, Groff-, Honnigkooken-, Hosti-en-, Karmis-, Kooken-, Möppkes-, Pannen-, Potte-, Schwattbrood-, Steen(e)-

Backerbrood n. vom Bäcker gebackenes Brot

Backerij, Bäckerij f. Bäckerei.
Zs.: Pannen-, Potte-, Steene-

Bäckerkaore f. Bäckerwagen. → Bäckerwaagen

Bäckerschotte, -schötte f. Bäckerschürze

Bäckerske f. Frau des Bäckers

Bäckerwaage(n) m. Bäckerwagen (Federwagen mit Plane od. Holzaufbau), geschlossener, kutschenähnlicher Geschäftswagen für hausierende Bäcker

Backg(e)räi n. Backwerk, Gebäck. → Backwark

Backhette f. Backhitze

Backhuus n., -hüüsken freistehender, gemauerter Backofen. → Backommen, -spieker

Back-kaamer f. Backstube, Raum zum Backen im Backhaus. → Backstommen

Back-kaste(n) m. Backofen, Teil des Kohleherdes. In'n Back-kasten kruupen (die Wärme suchen). → Maschienenkasten

Back-kastendöör(e) f. Tür des Backofens am Herd

backläienbackeläien

Backlohn m. Lohn für den Bäcker (fünf Groschen pro Zentner)

Backlööpen n. geküfertes Gefäß zum Anrühren des Teiges (der dann auf dem Tisch geknetet wird)

Backmann m. Backstein, gebrannter Lehmziegel. → Wackmann

Backmolle f. Holztrog zum Kneten des Teiges

Back-ommen, -owwen(t) m. Backofen (freistehendes Backhaus außerhalb des Hauses, Boden u. Gewölbe darüber aus Bleichsteinen, in Lehmmörtel verlegt u. mit einer Lehmschicht abgedeckt; Backofen im Haus, meist im Speicher großer Höfe; Backofen der Bäckerei). Du glöis as 'n Back-ommen (rot, z.B. bei Fieber). De bünt tweemaol in'n Back-ommen west (sind raffinierter als andere). He häff sik sölws den Back-owwen inhouen (hat sich selbst geschadet, Hei, → Finger).

Back-ommensplaate f. Backblech

Backpanne f. 1. Pfannkuchenpfanne.
2. geschwätzige od. dickliche Person. De dicke Backpanne!

Backpeer(e) f. getrocknete Birne (haltbar gemacht durch Trocknen im Backofen). → gebackene, gedröögte Peere

Backplaate f. Backblech

Backpruume f. blaue Hauszwetsche; Backpflaume (haltbar gemacht durch Trocknen im Backofen). → Bruudlachts-ääten, Rindflees

Backroggen m., -rogge f. Roggen zum Brotbacken

Backs m. Backhaus (vom Haupthaus getrenntes kleines Haus, in dem sich der Backofen u. ein Nebenraum befanden). → Backspieker, Timmerkaamer

Backscheeter m. Brotschieber. → Brood-, Ommenscheeter

Backschüüwer, -ber m. (Bo) Brotschieber

Bäcksel n. Mehl für eine best. Menge Brot (wurde zum Bäcker gebracht)

Backsmann m. (Wes, Ot, St, Sü, Ge, Hei, Rae) Hefeteigfigur od. Spekulatius (für die Kinder zum Nikolausfest). → Klaos-, Stuutenkäärl

Backspäddel, -spättel m. Brotschieber

Backspieker m'n. Backhaus, Speicher, in dem Brot gebacken, Mehl u. Korn gelagert wurde (diente auch als Wohnung). → Backs, Brouspieker

Backsteen m. Ziegelstein. → holländsk

Backstommen, -stowwen m. Backstube in der Bäckerei, im Backhaus; Raum, in dem sich die zum Backen nötien Gerätschaften wie der Backofen befanden

Backsump m. Backtrog zum Kneten von Schwarzbrotteig. → Backtrogg

BacktandBackentand

Backtrogg m. Backtrog (großer, sich nach unten verengender Holztrog; früher wurde darin der Schwarzbrotteig mit bloßen Füßen geknetet). Den Boom wodde uutehouen to ne Backtrogg (Trog aus einem Baumstamm).

Backus m. (Wes, St, Ra) Strohpuppe (Fastnachtssymbol, das zur Fastnachtszeit an einem Baum, Laternenmast od. an der Gaststätte in der Nachbarschaft aufgehängt u. zum Schluß des Festes verbrannt od. beerdigt wird). Wi häbbt'n Backus weggebracht un verbrannt. → Fritz, Jan-Peeter, Jans-Faschlaowend, Knubben, Morioo, Schloffen 1

Backwäite(n) m. Weizen zum Backen, im Ggs. zu → Saodwäiten

Backwark, -werk n. Backwerk, Gebäck. → Gebacksel

backwied hohl, nicht anliegend. De Bänder gaapt, se bünt backwied (lose wie bei einem Faß, → Back).

Badd n. Bad, Badeort, Kurort. He is in't Badd west.

Badde, Barre, Baate f. Hilfe, Unterstützung, Zuschuß, in der Wendg. alle Badde wat (immerhin etwas, man muß mit wenig zufrieden sein). Alle Badde wat, sagg de Mügge (de Floh), dao pissen se (he) in'n Rien.

baddenbatten

baff "erstaunt" → paff

Bäffe, Baffe f. (Bäffen; Bäffken) weißer, steifer Latz, Teil der Festkleidung (→ stiewen Staot). He häff de Bäffe vöör.Insatz.
Zs.: Wichten-

baffken laut klopfen. He baffken met de Fuust teggen de Dööre an. → buffken

Baffschotte, -schötte f. Latzschürze mit eckigem Oberteil

BahnBahne

Bahndamm m. Bahndamm. → Schottersteen

Bahne, Bahn f. (Bahnen; Bähnken) 1. Bahn, Schneise. gladde Bahn maaken (aufräumen, → klaor, Rüümstraote). nich up de lange Bahne (Bank) schuuwen (nicht aufschieben).
2. Fläche zum Trocknen der Lehmsteine. → Steenebahne.
3. Eisenbahn. up de Bahn gebben. nao de Bahne brengen (aufgeben, abschicken). He is bi de Bahn (bei der Bahn beschäftigt).
Zs.: Ächter-, Biester-, Bimmel-, Feld-, Glier-, Hinke-, Ies-, Iesen-, Kalk-, Keggel-, Knee-, Knicker-, Lehm-, Luur-, Putz-, Ried-, Rull-, Rüngel-, Ruts(k)-, Schadden-, Schlepp-, Schlier-, Spais-, Spinn-, Steene-, Tichel-, Tüüg-, Vääne-, Vöör-

Bahnenschotte f. Frauenschürze aus Bahnen genäht(Modell der 50er Jahre)

Bahnhoff m. Bahnhof

Bahnhüüsken Bahnwärterhäuschen am Bahnübergang

Bahnkäärl, -kerl m. Eisenbahner

Bahre; Baore (Bo) f. (Bahren) Bahre. → Barwe.

Bai m. Tabaksorte (Feinschnitt).
Zs.: Häärn-

Bäi n. (We, Rh, Bo) Bay, grob gewebte Wollstoffart

bäide beide. Dat Spinnen, dat ging met bäide Hande. De schmitt ook alls met bäide Hande üm (ungeschickt). met bäide Hande denao griepen (met bäide Beene drup springen) (nehmen, was man kriegen kann). met sik bäiden (zu zweit). Den Anstrieker dee van bäids: anstrieken un Ruuten insetten. → Haamer, middelste.
Zs.: alle-

Bäidel, bäidelnBäitel, bäiteln

bäiderläi beiderlei

bäidersieds beiderseits

bäien aus grob gewebtem Wollstoff. 'n bäien Rock (gestreifter Frauenrock). Bäirock

bäier im Kindervers bim, bam, bäier.Köster

Bäiermann m. Läuteküster, Glöckner

Bäierlöö (Pl.) Glöckner

bäiern 1. best. Art zu läuten vor großen Festen (Mit angebundenem Klöppel wurden zwei Glocken einseitig geschlagen, dazu im Takt eine dritte kleinere, dies in best. Abschnitten). in Poosen bäiern. in Tuurn bäiern. → Bimmel-bammel.
2. schwingen; schaukeln.
3. wackeln, wanken, taumeln. up de Beene bäiern (schwanken).
4. reden, tratschen, schwatzen. Se häbbt de noch lange van bäiert.balgeträäden.
Zs.: wegg-

Bäierstohl m. Stuhl zwischen den Glocken, auf dem der Läuteküster sitzt

Bäiertou n. 1. Glockenseil.
2. Schaukel (alt, Vr, St, Ra, Rae). → Büngel 1

BainßelBäänsel

Bäirock langer Unterrock aus grobem Wollstoff (war kürzer als der Kleiderrock, den man bei schlechtem Wetter raffte)

Bais m. 1. Haus, Hof. He häff den ganzen Bais dedöörbracht (dedöörmaakt) (z.B. von einem Trinker). He häff´n Bais up (ist pleite). Wat häff he ne grooten Bais (Haus, Kotten).
2. Sachen, Dinge zusammen. He häff den ganzen Bais verloorn met Huus un Hoff.Pröttel, Spill

BäißelBäänsel

Bäitel, Bäidel m. (Bäitels) Meißel. → Stemm-ieser.
Zs.: Bläss-, Dopp-, Göös-, Holl-, Holt-, Klööw(e)-, Kold-, Lock-, Schäll-, Schrott-, Spitz-, Stääk-, Stemm-, Stoot-, Warm-

bäiteln, bäideln meißeln

Balanks(e) f. Balance. de Balankse hollen

balankseern balancieren

Balge, Balg m. (Bälge; Bälgsken) 1. Balg, Blasebalg.
2. Leib, Körper, Bauch. He krigg wat up'n Balge (Schläge). Et föllt em te Balge (fällt auf ihn, über ihn). De Mutte kamm em to Balge (griff ihn an, bösartig). He häff de Haore te Balge (Barge) staon (wuschelig). → Beck, Buxe, bitrecken, kriegen, Last, Liew, spee, Stränge, Tuur.
Zs.: Blaose-, Dick-, Frääte-, Katten-, Leege-, Löggen-

balgen, sik sich balgen, sich (nicht ernsthaft) streiten

Balgerij f. Streiterei (nicht ernstlich, eher als Spiel)

Balge-trää(de)n den Blasebalg treten. bäiern un Balge-trään (sich prügeln)

Balgpiene f. Leibschmerzen (derb). → Buuk-, Liewpiene

Balken m. (Balken; Bälksken) 1. Balkenholz, Gebindebalken, Bauholz.
2. Bodenraum über der Tenne (Die Bretter liegen weniger dicht als beim → Solder). nao'n Balken stääken (Fuder abladen, → afstääken). Daor fall'ke nich üm van'n Balken (Das wirft mich nicht um). • Fall van'n Balken un häs kinn Nood, fall van de Hilde (van'n Stohl) un büs dood (Glück haben; kleine Gefahren können schlimmer sein als große, die → Hilde ist niedriger als der Balken). Wo kümp de Koh (Katte) nao'n Balken hen?Ik weet nich, wo ik de Koh nao'n Balken hen brengen sall (Verlegenheit). → böögen, Dank-ook, flunkern 1, Holt n., Huus.
Zs.: Aiden-, Anker-, Dack-, Drööge-, Dunder-, Fast-, Gebunds-, Gewwel-, Hahn-, Harken-, Hecken-, Höi-, Holt-, Huus-, Kehl-, Längs-, Löggen-, Mäi-, Ploog-, Scheer-, Schnie-, Schoppen-, Schüür-, Stroh-, Tüsken-, Twass-

Balken-anker m. Verbindung vom Sparren zum Balken. → Ieser-anker

Balkenbrand m. selbstgebrannter Schnaps, ohne Konzession destillierter Obstler (z.B. im Zweiten Weltkrieg). → sölwstgebrannt

Balkenbrij m. Mehlwurst aus Roggenschrot u. Blut vom Schlachtschwein (Gericht zur Schlachtzeit). → Bloodbrood

Balkenbrügge f. Brücke aus Brettern, Bohlen, Planken über einen Graben

Balkenflees, -fleesk n. Rauchfleisch (am Küchenbalken aufgehängt)

Balkenfluur(e) f. Tennendecke, Bretterboden auf den Balken des Hauses

Balkengatt n. Luke im Heuboden über der Tenne. → Balkenschlopp

Balkenhaase(n) m. Katze (scherzh.). → Dackhaasen

Balkenhaol n. schwenkbarer Arm für Kesselhaken am Herdfeuer. → Wennsuuse

Balkenheck(e) n. Toreinfahrt mit einem Schlagbaum, der auf einer Seite mit einem Stein beschwert ist. → Boomhecke

Balkenlaage, -laoge f. Decke des Hauses aus Balken, Bretterdecke (aus Eichen- od. Tannenspalierlatten von 1 x 2 cm, die mit Zwischenraum untergenagelt wurden). Dat Huus häff noch ne Balkenlaage (im Ggs. zu Betondecke).

Balkenlampe f. Petroleumzuglampe

Balkenledder, -lier(e) f. Leiter zum Dachboden. → Hildenledder

Balkenlock n. Dachbodenluke. He kick et leste Maol döör't Balkenlock (Er ist gestorben). → Balkenschlopp

Balkenratte f. Dachbodenratte. He glüpp as ne olle Balkenratte. → Huusratte, schalüüns

Balkenschleet n. Rundholz für die Tennendecke

Balkenschlopp n. (Wes, Ot, Vr, St, Ge, Rae) Luke im Heuboden über der Tenne (durch die Heu u. Korn abgeladen od. heruntergeworfen werden, mit einem Geländer versehen). He kann uut‘t Balkenschlopp frääten (ist sehr groß, → Dackrenne). He steck de Nässe nao't Balkenschlopp (Er ist gestorben; der Tote wurde vor der Beerdigung unter der Balkenluke aufgebahrt). → Liekspier

Balken-uule f. Waldkauz; Schleiereule (nistet auf Dachböden von Scheunen u. Speichern)

Ball m. (Bälle; Bällken) Ball. Well't eerste den Ball döör dat runde Lock schmeet, de was Könnig (Spiel beim Kinderschützenfest od. beim Feiern der → Pingsterbruud,Schiewen-schmieten). Se schmiet't sik de Bälle to (halten zusammen, arbeiten nicht gegeneinander). Bällekes (Frikadellen). de Bälle (Hoden). → bickeln, Stando-met-den-Ball.
Zs.: Bickel-, Foot-, Grenz-, Haor-, Hüüle-, Ies-, Keggel-, Kloot-, Plodden-, Schnee-, Spöll-, Tuffel-, Völker-

Ball-bickeln Ballspiel an der Mauer

BallböiskenBalleböisken

balldiesig, balliesig (Wes, Ot, Vr, St, Sü) üppig, verschwenderisch, großzügig. Wat bünt de Löö balldiesig! De is't nich so balldiesig wennt (nicht so üppig gewöhnt). → bandiesig, bulldiesig, riewe

balldoowig (Vr) langweilig, träge

Ball(e)böisken, Bomböisken, Borböisken (Wes, Sü, Bor, Rae) Hefegebäck (in Öl in einer Pfanne mit Vertiefungen gebacken). → Olliekrabbe, Puffer

Balleböiskespanne f. (Vr, Bor, Rae) Pfanne mit runden Vertiefungen zum Backen von Hefegebäck. → Püfferkes-ieser, -panne

Bällehüüsken Lager für Knicker (Töpferei)

Ballen m. (Ballens) Ballen. en Ballen Stroh.
Zs.: Foot-, Preß-, Schnee-, Stroh-

ballen ballen. He ballt de Fuust in de Taske (versteckte Wut).

Ballenwaage(n) m. Wagen für Strohballen (mit hohen Eisengittern)

Baller-äärs m. Polterer, grobe, laute Person

baller-achtig grob, plump; unüberlegt, unkontrolliert. De Blaagen bünt so baller-achtig, et giff anner Wäär.ballstüürig

Ballerböis n. Polterer; unruhige, schimpfende Person. → Bullerböis

Ballerbüsse f. grobe, laut schimpfende, ungeschickte Person. → Bullerbüsse, Kalbaanis

Ballerbüül m. grober, laut schimpfender Mann (unüberlegt, hastig bei der Arbeit u. im Wesen). nen Ballerbüül van ne Käärl

Ballerbux(e) f. grobe, laut schimpfende Person

ballerig 1. stürmisch. Et is ballerig Wäär.
2. unruhig, unbeherrscht, grob, wild, laut. De Jungs bünt so ballerig vandaage. → bullerig.
Zs.: bucks-

Ballerij f. 1. lautes Geräusch, Knallerei (z.B. der Flinte).
2. unüberlegtes Handeln, Arbeiten

Ballerjan m. grobe, laut schimpfende Person

Ballerjaore (Pl.) Flegeljahre. Dat dee he in de Ballerjaorn (in jugendlichem Leichtsinn). → Fläägel-, Raosejaore

Ballerkopp m. grobe, laut schimpfende, jähzornige Person. → Pladausen

Ballerkunte f. grobe, laut schimpfende Person

Ballermääse, -merse f. grobe, laut schimpfende Person

ballern 1. lärmen, Krach machen.
2. hastig sein, arbeiten

Ball-houen Kinderspiel. → Ball-schlaon

balliesigballdiesig

Ball-schlaon Kinderspiel (Der Ball wird mit einem Stock möglichst weit geschlagen, währenddessen läuft ein anderer zu einer best. Stelle, er kann von der Gegenpartei abgeworfen werden). → Schneese

Ballspöll n. Ballspiel

Ball-spöllen Ballspielen. → Arm, bääden, Buuk, Fuust, Hand, Knee, Pannekooken, Rügge

ballstüürig (Wes, Ot, Vr, Sü, Bor); bollstüürig (St) wild, ausgelassen, toll, verrückt. en ballstüürig Määnske. → ballerachtig, böisterig

Bambusbessem, -n m. Straßenbesen, Besen mit Bambusstiel

Bammel m. in der Wendg. Bammel häbben (1. Glück im Unglück haben. 2. Angst haben).
Zs.: Jan-

bammeln baumeln. → bummeln

bamstig (Bor, Rh, Bo) schlagartig, plötzlich. De Klocke stonn bamstig still. → baats, karbamstig

Band n. (Bände(r); Bändeken) 1. Band; Tau, Seil. an'n Band hollen (an der Leine führen). De willt se mi an'n Band doon ("andrehen", aufdrängen, aufschwätzen). an'n Band kriegen (zügeln). He häff 'n Däärnken an'n Band (Er freit). De Koh häff de Bände all loss (Anzeichen fürs Kalben). 'n Bändeken to't Strohbinden (Bindfaden, Bändchen). De Blaagen bünt ratz van de Bände (uut Rand un Band) (unbändig, übermütig, → weerig 2).Haltestrang, Seel, Strick 1.
2. Reif am Faß (Weidenholzreifen, später verzinkter Eisenreifen); Lauffläche der Räder am Ackerwagen. Band uptrecken (Eisenreifen aufziehen, Schmiedearbeit). Band van de Fietse (Fahrradreifen aus Gummi). → Staff, updriewen.
Zs.: Achter-, Assen-, Binde-, Buxen-, Döörtreck-, Draaken-, Driewe-, Fatt-, Felgen-, Fietsen-, Gängel-, Gummi-, Hassel-, Hood- , Hossen-, Ieser-, In-, Jaage-, Kappen-, Kopp-, Kött-, Kott-, Krallen-, Kroonen-, Lang-, Lind-, Linnen-, Määt-, Maot(e)-, Meeter-, Moaree-, Müsken-, Müür-, Naaben-, Naffel-, Packs-, Packtstou-, Plaaten-, Puppen-, Sammet-, Schliep-, Schlöttel-, Schoh-, Schötten-, Schruuwen-, Sicht-, Sieden-, Soom-, Speeken-, Stääk-, Steck-, Steern-, Stoot-, Stroh-, Strump-, Stuuk-, Stuuw-, Tappen-, Topp(en)-, Truur-, Weel-, Wöske-, Woste-

Bandbelagg m. Bandbelag der Frauenhaube (schmal u. schräg)

Bände 1, Bande f. (Bänden) Gruppe von Menschen od. Tieren; Menge, viele. ne Bände Veh up de Wäide. ne ganze Bände Volk. ne heele Bände van Jungs.Koroona, Tropp

Bände 2, Bänne f. (Bänden) geflochtener Korb, großer Wäschekorb ohne Henkel. → Mände

Bandel m. (Bandels) 1. Felge vom Rad zum Reifenschlagen (Kinderspiel).
2. Eisenreifen am Rad. → Hubbel.
Zs.: Schuuwe-

bandeln, banteln (Rh, Bo) Kinderspiel: Reifen od. Fahrradfelge mit einem Stock vor sich hertreiben. → hasseln, Jaageband

Bandgröss, -gräss n. Bandgras, queckenartige Grassorte. → Meddel, Grund-, Waaterquecke

Band-ieser, -n n. Bandeisen, Reif aus Eisen (z.B. für Fässer). → Plaatenband

bandiesig üppig, verschwenderisch. → balldiesig

Bandiet m. Bandit

bändigen, bännigen bändigen. Dat Kind is nich te bändigen (unbeherrscht, wild). Well den Düüwel will bännigen, mutt räin van Sünden wessen (St).

Band-jaagen Reifenschlagen (Kinderspiel). → bandeln, Ring-jaagen

Bandlammer(t)Bankelammert

bandloos 1. brüllkrank (Gebärmuttererkrankung der Kuh; sie wird nicht mehr tragend, hat jedoch Trächtigkeitserscheinungen, brüllt wie ein Stier). De Koh is bandloos, dat is ne heele Brüllerij.
2. ausgelassen (z.B. beim Feiern); mannstoll (scherzh.)

bandloosen wild, unbeherrscht sein; Radau machen. Wat bünt se weer an't Bandloosen.

Bandmaote f. Bandmaß, Maßband (beim Bau), Zentimetermaß

bandraosen (Hei) wild hin- u. herlaufen, toben. → bandloosen

Bandreckel m. 1. Kettenhund (männl.).
2. wilder, unruhiger Junge

bandreckeln vom Hund: Geschlechtsverkehr ausüben

Bandsaage f. Bandsäge. Wi hä'en ne Saagekuhle bes twee-untwintig, daor kreeg wi ne schwaore Bandsaage.Trää

Bandworm m. Bandwurm (Schmarotzer, bes. bei Kühen). → Spoolworm

Bandwormwottel f. (Bo) Rainfarnkraut. → Piernkruud

bange ängstlich, schreckhaft; schüchtern. bange maaken (ängstigen). bange wenn. (fürchten). He is nich bange (forsch im Auftreten, Fordern). Daor maak wi us nich bange vöör (Das schaffen wir leicht). He is so bange as de Arfte in'n Pott. He is de so bange vöör as de Düüwel vöör't Krüüs. •• Bääter Jan is bange as Jan is dood.Jan-Bange, Köttel, Piere, ungeboorn

Bange-äärs m. Angsthase

Bangebux(e) f. ängstliche Person, Angsthase

Bangeköttel m. Angsthase

bangeln hin- u. herwippen (z.B. auf dem Stuhl). Wat sitt ih daor weer te bangeln! (zu Kindern). → büngeln

Bangepier(e) f. Angsthase

Bange-ssipp f. Angsthase

Banghaase(n) m. Angsthase

Bangigkäit f. Ängstlichkeit. He mäck sik vöör Bangigkäit wat in de Buxe.

BankBanke

Bankbladd n. Fläche der Hobelbank

Banke, Bank f. (Bänke; Bänksken) 1. Bank (z.B. Kirchen-, Schulbank). Ik sall di de Bänke richtig setten! (werde dich zurechtweisen). döör de Bank (wegg) (im allgemeinen, gewöhnlich, meistens).
2. bankartiges Brett, bankartiger Gegenstand. Banke an't Spinneweel. Bänkskes an't Föör (bankartiger Mauervorsprung am Herdfeuer, → Müürsteen). Bänke (Gestell zum Zersägen von Brettern). Wenn de Sünne achter ne schwatte Banke undergeht, dann giff't Räägen (hinter einer dunklen Wolke). Döör den Stuuten is ne Bank döör (Wasserstreifen, → glaaserig, Schlaoge). → Bahne.
Zs.: Aor-, Bääde-, Bloomen-, Brood-, Dräi-, Drecksel-, Fenster-, Foor-, Foot-, Frij-, Gaorden-, Häcksel-, Hand-dook-, Heerdföör-, Hoobel-, Hook-, Hüüwen-, Iemen-, Karken-, Klapp-, Klumpen-, Klüüse-, Köcken-, Kommjoon-, Koor-, Krüüs-, Melk-, Müür-, Newwel-, Ommen-, Örgel-, Pass-, Potte-, Rou-, Schaawe-, Schmand-, Schnee-, Schnie-, School-, Spille-, Tööne-, Veersitter-, Wolken-

bänkedeern wild sein, toben. → baalammen, bangeln

bankelammen herumtoben, sich wild, ungestüm benehmen. → baalammen

Bank(e)lammer(t), Bandlammer(t) m. unbeholfene, ungeschickte Person (nicht ernst zu nehmen), grobe Person, Tölpel. → Baalamm

banken (Wes, Ot) läufig sein. De Hund banket.

Banken-anton m. (Wes, Ot, Vr, St) "Mauerblümchen", Mädchen, das beim Tanzen auf der Bank sitzen bleibt. Se häff met Banken-anton fiert.

Bankenruum m. Raum der Schreinerei, in dem die Hobelbänke stehen (im Ggs. zu → Maschienenruum)

Bankette f. (Banketten) 1. Bankette, Streifen zu beiden Seiten des Weges.
2. Fundament beim Hausbau.
Zs.: Ssucker-

Bankhaaken, -haok(en) m. Haken der Hobelbank (eiserner, winkliger Haken mit gerauhter Faßfläche zum Festklemmen von Werkstücken; das runde Ende wird senkrecht in die Hobelbank gesteckt, das waagerechte, flache Ende klemmt das Holz fest; Vorgänger der Schraubzwinge.)

Bank-knech(t) m. Ständer an der Hobelbank zum Stützen langer Werkstücke

Banklaa(de) f. Schublade in der Hobelbank für Werkzeug

Banklammer(t)Bankelammert

bankrott bankrott, pleite. Du saogs noch leewer, dat he vandaag bankrott göng as morgen (unfrommer Wunsch).

Bankrottsmölle f. Kaffeemühle (scherzh.)

Bankschrääper, -schrapper m. Blech- od. Holzschaber in der Töpferei (zum Reinigen der Walkebank u. des Scheibenkopfes)

BännaatzBennerd

BänneBände

bännigenbändigen

bantelnbandeln

Bäömann m. Kinderschreck, Scheusal. → Buddekäärl

Baord 1. Buord (St, Sü). Burd (Rae, Rh, Bo) m. (Bäörde; Bäördken) Bart; Kinn. den Baord (sachte) daor af maaken (dr'af doon) (1. rasieren. "ausschimpfen", zurechtsetzen). Se häbbt em den Baord afmaakt (scheert) (haben ihn zurechtgewiesen, ihm die Wahrheit gesagt). üm'n Baord gaon (schmeicheln). Lao di nich 'n Baord scheern! Dat Schwien krigg 'n Baord dr'af (wird geschlachtet). Dat göng em nao'n Baord (nach seinem Willen, → Kopp). Wat lecks du den Baord denao? Waorüm häbbt de Wiewer kinne Haore an den Baord? Se könnt nich schwiegen, solange as man se scheert.Aard, brummen, Honning, Käiser, prömmeln, prozessen, pusse-passe, sabbeln, schmeern, spijen.
Zs.: Backen-, Dunder-, Hippen-, Juuden-, Patriarchen-, Rood-, Schlöttel-, Spitz-, Sseggen-, Under-, Vull-

Baord 2. Buord (St, Sü). Burd (Rae, Rh, Bo) m.(Bäörde; Bäördken) Saum, Bord (an Hemd, Rock, Hose). Baorden an de Buxe. Bäördeken an't Hemd (z.B. Stehkragen).
Zs.: Buxen-, Hemd-, Hossen-

Baord 3. Buord (St, Sü). Burd (Rae, Rh, Bo) m. Bord, Wandbrett.
Zs.: Bööker-, Boosen-

Baord- auch: Buord-, Burd-

Baorde. Buorde (St, Sü). Burde (Rae, Rh, Bo) f. (Bäörden; Bäördeken) Borte, Saum. en Bäördeken maaken (Rand als Abschluß bei schablonierten Wänden). Bäördeken an'n Boosem (Stehgardinchen, → Richel).
Zs.: Hääkel-

bäördeln, bäörden Rand (z.B. von Metallgefäßen) um einen Draht biegen, rund treiben. → röödeln

Bäärdeltange f. Werkzeug zum Rundbiegen (der Kanten) von Blech

Bäörd(e)mess, -er n. (Ot, Vr, Sü, Ge) Schnitzmesser, Werkzeug, mit dem die Kanten am Holzschuheinstieg beschnitten werden. → Binnenmess, uutbäördeln

bäärdenbäördeln

Baordhaor n. Barthaar

bäördig bärtig

BäördmessBäördemess

Baordnelke f. Bartnelke, Tausendschön. → Duusendschöönken

Baordsteen m. Bordstein. → schampen

BaoreBahre

BaorleBarle

Baors 1 m. (Bäörse; Bäörsken) Flußbarsch. De Bäörse hä'en ne Kaom up'n Puckel (Kamm). so dick as ne Baors (von einem kräftigen Jungen).
Zs.: Rotz-, Schnook-, Schnätter-, Stääk-, Steen-

Baors 2 m.; Baorske f. (Ge) Bauchspeicheldrüse vom Schwein (wird meist weggeworfen)

Bäöte f. (Vr) (Bäöten; Bäötken) Haubenlerche. → Leewing

baraabel(sk), bawaabel besonders gut, prächtig. Den Jungen häff in baraabels Mesterstück maakt. ne baraabelske Koh (Prachtexemplar)

Barbier m. (Barbiers) Friseur. → Scheerbaas

Barbutz m. (Barbutzen) (Ra, Hei) Friseur

Barchent, Parchem m. Barchent, Baumwollflanell

Barg; Berg (Wes, St, Sü, Bo) m. (Barge; Bargsken) 1. Berg, kleine Erhebung. de Barge (Hügelland). He steht daor as 'n Ossen an'n Barg (verlegen). Daor höllt se met achter'n Barg (hält damit zurück). He is 'n Barg öwwer (erlöst, gestorben).
2. Kornstapel im Freien (mit od. ohne Dach). 'n Barg packen (Garben od. Strohbündel aufschichten, → Haawer-, Kappbarg).
3. Haufen, Menge, viel. 'n Barg Geld. → Haor, Hoop 1.
Zs.: Haawer-, Kapp-, Möllen-, Saod-, Stocke-

Barg-, barg- auch: Berg-, berg-

barg-af, -of bergab

bargen (bargt; barg, bargen; borgen) 1. bergen, retten, aufnehmen, bes. in der Wendg. De könnt sik nich bargen vöör Lachen (sich nicht halten, zusammenreißen).
2. verbergen

bargig bergig, hügelig

Bargroo(d)e f. (Wes, Sü, Bor) Pfosten des Kornstapels im Freien (Träger des Daches, das in der Höhe verstellt werden kann). → Haawerbarg, Krack-, Stöckhaol

Bargrunge f. Pfosten des Kornstapels. → Bargroode

barg-up bergauf; aufrecht, steil

Barke. Berke (Wes, Bor, Rae, Bo) f. (Barken; Barksken) Birke. → Mäie

BarkelBerkel

Barkelfisk, -fiss m. Flußfisch, Fisch aus der Berkel. → Bääkenfisch

barken. berken (Wes, Bor, Rae, Bo) aus Birkenholz. barkene Rieser

Bark(en)- auch: Berk(en)-

Barken-allee f. Birkenallee

Barkenholt n. 1. Birkengehölz.
2. Birkenholz. Barkenholt, dat brennt ook, wenn't noch natt is.

Barkenloof n. Birkenlaub

Barkenries, -er n. blattloser Birkenzweig (für Besen u. als Erbsenstange)

Barken-ssapp m. Birkenwasser

Barkenstegge f. von Birken gesäumte Straße. . Mäienstegge

Barkentack n. Birkenzweig

Barkentoog n. Birkenzweig mit Blättern

Barken-upschlagg m. Aufschlag von Birkensämlingen

Barkenwaater n. Birkenwasser. Barkenwaater is gudd föör de Haore, daor wödd de weeke van.

Barkhahn m. Birkhahn

Barkhohn n. Birkhuhn. . Knuurepott

Barle. Baorle ON Barle bei Ahaus-Wüllen. Baorlske Sandhaasen (Ortsneckerei: Sandgruben bei Wüllen-Barle)

barmhattig. barmhättig (Wes) barmherzig.
Zs.: un-

Barmhattigkäit f. Barmherzigkeit. Häärgotts Barmhattigkäit.Unwettenhäid

BärndBennerd

Baromeeter m. Barometer. Wenn den Baromeeter stigg, dann räängt't, dat't migg (bei Hochdruck, scherzh.). → Weerglass

Baroness f. (Baronessen) Baronesse

Baronn m. (Baronnen) 1. Baron.
2. wichtige Persönlichkeit; best. Person (scherzh.). Dat is ne dicken Baronn (korpulente od. reiche Person). → holländsk.
Zs.: Leege-

Barras m. Militär, Kommiss. He is bi'n Barras. → Kommiss

BarreBadde

Barrieer(e) f. (Barrieeren) Schranke, Sperre; Chausseegeldstelle. an´n Barrieer. Barrieere betahlen (Wegezoll bezahlen). → Porreer

barstenbasten

Barwe. Berwe (Wes, Ot, St) f. (Barwen) 1. Seitenholz, Rahmen der Sturzkarre, Hauptbalken am Karrenaufbau (leiterähnliches Grundgerüst ohne Räder u. Aufsatz). De Bööme satten frühr in de Barwe, laater häbb wi de Bööme buuten dran maakt. → Houptboom
2. Bahre, Totenbahre (Vr, Sü, Bor, Bo). → Bahre

Barwen- auch: Berwen-

Barwenboom m. (Wes, Vr, Bor, Rae) Hauptbalken des Sturzkarrenrahmens

BaselüünkenBusseruun

basken (Vr) poltern, lärmen. De Klumpe basken up de Dääle. De Blaagen bünt an't Basken. → gasken

Bass 1 m. in der Wendg. nich met ne Bass (langsam, Ruhe bewahren, z.B. bei der Arbeit). → hassebassen

Bass 2 m. (Bässe) Brummbaß, Baßstimme.
Zs.: Brumm-

Bass "Rinde, Haut" → Bast

Basse f. (Bassen) (Wes, Ot, Vr, Ra, Bor, Rae) 1. Oberschenkel, Bein; Pobacke, Hinterteil. Dat Peerd kamm met de Bassen an de Bööme (zu eng eingespannt vor der Karre). öwwer de Basse houen (über den Oberschenkel, beim Reisigbündel machen). Dann krigg et wat vöör de Basse (im Kindervers). Se sitt't met eene Basse up de Bank (sehr eng). De satten all met eene Basse up Naobers Grund (von sehr kleiner Hofstelle). De häff Beene as Bassen un Bassen as Möllen-assen (sehr dick). → afsitten, Batzen, Bollen, Geföhl, Schenkel, Titt.
2. Piek-Dame im Kartenspiel. → Blaue, Olle f., Schüppen-Daame.
Zs.: Äärs-, Lodder-, Peerde-, Schlacker-, Strie-, Ssaanke-, Täödel-

bassen, bässenbasten, bästen

Bassenflees, -fleesk n. Fleisch vom Hinterteil (des Kalbes)

Basseng n. (Bassengs) Zinkfaß, Bassin. Dat Flees wodde in'n Basseng trüggeleggt (ins Pökelfaß).

Bassenhochtied f., Bässkeshochtied f. Schläge für Kinder. Glieks giff't Bassenhochtied! (Drohung). → Gattmölleken

bassens-bastens-

Bassenstööterken 1. steife Kleidung (z.B. Frack des Dirigenten).
2. wer steife Verbeugungen macht, ungeschickte Person

basserig, bassern, Bassertbasterig, bastern, Bastert

Basshaorn, -hurn n. Baßhorn

bässigbästig

BässkeshochtiedBassenhochtied

bassplackenbaasplacken

Bast, Bass m. (Bäste; Bästeken) 1. Rinde. De Kaniene häbbt 'n Bast van de jungen Bööme af-frääten.
2. Schale (z.B. von Zwiebel, Kartoffel, Nuss, Ei), Schote. Ungelaadene (ungenöögte) Gäste kriegt Bohnen (Erpel) met de Bäste.
3. Fettschicht auf erkalteter Flüssigkeit, auf gekochter Milch. Bast up de Melk.Huud.
4. Haut, Fell. Ik häbb den Bast so natt kreggen. wat up'n Bast kriegen (verhauen werden).
Zs.: Äier-, Arften-, Bohnen-, Boom-, Eeken-, Erpel-, Käpper-, Nötten-, Peersicken-, Rössel-, Rou-, Schwill-, Sspiepel-, Tao-, Wilgen-

basta genug! (Ausruf)

basten, bassen. bässen (Wes). barsten (Rh, Bo) (bast; bost, bosten; bosten) bersten, spleißen, springen; einen Riß bekommen. Wann 't Waater sackt, dann bast (knappt) 't Ies (auch: vom Furz beim Wasserlassen). nen Schlagg vöör't Basten uutschäiden (einen Schlag vor dem Bersten aufhören; man soll es nicht übertreiben). Wenn't nich waor is, magg ik basten. He is an de eerste Lögge nich ebasten (süss was he a. lang nich mähr anander te kriegen) (lügt nicht zum ersten Mal). bastend vull. Dat Froumääsk bäss vöör Nijsgierigkäit (platzt vor Neugierde) → Äärs, Buuk, büülen, Genöögen, hasten, springen.
Zs.: buller-, hasse-, kaputt-

bästen, bässen entrinden, abschälen. Bohnen bästen. Holt bästen.döppen

bastens- auch: bassens-

bastensmaote zum Bersten satt, voll (von übermäßigem Essen)

bastens-satt zum Bersten satt, übersatt

baste(ns)vull zum Bersten, Überlaufen voll. Den Boom sitt bastensvull (z.B. Obstbaum voller Früchte). Up de Karmis was't bastensvull.flöppenvull

basterig; basserig (St, Ra) überstürzt, hastig.
Zs.: hasse-

BasterBastert

Baster- auch: Basser-

Baster-knickern mit großen Knickern spielen. → bastern

bastern 1, bassern mit großen Knickern spielen

bastern 2, bassern Tierrassen kreuzen, mischen. gebasterte Kaniene.verbastern

Baster(t), Basser(t) m. (Basters; Bästerken) großer, dicker Knicker (meistens aus Ton, selten aus Glas, zum Treffen der kleineren Knicker). ne Bastert to't Anscheeten. ne glaasen Bastert.Knicker, Stöitert.
Zs.: Ollie-

bastevullbastensvull

Bastflöite f. Bastflöte (z.B. aus junger Weidenrinde gefertigt)

bästig, bässig was viel Schale enthält. Junge Arften wann. bästig.
Zs.: rou-

Bataljonn n. Bataillon (beim Militär, Schützenverein)

batten, baaten, badden helfen, nützen. Dat kann mi nich baaten un di nich schaaden (beim Trinkgeld geben). Et batt nich, et schaadt nich, helpen dööt´t ook nich (z.B. Medizin, scherzh., Ge). Dat batt em wat (hilft ihm gut, bringt Gewinn). Et batt nich mehr (Es hilft nicht mehr). Dat batt! (Das reicht, genügt!). Dat batten nich (klappte nicht).

batts(k) ansehnlich. en batts Froumääsk

BatzBertus

Batzdich Donnerwetter! (Ausruf des Erstaunens). Batzdich, sägg de Buur, dao schloog de Koh met'n Statt in'n Melk-emmer (Bo).

Batze f. (Batzen) große Schaufel mit umgebogenen Rändern, Schlammschaufel. → Pannenschüppe, Grind-, Saodpanne, Schoofel, Schüppe

Batzen m. (Batzen) 1. Oberschenkel. → Basse.
2. großes Stück (z.B. Fleisch); Haufen Geld.
Zs.: Ächter-, Humpel-

Baumberger Sandsteen m. Sandstein aus den Baumbergen (für Fußbodenplatten, Herdfeuer- u. Fenstereinfassungen)

bawaabelbaraabel

Be-amter m. (Be-amten) Beamter. → Wark.
Zs.: Miege-

Be-amtenfierdagg m. Mittwochnachmittag (Die Beamten hatten frei, scherzh.)

Be-amtenkoh f. Ziege (scherzh.). → Bergmannskoh

be-antwaorden, -wurden beantworten. Wat'ke nich weet, kann'k nich be-antwaorden.

be-äösen beschmutzen (z.B. mit Farbe bekleckern, die Hose vollmachen).

be-arbäiden bearbeiten. dat Holt föör Klumpe be-arbäiden

be-arwen beerben

bebäärlik viel, besonders. so'n bebäärlik Spill (etw. Besonderes, viel)

bebouen den Hof, Acker bewirtschaften

bebröö(de)n bebrüten

Beck m. (Becke; Becksken) Maul, Mund; Schnabel. Dat Peerd moch'm in'n Beck kieken, üm dat Older te sehn. De Koh wödd döör'n Beck molken (vom Futter, Ra). • 's Mäis ne Beck vull is bääter as 's Harws ne Balge vull (vom Viehfutter, das im Frühjahr mehr Nährwert hat). He häff 'n grooten Beck (Großmaul). De kann gudd met'n Beck. Se häff vull an'n Beck (Schwätzerin). Hollt äs de Beck, laot't mi äs küürn. de Löö den Beck lossdoon (dichtdoon) (Anlaß zu Gerüchten geben bzw. kontern). Laot he den Beck (Mund) män nich so wied lossdoon! (Er soll nur ruhig sein). → Aor 1, Erpel, Foor 1 n., groff, groot, Gröss, Höi, holder-de-bolder, Honning, Klumpen, Korinte, lossmaaken, lumpen, Muule, Nösse, Schnaabel, Schraowen, stoppen, verbraanen, verschlieten, vull, Waater, Waord, wassen.
Zs.: Äier-, Bläär-, Fiske-, Grää(n)se-, Gröön-, Groot-, Kääkel-, Lache-, Lecker-, Reer-, Schlaot-

Beck-, beck- iBachi → Bääk-, bääk-

Beckbääse, -beer(e)Bickbääse

BeckeBääke

Beckedier, -deer n. (Wes, Ot, Vr, Sü, Bor, Rae) wer viel schimpft od. frech redet. 'n Beckedier van'n Froumääsk

Beckem(sken)Beckum

Becken n. (Beckens) Milchschüssel (mit zwei Henkeln, ohne Ausguß). → Back.
Zs.: Flööß-, Melk-, Plundermelks-, Scheer-, Schmand-, Wask(e)-, Wijwaater-

becken (Wes, Ot, Vr, St, Sü, Rae) laut schimpfen, streiten. → blecken.
Zs.: schänne-

Becken-Bääken-

Becker(t) m. schimpfende Person. → Bleckert

beckfechten diskutieren, mit Worten streiten. → kattfenstern, muulfechten

Becking ON Becking, Bauersch., Feuchtgebiet bei Bor. Daor häff he ne Beckingsken maakt (Schildbürgerstreich).

Beckum. Beckem ON Beckum. 'n Beckemsken (Beckümsken) (ein Schildbürger, wenn bei der Arbeit etw. danebengegangen ist). → Schelm

bedaagt alt, betagt

Bedach(t) m. Bedacht, Vernunft, Überlegung, Ernst. He ett met Bedacht (Er ißt bedächtig). → Ümsicht

bedach(t) überlegt, ernst, in Wendungen wie Et is em nich bedacht. Daor is em nix van bedach (Es ist nicht ernst gemeint, nur zum Schein). Is Uh dat bedacht? (Meinen Sie das wirklich?) Et is mi bedacht (Ich meine es ernst). → bedenken

bedächtig überlegt, besonnen, ruhig, bedacht

bedachtsaam, -sam vorsichtig, berechnend

bedanken bedanken. Bedankt! Büs ook bedankt! (Danke. Antwort: Nix te danken, dree Mark füftig, scherzh.).

bedäödeltbetäödelt

bedaon fürsorglich. He was de recht bedaon (gedaon) met.

Bedarw m. Verderb (alt). → Verdarw. Et steht up´n Bedarw (Es verdirbt).

bedarwen verderben (alt). → verdarwen. en bedorwen Määske (sittlich verdorbener Mensch)

Bedd-dääke, -decke f. Bettdecke

Bedd-dook m'n. Bettuch, Bettdecke

Bedde n. (Bedden; Beddeken) 1. Bett, Bettgestell, Bettlade, Bettstelle. Lao we nao Bedde gaon. uut't Bedde springen un in de Buxe scheeten (plötzlich aufstehn). uut't Bedde kloppen (driewen, schmieten). in't Bedde sitten (krank sein; Bettlänge 1,80 m). Dat Bedde treckt em van de Beene (Krankenlager macht schlapp). Ligg äs 'n paar Daage in Bedde, dann büs sicher krank. Nich föör andere Löö.t Bedde terechtemaaken (arbeiten u. andere haben den Vorteil davon, → fäärdigmaaken, Kuckuck). ohne Papp nao Bedde (Strafe für Kinder). Häbb ih in't Huus gaar kinne Bedden? (zu späten Gästen). Well met de Hohner nao Bedde geht, de kann ook met de Hahnens upstaon. •• Bääter in'n old Bedde as up'n nijen Tuun (vom Heiraten, → Ääksternüst). He is demet in't Bedde west (hatte Geschlechtsverkehr). Dao ligg dat Bää weer up de Ää (auf der Erde, Ortsneckerei, Spott auf die Mundart von Alstätte). van't Bedde up't Stroh leggen (von Toten). Nu help mi äs van't Bedde up't Stroh (ungeduldig, wenn einem etw. nicht einfällt). Mo'k di äs van't Bedde up't Stroh helpen? (1. aus der Not helfen. 2. durch Betrug arm machen, iron.). De helpt di wall van't Bedde up't Stroh (machen dich ärmer, besitzlos, → Essel 1). → afhollen, glööwen, Hegge, Klooster, Kracke, Kuhle, Lampenfett, Lessekant, Miege, Mooder, Nacht, Ostewind, Pöll, Schneese, Schotte, Spass, upmaaken, upstaon, uut-trecken, verkehrt.
2. bettartiger Gegenstand (z.B. Bankbett an der Drehbank des Drechslers).
3. Beet, Gartenbeet; lange, beetartige Reihe. twee Bedden met Arften (Erbsenbeete). 'n Bedde bi't Klüün-maaken. Höi an Bedden sträien (in kleinen, länglichen Flächen). en Bedde dosken (Schicht der ausgelegten Garben auf der Tenne dreschen, die Ähren lagen übereinander, die Schicht mußte ein Polster für das Schlagholz des Flegels bilden). Sess Bedde wann. een Schuft (best. Menge beim Dreschen). een Bedde dosken vöör'n Papp (ein Durchgang mit dem Flegel vor dem Morgenbrei). → Döske.
Zs.: Arften-, Bloomen-, Bohnen-, Bruuds-, Deck-, Dooden-, Doske-, Ehe-, Floot-, Foot-, Gaorden-, Garwen-, Gäste-, Groote-Bohnen-, Gurken-, Haia-, Hemmel-, Kabbes-, Kasten-, Kinder-, Kind(s)-, Klüün-, Kranken-, Kraom-, Kruud-, Nüürn-, Öwwer-, Puppen-, Roosen- , Ruut-, Schlaot-, Ssiepel-, Starwe-, Stroh-, Süüse-, Trää-, Under-, Wottel

Beddebüür(e) n. (Wes, Vr, St, Sü, Ge, Rae) Inlett, innerer Federbettbezug. → Togg

Beddefättken (Wes, Ot, Vr, Sü, Bor, Hei, Rae) geküferter Bettwärmer. → Beddetünneken

Beddefeere, -fäär(e) f. Bettfeder

Beddeflöö(r) f. Apfelsorte Bellefleur (grünrot, haltbar)

Beddefluuse f. Federchen, Flaum. Häs ne Beddefluuse an't Tüüg sitten.

Beddegaonstied f. Zeit, zu Bett zu gehn, später Abend. → Börgerklocke, Schlaopenstied, Upstaonstied

Beddehemmel m. Wiegenhimmel. → Hemmelbedde

Bedd(e)juffer f., -jüfferken Bettwärmer mit erhitztem Eisenbolzen. → Pluffe

Beddekaamer f. 1. Bettschrank. → Beddekaste.
2. Schlafzimmer

Beddekanne f. Wärmflasche. → Beddekruuke

Beddekant(e) f. Bettkante

Beddekaste f. eingebautes Wandbett, Bettschrank (in der Küchenwand, von allen Seiten mit Brettern abgedichteter Raum als Schlaftstelle, mit Schiebetür od. Gardine). in de Beddekaste praoten (vorreden, daß man ins Bett muß)

Beddekiste f. 1. Wandbett. → Beddekaste.
2. Truhe für Bettzeug

Beddeklocke f. Glockenschlagg um 22 Uhr (Zeit für die Bürger, ins Bett zu gehen). → Börgerklocke

Beddekoue f. (Hei) Wandbett. → Beddekaste

Beddekruuke f. Wärmflasche, Bettwärmer

Beddel-, beddel-Bäädel-, bäädel-

Beddelaaken n. Bettuch, Laken (aus Leinen, kam auf das Unterbett). Et was kold van Nachte: De Beddelaakens wann. tüsken Mann un Frou witt (iron.). → schlimm

beddelnbäädeln

Beddemiegersklööre f. blasse Gesichtsfarbe (scherzh.)

Beddemiegert m. Bettnässer

beddenbääden

Beddepanne f. Nachttopf. → Steegpanne

Beddepantoffeln, -tuffeln (Pl.) Bettschuhe, gestrickte od. genähte Pantoffeln (getragen von Kranken im Bett od. im Winter in den Holzschuhen). → Nachtschloffen

Beddepiepe f. Pfeife mit geschlossenem Kopf (wegen der Brandgefahr). → Höipiepe

Beddepisser m. Bettnässer

Beddepissersklööre f. blasse Gesichtsfarbe (scherzh.)

Beddeplanke f. Seitenstück der Bettlade. He satt met't Gatt up de Beddeplanke. •• Bääter ne junge Däärne frijen, as 'n old Wiew dat Gatt öwwer de Beddeplanke schlöppen (vom Heiraten, → Ääksternüst).

Beddepöll n. Doppelkissen, Kopfkissen

Beddepost, -poss m. Bettpfosten. → Beddlaadenstaalen, Klooster

Beddequast, -quass m. Seil über dem Bett, um sich daran aufzurichten. → Help-up, Maak-sachte

Beddesack m. Bettsack als Matratze (bes. in der Wiege, war mit Spreu gefüllt). → Bookwäitenbulster, Haawer-, Strohsack

Beddespree(de) f. Tagesdecke für das Bett

Bedd(e)stää f. Bettstelle, Bettlade. De bünt in de verkährte Beddstää jung west (Armut, ohne Bildung). Se häff de Fööte nao de Beddstää staon (heiratswillig). → Lessekant

Beddestaalen m. Bettpfosten. → Beddlaadenstaalen

Beddestock m. glatter Stock zum Feststecken der Leinenlaken

Beddestohl m. Stuhl im Schlafzimmer für Kleidung

Beddestroh n. Bettstroh für die Wiege, das Bett (Auf die Bretter kam eine dicke Lage Roggenstroh, die das ganze Bett ausfüllte. Verwendet wurde nur mit dem Flegel gedroschenes Stroh aus ganzen Roggenhalmen. Nach dem Aufkommen der Dreschmaschinen wurde dieses Stroh eigens mit dem Flegel gedroschen. Über die Strohlage kam ein Federunterbett, darüber das Leinenbettuch). → Fläägelstroh, Mispel

Beddetogg m. Bettbezug

Beddetünneken geküferter Bettwärmer (für heißen Sand od. heißes Wasser). → Föötentünneken

Beddetüüg n. Bettzeug, Bettwäsche

Beddewöske f. Bettwäsche

BeddjufferBeddejuffer

Beddlaa(de) f. Bettgestell

Beddlaadenstaalen m. Bettpfosten (gedrechselt, mit Knopf oben u. Füßen)

BeddstääBeddestää

bedecken bedecken; ausfüllen. De Runkeln häbbt de Grund bedeckt (von gut angegangenen Runkelpflanzen). bedeckt Wäär (bedecktes, regnerisches Wetter)

bedeenen 1. bedienen. Hatten bedeenen (Herz bedienen im Kartenspiel). Bedeenen, Mijnheer, ik häbb 't Gatt vull Dübbelkes (Skatausdruck). De Kracke moch wi met twee Mann bedeenen (den Hebel betätigen). He lött sik up't (in't) Gatt (van vöörne bes achten) bedeenen (läßt sich bis zum letzten bedienen).
2. gebühren, zustehen. Dat is de Straofe, de em bedeent is (die er verdient hat). → todenken.
3. mit den Sterbesakramenten versehen. He is bedeent wodden. → berichten, versehn

Bedeente f. Dienerschaft, Knechte und Mägde

bedenken 1. bedenken, überlegen, denken an. Wenn'k so bedenk! Dat häbb'ke nich bedacht (Das war dumm von mir).
2. bedenken (mit). De häbbt us gudd bedacht (haben uns großzügig beschenkt).
3. sik bedenken (überlegen, zögern). • Wenn't sik de Wiesen (Klooken) bedenkt, bedenkt sik ook de Gecken. → bedacht

bedenklik bedenklich

Bedenktied f. Bedenkzeit. Ik geff Uh twee Daage Bedenktied.

bedeppert, -döppert verwirrt, ratlos, beschämt

Bediene, Bendiene PN Bernhardine. → Diena

bedisseln besprechen, beschließen. Wat de Ollen bedisselt, daor häbbt sik de Jungen an te hollen.

bedoktern ärztlich behandeln

bedoon beschmutzen (z.B. in die Hose machen). He häff sik bedaone van Schrick.

bedööwen betäuben, abtöten; unempfindlich machen

bedöppertbedeppert

bedräägen, sik sich betragen

bedraamt, bedrammt (Ot, Sü, Bor, Rae, Bo) verdutzt, erstaunt; elend, bedrängt, bedrückt

Bedraamdhäid f. Ärger, Sorgen; Angst. → Bedrammnis

Bedragg m. Betrag

bedräien verdrehen; beschönigen. Du moss mi dat nich so mooi bedräien. He weet't te bedräien.hendräien

Bedrammnis f. Ärger, Sorgen, Not, Bedrängnis. Daor was he lück in Bedrammnis (in Verlegenheit). → Bedraamdhäid

bedrammtbedraamt

bedreegen 1. betrügen. Bedreegen findt sien eegen. Bedreeg diene Koh, un se bedrügg di weer. Well licht glöww, wödd licht bedroggen. De mäisten wödd't in de Karke bedroggen (beim Heiraten). → Advekaot, Bäärnken-van-Gaolen, glööwen, handeln, leegen, puchen, trouen, tuußken.
2. mißlingen, nicht glücken. Et kann em ook bedreegen (Es kann auch danebengehen). Met den Kooken is mi dat bedroggen (beim Backen nicht geglückt; beim Essen nicht bekommen). Met mi sölws bün ik noch nich bedroggen (sagt eine Frau, die keinen Mann findet). Dat is mi bolle bedroggen (wäre beinahe schiefgegangen, schlecht bekommen).

Bedreeger m. Betrüger. De steht äs Bedreeeger te Book (ist als Betrüger bekannt).

Bedreegerij f. Betrügerei

bedrieten 1. mit Kot beschmutzen. He bedritt sik vöör Angst (macht vor Angst in die Hose). Dann bedtritt us den Lesten noch dat Hecke (das jüngste Kind benimmt sich unehrenhaft).
2. betrügen, übervorteilen (beim Kauf od. Handel). He häff em lellk bedretten.beschieten, Räise

Bedriew n. Betriebsamkeit. Wat'n groot Bedriew!

bedriewen, -ben betreiben, verüben. He bedriff ne kläinen Hoff (Landwirtschaft). Leewer ne Kaore Mest aflaaden as schriewen; so wat könn wi bääter bedriewen (Selbstironie von Bauern). → Staot

bedrinken, sik sich betrinken

bedrööwt 1. betrübt, traurig; armselig, jämmerlich, schlecht. Wat'n bedrööwt Spill (traurige Angelegenheit). Dat was ne bedrööwten Dooden (ne bedrööwte Groowe) (tragisch verunglückt, jung gestorben, → truurig). bedrööwt Wäär. Et süht bedrööwt uut (nicht gut; unordentlich; bedenklich). Wat häff he den Stell daor bedrööwt an sitten (falsch eingestielt).
2. recht, sehr, besonders. bedrööwt wennig (sehr wenig). 'n bedrööwt natten Sommer. → anto, Blood, lellk, miseraabel, Räise.
Zs.: gott-

bedröppelt traurig, niedergeschlagen; bedrückt, sorgenvoll; dumm, beschämt. met'n bedröppelt Gesichte. He kick de so bedröppelt in.

Bedrugg m. Betrug. → Bedreegerij, Holland

Bedüdd, Beduud m. Bedeutung, in der Wendg. Dat häff ginn Bedüdd (hat nichts zu bedeuten). → Bedüüdung, Belang

bedümpeln, -dümmeln, -dummeln 1. betäuben, verwirren. Se was ganz bedummelt (unsicher, z.B. bei Kreislaufstörungen). → bedundert.
2. betrügen, vertuschen, unterschlagen. → betünteln

bedundert, -dunnert geistig verwirrt, benebelt, nicht voll bei Verstand. → beduuselt, bedümpeln

BeduudBedüdd

bedüüden 1. bedeuten. Wat bedüdd dat? Et häff nix te bedüüden. bedüüdend kläiner as (viel kleiner). → beteeken.
2. erklären, zeigen. So as he mi dat bedüdd häff, mutt den Wegg daorhen gaon.

Bedüüdung f. Bedeutung. → Bedüdd

Beduuling f. 1. Absicht. Dat was nich de Beduuling!
2. Bedeutung. deselwe Beduuling

beduurlik; bedüürlik (St) bedauernswert; bedauerlich

beduurn bedauern, leid tun. Et is te beduurn (bedauerlich). De Löö bünt te beduurn (tun einem leid).

bedüürn beteuern, versichern, behaupten

beduuselt, bedüüselt schwindelig, taumelig, benommen; betäubt, bewußtlos; geistig verwirrt, sprachlos; leicht betrunken, berauscht. Dat Farken feel bedüüselt üm (betäubt vom Schlachter). Ik was ganz beduuselt, as ik uut't Karussell kamm. He was ganz bedüüselt van't Danzen (schwindelig). He was lück bedüüselt (angetrunken).

beeden, been (bädd; bodd, bodden; bodden) bieten. Ik häbb em hundert Mark bodden. Wat kost dat? (Antwort:) Wat ne Geck de föör bödd!

beegenböögen

Been n. (Beene; Beenken) Bein, Fuß. Waske diene Beene as 'n bettken (deine Füße). He is a. froh up de Beene (früh wach, aufgestanden). He is weer up de Beene (wieder gesund). Se is schlecht up de Beene (kann nicht gut gehen). He kann de Beene nich mähr van de Grund kriegen (ist müde, alt, gebrechlich). Dat helpt em gau weer up de Beene. de Beene in de Hand (under'n Arm) nemmen (schnell laufen). Wo geht't? (Antwort:) Up de Beene am besten, dann rääng't di ook nich in't Gatt (Man muß in Bewegung bleiben, wenn man gesund bleiben will, scherzh.). Dat heele Dorp was up de Beene. Up een Been kaans nich staon. Et is mi alle in een Been loopen (zum zweiten Glas Schnaps, → Krückstock). He is van de Beene follen (gestürzt). dat Schwien (den Boom) van de Beene trecken (schmieten) (ein Schwein/einen Baum umwerfen beim Schlachten/fällen). dat Huus van de Beene schmieten (das Haus abbrechen, → Pinne). He häff de Beene van sik stocken (ist gestorben). Et schloog (schott) mi in de Beene (Ich bekam zittrige Knie vor Schreck). He löpp us vöör de Beene (ist im Wege). Häs se üm de Beene loopen (z.B. Kinder). Et löpp em üm de Beene (Fööte, Säcke) (Er ist dumm, verwirrt). Dat moss under de Beene kriegen (Das mußt du schaffen, bewältigen). Ik sall die äs Beene maaken (dich flott machen, an die Arbeit kriegen, → terechtestuuken). bloode Beene bes an´n Hals (tiefer Ausschnitt, ganz nackt). gatte Beene (offene Beine). under de Beene brengen (trääden) (unterdrücken, z.B. ein Gerücht, → daaleträäden). He krigg kinn Been an de Grund (kann nicht Fuß fassen). He sett de Beene in'n Sand (sträubt sich). Den Boom steht met de Beene in´t Waater (dicht am Wasser). Pass up, dat't nich Beene krigg (nicht gestohlen wird). Ik sall di Beene maaken! (Beeil dich) → achterneene, afloopen, anhollen, Arm, bäide, Basse, blood, böönern, böwwen, bummeln, Butt, Buuk, Buxenpiepe, donne, Foot, Froulöö, Gatt, Graff, Häärgott, Hals, Hand, helpen, hoogeböörn, kold, Kopp, Lampe, lang, lääwen, loss, Mark n., Nacken, nüchtern, Ommenpiepe, Ottensteen, Patt 1, rasten, recken, Rekken, rösten 1, schlaon, Statt, Steen, Titt, trecken, verkehrt, versetten.
Zs.: Achter-, Beer-, Binnen-, Buxen-, Dick-, Diss-, Dree-, Farken- , Gatt-, Haake-, Hammel-, Hecken-, Hinke-, Holt-, Hossen-, Hoow-, Humpel-, Ies-, Ix-, Kinds-, Kluus-, Koh-, Kott-, Krumm-, Laade-, Lang-, Nösse-, Oo-, Öwwer-, Peerde-, Pulle-, Reh-, Rou-, Sääbel-, Schweet-, Schwiene-, Staake-, Stohl-, Strampel-, Straol-, Teckel-, Trecke-, Twee-, Veer-, Vöör-, Vöörder-

beenbeeden

Beenblaose f. Fruchtblase, Blase in der das ungeborene Kalb sitzt. → Flööß, Waaterblaose

Beenbröcke f. Beinbruch, bes. in der Wendg. Et is kinn Beenbröcke (kein großes Unglück).

Beenewark, -werk n. Beinarbeit (bes. von Reit- u. Zugpferd). Dat Peerd häff kinn gudd Beewark.

Beense, beensenBeese, beesen

Beer m. 1. Stützmauer an den Längsseiten des Töpferofens, am Stauwerk der Wassermühle u. an Kirchen.
2. Wehr, Stau, Wehranlage

Beer n. Bier (Ot, St, Ge, We, Ra, Bor, Hei, Rh, Bo) n. (Beerken) 1. Bier. Beer in'n Emmer un dann met'n Schleew debi (vom Trinken). Alls met Maote, Beer (Fuusel, Schnaps) met'n Emmer un Speck bi'n Pannekooken. dat Beer met nao Dortmund nemmen ("Eulen nach Athen tragen"). Dat ligg so tüsken Beer un Schuum ("weder Fisch noch Fleisch", kann nicht genau bezeichnet werden). Man lääwt so tüsken Beer un Schuum (in Ungewißheit, man weiß nicht, woran man ist).
2. Fest, Tanz. De junge Löö häbbt weer 'n Beer.
Zs.: Buxen-, Dooden-, Dröppel-, Dünn-, Fatt-, Fläsken-, Frij-, Groowen-, Harwst-, Honnig-, Huus-, Kindel-, Könnings-, Laager-, Lecke-, Määne-, Mäi-, Molke-, Nao-, Naober-, Old-, Schatte-, Schütten-, Sommer-, Voggel-, Warm-, Winter-

Beer "Eber" → Bäär

Beer "Birne" → Peere

Beer-, .Bier. auch: Bier-

Beerbeen, Bäärbeen n. Beerbinde f. (St) 1. Ackerwinde. → Pisspöttken.
2. Windenknöterich, Bärenklau (blau blühendes Unkraut, das über den Boden kriecht). → Ossentratt.
Zs.: wilden

Beerbladd n. Bierzeitung (z.B. zur Hochzeit)

Beerbrouerij f. Bierbrauerei

Beerbuuk n. dicker Bauch. → Erpelbuuk

Beerdeckel m. Bierdeckel

BeerePeere

Beerfatt n. Bierfaß. → Anker 1

Beerfläske, -flässe f. Bierflasche

Beergeschmack m. Biergeschmack. ne Büül met Hoppen föör den Beergeschmack (beim Bierbrauen)

Beergest, -gess f. Bierhefe

Beerglass n. Bierglas

Beerkanne f. Bierkanne

Beerkeller m. Bierkeller

Beerkroos m. Bierkrug

Beerkruuke f. Bierkrug (dekorierte Flasche aus Steinzeug zum Einschenken von Erntebier). → Kroos

Beerkuts(k)er m. Fahrer der Brauerei

Beerpapp m. Biersuppe. → Old-, Warmbeer

Beer-ruuten (Pl.) Fensterbierscheiben

beers(k)bäärsk

Beersuppe f. Biersuppe

Beersüüper m. Säufer

Beertappen m. Zapfhahn am Bierfaß

Beertapper m. Bierzapfer (z.B. beim Schützenfest)

Beertöite f. Bierkanne

Beertunne f. -tünneken Bierfaß

Beerwaage(n) m. Wagen des Bierverlegers

Beese, Beense f. (Beesen) Binse (wächst in den sauren Moorwiesen, wurde für Stuhlmatten, Hüte verwendet). → Binse, Rösken

beesen, beensen aus Binsen (geflochten). beesene Stöhle (Stühle mit Binsensitzen). → Stohlmatte

Beesen- auch: Beensen-

Beesendoch(t) m. Binsendocht (Das Mark der Binsen wurde als Docht für Öllampen verwendet.)

Beesenhood m. aus Binsen geflochtener Hut für Kinder

Beesenputz m. Verputz mit Binsen. → Rapp-putz

Beesenstohl m. Binsenstuhl, Stuhl mit Binsengeflecht. de Piggen under in'n Beesenstohl stääken (Die Dornen zum Verschließen der Würste wurden zum Aufbewahren u'a. unten in die Stuhlmatten gestochen). → Matte 2

Beesenwäide f. Weide, in der viele Binsen wachsen

beesig (Vr, Ge, Bor, Rae) emsig, geschäftig, beschäftigt. → bisserig

beeslikbeestlik

Beest, Bees n. (Beeste, Beester) 1. Kuh, Rindvieh. de Beeste in't Huus haalen (die Kühe holen). De Beeste dräägt 'n Statt so hooge (Anzeichen für Regen). En Piärd, ne Ossen un ne Buur bünt dree Beester (St, → Buur, Reckel).
2. Biest; gemeine, grobe, schmutzige Person. Wat'n Beest van'n Käärl!Biest, Kohveh.
Zs.: Koh-, Leege-, Löggen-, Melk-, Wäide-

BeestemelkBiestmelk

Beestenstall, Beesterstall m. Kuhstall

Beesterhüüsken Schuppen für Jungvieh

Beesterij f. dreckige Angelegenheit, Schweinerei. Wat ne Beesterij!

BeesterstallBeestenstall

bees(t)lik 1. groß, wüst. 'n beeslik Dingen.
2. schmutzig, dreckig; grob, unanständig. 'n beesliken Käärl.
3. frech, unverschämt. Wat was denne beestlik!
4. viel, sehr. Et häff beestlik räängt. Et is beestlik heet.koh-achtig, schmeerig

BeestmelkBiestmelk

beet (Ot, Bor, Hei, Bo) "pleite". Ik ben beet (Ich habe nichts mehr). → boss

Beete f. (Beeten) Rübe, rote Beete.
Zs.: roode

befallen befallen. He is met Krankhäid befollen (behaftet).

befinden, -finnen begutachten, merken. Dat sass sehn un befinden, dat dat so kümp (Das wird so kommen). → underfinden

beföhlen befühlen; befummeln. Kohveh beföhlen (Kühe durch Befühlen schätzen, taxieren). Pack män an, dat Peerd lött sik gudd beföhlen (Das Pferd ist gutmütig). → taxeern

beföhrn, -führn befahren. Den Wegg wödd stark beföhrt.

befrääten, -fretten, sik sich gegenseitig das Futter wegfressen (z.B. Kühe, Schweine). De Kohne in'n Stall wann. missgööstig un befratten sik. Ne Buur kaas nich anders kriegen, as wenn em befretts (großzügig bei Tisch, nicht beim Bezahlen).

befraogen befragen, erkundigen. He häff de sik a. nao befroggt.

befreesen (Sü, Bor, Rae) anfrieren, befrieren. De Schiewen befreesen in'n Winter. De Erpel bünt up't Land befroorne. Dat Waater is befroorne (mit dünner Eisschicht bedeckt). De Grund is befroorne (oberflächlicher Frost). Et is befroorne van Nacht (leicht angefroren). → riepen

befrijen befreien

befrönden befreunden. He is met em befröndt.

befuchten, -föchten befeuchten, naß machen

befuin beschimpfen (mit dem Ausruf .pfui!.); beschämen

befummeln betasten

befüüsten 1. etw. oft in die Hand nehmen u. dadurch beschmutzen. → afgriepen.
2. mit der Faust draufhauen

begaapen 1. begaffen, erstaunt (mit offenem Mund) von oben bis unten angaffen.
2. begreifen, fassen; schaffen. He kann't nich begaapen. Dat kann'k nich begaapen (ist nicht zu schaffen). Dat is gudd te begaapen (vom Bezahlen).

Begaogen, Begaon; Begaowen (St) m. Krankheit beim Schwein: Kreislaufstörungen, es dreht sich im Kreise (Mittel des Tierarztes: Aderlaß). Dat Schwien häff Begaogen (häff de Begaon). → Dullen 1, Fliete, Trillkrankhäid

begaon 1. betrügen, hintergehen, bestehlen.
2. "bearbeiten". De Peerde wodden met de Schwöppe begaon (gepeitscht, gezähmt).

begeeten begießen. Se häbbt 'n gudd begotten (gut einen getrunken). → natt

Begehr, Begier f. Begier

begehrlik, begierlik gierig, habgierig. begehrlik kieken. Daor bün ik nich begehrlik up (nicht darauf versessen). De Oogen bünt begehrliker (grötter) as 'n Buuk.gülsik, inhaalig

Begehrlik-käit f. Begierde, Gier, Habgier. Paapen Hand un Buurn Begehrlik-käit währt in alle Eewigkäit (Kirche u. Gier der Bauern, Sü). → Unwettenhäid

begehrn, begiern begehren

begewwen, -gebben begeben, in Wendungen wie sik begewwen (Abstand nehmen, aufgeben). Dat Spill kaas di ruhig begebben, dat häff kinn Sinn. Dat begeff di män.

Begier, begierlik, begiernBegehr, begehrlik, begehrn

begieseln mit Rauhreif bedecken. De Straote is begieselt (reifglatt). Dat Holt was vandaage düftig begieselt.

beginnen (beginnt; begann, begannen; begunnen) anfangen, beginnen. Daor kann ik nix met beginnen.

beglickteeken, begliekteekenbeliekteeknen

begliekenbelieken

begluupen, -glupp(k)en belauern

begnöögen, sik sich begnügen

begraawen, -ben begraben, beerdigen. He is in Geld begraawen (hat Geld im Überfluß: reich, verschwenderisch, → arm). Daor ligg ne Juude begraawen, daor moss noch maol henloopen (wenn jd. stolpert).

Begrääwnis f. Beerdigung. → Groowe

begriepen begreifen, verstehen. Häs't begreppen? Wat denne eenmaol begreppen häff (stur, hartnäckig daran festhaltend). Ik häbb't up em nich begreppen (bin nicht für ihn). Dat kann'k mi doch nich begriepen, dat mi dat passeert is. Et is nich te begriepen (verstaon).intus

begrieplik begreiflich, verständlich. He häff mi dat begrieplik maakt.

begrie(p)smuulen (St, Sü, Ge, Bor, Rae) beschimpfen, jd. eins versetzen

begriesen ergrauen, alt werden. begriest un ver-oldert

begriesmuulenbegriepsmuulen

Begripp m. 1. Begriff, bekannte Angelegenheit. Dat is 'n groot Begripp. Dat is 'n wieden Begripp (ist vieldeutig).
2. Einsicht, Ahnung, Vorstellung. He häff de kinn Begripp van. Daor kaas di kinn Begripp van maaken. He is schwaor van Begripp (begreift schwer). He is gawwe van Begripp (begreift schnell). → Beseff

Begun "Wagon" → Wegon

behaagen behagen, gefallen. De Arbäid behaagt em nich.Genöögen 1

behandeln, -hanneln behandeln

Behang m. lange Haare an den Beinen der Pferde (bes. bei Belgierpferden)

behangen behängen; behaften. He is met Ungemack behangen (vom Unglück verfolgt).

behäörlik gehörig. Dat is behäörlik wat.

beharbargen, -herbergen beherbergen

Behelp n. Behelf. Daor is kinn Behelp (Es geht wirtschaftlich gut).Riekdom.
Zs.: Nood-

behelpen behelfen. Behelpen is kien Satt-ääten, maor ook kien Dood-schmachten (Sparsamkeit in Notzeiten). Löö, well sik behelpen willt, findt immer Plass. Well sik nich weet te behelpen, is nich wäärd, at he lääwt.Armood, Kind, Plass 2

Behelpens-spill n. Behelf

Behelpenswark, -werk n. Behelf, Provisorium

Behelperij f. Notbehelf. Wat ne Behelperij!

behelpswiese behelfsweise

behendig, -hennig behende, schnell, geschickt. → händig

Behendigkäit, -hennigkäit f. Behendigkeit

behexen behexen. As wenn't behext is van Morgen (nichts klappt).

Beholl m. in der Wendg. kinn Beholl maaken van (nichts merken)

behollen behalten, merken, sich erinnern; vorbehalten, bei sich behalten. Peerde könnt gudd behollen (erinnern sich gut). Dat moss di behollen! Moss sehn, dat in behollene Hande bliffs (noch etwas vorbehältst, → uut-trecken, warm). → föör, inthollen, Mutthoop

behölplik hilfsbereit, gefällig. Daor känn Ih Uh up verlaoten, he is behölplik.

behootsaam, -sam; behottsaam (Ra) behutsam

behott (Vr, St, Ra, Hei, Rae) behutsam

behouen behauen, beschlagen. de Balkens met de Biele behouen. de Spooren behouen (die Sparren abbeilen)

behoupten behaupten, sagen. Dat kann'k nich behoupten.

behüüden behüten. Behüüd uh Gott! (sagte man vor gefährlicher Arbeit).

Behüüsinge, Behüüsung (Vr, St, Sü, Ge, Bor) f. Behausung; Hofanlage (alle Gebäude). He häff ne mooie Behüüsinge. De Behüüsung is te kläin.
Zs.: Hoff-

be-ielen, sik sich beeilen. Be-iel di äs 'n bettken!

bejoonassen betrügen

bekääkeln, bekaakeln besprechen, bereden, durchsprechen; tratschen

bekacken mit Kot beschmutzen. De Duuwen häbbt em dat ganze Dack bekackt. → bedrieten, beschieten

bekallen (Bor, Bo) besprechen; bereden, umstimmen

bekannt, bekennt bekannt. He is so bekannt as 'n bunten Hund. sik bekannt maaken (sich namentlich vorstellen). → gewahr, kündig.
Zs.: un-

bekehrn, -kährn bekehren; überzeugen

bekennbaor erkennbar. Den Dooden was nich mehr bekennbaor.

bekennen 1. bekennen.
2. sehen, erkennen. De Köster was noch nich te bekennen.

Bekenn(e)s f. (Rae, Rh, Bo) Bekannter. Dat bünt Bekennessen van us.Kennis

bekenntbekannt

bekenntlik freundlich. Et is 'n bekenntlik Määnske. → kenntlik

Bekenntschup, -schop f. Bekanntschaft

Bekiek m. (Hei) Beschauen, Besichtigung

bekieken besehen, anschauen. Veh (Gewass) bekieken (bei Besuchen nach dem Kaffee, → Gaorden). Karken van buuten, Wäärdschuppen van binnen, hooge Barge van unnen bekieken (von bequemen Leuten, → Arbäid). Dat kaas di bekieken! (Ausruf des Erstaunens). (sik) van binnen bekieken (schlafen). → ankieken, fien, Fiezebohnen.
Zs.: Ööste-, Uutstüür-

beklaagen beklagen. •• Bääter bewahrt as beklaagt.

bekladden beschmutzen

beklecke(r)n bekleckern

beklewwen, -klebben bekleben

bekliewen (Sü, Ge, Bor, Rae, Rh) haften bleiben, anstecken. Bostfeeber bekliff (Schwindsucht ist ansteckend). → anstääken

bekloppen behauen

bekloppt verrückt, von Sinnen. Wat ne bekloppten Hund. Wenn eene bekloppt wödd, fängt't meestieds bomm an.

bekniepen geizen, knausern

beknuppt (Vr, Sü, Bor, Rae) 1. eng, beschränkt, dicht gedrängt. Se satten ganz beknuppt (auf engem Raum). Dat Kleed sitt beknuppt.
2. bedrückt, beklommen. Mi is beknuppt temoote. → benout

beköggeln, bekööcheln, biköggeln täuschen, etw. vormachen, vorgaukeln. achter-rüggs alles bekööcheln (heimlich verhandeln). Ik lao mi de Oogen nich beköggeln.Oogenverköggelerij

beköiernbeküürn

bekommen bekommen. Dat is em nich gudd bekommen (vom Essen od. Handeln). Laot't dij gudd bekommen! (Zum Wohl, Rh).

bekoopen kaufen. Kiene Rieken kann't bekoopen (afkoopen), kiene Armen kann't afloopen; anners göng't ook nich (vom Sterben, → rieke).

bekrabbeln, sik sich aufraffen, erholen. He häff sik weer bekrabbelt (gesundheitlich, finanziell).

bekrackeln bekritzeln

bekränzen, -krää(n)ßen bekränzen

bekriegen, sik sich erholen; zu Verstand kommen, sich beruhigen. He häff sik a. weer bekreggen.

bekrumpen eng, beschränkt; eingeschrumpft

beküürn, -köiern 1. besprechen, beschwätzen.
2. bereden, überreden. He leet sik nich beküürn.

belaa(de)n beladen

belääwen, -ben erleben. In de Stadt, daor kaas wat belääwen! Dat häbb ik noch nich belääwt, wat mi vandaage passeert is (unglaubliches Geschehen). Of ik dat noch wa. belääwe? Ih müttit völle belääwen, bes ih van Ollerdum doodgaot. Ik sall´t wall nich mähr belääwen, owwer du wödds ook noch old un dächs an mi. Sass sehn un belääwen! Junge, dann kaas wat belääwen! (Drohung). Well sowat belääwt häff, de geht dat alltied nao. (der vergißt das nie). Ik häbb se nich mooi belääwt (unangenehm in Erinnerung). → verlääwen

Belääwnis f. Erlebnis

belachen belachen, spotten über. Se häbbt em belacht wäägen siene wieden Buxenpiepen.

Belagg m. (Belääge) Belag. ne Schnää Stuuten met Belagg. Bottrams aone Belagg (Aufschnitt). Belagg up de Tunge. Belagg up de Straote (Straßenpflaster). den Belagg üm dat Plättken (Bandbelag, der Mütze, → Maone).
Zs.: Band-, Straoten-

Belang m. Bedeutung, Wichtigkeit, in der Wendg. Dat is nich van Belang (nicht wichtig). → Bedudd, Saaks

belangen belangen, betreffen. Dat kann mi nich belangen (geht mich nichts an).

belappen flicken

Beld n. (Belder, Beller; Belle(r)ken) Bild. en Beld maaken (fotografieren). n Beld van ne Deerne (sehr schönes Mädchen). en Beld föör'n Maoler (bildhübsch). sik en Beld maaken. He häff mi 'n schlecht Beld achterlaoten (schlechten Eindruck hinterlassen). bunte Bellerkes (z.B. Heiligenbildchen). daor bi't Beld an'n Wegg (Segensstation). → scheew.
Zs.: Ääben-, Af-, Aftreck-, Dooden-, Familljen-, Gnaoden-, Haor-, Hilligen-, Höch(t)e-, Jammer-, Kasten-, Köcken-, Komjoon-, Krüüs-, Maaser-, Muddergotts-, Reserwe-, Säägens-, Speegel-, Stand-, Statsjoons-, Stern-, Trou-, Vöör-, Wand-

Belder- auch: Beller-

Belderbook n. Bilderbuch

Belder-rahmen m. Bilderrahmen

Beldsel n. Gebilde, Geschöpf; Schöpfung

beleegen belügen

beleggen belegen. De Bottrams bünt schlecht beleggt (zu wenig Aufschnitt). Dat kann'k nich beleggen (z.B. eine Behauptung). → Beschlagg

belehrn, -lährn belehren; anlernen. Peerde belährt maaken. Wiewer belehrn un Waater in´n Sewwe dräägen, dat is een Ding.gelährt

belemmern hindern, behindern

belemmert 1. dümmlich, blöde; reuig. He kick de so belemmert in.
2. bedauernswert. He is de recht belemmert an.

beletteern einquartieren. → quarteern

Belgi-er m. Pferderasse: schweres Kaltblut. → Braobänder, Mönsterländer

belgis(k) belgisch. belgisk Iesen (bes. schweres Hufeisen, z.B. für Pferde, die Holz schleppen mußten)

belieken; beglieken (Wes) begleichen, ausgleichen, bezahlen (Schulden, Rechnung). → liekemaaken

beliekteek(n)en; begliekteeken (We). beglickteeken (Rae, Rh, Bo) bezeichnen; anweisen, genau zeigen, erklären, klarmachen

Belle f. (Bellen; Belleken) 1. Anhänger (der Halskette), Schmuck. De häff alle Bellen anhongen (trägt viel Schmuck).
2. herunterhängender Fetzen. Daor hangt de Bellen bi (z.B. von zerrissener Hose). Se häbbt de Bellen uut't Gatt hangen (z.B. wenn Fäden am Saum unordentlich herunterhängen). → Plodden.
Zs.: Aor-, Klingel-, Müsken-, Schnotter-, Tüüte-

Bellhee(d) f. Glockenheide (meist auf Moorboden). → Wöskersheed

belöchten beleuchten

belohnen belohnen

belouen, -lowwen verheißen; versprechen. He häff em dat Book belout.verlouen

Belse f. (Belsen) Pflaumensorte (klein, rundlich, blau od. gelb). Belsen de seht uut as kläine Pruumen, de sitt't an dat Schleesenholt (am Schlehdorn).

belüllen besabbeln (mit Spucke). Den ollen Mann belüllt sik heelmaols.

belümmeln betrügen

belüstern, belustern anhören; belauschen. Nu moss di dat Geschnääter äs belüstern!

beluurn beobachten, belauschen. Dat häbb ik a. lange beluurt (beobachtet, gewußt). → begluupen, Nötte

bemääten, -metten bemessen

bemaolen bemalen; anstreichen. de Müürn un Decken bemaolen

bemiddelt bemittelt, begütert

bemiegen bepissen. Pass up, de Koh bemigg di! Dat is'n Käärl, de is nich wäärd, dat em de Hunde bemiegt (grob, → beschienen)

bemöien, -möiten, sik sich bemühen. He bemöit sik üm ne Deerne. Bemöi di nich üm de Saake!uh

BempenBentheim

benaamen, binaamen namentlich. → benöömt

benääwenbinääben

benaodeelen, benaodeeligen benachteiligen. Een van de Kinder wodden alltied benaodeelt. Ik hopp, dat ik uh nich benaodeelt häbb.missdeelen

benaorichten, benaorichtigen benachrichtigen

BendeBände

BendieneBediene

Bendierk PN Bernhard Theodor

benebbenbenääben

benemmen, sik sich benehmen. Wenn de Visiete kümp, dann benemmt uh lück fatsüünlik (Ermahnung der Kinder). He häff sik nich gudd benommen.Glücksaake, Metföllerken

benewwelt, -nebbelt 1. benebelt.
2. dumm, verwirrt. He kamm de ganz benewwelt nao Huus.

benewwenbinääben

Bengel m. 1. Knüppel.
2. Junge, Lümmel. → Büngel, Engel, Prengel, Schlingel, Ssuckerstengel

Bennerd, Bennad, Bännaatz, Bäärnd, Bernd PN Bernhard. → Natz.
Zs.: Buxen-, Jan-, Mugge-, Strie(de)-

benommen benommen, schwindelig

benöödigen benötien, brauchen; nöti sein. Wat wi benöödigt, dat is de all. Ne Frou wödd in'n Huusholt benöödigt.

benöömt namentlich, ausdrücklich. → benaamen

benöömen benennen. Dat häff wi nich so benöömt (anders genannt).

benout, binout (St) 1. drückend, schwül. benout Wäär. Van Nacht was't benout.
2. beengt, beklommen; geizig. Daor kann't di noch benout bi weern. He mäck sik dat Lääwen nich so benout (ist bequem, unbesorgt, leichtsinnig). → beknuppt, mulmig

Benoutigkäit, Benou(d)igkäit, Benouthäit f. Beklommenheit, Atemnot; Angst. He sitt lellk in Benoudigkäit.

Bentheim. Bempen, Benten ON Bentheim. 'n Drümpel van Bempener Steen (Bentener Steen, Bempener Sandsteen) (eine Schwelle aus Bentheimer Sandstein). Bempene Sümpe (Steintröge, Futtertröge für Pferde od. Schweine). → Steentrogg

be-oddern beordern

be-ööge(l)n mißtrauisch besehen, beäugen

bepacken vollpacken

bepissen bepinkeln. Man sall män so vull bepissen as'm ook natt (fucht) kriegen kann (nicht mehr wollen, als man leisten kann). → besicken

bepläckern (Ge) streicheln, tätscheln. → placken

bepotten bepflanzen

bepraoten 1. besprechen, durchsprechen; tratschen, durchhecheln. Et wödd alls bepraot.
2. jd. überreden. Ik was de eerst wall teggen, mon daor häbb'ke mi doch bepraoten laoten.

bepuch(t)en loben, übermäßig hervorheben. dat Schwien bepuchen (beim Schlachten das Schwein bewundern). → Fett-priesen

bequacksalwern ohne Arzt behandeln, pfuschen. De wollen dat eerst sölws bequacksalwern.

bequeemen, sik sich bequemen; sich entschließen. Soss di män allmäälik bequeemen un upstaon.

berääken abrechnen, berechnen; absehen, vorhersehen. up füftig Jaor berääken. Dat kaas van de vönne berääken.liekerääken

berao(de)n beraten. Se willt noch beraon, wu se't doon willt. sik beraoden.oneern

beraodschlaon beratschlagen. De Löö wann. an't Beraodschlaon öwwer'n Verkoop.

beraonberaoden

berappen bezahlen. He mott Geld berappen. He mott dat Gräi berappen.löhnen

beredden beritten. → rieden

bereed (Rae) bereits, schon. → all, allreeds

Berg ON Berg bei Dingden. Bergse Sandhaasen (Ortsneckerei)

Berg, Berg-, berg-Barg, Barg-, barg-

BergamottePergamuttenpeere

Bergmannskoh f. Ziege (scherzh.). → Be-amtenkoh

BergmottePergamuttenpeere

Bergs(k)e Bergbau-, Industriegebiet, Ruhrgebiet, Bergisches Land. in't Bergske Äier verkoopen. Wi föhrt met Erpel nao't Bergske.Kollenpütt

Bericht m. (Vr, St, Sü, Ge, Bor) Sterbesakramente. De Pastoor sall met de Berichte kommen.

berichten 1. berichten.
2. mit den Sterbesakramenten versehen (Vr, St, Sü, Ge, Bor). → versehn

beriekern bereichern. De häbbt sik beriekert (auf Kosten anderer).

beriesen pfropfen; veredeln. → enten 1

beringen mit einem Ring versehen (Tauben, Hühner, Schweine)

BerkeBarke

Berkel. Barkel FlußN Berkel. → Bääke

Berk(en)-Bark(en)-

Berlien ON Berlin. Wat fraog wi Buurn nao Berlien! (Was geht es uns an). Berliener Truufel (dreieckige Maurerkelle). Berliener Waaterfuuge (sehr dünne Fuuge mit wenig Mörtel, → Knirschfuuge)

Bernardus Namensfest des hl. Bernhardus (20. August, Hochsaison des Topfhandels). → Inmaakstied, Kroone

BerndBennerd

beröhrn, -rührn berühren

beröien, -rüien bereuen

Bertus, Batz, Betz PN Engelbert

beruuken beriechen, beschnüffeln. sik teggensietig beruuken (abtasten, kennenlernen). → Ruukevisiete

beruurt bedauerlich. Et was 'n beruurt Spill.bedrööwt

Berwe, Berwen-Barwe, Barwen-

bes. bis (Wes). bäs (St, Sü) bis. bes daorhen (bis dorthin). bes bomm vull. van hier bes nao Grolle. bes nu anto (bis jetzt). Bes denao (naoheer)! Bes laater! Bes gliek! Bes düsse Daage! (Abschiedsgrüße). Dat kann wachten bes ternao (bis später). bes an't leste (bis zuletzt). → ankomm´, Dagg, laate

besaagen besägen

besääten besessen. He is van'n Düüwel besääten (boshaft). → schweeten, versääten

besabbern, -sabbeln bekleckern, sich besudeln

besäggen 1. besagen, besprechen. He kann't gudd besäggen (Er kann gut darüber reden).
2. bedeuten, zu sagen haben. Dat will nix besäggen.

besäibeln 1. mit Speichel besudeln.
2. betrügen

besäien besäen, übersäen. De Straote was morgens besäit met Glasssch öören.

beschaamen sich schämen; rot werden. Dat beschaamt mi!

beschaamt verschämt, ängstlich, schüchtern. Se was ganz beschaamt.blöö

beschaawen, -ben hobeln, schleifen. Den höltenen Schleew wodde en bettken beschaawt (glatt geschliffen).

beschäiden bescheiden. → genööglik

beschaskert (Ge) betrunken

Bescheed m. Bescheid. Weet ih daor Bescheed? (Kennen Sie sich da aus?). He weet daor Bescheed as in siene eegene Buxentaske. Bescheed gewwen (doon, säggen) (melden, mitteilen, berichten, → Bodd). Ik häbb em effen Bescheed daon (ihn informiert; die Meinung gesagt, ausgeschimpft). Ik häbb em gudd Bescheed säggt (ausgeschimpft, gewarnt). He sägg den Schandarm Bescheed (erstattet Anzeige). → ssimmlik

bescheern bescheren, beschenken

Bescheerung f. Bescherung; Mißgeschick, Unglück (iron.). Daor ligg de Bescheerung!

beschicken schaffen, erreichen. Daor was nix te beschicken (nichts auszurichten).

beschienen bescheinen, beleuchten. De Lampe bescheen ähre griesen Haore. Denne is nich wäärd, dat em de Sünne beschinnt (bemiegen).

beschienegen bescheinigen

beschieten 1. mit Kot beschmutzen, in die Hose machen. He beschitt sik in'n Schlaop (von unverhofftem Glück).
2. betrügen, übervorteilen. → bedrieten, Hemmelfahrt, Räise

beschlaagen 1. beschlagen. De Fensters bünt beschlaagen (mit Wasserdampf). → beschlaon.
2. sik beschlaagen (Brauch: Verlobungsgeschenke austauschen, z.B. Uhrkette aus Haar u. Halskette mit Brustkreuz). Se häbbt sik beschlaagen. → Bruudkrüüs

beschlaagen, beschlaone aufgeweckt, geistig rege; bewandert. ne beschlaone Käärl. Wat is de beschlaagen! (kennt sich gut aus). → Schlagg m'n.

beschlaatern bekleckern, besudeln

beschlabbern bekleckern, besudeln

beschlackern besudeln

Beschlagg n. 1. Eisenbeschlag (z.B. an Wagen, Truhen, Fässern, Hufeisenbeschlag). ne Sump met dübbelt Beschlagg. 't Beschlagg föör't Loophecke.
2. in Wendungen wie in Beschlagg nemmen. met Beschlagg beleggen (beschlagnahmen, z.B. vom Zoll).
Zs.: Ieser-, Kopper-, Loophecken-

Beschlaggbuck, Beschlaobuck m. dreibeiniger Eisenbock des Hufschmieds (bei der Hufpflege u. beim Hufbeschlag benutzt)

Beschlagghaamer m. Beschlaghammer des Hufschmieds (Mit einem Spalt werden Hufnägel herausgezogen.)

Beschlaggkaste(n) m. 1. Werkzeugkiste (für Hufbeschlag).
2. mit Eisen beschlagener Kasten

Beschlaggschmitt m. Hufschmied, Grobschmied

Beschlaggtange f. Hufzange

BeschlaobuckBeschlaggbuck

beschlaon 1. beschlagen (z.B. mit Eisen beschlagen). Dat Peerd wödd nijs beschlaon (erhält neue Hufeisen). → binnen, rund, vöörne
2. beschlagen mit Wasserdampf. De Ruuten beschlaot. Et is beschlaone.beschlaagen

beschlaonebeschlaagen

beschlööten (Bor, Rae) Gräben, Furchen ziehen

Beschlötte f. Beschluß

beschluuten 1. beenden, abschließen. Dat Ääten wodde met dicken Ries beschlotten.
2. bestimmen; beschließen. Wi häbbt beschlotten, 'n Stück Grund te koopen.

beschmeern beschmieren, verschmutzen, verunreinigen. dat Brood met Botter beschmeern.bestrieken

beschmieten bewerfen

beschmuddeln beschmutzen

beschmuusen schmusen; heimlich tun. Wat häbbt de bäiden daor weer te beschmuusen?

beschnibbeln Spitzen abschneiden, kürzen

beschnie(de)n beschneiden. en Peerd beschnien (Hufe beschneiden). beschneddene un unbeschneddene Jödden

beschnijen mit Schnee bedecken. De Straoten bünt beschnijt un gladd.

beschnöien zurückschneiden, ausdünnen, beschneiden (von Bäumen). dat Geld beschnöien (Geldmittel kürzen). → uutschnöien

beschnööpen, -schnoopen wegnaschen. • Well dat Schmandpöttken nich vöör de Katte wahrt, de wödd beschnoopt (Man soll keine Gelegenheit zum Naschen od. Stehlen geben).

beschnüffeln 1. beschnüffeln.
2. neugierig sein, auskundschaften

beschooten Nötte Muskatnuß. → Muskaatnötte

beschriewen, -ben beschreiben. He häff mi den Wegg beschrewwen.

beschubben betrügen

Beschubber m. Betrüger, unehrlicher Händler. → Schubbejack

beschubbt schuppig, voller Schuppen (z.B. Räude, von Pferdemähne). Den Mähnstrang is ganz beschubbt.

Beschüüle f. (We, Rae) (Beschüülen) Balkenwaage mit zwei Waagschalen. → Schaolen-, Sperrwaoge

Beschüülenmääker, -maaker m. (We, Rae) Hersteller von Balkenwaagen

Beschüüte f. (Beschüüten) 1. best. Gebäck (auf dem Backblech gebackene, aneinanderstoßende Hefeteigbrötchen, wurden längs u. quer auseinandergeschnitten, dann wurde jedes Teilstück quer durchgeschnitten u. nochmals gebacken; wurde bes. zu Beerdigung u. Taufe angeboten, wurde in den Kaffee getunkt). Koffie met Beschüüte. Ssuckerwaater met Beschüüte (bei Kinderfesten). de Beschüüte instippen.Ammeloe, Brood, Rissel, Stippmelk.
2. Zieback. → Koffiebrood
Zs.: Anies-, Öwwer-, Ssucker-, Under-

Beschüütendeeg m'Weißbrotteig mit Zucker für Zwiebäcke

Beschüütenkaste(n) m. Blechkasten für Brot u. Zwieback. → Beschüütentrummel

Beschüütenklöösken Suppenklößchen aus Paniermehl u. Ei

Beschüütenkrömmel m. Krümel, Paniermehl

Beschüütenmelk f. Vollmilch od. Milchsuppe mit Zwieback (als Nachtisch)

Beschüütenmess, -er n. langes Messer, mit dem die gebackenen Hefebrötchen auf dem Backblech auseinandergeschnitten wurden

Beschüütenpapp m. Zwiebacksuppe. → Schüütepapp

Beschüütentrummel f. Blechkasten für Brot u. Zwieback (sicher gegen Mäuse)

beschwaoget (Vr, Ge, Ra, Rae) ohnmächtig

beschweerlik, beschwäörlik beschwerlich. Dat is beschweerlik Wark.

beschweern beschweren

beschwichtigen beruhigen

beschwöörn beschwören

Beseff m. Vorstellung, Begriff. He häff daor kinn Beseff van (hat keine Ahnung davon). → Begripp, Plaan

besehn(e) sorgfältig, genau, pingelig; empfindlich, wählerisch (im Essen). He is de besehn up (nimmt es sehr genau).

Besehnsvisiete, -vesiete f. erster Besuch der Eltern von Braut u. Bräutigam untereinander, um sich kennen zu lernen (vor der Verlobung). → Ruuke-, Schnüffelvisiete

besetten besetzen. Den Plass was besatt (besetzt).

besicken (Vr, Hei, Rae) bepinkeln. Daor steht he as 'n besickten Hund (Papagai) (as'n bepissten Puudel) (niedergeschlagen, betrübt, verlegen).

besinnen, sik nachdenken, sich erinnern

Besitt n. Besitz

besitten 1. sitzen auf, bebrüten. En Bröißel Äier is so vull, as ne Henne besitten kann.
2. besitzen

Besitter m. Besitzer

besollen besohlen. Denne kaas de Schoh in'n Löppe besollen (versollen) (im Lauf besohlen: von sehr langsamer Person). → versollen

Besöök m. Besuch. Besöök kriegen. Besöök is immer gäärne sehn: wenn he kümp, of wenn he geht. Ik häbb mienen Besöök ("Regel" der Frau). → Visiete.
Zs.: Kranken-, Teggen-

besööken besuchen. → upsööken

Besööksdagg m. Besuchstag

besöömen beschneiden, absägen (z.B. Bretter). besöömte Planken. Denne häff ähr de Aorne besöömt. (hat sie geschwängert). → unbesämmt

besoppen betrunken. Denne kann eene besoppen praoten (redet viel). → besuupen, donne.
Zs.: stiew-, stink-

besorgt besorgt, sorgenvoll

bespöiten besprengen. Ääben de Bloomen bespöiten!

bespoorn sparen, ersparen. Geld bespoorn. He kann sik noch wat bespoorn. Möite un Kosten bespoorn. Dat bliff us bespoort.uutspoorn

besprääken 1. besprechen. Ik mott met'n Naober noch ääben de nächste Vesiete besprääken.
2. durch Besprechen heilen. den Brand besprääken. sik besprääken laoten (abergläubische Praktiken).

bespree(de)n ausbreiten. → Spree

Besse f. Großmutter. → Bessmoor

Bessem, Bessen m. (sth.s) (Bessems; Bessemken) Besen. 'n Bessen uutstääken (Zeichen, daß die Hausfrau nicht zu Hause ist, daß Jugendliche od. Bedienstete das Reich für sich haben). De moss öwwer'n Bessem pissen laoten (von leicht erregbarer Frau, damit sie sich beruhigt; mit Ruhe reagieren). Dat Wiew is 'n rechten Bessem!Gaffel, stramm, Wessum.
Zs.: Bambus-, Braom-, Dääl-, Dunder-, Hand-, Haor-, Heed-, Hexen-, Hoff-, Kehr-, Köcken-, Köttel-, Loof-, Pott-, Rieser-, Scheer-, Schrubb-, Schüür-, Stommen-, Straoten-

Bessem- auch: Bessen-

Bessembinder, -binner m. (sth.s) Besenbinder, Hausierer. De süpp as ne Bessembinder. → Bäädelbröör, uutmaaken

Bessembraom m. (sth. s) Ginster zum Besenbinden

Bessemhee(d) f. (sth.s) Besenheide. → growwe Heed

bessemräin (sth.s) besenrein. → bessemschoone

Bessemries, -er n. (sth.s) Besenreisig

bessemschoon(e) (sth.s) besenrein

Bessemstell, -en m. (sth.s) Besenstiel. Pellajupp häff Junge kreggen: een witt, een schwatt, een met'n Bessemstell vöör't Gatt (Spottlied der Kinder auf Fuhrmann Terpelle, Vr).

Bessmoo(de)r, -möörken f. Großmutter. Du büss ne Käärl as usse Bessmooder, un dat was ook kinne Käärl! De Düüwel sien Bessmooder was ook ne schööne Däärne, as se noch jung was. De Düüwel ritt up sien Bessmoor.Kevelaer, Ooma, Spass.
Zs.: Anke-

Bessmooderskind n. Enkelkind

be-ssoppen beschmutzen

Bessvaa(de)r m. Großvater. Bessvaaders Buss (gehört allen). → Oopa, Ssapperloot.
Zs.: Anke-

Bessvaaderskind n. Enkelkind

Bessvaaderstohl m. Sessel

bestbeste

bestääken, -stecken bestechen

bestählen, -stehlen, -stellen bestehlen. De is so schlech, de bestählt Vaader un Mooder noch.

Bestand m. 1. Bestand (mit Pflanzen, Feldfrucht). Et was ne spierigen Bestand (schlecht gedeihende Frucht).
2. Dauer, Zustand, Besitz. An´n Bestand naagen, dat drööfs nich doon (von der Substanz leben).

beständig, -stännig beständig Je loopender de Winde, desto beständiger dat Weer.

bestaon bestehen. De kann nich bestaon (hat z.B. kein Geld, kein Talent). De besteht sik nich gudd (Sein Geschäft geht nicht gut). Dat kann nich bestaon (Das gibt es nicht, das geht nicht). dat Bestaon (Existenz). → Ehrlik-käit

best(e) beste; sehr gut, am besten. • De beste Koh steht vöör in'n Stall. Dat was ne beste Koh (sehr gute Kuh). in't beste Tüüg (im besten Anzug, Kleid). in siene beste Jaoren. He is ne Käärl up sien beste (up't beste) (im besten Mannesalter). Dat is best mögglik (kann gut sein). Dat was (heel) best (sehr gut). Dat is nich te best (nich ganz best) (nicht besonders gut, z.B. von schlechter Qualität). Wi doot usse Beste (unser Bestes). Well't beste kann, mott't doon (Wer es am besten kann, muß es tun). He lacht 't Beste selws dr'of (wenn jd. über seine Witze selbst am meisten lacht). Dat Beste hoppen un't Schlechste verwochten, dann föllt't nooit teggen.bääter, gudd, hoppen, Koh, leste, Mählsack, Schüümer, Westen.
Zs.: aller-, paoske-, twidde

Beste Kaamer f. Wohnzimmer. → besten Stommen

besten Stommen, Stowwen Wohnzimmer, schönster Raum des Hauses mit Ofen, für Besuch. Ik mott noch ääben nao'n besten Stobben hen ("austreten", scherzh.).

Besteck n. Besteck

Bestecklaa(de) f. Besteckschublade

bestellen 1. bestellen; ausrichten. Dat will ik ähr bestellen. • Well vull bestellt, mutt vull betahlen.
2. bestimmen. Ik woll di ja nich bestellen, maor ik ha't doch gerne, dat't so döös, at ik säggt häbb (höfliche Art zu bestimmen). → Mussikant

bestemmen, -stimmen bestimmen

bestgudd, -good sehr gut; sehr wohl. Dat kann bestgudd wessen (ist gut möglich). Dat kann'k mi bestgudd vöörstellen. Se wussen dat bestgudd (sehr genau).

bestiegen besteigen. dat Peerd bestiegen

bestimmenbestemmen

bestimmt bestimmt, gewiß. Dat is bestimmt nich waor!

bestöhlen, sik (Vr, Sü, Bor, Rae) sich bestocken. De Rogge bestöhlt sik (Aus einem Korn wachsen mehrere Halme). → lodden, stöhlen

bestooten bestoßen, behauen. Steene bestooten.blesseern

beströienbeströien

bestraofen bestrafen

bestraolen bestrahlen, bescheinen. Wi will't us van de Sünne bestraolen laoten.

bestredden rittlings. Du sitts daor as ne Hahn: bestredden up de Nenndööre. → bestrieden 1, breedbeenig, gestredden, Striebasse

bestrie(de)n 1 breitbeinig laufen, schreiten; im Reitersitz sitzen; herumschreiten, -fahren. de Schlagglöcker bestrieden (um die Schlaglöcher herumlaufen, -fahren). dat Spöör bestrien (zwischen den ausgefahrenen Wagenspuren fahren). → Bommfracht, strieden 1

bestrie(de)n 2 1. bestreiten, schaffen. kaans't so ääben bestrien (so gerade schaffen). Dat kann'k noch wall bestrien (bezahlen, aufbringen, schaffen).
2. abstreiten

bestrieken bestreichen. de Müüre met Spais bestrieken (verputzen, beschmieren). dat Brood met Botter bestrieken. Ik häbb de Koh dat Geer met Melkfett bestrecken.

Bestrieksploog m. Beetpflug zum flachen Pflügen. → Striekploog

bestrienbestrieden

beströien, -sträien bestreuen. de Köckenfluure met witten Sand beströien (am Samstag)

bestusst schwer von Begriff

Bestüür 1, Pos(i)tüür, Posituur f'n. Ding od. Person von großem, klobigen Format. De Maschiene, dat was so'n Bestüür. ne Postüür van'n Froumääsk (große, stabile Figur). → Statuur

Bestüür 2 n. Lenkung, Regelung; Verwaltung, Regierung, Herrschaft. Ik ben met mien Bestüür tefrääne (mit meinen Verhältnissen zufrieden, Bo). → Stüür n.

bestüürlik, postüürlik riesig, unförmig

bestuuwen, -ben vollstauben, bestauben. Et bestüff alls met dat Mählsäcke-uutschüdden. De mooie Schäppe wann. doch totaal bestowwen.

besübbelnbesüwweln

besünder, besünner besonder(s), ausgefallen, anders. Besünder Tüüg, daor häört ook ne besündere Frou in (z.B. von modischer Kleidung). Se häff ne besünnere Aard (eigenwillig). He is ne Besünderen (absonderlich, wunderlich).

besünders, besünners besonders. He is nix Besünders (ganz normal). Giff't hier wat Besünders? (z.B. bei großem Zulauf). → Nijs

besuupen besaufen. De maakt se met Schmuu besoppen (mit Ein-, Überreden "um den Finger wickeln"). En nöchtern Kalw un´n besoppen Käärl passeert nix. Besoppen Mund spreck Hattensgrund (sagt die Wahrheit). → Schutz-engel

besüürn bedauern, bereuen, büßen. Dat moss'k apatt gudd besüürn (mußte ich "ausbaden").

besüwweln, -sübbeln 1. beschneiden, mit der Schusterahle bearbeiten.
2. betrügen, übervorteilen. → besäibeln

betahlen bezahlen. Dat is met Geld nich te betahlen! Dat laot se sik gudd betahlen. Den eenen moss betahlen, un den annern moss't Geld gebben (bleibt finanziell alles gleich, wenn z.B. etw. gleich teuer ist). Van't Betahlen, daor wödd't (meerste) Geld van alle!bestellen, Buxe, danke, Dood, drao, händig, kontant, Saage, so, to, Westentaske, Zins

Betahlerij f. Bezahlerei

Betanzinbetangsie

betäödelt, bedäödelt leicht angetrunken. → betünteln

beteek(n)en 1. bedeuten, bezeichnen. Et ha. nix te beteeken (nicht von Bedeutung). Wat häff dat dann te beteeken?
2. etw. darstellen, vorstellen, erreichen. Denne häff wat te beteeken (1. hat Bedeutung. 2. hat schon viele Dummheiten gemacht). Du beteekens nix (kannst nichts ausrichten). Denne häff van sien Lääwen all wat beteekt (von sich reden gemacht).

Betong m. Beton. → Glass-aske.
Zs.: Koll-asken-

betöönt (Vr, St, Sü, Rae) knapp, selten, gesucht. De Erpel bünt van Jaor hatt betöönt. Ne Huusbruud was betöönt (hoch im Kurs). De Bouplässe bünt so betöönt (knapp, daher teuer). → knapp, raar

beträä(de)n betreten

beträötert (Vr, Sü, Ge, Bor, Hei, Bo) angetrunken. → Träöte

betrecken 1. beziehen. dat Bedde betrecken.
2. schneiden, schnitzen, glätten (mit der Ziehklinge, → aftrecken, Treckmess).
3. erreichen, schaffen. He konn dat gudd betrecken.begaapen.
4. zum Narren halten; hintergehen, hinterhältig betrügen, gemein behandeln; verprügeln. Denne häbb se gudd betrocken. Dao häbb se em kahl betrocken.
5. in der Wendg. Et betreckt (sik) (Wolken ziehen auf). betrocken Wäär. betrockene Lucht (bewölkt)

Betreckmess, -er n. Ziehklinge, -messer (Werkzeug z.B. des Holzschuhmachers). → Treckmess

betreffen betreffen. He kann't wall, et betreff kinne Armen.

betruuen, -trüüen betreuen

betruurn betrauern

Bett. Bitt (Wes, Ot, Bor, Hei) m. (Bette) Biß. noch nich äs ne Bett in de Mund (nichts zu essen). Wenn ih nich ääten willt mienen Bett, dann söll ih ääten mienen Schett, sägg de Muus (bei angenagtem Brot, Schinken).Bette

Bette f. (Betten) 1. Biß.
2. Anbeißen an der Angel. He häff kinne Bette hat (Die Fische haben nicht angebissen). He häff Bette (Er hat Hunger auf etw.).
Zs.: Peerde-

Better-, better-, betternBääter-, bääter-, bäätern

bettken bißchen. De bünt met'n (kläin) bettken nich mähr tefrää (große Ansprüche). En bettken te laat is vull te laat. Völle Bettkes giff een Vull. Wo'n bettken helpt, daor helpt vull ook (z.B. von Medizin). Badde, Bette, Dreet, Fitzken, helpen, lück

betuckt (Ge) bestürzt

betünteln 1. umsorgen, verwöhnen (z.B. krankes Kind bemuttern, verhätscheln).
2. betrügen (Ge, Ra).
3. sik betünteln (sich betrinken, Rh, Bo). He was betüntelt (leicht angetrunken).

betuppen, betuppern betrügen. → betuttern

betütteln, betüttken umsorgen, verwöhnen (z.B. Kinder verhätscheln). → betünteln

betuttern betrügen. → betuutern

betüttkenbetütteln

betüüdelt (Bor) angetrunken. → betäödelt

betüügen bezeugen

betuutern, betüütern (Ot, Vr, Bor, Rae) 1. umsorgen, verwöhnen, verhätscheln.
2. betrügen. De häff mi lellk betuutert. Häs di weer betuutern laoten?betünteln

betwaolen (Vr, St, Ge, Hei, Rae) sich verirren

betwieweln bezweifeln. Dat wi'k doch betwiefeln, dat denne de Waorhäid sägg.

betwingen bezwingen

BetzBertus

be-uurdeelen beurteilen. Dat kann'k nich be-uurdeelen.

bevöör bevor. Wocht äs, bevöör du wat undernemms.ähr 2, vöör

bevöördeelen bevorteilen

bevöörstaon bevorstehen. Dat steht us noch bevöör.

bewäägen bewegen; regen; rütteln

bewääglik beweglich; (geistig) rege, fix. Dat is'n bewääglik Käärlken.

Bewäägung f. Bewegung

bewäätern bewässern

Bewähr (Rh) n. Unruhe, Getue. Bi allen Bewähr moch ik miene Arbäid doon.

bewahrn achten auf, beschützen; bewahren; schützen (vor etw.). Gott sall mi bewahrn! Gott bewahr us vöör Föör un Wind un vöör Löö, well nich ährlik bünt. In´t Huus is'm am besten bewahrt.beklaagen, Nücke

bewährn, -wehrn bewähren

bewältigen bewältigen

bewampelnbewimpeln

bewandert sich auskennend, bewandert. In de Kaarte was he gudd bewandert.

bewarkstellen, -werkstellen bewerkstelligen. → warkstellig

Bewass n. Bewuchs; Bepflanzung

Bewies m. Beweis

bewiesen beweisen. Dat kaas nich bewiesen.

bewillkommen begrüßen. Bewillkümp! (Sei willkommen, Rh).

bewimpeln (Rae, Rh, Bo) in der Wendg. met vull Bewimpeln un Bewampeln vertällen (ausführlich, umständlich berichten)

bewölken bewölken. Et bewölkt sik.

bewonnen bewohnen. Se bewonnt 'n groot Huus.

bewündern, -wünnern, -wundern, -wunnern bewundern

bewwern, bewwerigböwwen, böwwerig

Bewwe(r)skeBöwwe-eske

bi. bij (Rae, Rh, Bo) bei, an, zu. De ging bi Krücken (bi'n Stock) (Er ging mit Gehhilfen; er hatte fast kein Geld mehr). Dat is bi miene Tied upekommen (zu meiner Zeit). bi 't Ääten (während des Essens, → under). Dagg bi Dagg (Tag für Tag). bi Punde koopen (pfundweise kaufen). Waor wat is, daor kümp immer wat bi (Reichtum zu Reichtum, → Hoop 1). Et geht de weer bi (Es geht los). Lao we de män bi gaon (beginnen). Et sitt de faste bi (1. jd. ist stark, muskulös. 2. jd. ist geizig). He sitt de faste bi (ist reich, finanziell gesund). Ik was de nich bi. He is de weer bi (aus Bewußtlosigkeit erwacht, bei Verstand, → bikommen). He is noch gudd bi (rüstig, geistig rege). De Koh is gistern bi west (wurde gedeckt). Daor is he up Tied bi west (voreheliches Kind). Se häff all wat bi sik (schwanger). → an, hento, üm.
Zs.: de-, daor-, her-, hier-, kott, nääben-, nao-, vöör-, waor-

bi- auch: bij-

bi-akedeern einhandeln

bi-an nebenbei, nebenan; aneinander. De Schoppe stonn bi't Huus bi-an (neben). He löpp hier bi-an (Er ist nicht eingeladen, aber ißt mit, gehört eigentlich nicht dazu).

bibberig zitternd. → böwwerig

bibbern zittern (bes. vor Kälte). → böwwen

Bibi m. (Bibis; Bibiken) (Vr, Sü, Ge, Rae) steifer, schwarzer Hut, Melone. schwatten (stiewen) Bibi

Bibladd n. Beilage (einer Zeitung)

bibottern, -böttern "zubuttern", zusetzen (Geld verlieren bei wirtschaftlichem Rückgang). → in-, tobottern

Bibrää (Pl.) Seitenbretter am Kastenwagen. → Biplanken

bibrengen, -breggen beibringen, lehren, begreiflich machen. Moss em dat lück sachte bibrengen (vorsichtig, z.B. eine unangenehme Neuigkeit).

Bichte f. (Bichten) Beichte. Bichte sitten beichthören.
Zs.: Aorn-

bichten beichten. hen bichten gaon (zur Beichte gehen). • So fien bicht kien Buur; wat he nich wetten will, lött he uut (Man soll es nicht so genau nehmen). Wi gaot en bettken bichten (iron.). Ähr eenmaol bichten as drup verzichten (von leichtfertigen jungen Männern). → Griepspaon

Bichterij f. Beichte. De Bichterij göng loss.

Bichtstohl m. Beichtstuhl. → Aapenkästken, Luurkasten

Bick m. (Hei) (Bicke) Sensenhaken als Hilfe beim Mähen. → Pickhaaken

Bickbääse (Vr, St, Rae, Bo). Beckbääse (Rh). Bickbäär (Ra, Rae).

Bickbeere (We, Hei). Beckbeer(e) (Wes, Ot, St, Ge, Bor, Rh) f. Wald-, Blaubeere (wurden getrocknet, Heilmittel gegen Durchfall). Bickbääsen hier, Bickbääsen daor, kommt maor eens in't Jaor (Bo). → Blaubääse, Peeter-un-Paul

Bickbääsen- auch: Beckbääsen-, Bickbeer(e)n-

Bickbääsenbuss, -busk m. 1. Waldbeerstrauch.
2. Wald, in dem Waldbeeren zu finden sind

Bickbääsenkorw m. Korb zum Sammeln von Waldbeeren. → Schaole

Bickbääsenpann(e)kooke(n) m. Pfannkuchen mit Waldbeeren

Bickbääsenstruuk m. Blaubeerenstaude. De Erpel süht uut as so ne Bickbääsenstrüüker (von schlecht wachsenden Kartoffelstauden).

Bickel m. (Bickels; Bickelken) (Ot, Vr, Sü, Ge, Ra, Rae) 1. Sprungbein, kleiner Fußwurzelknochen von Schaf od. Ziege (wurde als Knöchelspiel, Geschicklichkeitsspiel bes. der Mädchen gebraucht: z.B. wurden vier Knöchel gleichförmig hingelegt od. geworfen. In der Zeit zwischen Hochwerfen eines Balles u. Auffangen mußten die Knöchel in eine andere Lage gebracht werden. Es wurde bis zum Ersten Weltkrieg bes. auf dem Schulhof gespielt). → Äöne, Büüke, Gääte, Gösserken, Hilten, Kaitken, Köttken, Schlängesken, Stäöne.
2. harter Gegenstand. so hatt as 'n Bickel. Et bünt alle Bickels! (ungare od. erfrorene Kartoffeln). Wat ne suurn Bickel! (z.B. unreifer, saurer Apfel).

Bickelball m. (Ot, Vr, Sü, Ge, Ra) Gummiball (früher beim Spiel mit Schafs- od. Ziegenknöcheln benutzt). → Bickel

bickelhatt (Ot, Vr, Sü, Ge, Ra, Bo) steinhart, knochenhart. Et is bickelhatt verfroorne. → köttelhatt

bickeln (Ot, Vr, Sü, Ge, Ra, Rae, Bo) 1. spielen mit Knochen von Schaf od. Ziege. → Bickel.
2. in der Wendg. Ball bickeln (Ballspiel an einer Mauer, den Ball mit der flachen Hand auf den Boden prellen).
3. rollen, kullern. De Träönen bickelt em öwwer de Kiewen. Se hüült, dat de Träönen män so bickelt. Äier bickeln (Osterbrauch: Eier gegeneinander rollen, → Äier-rullen).
Zs.: Ball-, Köttken-

Bickelspöll n. (Ot, Vr, Sü, Ge, Ra) Mädchenspiel mit Knochen von Schaf od. Ziege. → Bickel, Hiltenspöll

bicken "Steine beschlagen" → picken 2

bidaale unten; nach unten. He is de bidaale (Er ruht sich aus). Et is de bidaale (Es harmoniert nicht).

Bidd-dagg m., Bidd-daage (Pl.) Gebetstag(e) um Wachstum, Segen für die Früchte des Feldes (am 25. April, Markustag) od. um Schutz vor Krankheit u. Krieg (drei Tage vor Christi Himmelfahrt). → Bäädedagg

Bidde f. (Bidden) Bitte.
Zs.: Af-

bidden (bidd; badd, badden; bedden) bitten. Se bidd't doch alle üm't dägglike Brood.fraogen

Biddprussioon(e) f. Prozession vor Christi Himmelfahrt

biderhand rechts. dat biderhande Peerd (rechts gehendes Pferd, vom Kutscher aus). → haar 2, nao-, vanderhand

Biderhandsied(e), -siete f. rechte Seite (z.B. beim Zweiergespann, Kutschwagen). → Naoderhandsiede

bidoon 1. hinzutun, dazutun. Daor doo ih Geld bi (muß man Geld zusetzen). → bibottern.
2. decken lassen. → bilaoten, bücken

bidräägen beitragen (zu etw.). He kann sien Deel ook wall bidräägen.

Bidragg m. Beitrag, z.B. Beitragszahlung (für einen Verein)

bidrucken, -drücken zusammendrücken

Biebel f. Bibel; dickes Buch. Wat ne dicke Biebel! He kick drin as de Koh in de Biebel (verständnislos). Vandaag geht alls nao'n Düüwel, sägg de Junge, dao hä' he siene Biebel verloorn.

Biebelspröck m. Bibelspruch

Bieberlaaken n. Biberbettuch

bi-een(e)bineene

Biele f. (Bielen; Bielken) Beil. Den kaas met de Biele in de Kunte houen, dann dräit he sik noch nich ümme (kümmert sich um nichts, ist gleichgültig, dickfellig). → Hiepe.
Zs.: Bree-, Hack-, Hand-, Holt-, Hou-, Klumpen-, Schäll-, Schlachte-, Schmacke-, Spund-, Uuthölle-

bielen mit dem Beil abschlagen, beschlagen (z.B. Baumrinde)

Bielenbladd n. "Blatt", Metallteil des Beiles zwischen Schneide u. Stielfassung

Bielen-elf(t), -helf(t) f. Beilstiel. → Bielenstell

Bielenschräiner m. Schreiner, der grob, schlecht, ungenau arbeitet. → Buuskenschräiner

Bielenstell, -en m. Beilstiel

Biemenhorst ON Biemenhorst, Bauersch. von Bo. Biemenhorster Tichelbuurn ("Ziegelbauern", Ortsneckerei aus Bo)

bi-enkaar(e)bimerkaare

Bier, Bier-Beer n., Beer-

Biese 1 f. (Biesen; Biesken) kurz andauernder Regenschauer. Daor mäcks ne Biese met (anstrengende Arbeit, bei der man schwitzt).
Zs.: Haagel-, Määrten-, Räägen-, Schnee-

Biese 2 f. (Biesen; Bieseken) Litze, Rüsche, streifige Verzierung an Kleidungsstücken. Se hadde Biesen an'n Rock.
Zs.: Plüüs-

biesen regnen (schauerartig), stürmen. Et häff gudd ebiest. Häff't gudd biest? (Hat es gut geregnet, gut was angebracht; sind die Erwartungen erfüllt). → räängen

Biesenweer, -wäär n. Regenwetter

biesig regnerisch, stürmisch. biesig Wäär (Regenwetter, schlechtes, schauerartiges Wetter)

Bieskenbloome f. Waldweidenröschen

Biest n. (Biester; Biestken) Biest; böse, gemeine Person. Dat verdammte Biest!Beest

Biest(e)melk, Bies(t)melk, Beestemelk f. Erstlingsmilch nach dem Kalben (wurde für Weißbrot od. - mit rotem Ocker vermischt - zum Streichen von Giebelbrettern, Türen, Truhen verwendet; stark eiweißhaltig). → Büülkesbacker, klüüterig, Vöörmelk

Biestemelk-emmer m. Eimer für die Erstlingsmilch, zylindrischer Messingeimer (Darin wurde die Erstlingsmilch für Weißbrot zum Bäcker gebracht.)

Biesterbahn(e) f. in der Wendg. up de Biesterbahne kommen (auf Abwege, auf die falsche Bahn kommen, in Saus u. Braus leben). Wi bünt demet up de Biesterbahne (ins Stocken geraten). → Bissebuss, Rull-, Rüngelbahne

Biesterbux(e) f. nervöse, sich herumtreibende Person (z.B. junges Mädchen). → Gänger

biesterig unruhig hin- u. herlaufend, in Bewegung, aufgeregt, verwirrt. → bisserig, böisterig

Biesterij f. Verwirrung; Gemeinheit. He schmitt et in siene Biesterij vöör de Grund.

biestern herumirren, unruhig herumlaufen (z.B. Vieh), in die Irre gehen; nicht richtig im Kopf sein. → bissen

Biesterpatt m. in der Wendg.up'n Biesterpatt kommen (auf die falsche Bahn kommen)

Biet-aos n. bissiges Tier (Pferd, Hund)

bieten (bitt; beet, beeten; betten) beißen. De Hahnens bünt an't Bieten (Hahnenkampf; Streit der Platzhirsche). Bitt de Hund ook? (Antwort:) Wisse wall, wann's em 'n Stück Brood (ne Koste) toschmitts! Groote Hunde biet't sik nich. Naobers Hunde biet't sik nich. De biet't sik nich (unterstützen sich, halten zusammen, z.B. geschäftlich; lieben sich). Daor beeten se sik drüm as Hunde (schlugen sich z.B. um ein begehrtes Objekt). Wann't ne Hund was, hadde et di all betten (wenn man etw. sucht, was zur Hand liegt). Pass up, dat't di nich bitt (wenn jd. etw. sucht, iron.). Dao woll se nich up bieten (Das lehnte sie ab; dazu wollte sie sich nicht äußern, → hüppken). up de Tande bieten (die Zähne zusammenbeißen, durchhalten). Daor bitt he sik sölws met in'n Buuk (schadet sich selbst, macht einen Fehler). Dat scharpe Gräi bitt as de Dunder (ätzt, z.B. von Lauge). Dat bitt sik (paßt nicht, bes. von Farben). → Appel, blecken, Gaogel, Gröss, hatt, Holtfloh, lecken 1, löggen, Muus, Nössegatt.
Zs.: fast(e)-, Hahnen-, kahl-, kaputt-, wegg-

Bieterkes (Pl.) Zähnchen (Kinderspr.)

Bieter(t) m. bissiges Tier (Pferd, Hund).
Zs.: Bullen-, Finger-, Kräien-

biets (Rh, Bo) bissig

Bifall m. Beifall

bifallen mager werden. He was hatt bifollen (Er war - z.B. durch Krankheit - plötzlich "eingefallen"). Wenn de Lamme afbünt van de Öien, dann fallt se wall bi (Die Muttertiere werden wieder schlank). → tesaamenfallen

Bifoor, -fuur n. Zufutter

bifoorn, -fuurn zufüttern. De soll wa. wat bifoorn (nebenher füttern, bei Schweinen, Kälbern, Kühen, die nicht genug Futter auf der Weide haben). → naofoorn

BigeschmackBischmaak

Bigloowen, -ben m. (Ot, Vr, St, Ge, Rae) Aberglauben. → Aawergloowen

biglööwig, -big (Ot, Vr, St, Ge, Rae) abergläubisch

bihaalen heran-, herbeiholen. Denne moss du an de Aorne bihaalen (zwingen). → bitrecken

bihand 1. bei der Hand, zur Hand. Daor wann. se forts met bihand (z.B. schnell bei der Arbeit).
2. links, z.B. das links gehende Pferd vom Gespann. dat bihande Peerd; dat bihande Been (das linke Bein). → Hand, Handpeerd, naoderhand

bihäörn dazugehören. Dat häört de so bi.

bihen (daran) vorbei. Dat is ganz de bihen (Es ist ganz schlimm). Et geht de baar bihen (Es geht daneben, fällt aus der Reihe; iron: es geht sehr gut). He was ook a. bihen (z.B. krank, senil).

bihollen beibehalten, dabeibleiben

bij, bij-bi, bi-

Bije, Bij f. (Bijen; Bijken) Biene. Well't Geld will sehn stuuwen, legg't an in Bijen (Immen), Tabak un Duuwen (von Hobbies, die Geld kosten). → Blöite, Honning, Ieme.
Zs.: Arbäids-, Glaasen-, Honnig-

Bijenhaaken m. Eisenhaken zum Verbinden der Jaggdhüüwen

Bijenhonning m. Bienenhonig

Bijenhuus n. Bienenkorb. → Bijenkorw

Bijenhüüwe f. Bienenkorb. Wat häff de ne Bijenhüüwe up! (sonderbarer Hut, scherzh.). → Bijenkorw, Spiele

Bijenkäärl, -kerl m. Imker

Bijenkappe f. (Ge) Bienenkappe, Imkerhaube. → Iemenkappe

Bijenkaste(n) m. Bienenhaus, Bienenkasten (kam etwa 1920 auf)

Bijenkönni(n)gin f. Bienenkönigin. → Bijenmoor

Bijenkorw m. Bienenkorb (hat eine spitze Form, einen aus Weiden geflochtenen Unterkorb, der mit Kuhdreck u. Lehm abgedichtet wurde u. außen von Sumpfgras, → Meddelgröss, einen wärmenden Mantel erhielt; oben ein strohgeflochtener Knopf zum Anfassen u. Tragen)

Bijenmoor f. Bienenkönigin

Bijenpiepe f. Pfeife des Imkers

Bijenrööte, -rüüte f. Bienenwabe

Bijenrüssel m. Saugrüssel der Biene

Bijenschuur n. Bienenstand, Bienenhaus. 'n Lääwen äs in't Bijenschuur (sehr unruhig). → Bijenkorw, Iemenschuur

Bijenschwarm m. Bienenschwarm. Ne Bijenschwarm in'n Mäi is mähr wäärd as 'n Foor Höi (Blütenbestäubung).

Bijenschweet m. "Bienenschweiß", im Rätsel. → Wass

Bijenstall m. Bienenkorb. Et geht to äs in'n Bijenstall (ein Kommen u. Gehen, Ra). → Bijenkorw

Bijenstecke m. Bienenstich

Bijenvolk n. Bienenvolk

Bijenwass n. Bienenwachs

Bijmeese f.; Bijmiesken (Bo) Kohlmeise (Blau- u. Gelbmeise). De springt harüm as so'n Bijmeesken (von kleinen Kindern). so händig as ne Bijmeese (flink). → Schiet-in't-Föör, Koll-, Piep-, Tüntelmeese, lüüden

biklöörn nachfärben, beitönen (z.B. von reparierten Stellen an Möbeln)

biköggelnbeköggeln

bikommen 1. herankommen, erreichen. Den Haasen lött sik nich bikommen. Daor is schlecht bi te kommen.
2. zu sich kommen. He kümp all bi (erwacht z.B. aus der Ohnmacht). → Buulekäärl

bikoopen hinzukaufen. → tokoopen

bikriegen, sik sich bedienen bei Tisch. Nu kriegt uh bi un schnied't uh döör un laot de Köste met't Weeke maor liggen (vom Auffordern bei Tisch, scherzh.). → ääten

Bilaa(de) f., Biläädken Beilade in der Truhe od. Kommode, Lade oben im Koffer. → Inkästken, Kofferlaade

bilaa(de)n hinzuladen (z.B. auf einen Wagen). → tolaaden

bilangs. bilängs (Wes, Ot, Ra) vorbei, daneben. Et gong de bilangs (ging daneben). met een Foot bilangs trään (danebentreten, z.B. auf der Leiter verunglücken). Et löpp em de bilangs (geistig verwirrt, durcheinander, z.B. altersverwirrt, → Foot). Et is de nich bilangs (ist normal). → vöörbi

bilaoten 1. herbeilassen. Ääben de Kalwer to't Suupen bilaoten.
2. decken lassen. Kaniene bilaoten. de Koh bilaoten. stillekes bilaoten (von Vieh, das sich unbemerkt deckt u. trächtig wird). → bi, bidoon

Biliene f. kurze Steuerleine für Pferde, gebraucht bei einspännigen Wagen u. Karren (im Ggs. zur langen → Krüüs-, Ploogliene). → Peerdeliene

Bille f. (Billen; Billeken) Hinterbacke, Hintern. Kinner met'n Willen, de kriegt wat vöör de Billen (Brillen).

billen (Ot, Vr, St, Hei, Rae, Bo) picken, hämmern, schärfen (der Mühlsteine, mit dem zweiseitigen Hammer, → Billhaamer)

Billenstatt m. Brunnenkresse; Löffelkraut

Biller m. wer den Mühlstein schärft

Billhaamer m. (Ot, Vr, St, Ra, Hei, Rae, Bo) zweiseitiger Hammer zum Schärfen von Mühlsteinen (in der Form des Dengelhammers, → Haarhaamer). → Latt-, Pick-, Schaalhaamer

billig 1. billig. Billiger kaans kien Stich kriegen (beim Kartenspiel).
2. recht. Wat'n eenen recht is, is 'n andern billig.
Zs.: spott-

Billjoon f. Billion

bilöftig beiläufig, nebenbei. Dat häbb we so bilöftig daone. Dat häbb ik so bilöftig häört (zufällig).

biloopen einlaufen, schrumpfen (Stoff beim Waschen)

Bilsenkruud n. Bilsenkraut. → Hexenkruud

bimerkaar(e), bi-enkaar(e) zusammen, miteinander. He häff sik ne Pröttel bimerkaare kofft (sich zusammengekauft). De Buxe was bimerkaare ploddt (notdürftig geflickt). → inmerkaare

bimengen hinzumischen

Bimmbamm n. baumelndes Ding (Kinderspr.). → Bummbamm

Bimmel-bammel im Kindervers Bimmel-bammel, 'n Köster van Ammeln, de Häärens van Vreen, de schlaopt alleen (der Küster von Ammeloe u. die geistlichen Herren, Kanoniker des Vredener Stiftes; Vers beim Schaukeln im Schaukelpferd, ursprünglich Lied zum Glockenläuten). → bäiern

Bimmelbahn(e) f. Kleinbahn, Bummelzug. → Pengel-anton

bimmeln mit einer Klingel od. kleinen Glocke läuten. → pengeln

Bims-steen m. Bimsstein

binääben, -nääwen, benewwen, -nebben, -nääwen daneben. Et is de binääben gaon.denääben

Binaame(n) m. Beiname, Übername, Hausname. → nöömen, platt 2, Tonaamen

binaamenbenaamen

binander, -nanner beieinander, zusammen. Wi mött't bineenekommen, üm binander te wessen (Ra). He häff se nich alle Fiewe binander (bineene) (nicht gescheit). → bineene

binanderbinden, -binnen zusammenbinden, -ziehen. den Hubbel binanderbinden (den Reifen aufziehen, durch Hitze dehnen, so daß er sich beim Erkalten fest um das Rad legt)

binanderfallen, -foolenbineenefallen, -foolen

binanderknuffeln zusammenknüllen, ausdrücken. ne Lappen binanderknuffeln.tesaamenknuffeln

binanderknüppen zusammenknoten. dat Dööksken binanderknüppen (Taschentuch zu kleinem Behälter knoten)

binanderleggenbineeneleggen

binandernöögen zusammen einladen. Se willt de Löö to ne Bruudlachte binandernöögen.

binanderpacken zusammenpacken. Se häbbt den Pröttel binanderpackt (z.B. beim Umzug).

binanderschicken, bineeneschicken aufrücken, zusammenrücken. Schickt kott binander, dann könnt de noch mähr sitten.upschicken

binandertrecken zusammenziehen

binandertüünen grob zusammennähen, flicken. → binandertahnen, tesaamentüünen

binao beinahe. Binao was he van de Ledder follen.bolle

Bind n. (Binde; Bindken) Maß beim Haspeln (50 Umdrehungen, danach wird abgebunden; war der Tagessatz beim Spinnen für Mägde). → Fette 2, fissen, Haspeldraod, Klanke, Loot, Stück

Binde, Binne f. (Binden; Bindeken) Binde, Schlips. een achter de Binde geeten.
Zs.: Buuk-, Naffel-, Schnurrewitz-

Binde- auch: Binne-

Bindeband n. Bindfaden

Bindedraod m. Bindfaden

Bindefrou f. Binderin bei der Roggenernte (bindet die Garben)

Bindegaorn n. Strohband, Hanfgarn auf Rollen, Bindeseil für Strohgarben für den Selbstbinder, für die Heu- u. Strohballenpresse. → Strohtou

Bindeglass n. Einweckglas zum Zubinden

Bindemoue f. Bindeärmel (zumeist aus derbem Leinen: die Binderinnen zogen sie zum Roggenbinden über die Arme). → Muff 2

binden, binnen (bindt; bunn, bunden; bunden) binden. dat Radd binden laoten (den Reifen kleiner machen als das Rad). Binn di ne Katte vöör't Knee, dann kaas kieken (bei Dunkelheit). → braanen, Moue.
Zs.: fast(e)-

Binder 1, Binner m. Binder, Mähbinder (Mähmaschine, die auf den großen Höfen Mitte der 20er Jahre aufkam), Garbenbinder. → Mäier.
Zs.: An-, Bessem-, Book-, Buusken-, Fatt-, Kranz-, Mäi-, Sack-, Schaa(n)ßen-, Stohl-, Stroh-, Tunnen-, Up-, Ver-, Vöör-

Binder 2, Binner m. Kragen, Schlips

Bindereemen m. schmales Lederband, bindfadenartiger Lederriemen (benutzte der Schuster zum Nähen). Bindereemen to't Lasken van de Driewreemens.Näireemen

Binderock m. Wickelrock; Kleiderrock als Unterrock. → Under-rock

Bindeschotte, -schötte f. 1. Arbeitsschürze, die umgebunden wird; Halbschürze (aus Seide) bei der alten Tracht.
2. Schürze zum Roggenbinden (mit losen Ärmeln, weiß). → Vöörbindschotte

Bindetou n. Bindeseil, Hanfgarn für Mähbinder u. Ballenpresse. → Bindegaorn

Bindfaa(de)n m. (St) stärkerer Bindfaden (mod.). → Packtou

bineene, bi-eene zusammen; gemeinsam. Wi häbb 't Höi bineene. Man mutt de Gedanken bineene häbben (mit Verstand, konzentriert). He was nich mähr ganz bineene (etw. wirr). Se bünt stäödig bineene (mögen sich leiden). Bineene döggt se nich un van-eene willt se nich (von Kindern, die sich zanken, aber zusammenbleiben wollen). → binander, in-eene, metneene, tesaamen, wärmen.
Zs.: all(e)-

bineenebäädeln zusammenbetteln

bineenebliewen, -ben zusammenbleiben

bineenebrengen, -breggen zusammenbringen

bineenedräägen zusammentragen

bineenedriewen, -ben zusammentreiben

bineenefallen, binanderfallen zusammenfallen. Den Gast feel bineene (Der Garbenstand fiel bei Wind zusammen). → ineenefallen

bineenefinden, -finnen 1. sich (Sachen) zusammensuchen, -finden.
2. sich zusammenfinden. Junge Löö findt bineene.

bineenefoolen, binanderfoolen zusammenfalten, -legen (z.B. Wäsche)

bineenegaddern, -garrern zusammensammeln, -raffen. Dat häff he sik bineenegaddert (erworben, z.B. durch Fleißarbeit).

bineenegrapp(k)en zusammenraffen (habgierig)

bineenegrubbeln (Vr) zusammenraffen, sammeln

bineenehaalen zusammenholen. → sprocken

bineenehangen aneinanderhängen. → Klette

bineenehäörn zusammengehören, passen. Dat häört bineen as Papp un Pannekooken (von zusammengehörigen Sachen, Personen).

bineenehollen zusammenhalten. dat Gräi (de Penninge) bineenehollen (vorsichtig, sparsam umgehen mit, gut wirtschaften). He kann't nich bineenehollen (ist verschwenderisch). → ääten, schraapen

bineenehööpen anhäufen

bineenekehrn, -kährn zusammenfegen

bineeneklappen zusammenklappen, einstürzen. Entweeder et klappt of et klappt bineene (Wortspiel).

bineeneklewwen, -klebben zusammenkleben

bineenekloppen zusammenschlagen

bineenekniepen zusammenkneifen. De Farken wodden bineenekneppen (bissigen od. stark wühlenden Schweinen wurde eine Klammer angelegt, → klammen). de Oogen bineenekniepen (nicht sehen wollen). dat Gatt bineenekniepen (sterben)

bineenekommen zusammenkommen. Sunndagg kweemen se bineene (kam z.B. Familie zu Besuch). → binander

bineenekoopen zusammenkaufen. Wat de Löö so bineenekoopt!bimerkaare

bineenekrassbosseln sparen, raffen

bineenekrassen zusammenkratzen, -scharren

bineenekribben Ufer befestigen. De Bääke wodd met'n paar Buusken bineenekribbt (Der Flußlauf wurde mit Reisigbündeln enger gemacht). → an-, verkribben

bineenekrimpen sich zusammenziehen, einlaufen (Stoff)

bineenekruupen zusammenkriechen. vöör't Trouen all bineenekruupen

bineenelääsen zusammenlesen, sammeln

bineenelääwen, -ben zusammenleben

bineeneleggen, binanderleggen zusammenlegen. He legg dat Geräi bineene (legt das Werkzeug bereit). Wöske bineeneleggen (falten nach dem Bügeln)

bineenenemmen zusammennehmen. He namm siene Kraft bineene.

bineenepassen zusammenpassen. De bäiden passt gudd bineene.

bineeneplacken 1. zusammenkleben, -kneten.
2. zusammenführen von Brautleuten (scherzh.). → bineeneschrumpeln

bineeneprangen festtreten, -trampeln. Den Brood-deeg wodde met bloode Fööte bineeneprangt (Schwarzbrotteig wurde mit bloßen Füßen geknetet).

bineeneraaken 1. zusammenscharren (z.B. die Asche um das Feuer für die Nacht einscharren, Heu od. Stroh nachharken), zusammenraffen.
2. zusammenstoßen

bineeneraffken zusammenraffen, -kratzen

bineeneroopen zusammenrufen

bineenesacken zusammensacken

bineeneschickenbinanderschicken

bineeneschlaon zusammenschlagen. Ik schlao dat gau ääben bineene (repariere es schnell u. provisorisch). den Deeg bineeneschlaon (den Teig kneten, schlagen)

bineeneschleppen, -schlöppen zusammenrechen. Höi in Kidden bineeneschleppen un to Hööpe maaken. Erpelruut bineeneschleppen met ne growwe Äide

bineeneschluuten zusammenschließen

bineeneschmieten zusammenwerfen. Lao we de Buule bineeneschmieten.

bineeneschraapen, -schrappen zusammenkratzen. schoone bineeneschraapen, dat nix verkümp (sorgfältig z.B. Essensreste zusammenkratzen; geizig)

bineeneschrecken zusammenzucken, sich erschrecken

bineeneschrumpeln 1. zusammenschrumpfen, faltig werden. ne bineeneschrumpelten Appel.
2. "zusammenreden". Se bünt bineeneschrumpelt (Das Brautpaar wurde durch Empfehlung zusammengeführt, scherzh.). → bineeneplacken

bineenesetten zusammensetzen, -stellen

bineenesööken (sich Sachen) zusammensuchen. He hä'ne bineenegesochten Anzug an (nicht sein eigener, z.B. unterschiedliche Hose u. Jacke, nicht passend).

bineenestuuken zusammenstauchen, maßregeln. Denne häbb'ke düftig bineenestuukt.

bineenetahnen, -tanden schlecht zusammennähen (scherzh.). → binandertüünen

bineenetällen zusammenzählen

bineenetrecken zusammenziehen. → Rösselbast, splitzen

bineenewonnen zusammenwohnen

binnen 1. innen; hinein. Komm binnen! (Tritt ein). Et schleet nao binnen (nach innen, z.B von einer Krankheit). De Peerde wodden binnen beschlaon (in der Schmiede beschlagen, wegen der kurzen Wege zum Feuer u. wegen des Anbindens der Pferde). Häbb ih Meddag a. binnen? (Habt ihr das Mittagessen schon aufgegessen). Dat helpt di nich ährer, as't binnen häs (wenn jd. schlecht ißt). Wat nao binnen wäss, dat mott wegg (Regel für das Beschneiden von Bäumen u. Sträuchern). binnen ne Wääke (innerhalb einer Woche).
2. innerhalb. → bekieken, binnenste, blank, buuten, gaar 2, Grund, harin, van

binnenbinden

Binnenbäär, -beer m. Eber, bei dem die Hoden innen liegen; Zwitter (wird in der Regel vom Tierarzt kastriert). → Aorbäär, gebreckig, Üüterbuck

Binnenbeen n. Innenseite des Beines

Binnenbruun n. Leberkrankheit; Verdauungsstörung bei Rindern. De Koh häff Binnenbruun.

binnendoon hineintun, hineinbringen. de Kohne binnendoon (die Kühe in den Stall bringen). de Waage binnendoon (den Wagen in den Schuppen fahren). → t Höi binnendoon (Heu einfahren)

binnendöör innen hindurch. Wi föhrt binnendöör (den kürzesten Weg, z.B. nicht die Haupt- sondern eine Nebenstraße).

Binnendöör(e) f. Innentür, innere Tür, z.B. Zimmertür

Binnenfetter m. dicke Person (hat das Fett innen, scherzh.)

Binnenform f. innere Form (z.B. des Holzschuhs)

binnengaon hineingehen. De Maaslöö willt noch binnengaon (nach der Kirche in die Gaststätte gehen).

Binnenhengs(t) m. Hengst mit nur einem Hoden. → Klopphengst

binnenhuusebinnenshuuse

binnen-in innen, mitten drin. De Keller van't Huus was binnen-in.

Binnenkant(e) f. Innenseite (z.B. des Holzschuhs, des Hauses)

binnenkommen hineinkommen. Komm binnen! (Tritt ein). Kommt binnen, dann könn ih nao buuten kieken (scherzh.). → harinkommen, Klumpen

binnenkriegen hineinbekommen; begreifen. Dat häbb'ke nich binnenkreggen.

Binnenlängte f. Innenlänge (z.B. des Holzschuhs, d'h. Maß des Fußes)

Binnenmaote f. Innenmaß (z.B. des Holzschuhs), lichte Weite

Binnenmess, -er n. Werkzeug des Holzschuhmachers: kurzes Messer mit runder Schneide für die Innenhöhlung

Binnenmüür(e) f. Innenmauer, Innenwand. Binnenmüüre maaken (ein Haus z.B. ausbauen, umbauen)

Binnenmüürwark, -werk n. Innenmauer

binnenpacken hineinpacken; unter Dach packen. Dat Eekenholt wodde binnenpackt.

Binnenpättken "innerer", nicht öffentlicher Weg. en Binnenpättken döör't Holt hen

Binnenpott m. Innentopf. Binnenpott in'n Vehpott (Einsatz im Viehfuttertopf). ne iesern Binnenpott in de Höipiepe (Einsatz in der Pfeife, Schutz vor Brand). → Vehpott

Binnenputz m. Kalkverputz für innen

Binnenruum m. Innenraum (des Hauses), Innenseite (z.B. des Holzschuhs)

binnenscheeten 1. hereinschießen, plötzlich hereinkommen. Ik bin de so met binnenschotten.
2. einfallen. Et schött mi nett binnen (fällt mir gerade ein). → tüskenscheeten

binnen(s)huuse innen im Hause, im Hausinnern, drinnen; ins Haus. binnenshuuse bliewen. Bün ih binnenshuuse west? Et gaff ook ne Mestfaalte binnenhuuse, wao de Bullens drup leepen. De Kinder kammen achtermerkaare binnenshuuse.uuthüüsig

Binnensied(e), -siete f. Innenseite

binnenstääken, -stecken einstecken. He häff alls binnenstocken (in die Tasche gesteckt).

binnenste innerste. dat binnenste nao buuten hen (verkehrt herum, von Kleidung). → binnen, kronk

Binnentaske, -tasse f. Innentasche (in der Jacke od. Hose)

Binnentaster m. zirkelähnliches Werkzeug (des Tischlers, Holzschuhmachers.)

Binnenwand f. Innenwand; Innenseite (z.B. des Hufes)

Binnenwandung f. Innenwand (des Holzschuhs, des Hauses), Innenbeschichtung (z.B. eines Eisenbehälters)

Binnenwark, -werk n. Arbeit im Haus. → Huuswark

Binnenwegg m. innerer, nicht befestigter Weg (durch die Bauerschaft). → Binnenpättken

Binnte f. nähere Umgebung, Gegend, Nachbarschaft, Bauerschaft. Et ligg in de Binnte (in der Nähe). → Büürte

binoutbenout

Binse f. (Vr, Ra, Rae, Rh, Bo) (Binsen) Binse. → Beese, Pickrösken.
Zs.: Ross-

Binsen (Pl.) in der Wendg. Dat geht in de Binsen (geht daneben).

Biplanke f. Seitenbrett zum Erhöhen des Kastenwagenaufbaus. Up de Kaore kwammen Biplanken up.Deckbredd, Mest-, Siedenplanke, Upsetter

Biraod m. Beirat (z.B. in einem Verein)

Birne f. (Birnen; Birnken) Glühbirne. In de Köcken was ne Birne van twintig Watt un en Birnken in Krüüsform (Andachtslämpchen).
Zs.: Schiethuus-

bisbes

bischeern schneiden, beschneiden. de Hegge bischeern. De Pannen wodden bischeert (Die Dachpfannen wurden für den Dachausbau zurechtgeschnitten).

bischicken aufrücken (z.B. bei Tisch). → upschicken

Bischlööper m. Schlafgenosse (in einem Bett); Ehemann

Bischmaak, Bi(ge)schmack m. Beigeschmack. An den Koffie, daor was Bischmaak an (z.B. an schlecht sortiertem Kaffee). → Siedschmaak

bischnie(de)n schneiden, beschneiden (z.B. Dachpfannen) → bischeern

Bischopp m. Bischof. Buur bliff Buur, man kann de wall nen Bischopp van maaken, apatt kinn vernüftig Määnske.

Bischoppsmüske, -müsse f. Mitra

Bischopps-staff m. Bischofsstab

bisehn, sik sich ansehen. Dao stönn ne Hattkoh un bisöög sik in't Waater.bekieken

bisetten zusetzen, hinzufügen. He häff nich vull bi te setten (kann gesundheitlich od. finanziell nicht viel machen). → tosetten

bisiet(e) beiseite, abseits; zur Seite. Ik sall't ääben bisiete leggen (weglegen). bisiete Mooderhand un Vaaderhand (an der Seite von Vater und Mutter)

Bisitter m. Beisitzer (in einem Verein, z.B. der Nachbarschaft)

bispringen helfen

biss-achtig (sth.s) unruhig, unstet, beschäftigt, eifrig

Bisse 1 f. (sth.s) nicht gelungene, minderwertige Butter. → Bissebotter

Bisse 2 m'f. (sth.s); (Bissen; Bisseken) 1. dünne Wurzel (bes. der Rüben). Moss de Bissen in de Grund kriegen un faste anträän (beim Pflanzen von Runkeln). De Rööwen met ne fiene Bisse, de schmeeken bääter as de met ne growwe Bisse.
2. Schweineschwanz (scherzh.). → Ribbe.
Zs.: Rööwen-

Bisse 3 f. (sth.s) in der Wendg. up de Bisse (auf Trab, unruhig, unterwegs). Se was den ganzen Dagg up de Bisse.Bissebuss

Bissebass(e), -bast f. (Bisse- mit sth.s) unruhige, unstete Person. → Bissekaore

Bissebotter f. (sth.s) nicht gelungene, wäßrige, minderwertige Butter (wenn es nicht "buttern" wollte, keine richtigen Flocken gab, z.B. bei Gewitter od. wenn man zuviel warmes Wasser in die Kirne gab). → dull

Bissebuss, -busk m. (Bisse- mit sth.s) in der Wendg. up'n Bissebuss (terechtekommen) (1. verwirrt, nervös werden, durcheinander kommen. 2. aus der Bahn kommen, auf die schiefe Bahn geraten.) Se is met't Trouen up'n Bissebuss kommen (nicht glücklich geworden). → Biesterbahne

Bissebux(e) f. (sth.s) unruhiger od. schneller Mann. → Hissebisse

Bissegatt n. (sth.s) unruhige, unstete Person

Bissehütte f. (sth.s) (Bo) Schutzdach, um sich bei Gewitter unterzustellen. → Schuurdack

Bissekaore f. (sth.s) unruhige, unstete Person (die alles schnell machen will, viel hin- u. herläuft)

Bissekunte f. (sth.s) unruhige, unstete Person

BisselJan Bissel

Bissemääse, -merse f. (sth.s) unruhige, unstete Frau

bissen (sth.s) fluchtartig wegrennen, unruhig hin- u. herlaufen (von Rindern, die Schutz vor Bremsenstichen od. bei Gewitterschwüle Schatten suchen; dabei heben sie den Schwanz). • Wann de eene Koh bisst, steck de annere den Statt up (Wenn einer etw. kauft, muß es der andere auch haben). He häff so lange schlaopen, dat he nu nao de Arbäid bissen mutt (eilig laufen). → biestern, hissen, rappeln, Schuur 1, wied.
Zs.: wegg-

bisserig, bissig (sth.s) 1. unruhig, nervös, aufgeregt.
2. eilig, beschäftigt, übereilig. en bisserig Käärlken. → beesig, bissachtig, biesterig, weerig.
Zs.: hisse-

Bisser(t) m. (sth.s) wer viel unterwegs ist

Bissetante f. (sth.s) unruhige, unstete Frau

bissig bissig (z.B. Hund). → Bietert

bissig (sth.s) → bisserig

Bissloo(k) m. (sth.s) (Sü, Rae, Rh, Bo) Schnittlauch. → Bisse 2, Schmall-look

Bistand m. Beistand

bistaon beistehen, helfen. He steht mi bi.

Bistrich m. kleinere Zitze an einer normalen Zitze des Kuheuters

bistrieken austreiben, in der Wendg. Dat dee'k em bistrieken (Das würde ich ihm austreiben; das würde ich verhindern).

Bitanzieinbetangsie

bitieten, bitied(s), bitieden rechtzeitig; in aller Frühe. Komm bitieden van de Karmis nao Huus!flöiten, Tied

bitrecken 1. herbeiziehen. He lött sik an de Aorne bitrecken (herbitrecken) (eigenwilliger Mensch, muß zur Arbeit gezwungen werden). → bihaalen.
2. einziehen. Suupen kann'k nich mähr, stött mi't män öwwer'n Balge, et sall wall bitrecken (es wird wohl durch die Haut einziehen, scherzh.).
3. wirken, nutzen. Dat treckt de owwer nu bi (z.B. von reichlichem Düngen, von einer kräftigen Ohrfeige).

BittBett

bitter bitter. Bitter föör de Mund is föör't Hatte gesund (von Medizin). • Wenn de Muus satt is, dann is't Mähl bitter (Wenn man übersättigt ist, schmeckt nichts mehr). → Lieden, Pille.
Zs.: gallen-

Bittern m., Bitterken Kräuterschnaps, Gewürzschnaps.
Zs.: Apteekers-, Hoppen-, Raawen-

bittern Kräuterschnaps trinken. He bittert de gerne eene.

bittersööt(e) bittersüß

bitterwennig sehr wenig

Bitterwottel f. Waldengelwurz (Doldengewächs)

BlaaBladd

blaaden, blaan 1. blättern. in'n Book blaan.
2. Blätter abnehmen (als Futter). Runkel blaan. Kohl blaan. → blaodern

blaa(de)rig, blääderig, blädderig blätterig.
Zs.: dree-, veer-

Blaag n., Blaage f. (Blaagen) Kind (leicht abw.). Sett usse Kinner nich bi annermanns Blaagen, well Lüüse häbbt. Well Blaagen lossschickt, krigg Blaagen weer. Wenn wetten wiss, wo diene Blaagen bünt, muss de Naobers fraogen. Schwatte Blaagen un witte Puggen, dat ziert den Hoff (blank, Jungen). 't Schott vull Blaagen, Pelz vull Lüüse un een Köiken bi de Sogge (Armut). Sewwen Blaagen, een Bedde, un alle willt se an de Müüre schlaopen (sagt die Mutter, wenn Kinder sich streiten). Junge Wiewer un olle Mannslöö, dat giff 'n Schott vull Blaagen (Hahn). Wenn de Blaagen wild bünt, dann giff't Unwäär (Kinder sind wetterfühlig). Schlao nümms siene Blaagen dood, man weet nich, wat dr'uut wassen kann (Paopst).Arger, Fräätebalge, Hund, Krach, marsch, pissen, reern, schooien, Ssiepel, tällen, under, verwennd.
Zs.: Börger-, Buurn-, Dorp-, Düüwels-, Naober-, Rott-, Schnotter-, School-, Straoten-

Blaageng(e)räi n. 1. Sachen, die Kindern gehören.
2. Kinder (alle zusammen, leicht abw.)

Blaagengetüntel n. Kindereien, Tändelei

Blaagenjannaagel n. Kinder (alle zusammen, abw.)

Blaagenmaneere f. Kinderart

Blaagenspill n. 1. Kinder (alle zusammen, abw.).
2. Kindereien; von Kindern gemachte Sachen. → Blaagenwark

Blaagentied f. Kinderzeit

Blaagentüüg n. lästige, unruhige Kinder

Blaagenvolk n. Kinder (abw.)

Blaagenwark, -werk n. Kinderarbeit; schlechte Arbeit, z.B. Lehrlingsarbeit

Blaagerij f. Albernheit, Kinderei; kindlicher Kram, kindliches Getue

blaagig kindisch. → kinder-achtig

blaaken, blaakern (Ge, Ra, Hei, Rae, Bo) blinken, schillern; fahl, bleich leuchten od. scheinen. De Sünne blaakt so (fahle Sonne vor dem Regen). → lecken 3, stääken

blaakig, blaakerig rauchig; fahl; glänzend, schillernd. Et is blaakig Wäär (fahl scheinende Sonne vor dem Regen). → bleek

blaanblaaden

Bläärbeck m. Schreihals. → Reerbeck

Bläärgatt n. weinerliches Kind. → Bläärmuule

Bläärhals m. weinerliches Kind, Schreihals. → Schreewhals

blaarigblaaderig

bläärig weinerlich

Bläärkunte f. weinerliche Person. → Pläärkunte

Bläärmette f. weinerliches Kind

Bläärmuule f. Kind, das viel weint, um jede Kleinigkeit jammert, Heulsuse. ne Bläärmuule van'n Blaag

bläärn 1. laut weinen, heulen, jammern (von Kindern).
2. schreien, brüllen; muhen, blöken, meckern (Kühe, Schafe, Ziegen). De Beeste bünt an't Bläärn.

blabberig, blabbernplapperig, plappern

Bladd n. (Blaa, Blaade, Blää; Blädd(e)ken) 1. Blatt (der Pflanze). Blaa up de Bööme un Blaa van de Bööme bünt schlimme Tieden föör olle Löö (Loof). He nimp kinn Bladd vöör'n Beck (redet deutlich, schimpft).
2. Blatt Papier. dat Bläddken (Zeitung, z.B. Stadtanzeiger, → Krante). → gröön
3. Blatt beim Kartenspiel. He häff 'n gudd Bladd.
4. blattartiger od. blattförmiger Gegenstand. Bladd van de Panne (Fläche der Dachpfanne, → Waaterloop). Bladd van'n Diss (Tischplatte, Tafel). Bladd van 'n Sellen (breiter Riemen am Brustblattgeschirr). dat Bladd van de Saage (Biele, Säiße) (das Sägeblatt, der flache Metallteil von Beil, Sense). 'n lang Bladd (wenn jd. die Zunge herausstreckt).
Zs.: Bank-, Beer-, Bi-, Bielen-, Bost-, Buurn-, Buuskohls-, Dick-, Diss-, Döören-, Dree-, Driet-, Eck-, Eeken-, Els(en)-, Gatter-, Halsketten-, Hiepen-, Hülskrabben-, Hunde-, Kabbes-, Kamper-, Karken-, Kastanjen-, Klaower-, Kohl-, Krüüs-, Lääpel-, Loorbeer-, Lorken-, Missioons-, Moos-, Morgen-, Pumpen-, Rabarber-, Rewolwer- , Roosen-, Rööwen-, Runkel-, Saage-, Säiden-, Säißen-, Sälwen-, Schlaot-, Schulder-, Schüppen-, Silwer-, Spraakel-, Sseggen-, Stääkrööwen-, Suur-, Tabaks-, Tee-, Vöör-, Wääge-, Wäägeriks-, Wääken-

Bladdfeere, -fäär(e) f. Blattfeder (am Klapptisch, Küchentisch)

Bladdknoppe f. Blattknospe

Bladdlampe f. kleine Petroleumlampe (mit Spiegel; z.B. an der Küchendecke od. transportabel). → Sied-, Speegel-lampe

Bladdluus f. Blattlaus

Bladdreemen m. Riemen des Brustblattgeschirrs

bläddrigblaaderig

Bladdsellen, -söllen m. Brustblattgeschirr (für Arbeit der Perde auf leichten Bäden). Bi'n Bladdsellen was noch 'n Lichteküssen un 'n Koppstück bi. → Kummet, Haamer-, Nackensellen, hoogen Sellen

Bladdsied(e), -siete f. Buchseite. → ümschlaon

Bladdstrieker m. (Vr, St, Rae, Bo) Gerät des Dachziegelmachers zum Formen von Feldbrandziegeln. → Strieker

Bladdstück n. Teil des Brustblattgeschirrs

Blaffkert "Klumpen" → Plaffkert

Blafong "Zimmerdecke" → Plafong

Bläier m. (Bläiers) Weißfisch, Rotauge (Flußfisch). → Rood-ooge, Schlije

Blamaasche f. Blamage

blameern blamieren. Schutz-engel, pass up un blameer di nich (vom Trinken).

Blamüüser m. Schilling (alte Münze)

blank 1. sauber. blank maaken van binnen un buuten (waschen). so blank as ne Schnook (von gut gewaschenem Jungen). Blanke Schwiene un schmeerige Blaagen, dat is 'n gudd Teeken (Blaag, Kodde, schmeerig). Dat Blankste in de Karke is 'n Droppen unner de Nösse.blenken.
2. klar. blank Waater (klares Wasser).
3. hell, weiß.
4. überschwemmt. De Wäiden stonnen in natte Winters monks wääkenlang blank. Dat Höi steht in't blanke Waater (nasses Wetter im Juni).
5. nackt, bloß. He krigg wat vöör't blanke (bloode) Gatt (vor den bloßen Hintern, → Blanken).
Zs.: blitz-

blanken Ssucker m. Kandiszucker

blanke Sünt-Jansbääse, -beer(e) f. weiße Johannisbeere. → roode, schwatte Sünt-Jansbääse, witte Drüüwkesbääse

Blänke 1 f. (Blänken) 1. Wasserstelle, Pfütze. Blänken in't Vääne (Stellen, an denen sich das Wasser sammelt, → Schlänke).
2. Hauspumpe. De Blänke is nooit drööge, de Bünte wa. (Wortspiel).

Blänke 2 f. (Blänken) (Vr, Sü, Bor, Rae) nettes Mädchen. ne Blänke van ne Deerne

Blänkede f. Wasserlache, Pfütze. → Blänke 1

Blanken m. 1. klarer Schnaps. → Klaorn.
2. Silbermünze. twee Blanken (ein Taler). föör ne Blanken un ne Döit. He is noch kinn twee Blanken weerd (wertlos).
3. bloßer Hintern. Et giff wat vöör'n Blanken.

blänkenblenken

Blanken-appel m. Apfelsorte (gelb, süßsauer)

Blankleer, -läär n. glänzendes Leder (z.B. für Aktentaschen)

blaodern, blaorn blättern, abspringen. De Wand wodde kälkt, bes et blaorde (absplitterte).

Blaore, Blaor f. (Blaoren; Bläörken) Blase (z.B. an Händen u. Füßen). Blaoren an de Fööte. He dööt sik de Blaoren nich döör (ist faul). → Blaose, Föör, Hacke 1.
Zs.: Aiter-, Blood-, Brand-, Hette-, Klämm-, Quett-

blaornblaodern

Blaose f. (Blaosen; Bläösken) 1. Blase. Et räängt Bläöskes up't Waater (von anhaltendem Regen). Blaosen schmieten (beim Kochen).
2. Harnblase, Schweineblase; Fruchtblase. De Blaose wodde upeblaosen, dröögt un bruukt, üm Steen-ollie te haalen. De eerste Blaose is de a. west, et Waater is wegg (Anzeichen für die Geburt). → Blaore, Magister, Schwill, Zentner.
Zs.: Been-, Farken-, Gallen-, Kinder-, Knapp-, Kodden-, Luft-, Puggen-, Schuum, Schwiene-, Seepen-, Ssiepel-, Waater-

Blaosebalg m. 1. Blasebalg (der Orgel, in der Schmiede).
2. Angeber; Wortführer. → Püüster

Blaosebalgträäder m. Blasebalgtreter

Blaosebüül m. Angeber, Prahler

Blaosegiege f. Angeber, Prahler

blaosen (blöss; bloss, bloosen; geblaosen) 1. blasen, pusten. He geht hen blaosen (z.B. Trompete blasen). •• Bääter hatt geblaosen as sik de Muule verbrannt. He weet nich von Tuuten noch Blaosen (hat keine Ahnung). Blaos mi in de Taske (an't Gatt)! ("Rutsch mir den Puckel runter", → Tuuten). Well alls genoog häff, de wödd immer noch mähr in't Gatt blaosen.Aor 1, Flöite, Lock, Spieker m'n., Stoppelhahn, Taorn, Vaader-unser.
2. angeben. He blöss sik wat terechte.
Zs.: wegg-

Blaosepiepe f. 1. Blasrohr zum Anblasen u. Schüren des Herdfeuers.
2. Angeber. → Püüster

Bläöser, Blaoser m. 1. Bläser, Musikant. de Bläösers (Blaskapelle).
2. Kuh, die Scheidenriß nach oben hat.
3. Angeber. → Pucher, Windmääker.
Zs.: Glass-, Wind-

Blaosetüüte f. Angeberin

Blaoshaorn, -hurn n. Blashorn

blaosig angeberisch

Blaosmusiek f. Blasmusik, Blasorchester

blass blaß. He süht blass uut. Wat büs blass üm de Nösse.
Zs.: lieken-

Blässbäitel, -bäidel m. Schäleisen für Eichenrinde. → Schällbäitel

Blässe f. (Blässen; Bläss(e)ken) 1. weißer Stirnfleck, durchgehender langer, breiter Streifen von der Stirn bis zur Nase (bei Pferd, Kuh, → Schnibbe, Stern).
2. Stirn. Ik häbb 'n Schweet vöör de Blässe staon.
3. Pferd, Kuh mit Stirnfleck (Pferde-, Kuhname). Dat kann Bläss (Hans, Piet) nich trecken (Das ist zu viel, zu teuer, geht über meine Möglichkeiten).
4. schmutzige Frau, schmutziges Mädchen; eingebildete Person. ne Blässe van'n Froumääsk (van ne Däärne).
5. Markierungszeichen an Bäumen. ne Blässe dr'an schlaon (Bäume zeichnen vor dem Fällen, → Boste).
6. Verletzung. He häff ne Blässe afkreggen. → blesseern, Bünte.
Zs.: Schnüür-

blässen Bäume anzeichnen, vor dem Fällen ritzen. → kennteeknen, ritzen

Blässhaaken, -haok(en) m. Ritzmesser zum Anzeichnen von Bäumen (im Forstwesen). → Ritzmess

Blässhohn n. Bläßhuhn, Wasserhuhn. → Blässtüüte, Bääken-, Waaterhohn

Blässmess, -er n. Ritzmesser zum Anzeichnen von Bäumen (im Forstwesen). → Blässhaaken

Blässtüüte f. (Ot, Ra, Hei) Bläßhuhn. → Blässhohn

blatten 1 auf einem Blatt fiepsen, Rehe anlocken. → fiepsen

blatten 2 laschen (z.B. beim Schreiner: zwei Balken miteinander verbinden)

Blattern (Pl.) chronische Form von Rotlauf

Blatt-tied f. Blattzeit bei der Rehjagd (ab August, wenn Rehe gejagt werden dürfen)

blau blau. He häff ne blauen Näägel (blauer Fingernagel vom Hammerschlag, → blund). De Ruuten wodden teggen de Fleegen met blaue Farwe strecken (Stallfenster wurden im Sommer blau gekalkt, Fliegenschutz). Et is blauen Damp in't Holt, et giff ander Wäär. He häff blau Blood; he häff 'n blau Pläcksken an't Gatt (adelig, → aadelig, Odder 1). He lügg 't Blaue van'n Hemmel (lügt sehr gut).
Zs.: dunkel-, düüster-, hell-, hemmel-, in

Blaue Bloome f. Kornblume (alt). → Tremse 1, Roggenbloome

blaue Brünte f. (Ge, Rh, Bo) Arbeitsschürze (mehr für den Stall). → bääter, griese Brünte

blauen Buuskohl m. Rotkohl. → rooden, witten Buuskohl.

blaue Glöcksken 1. Wiesenglockenblume.
2. Akelei (wurde als Heilmittel gebraucht). → Klockenbloome

blauen Kiel, Kääl Arbeitskittel. Wat giff't daorföör? En blau Kielken un ne pilooske Buxe (Frage des Knechtes). → Buurnkittel

blaue Kippse f. Schirmmütze für Männer

blaue Schwester f. weltliche Schwester (Krankenschwester, Fürsorgerin) im Ggs. zu → Kloosterschwester

blauen Waage(n) m. "Bollerwagen" mit Latten u. Brettern, blau angestrichen (kam nach 1900 allmählich auf). → Boller-, Treckewaagen

Blaubääse, -beer(e) f. (Vr, St) Heidel-, Blaubeere. → Bickbääse

blaubacken blaue Farbe annehmen beim Brennen von Ton. blaubackte Pannen. → blaustocken

Blaue f. Pik Dame (beim Doppelkopf). → Basse, Olle f.

bläuen 1. blau färben, blau anstreichen. de Wand bläuen (mit blauer Kalkfarbe). de Pötte bläuen (Stadtlohner Töpfe wurden blau gefärbt, blau bemalt).
2. die Wäsche nach dem Bleichen mit Wäscheblau behandeln. → Bläusel, blööwen

blaufarwen blaufärben; blaudrucken (Küpenfärberei als Reservedruck). Hexen un blaufarwen in eenen Pott (Blaufärben wurde als Zauber, Hexerei aufgefaßt, da sich die Farben gelb-grün-blau entwickeln, wenn das Kupfervitriol mit Sauerstoff reagiert).

Blaufarwer m. Blaufärber. → Farwer

Blaufarwerij f. Blaufärberei

Blauflaster n. Basaltpflaster (gilt bei Nässe als glatt). → Blaukopp

Blauhäörnken, -hürnken n. Malhörnchen des Töpfers zum Dekorieren der Ware. → Maolhäörnken

Blaukopp m. 1. Basaltpflaster.
2. Nagelsorte, Blaustift. → Klumpen-näägel.
3. Blauköppken (Blaumeise)

bläulik bläulich

Blaumann m. Arbeitskittel. → blauen Kiel

Blaumeese f. Blaumeise. → Bijmeese

Blauschimmel m. scheckiges Pferd

Bläusel, Blööwßel n. 1. blaue Farbe, Kalkfarbe (z.B. für Küchenanstrich).
2. Wäscheblau, Ultramarin (Damit wurde die Wäsche nach dem Bleichen gebläut.)

bläuseln blau färben. → bläuen

blausieden blauseiden

Blauspecht m. Blauspecht

blaustocken reduzierend brennen (ohne Sauerstoffzufuhr). blaugestockte Panne (best. Dachpfanne: Die Oberschicht ist durch das reduzierende Brennverfahren von Rauch gefärbt.)

blauwitt blauweiß. 'n blauwitt gestriept Kielken (z.B. Maurer- Schreinerkleidung)

Bleck, Bleck- "Blech" → Blick, Blick-

Bleck- "schimpfen" auch: Bläck-

Bleckbüsse f. Schwatzliese; schimpfende Frau

blecken 1. bläcken (Ra, Hei, Rae, Rh, Bo) 1. bellen. He ligg daor te blecken as 'n Kettenhund. • Bleckende Hunde biet't nich.Ne Hund, de hart bleckt, den bitt nich (Bo). Daor bleckt kinn Katt of Hund nao (merkt keiner).
2. schimpfen, ausschimpfen, kommandieren. He häff wat te blecken kreggen (wurde ausgeschimpft). Dat Blecken kann ik alleenig no wall naokommen (bei der Überlegung, einen Hund anzuschaffen, Wortspiel mit Bedeutung 1 u. 2). De Olle woll keenen Rüür in Huus häbben, de konn't Blecken wall alleene. He kommandeert den Hund un bläckt selws (überheblicher Mensch, der anderen etw. aufbürden will, wofür er sich zu schade ist, Bo).
3. (bellend) husten. → becken, bölken, Kettenhund, Reegel

blecken 2 (Ot) blinken

blecken "aus Blech" → blicken

Blecker m. (Ot, Ge, Rae) Schäleisen für Eichenrinde (zur Lohgewinnung). → Lohmess, Schällbäitel

Bleckerij. Bläckerij (Ra, Hei, Rae, Rh, Bo) f. Zank; Geschimpfe

Blecker(t). Bläcker(t) (Ra, Hei, Rae, Rh, Bo) m. schimpfende Person. Dat is ne grooten Bleckert.Beckert

Bleckfenne f. (Wes, Ot, Vr) schimpfende, keifende Frau

Bleckhaamer m. schimpfende Person (bes. Mann)

Bleck-kunte f. schimpfende Person

Bleckminna f. schimpfende Frau

Bleckpanne f. (Vr, St, Sü, Ge) schimpfende Frau

Blecktöite f. schimpfende Frau

Bleckwiew n. schimpfende Frau

bleek blass, bleich. De Sünne schinnt so bleek (fahl, → blaakig). De wuss daor wall so bleek wat van (hatte eine blasse Ahnung davon).
Zs.: dood-

Bleekboom m. Schlagbaum am Tor, das zur Bleiche führt (wurde auch zum Ablegen der Wäsche benutzt). Wann de Froulöö an't Wöskesp öölen wann., dann satten immer wecke up'n Bleekboom.

Bleekdudd(en) m. Holzschuh od. Löffel zum Besprengen der Wäsche auf der Bleiche. → Bleek-klumpen

Bleeke f. (Bleeken) Bleiche, Wiese (nahe dem Haus), auf die die Wäsche od. das Leinen zum Bleichen gelegt wurde.
Zs.: Linnen-

bleeken bleichen; Wäsche od. Leinen bleichen (Die Wäschestücke wurden auf der Wiese ausgebreitet u. mit Wasser gründlich besprengt. Bevor sie von der Sonne getrocknet waren, wurde der Vorgang wiederholt, oft tagelang). → flööten

Bleeker m. halbgarer Backstein (beim Feldbrand)

Bleekgraawen, -ben m. Wassergraben auf der Bleiche (wurde gestaut, damit genug Wasser vorhanden war)

Bleekhütte f. Bleichhütte, Wächterhütte an der Bleiche (Um Wäschediebstahl zu verhindern, wurde dort Tag u. Nacht Wache gehalten.)

Bleekhuus n. Bleichhütte. → Bleekhütte

Bleek-klumpe(n), -klump m. beschädigter Holzschuh mit langem Haken daran zum Wasserschöpfen u. Besprengen der Wäsche auf der Bleiche. → Flööte 2, Geete-, Rapp-, Scheppklumpen, Göite

Bleek-kolk m. Teich an der Bleiche

Bleek-kuhle f. Teich an der Bleiche

Bleeklääpel, -leppel m. langer Holzlöffel zum Besprengen der Wäsche auf der Bleiche. → Bleek-klumpen

Bleekplempe f. (Bor) Schöpflöffel für Wasser auf der Bleiche. → Bleeklääpel

Bleekschepper m. (St) langer Holzlöffel zum Besprengen der Wäsche auf der Bleiche. → Bleek-klumpen

Bleekwäide f. Rasen- od. Wiesenstück nahe dem Haus, worauf die Wäsche zum Bleichen gelegt wurde

Bleekwieske f. (Ge) Wiese zum Wäschebleichen. → Flöötwieske

Bleeseken, Bleeske(n); Blieseke (Wes, Ot, Ge, Ra, Bor, Bo).

Blinseke, Blense(ke), Blinske (Rh) f'n. (Blees(e)kes; Blees(e)ken) Stechfliege, Bremse, Blindfliege. Wenn de Bleeseken (Fleegen, Müggen) stääkt, giff't 'n Schuur.Epe, Reken, Sünnenbrand

Bleeseken- auch: Blieseke-, Blinseke-

Blees(e)kenmääker, -maaker m. "Blindfliegenmacher" in Ortsneckereien. → Reken

Blees(e)kenstecke m. Bremsenstich (führt zu Schwellung der Haut)

Blende f. (Blenden; Blendeken) 1. Blendlade, Fensterlade, Jalousie.
2. Rand, Besatz, z.B. am Kleid. Wullkleed met siedene Blenden.
Zs.: Holt-

Blender m. bessere Steinart zum Verblenden der Mauer. → Verblender

Blendlaa(de) m. Blendladen (aus Holz, außen am Haus, Stall)

Blend(müür)wark, -werk n. Verblendmauerwerk, Außenmauerwerk. → verblenden

Blendraamen m. Türrahmen

BlendwarkBlendmüürwark

blenken, blenkern blinken, glänzen, scheinen, glitzern. Se blenkt van wieden (z.B. auffällig gekleidet). He blenkt (glänzt, glumpt) as 'n schwatt Kalw in'n Maonenschien (as'n Kalw, dat met Äier foort wödd) (z.B. sehr fein angezogen, iron.). → blank, blinken, glänzen

Blense(ke)Bleeseken

Bless-appel m. (Ot, Vr, St, Ge, Rae) Apfelsorte "Noblesse". → Haasenkopp

Bless(e) f. Kuhname. Dat kann Bless nich trecken (es ist finanziell nicht möglich).

blesseern, blessiern, blessüürn, plesseern, bläsüürn bestoßen (z.B'Steine); verschrammen, verkratzen; verletzen (z.B. Rinde von Bäumen abmachen). Ik häbb mi bläsüürt (die Haut abgeschürft). Du häs mi de Äxe blessüürt (Du hast Schrten in die Axt gemacht). Dat sall he noch blessüürn mötten (Das wird er mir noch büßen). → bestooten, Blässe

Blick m. (Blicke) Blick.
Zs.: Oogen-, Öwwer-

Blick n. Bleck (Rae, Rh, Bo) n. (Blicken; Blicksken) 1. Blech. 'n Blicksken an'n Klump maaken (Holzschuh mit gesprungener Kappe wurde mit einem Streifen Weißblech zusammengehalten).
2. Kehrblech, Schaufel. Haal mi äs 'n Blick vull Gruus (eine Schaufel voll Kohlen). → olderwetsk.
Zs.: Back-, Fuug-, Kehr-, Koffie-, Kooken-, Rood-, Ssenk-, Witt-

blick wundgescheuert od. taubes Gefühl habend (vom Reiten, Radfahren). Kriss 'n blicken Äärs.

Blick- "Blech" auch: Bleck-

Blick-äärs m. "Wolf", Wundsein od. taubes Gefühl der Sitzfläche u. Oberschenkel (vom Reiten, Radfahren)

Blickboom m. Riffelwalze über dem Warenbaum am mechanischen Webstuhl

Blickbüsse f. Blechdose

Blickdack n. Blechdach

Blickdööse, -doose f. Blechdose. 'n Blickdöösken föör de Salwe (Salwendööse)

Blick-emmer m. Weißblecheimer (z.B. für Marmelade)

blicken. blecken (Rae, Rh, Bo) blechern. en blicken Emmer

Blicklappen m. Stück Blech. Et was mon 'n Blicklappen (nur aus wertlosem Blech, z.B. ein Orden; ein unbrauchbares Gerät). → Lootlappen

Blickniete f. Blechniete mit flachem Kopf (zum Nieten von Ofenrohren, im Ggs. zur Eisenniete, → Ieserniete). → Döpper

Blick-ommen, -owwen(t) m. Ofen aus Blech od. aus Gußeisen mit Blechverkleidung. → Guss-ommen

Blickpanne f. Pfanne aus Blech

Blickplaate f. Kehrblech

Blickscheere f. Blechschere

Blickschmitt m. Blechschmied, Eisenarbeiter

Blickschöttel f. Blechschüssel

Blicktöite f. Kanne aus Blech

BliesekeBleeseken

Bliewe, Bliebe f. Bleibe

bliewen, blieben (bliff; bleew, bleewen; blewwen) bleiben. Bliff't gudd? (Bleibt das Wetter gut?). Buur is Buur un bliff Buur (Ra). Waor bliffs? Kümms nich met? Moss män trecken! (Kannst du nicht mithalten? z.B. beim Grasschneiden). Vandaage bliff't an't Räägen (regnet ununterbrochen). Et bliff nix so at't is. (Alles verändert sich). Wenn't gudd is, mutt't gudd bliewen (Nichts mehr ändern, alles so lassen, → laoten). Et was di wall blewwen (Wenn jd. etw. vergessen hat: man hätte es wohl für ihn bewahrt). Daor bliff kinn-eene loopen (Jeder muß sterben). Se is in't Kindbedde blewwen (gestorben). Daor bliff't bi (Das wird vergessen). Wenn't de män nich bi bliff (Wenn es nur nicht vergessen wird). → schriewen, schuldig, staon, Taske, wenni.
Zs.: hier-, wegg-

Blij n. Blei. → Loot, Pottloot.
Zs.: Senk-

blij froh, fröhlich, freudig; freudestrahlend, glücklich. Ik bün de blij van. Ik was blij to (sehr froh). Wenn de blij met büs, dann häs de mähr van. Waor kann'm dann so'n Maiken blij met maaken? (Was kann man ihr schenken?) De Blijsten gaot vöörup (die Fröhlichsten bei der Beerdigung, wenn man mit dem Verstorbenen nicht gut auskam od. erbt). → froh, Schosteen, Schüppen-Könning

Blijdack n. Bleidach

blijen mit Blei eingießen, verglasen (z.B. Kirchenfenster)

blijen aus Blei

Blijfarwe f. Bleiweiß, Fensterfarbe

Blijfeere, -fäär(e) f. Bleistift. Blijstift

Blijglass n. Bleiverglasung. → Lootglass

Blijklumpe(n), -klump m. Bleiklumpen

Blijkoffie m. Kaffee der Nachbarinnen nach der Geburt. → Häidenkoffie

Blijkoggel f. Bleikugel

Blijköppken Tasse Kaffee nach der Geburt. → Blijkoffie

Blijmennige f. Bleimennige (Voranstrich als Rostschutz)

Blijpenne, -pinne f. Bleistift. ne groote (growwe) Blijpenne (Zimmermannsbleistift)

Blijschup,-schop f. (Ot, Vr, St, Sü, Rae) Freude. Vaader brach de Blijschup, dat den Sönn schrebben ha. (die frohe Nachricht, wenn Feldpost kam).

blijschwaor bleischwer. → lootschwaor

Blijstift m. Bleistift (mod.). → Blijpenne

Blijwitt n. Bleiweiß, Bleifarbe, Fensterfarbe. De Windfäärn wodden met Blijwitt strecken.

Blijwittfarwe f. Bleiweiß, Bleifarbe

blind 1. blind. Ne Blinden was froh, wenn he't sehn konn (z.B. bei geringen Farbfehlern). Nao't Dosken find't ne blinde Henne ook noch äs 'n Köörnken. Blinde Welt, wat haspels (wackels) du in'n Düüstern! (z.B. alte Leute über das Gespräch der Jungen beim Freien). Liebe is blind, den eenen föhrt (löpp) se in't Schääpel, den annern in't Spind (trifft Reiche wie Arme; Maße: 40 bzw. 10 Pfund). Leewde is blind, se föllt nett sowall up'n Kohdreet as up'n sieden Lind.
2. nicht sichtbar, z"B zugemauert od" verputzt (Fenster, Tür). ne blinde Döör. De Rahmen was blind (tomesselt).Blindrahmen.
Zs.: farwen-, halw-, nacht-, schnee-, stock-

blinde Fiske, Fisse (Pl.) "arme Ritter" (Schnitte Brot od. Zwieback in Milch u. Eigelb gelegt, dann gebraten)

Blind-dook m'n. Augenklappe, Augenblende. → Blindlappen

blind-dööken die Augen mit einem Tuch bedecken. → blindlappen

Blind-döör(e) f. zugemauerte Tür. → Blindrahmen

Blindekoh f. "Blindekuh" (Kinderspiel)

Blinde-Müüse-jaagen Jugendstreich (In den Gummiverschluß der früheren Bierflaschen wurde eine Schraube od. ein dicker Nagel gesteckt u. eine Schnur mit vielen Knoten daran befestigt. Das Gummi wurde von außen an eine Scheibe gedrückt; während man die Schnur mit den Knoten locker durch die Hand gleiten ließ, ergab sich ein gleichmäßiges, klapperndes Geräusch.)

Blindfleege f. Blindfliege. → Bleeseke

Blindgänger m. Blindgänger (z.B. Nichtskönner od. uneheliches Kind, scherzh.)

Blindhäid f. Blindheit. He is met Blindhäid schlaagen (unvernünftig, dumm). → Gemeende

Blindholt n. Holz unter dem Furnier (nicht sichtbar)

Blindlappen m. Augenklappe, Augenblende (Tuch od. Sack, wurde ausbrechenden Rindern od. Pferden vor die Augen gebunden); Augenbinde (z.B. bei Entzündung des Auges für Menschen od. Pferde). → Schüiklappe

blindlappen die Augen mit einem Tuch bedecken, verbinden (z.B. bei ausbrechendem Vieh, beim "Blindekuhspielen")

blind-öögen 1. Augenbinde anlegen. → blindlappen.
2. blinzeln. → kniep-öögen

Blindrahmen m. "blindes", vorgetäuschtes Fenster (ausgemauerte u. verputzte, dann schwarz gestrichene Fensteröffnung)

Blindwark, -werk n. (Vr, St, Ge, Rae) nicht sichtbare Füllung

blindwegg blindlings. Blindwegg häbb ik em glofft.

blinken glänzen, glitzern. Et blinkt as ne kopperen Käätel. → blenken

BlinsekeBleeseken

Blitz m. (Blitze; Blitzken) Blitz. De Blitz is de ääben längs houen. Wahr di vöör'n Blitz (Warnung an Übermütigen). → Blixem, Löchte, vöörbi, wahrn

Blitz-ableiter m. Blitzableiter. Ne Eeke is 'n gudden Blitzableiter.

blitzblank sehr sauber, reinlich

blitzen blitzen

Blitzschlagg m. Blitzschlag

Blixem m. (Blixems) 1. Blitz. as ne Blixem (sehr schnell).Et treckt as ne Blixem (Es zieht sehr; Zugluft).
2. listige, pfiffige, gescheite Person; raffinierter, böser, gemeiner Kerl; Teufel. ne Blixem van ne Jungen ("Teufelskerl", abw. u. anerkennend). Dat is ne heeten Blixem (ein temperamentvoller Bursche). Gao (loop) nao de Blixem! (Ablehnung, → Blocksbarg). Dat di de Blixem haal, wat ne grooten Käärl! (Ausruf der Verwunderung). → Dunder, Gattskäärl, heet, Löchte.
Zs.: heeten

blixems (Vr, St, Sü, Ge) sehr, besonders. De ha. blixems gäärne Bier mocht ("verflixt" gerne). He was blixems gudd (sehr gut). → daibels, doikers, miraakels, wunders

Block m. (Blöcke; Blöcksken) Block

Blöck-, blöcken, Blöckerij, Blöcker(t)Bleck-, blecken, Bleckerij, Bleckert

Blockrahmen m. hölzerner Fensterrahmen für Massivmauerwerk

Blocksbarg, -berg ON Blocksberg im Harz, in der Wendg. Gao nao'n (scheer di up'n) Blocksbarg! Denne sollen se nao'n Blocksbarg jaagen (verwünschen dorthin, "wo der Pfeffer wächst"). → Blixem, Maone, Tabak, Wööste

Blockverband m. best. Mauerverband (mit "Dreiviertelsteinen" an den Ecken)

blöiblöö

Blöie f. (Blöien; Blöiken) Blüte; einzelne Blüte. Wat is daor ne mooie Blöie an de Bloome (Ra). → Blöite, fleegen.
Zs.: Appel-, Arften-, Bloomen-, Bookwäiten-, Boom-, Dießel-, Flass-, Fleer-, Kamillen-, Kassen-, Linden-, Peern-, Peersicken-, Schleh-, Wostepinnen-

blöien blühen. He häff de Erpel an't Blöien (riepe) (Löcher in den Socken, bes. an der Ferse). He süht uut as 't blöiende Lääwen, (blöisaam). Gudd, dat'm nich weet, wat us noch blöit.Grummeltaorn, riepe, Roggen, Root

Blöienknöppken Blüte, Blütenknospe (z.B. am Apfelbaum)

Blöienprach(t) f. Blütenpracht

blöisaam, -sam blühend. He süht blöisaam uut. en blöisaam Määske.Aprills

Blöite f. (Blöiten; Blöiteken) (Ge, Ra, Bor, Bo) Blüte; Blüte insgesamt (z.B. Baumblüte, Heideblüte, Rapsblüte). Of de Bijen dräägt, häng af van de Blöite (Ra). Et steht alls in Blöite. → Blöie.
Zs.: Blöie

Blöitied f. Blütezeit

blond blond. → blund.
Zs.: hell-, lecht-, rood-

blöö; blöi (Ge) schüchtern, verlegen, verschämt, furchtsam. He kick so blöö drin. Dat Jüngsken is noch blöö. Muss nich blöö wenn.! (zugreifen). Wenn de Blööen wat häbbt, dann häbbt de Driesten a. dreemaol wat (Die Frechen sind im Vorteil). → beschaamt, blööde, schüi

Blood. Bluud (Rh) n. 1. Blut. He krigg Blood in de Aorne (1. bekommt rote Ohren. 2. wird geschlechtsreif, von Jungen). He is weer bi Blood kommen (genesen, gesundheitlich od. finanziell). • Waor 't Blood nich löpp, daor krüpp't.Dat Blood krüpp, wo't nich gaon kann. Blood, dat treckt (Blutsverwandte halten in bestimmten Fällen zusammmen, auch wenn sie sich nicht leiden mögen; z.B. vom Streiten u. Wiedervertragen von Geschwistern).
2. armer Mensch, "Schlucker". Dat is ook so'n Blood! Dat is 'n bedrööwt Blood (armseliger Kerl, z.B. kränklich, vom Schicksal geplagt). 'n jung Blood (junger Mensch). → blau, blooden, Löö.
Zs.: Halw-, Kold-, Ossen-, Warm-

blood, bloot bloß, nackt, unbedeckt. met bloode Fööte. met bloote Beene (barfuß). met bloote Hossen (ohne Holzschuhe). met'n blooden Kopp harümloopen (barhäuptig, ohne Mütze). Kaas doch nich met'n blooden Kopp nao buuten loopen! (Hut aufsetzen). He is met't bloode Gatt nao Vreene kommen (arm). bloode Erpel (Stipperpel met't bloode Gatt) (Salzkartoffeln ohne Fleisch od. Gemüse). → baar, bineeneprangen, blank, naakend, Schääpelsäi

Blood-, blood- auch: Bluud-, bluud-

Blood-appel m. Blutapfel

blood-arm 1. blutarm.
2. sehr arm. 'n blood-armen Käärl. → buttarm

Bloodback m. Schüssel für das Blut des frisch geschlachteten Schweines

BloodbergamotteBloodpergamutte

Bloodblaore f. Blutblase. → Klämmblaore

Bloodbööke f. Blutbuche. → Roodbööke

Bloodbrood n. aus Roggenschrot kugelig geformte Mehlwurst (mit Schweineblut, fein geschnittenen Speckstückchen, Grieben u. Gewürzen, wurde ohne Beutel od. Darm im großen Kessel gekocht, bei der Zubereitung gern zusammen mit Apfelstückchen in der Pfanne gebraten). → Balkenbrij, Braodwoste, Koggel, Prosse, roode Büülwoste

blööde dumm, blöde. 'n blööden Kissmann (blödes Kalb). → blöö

Bloode-Gatts-Käärlken Tränendes Herz (Gartenstaude). Bloode-Gatts-Käärlken, komm äs hier, ik will di antrecken! (Jux). → Herz-Mariä

Blood-eggel m. Blutegel (wurde zum Schröpfen z.B. gegen Blutvergiftung u. bei Bluthochruck angesetzt)

blood-eggeln Blutegel ansetzen; zur Ader lassen. Ik sall di bloodeggeln (Ich werde dich zurechtweisen).

blood-ehrlik, -ährlik grundehrlich

blooden, bloon 1. bluten. He blödd as 'n Farken. Se bünt schlapp wodden van't Bloon (ohnmächtig durch Blutverlust). Wo konn he de doch hieraoden, de blödd doch nich äs mähr (zu alt, keine "Regel" mehr). Junge, de Mund blödd di! (Antwort:) Dat is gesund Blood (Spuren vom Essen am Mund, z.B. Marmelade).
2. harzen, Saft verlieren. Den Kassenboom blödd.hassen.
Zs.: dood-, Nösse-

blööderig blutig, blutend. In Schwaoremaagen, daor kweem blööderig Mett in. → bäärn

Bloodfink m. (Ge) Rotfink. → Doompaape, Flassfink

Bloodflacken m. (Bo) Blutfleck

Bloodgood n. (St, Sü, Ge) Mehlwurst aus Blut u. Roggenschrot. → Bloodbrood

Blöödhammel m. Dummkopf

Bloodhund 1 m. -hünneken (Vr, Sü, Ge, Rae) Mehlwurst aus Blut u. Roggenschrot. → Bloodbrood.

Bloodhund 2 m. Bluthund, sehr scharfer Hund

Bloodkanne f. Kanne zum Rühren u. Aufbewahren des Blutes beim Schlachten. → Bloodpott

Bloodknüüdel m. (Vr, St, Sü, Ge, Rae, Rh, Bo) Mehlwurst aus Blut u. Roggenschrot. → Bloodbrood

Bloodkooke(n), -kook m. (Ra, We, Bor, Hei, Rae) Mehlwurst aus Blut u. Roggenschrot od. Buchweizenmehl. → Bloodbrood, Brüünekooken

Bloodkoste, -köste f. Blutkruste, Schorf. → Rowwe

Bloodkralle f. rote Perle, Koralle. → Roukralle

Bloodkruud n. Blutweiderich

Bloodkumme f. Schüssel zum Auffangen des Blutes beim Schlachten. → Bloodpanne

Blood-odder f. Ader, Vene

Bloodpanne f. Pfanne zum Auffangen des Blutes nach dem Abstechen eines Schweines (geeignet wegen des flachen Randes; das Blut wurde danach im → Bloodpott gerührt.)

Bloodpeer(e) f. Birnensorte (rot, dunkel)

Bloodpergamutte, -bergamotte f. rote Bergamotte (Birnensorte). Permuttpeere

Bloodplacken m. Blutfleck

Bloodpott m. hoher Steinzeugtopf, in den das aufgefangene Blut beim Schlachten gegossen wurde, um es zu rühren

bloodrood blutrot

Bloodschweer, -schwäär n. 1. Blutgeschwür.
2. Getränk: Eierlikör mit Fruchtlikör

Bloodsdroppen m. Blutstropfen

Blöödsinn m. Unsinn

blöödsinnig blödsinnig

Blood-spijen Blutspucken; Tuberkulose. → Schwindsucht

Bloodsüüger m. Blutegel, Blutsauger; Ausbeuter. → Blood-eggel

Bloodwost(e) f. Blutwurst. → Roodwoste

blööenblööwen

blööken blöken, meckern (von Schafen od. Ziegen)

blöökerig rauchig, brenzlich, rußig. Dat häff 'n blöökerigen Bischmaak (nach Rauch schmeckend; bei stark rauchendem Herdfeuer bekam das Essen einen rauchigen Geschmack.)

blöökern 1. qualmen.
2. ausräuchern. Iemen met Schwääwel-lunte blöökern (Bienen mit Schwefellunte töten,→ af-, uutschwääweln).
3. mit heißen Dämpfen behandeln (z.B. das entzündete Euter mit Glut u. Honigwaben darauf heilen). met Kamille blöökern (Kamillendampfbad; inhalieren unter einem Handtuch, gegen Erkältung od. Entzündung). → bään

Bloome, Bloom f. (Bloomen; Blöömken) 1. Blume. Et bünt mooie Blöömkes, wenn se plückt bünt (von Neugeborenen, wenn die schwere Geburt vorbei ist). In't Lääwen en Blöömken mähr (nach der Geburt eines Kindes).
2. Blüte. • Dann is Honnig in de Bloome (winkt der Gewinn).
3. blumenartiges Muster. De hädden so ne kräftige Bloome (von Birkenholz für Schuhe). → achter-afs, Glass.
Zs.: Äier-, Aprill-, Armelöö-, Biesken-, blaue, Botter-, Dießel-, Feld-, Fleegen-, Fleer-, Flees-, Ganse-, Gaorden-, gedröögte, Gift-, Gold-, Haawergift-, Harwst-, Heedwigs-, Honnig-, Hummel-, Hunde-, Hundepölle-, Ies-, Joosefs-, Kamillen-, Kaorn-, Karmis-, Ketten-, Klaower-, Klocken-, Knapp-, Knipps-, Knöppkes-, Koffie-, Koh-, Kuckucks-, Kummer-, Lääwer-, Löös-, Määrten-, Mäi-, Maon-, Marie-en-, Meddaggs-, Näägel-, Ooster-, Ossen-, Paoske-, Papier-, Pingster-, Pott-, Puuste-, Ringel-, Roggen-, Schlöttel-, Schnee-, Schnie-, Sommer-, Sseggen-, Ssiepel-, Stern-, Stink(e)-, Stroh-, Studenten-, Sünnen- , Sünt-Jans-, Tabaks-, Tee-, Trechter-, Tremsen-, Tulpen-, Vöörjaors-, Waater-, Wull-

Bloomen-ampel f. Ampel, Übertopf zum Hängen für Rankengewächse

Bloomen-anlaagen (Pl.) Blumenbeete, -anlagen (vor dem Haus)

Bloomenbank(e) f. Blumenbank

Bloomenbedde n. Blumenbeet

Bloomenblöie, -blöite f. Blumenblüte

Bloomenbuss, -busk m. Blumenstaude; Blumenstrauß

Bloomendruuw(e) f. Blumenstrauß; viele Blumen auf kleiner Fläche

Bloomen-eerde, -äärde f. Blumenerde

Bloomengaor(de)n, -gurden m. Blumengarten

Bloomeng(e)räi n. Blumen, Blumenbeete (alle zusammen)

Bloomenhöffken Blumengarten, Anlagen, Blumenbeet vor dem Haus

Bloomenkohl m. Blumenkohl

Bloomenkranz, -kraa(n)s m. Blumenkranz

Bloomenküümen, -küüwen m. Blumenkübel (als Schmuck)

Bloomenpott m. Blumentopf (aus Terrakotta, rotbraune, unglasierte Ware). Daor kaas kinne Bloomenpott met gewinnen.Schlöttel

Bloomenrabatte f., -rabatt n. Blumenbeet

Bloomensaod n. Blumensamen

Bloomensöötken Apfelsorte (rund, dick, grau-rot)

Bloomenspill n. Blumen, Blumenbeete (alle zusammen)

Bloomenständer, -stänner m. Blumenständer

Bloomenstengel m. Blumenstengel

Bloomenstruuk m. Blumenstrauß

Bloomenteller m. Untersetzer für Blumentöpfe

Bloomentied f. Blumen-, Blütezeit

Bloomentriene f. Blumennärrin

Bloomenwaase f. Blumenvase

bloonblooden

blooß; bloots (Bo) nur, bloß. blooß .s Sommers (nur im Sommer). Kiek di dat blooß an!

Blööße f. enthaarte u. abgefleischte Haut (die der Gerber bearbeitet). en Trummelfell uut gedröögte Blöößen (aus ungegerbten aber getrockneten Häuten)

blootblood

Blööte f. Blöße. De Striebass lött de Blööte sehn (z.B. von breitbeinig sitzendem Mädchen).

blööten (Wes, Ot, Vr, St, Ge, Hei) 1. abgraben, bloßlegen; freilegen. Torf blööten. den Boom blööten (die Wurzeln vor dem Fällen freilegen, → schwatt).
2. Zähne wechseln bei Pferden (Ab 2 1/2 Jahren machen die Milchzähne den neuen Zähnen Platz). He häff all blööt (Die Michzähne sind schon weg). Wenn de twee-enhalw Jaor wann., dann begunnen de Peerde te blööten, un dann wodde äs ne Tand uutebrocken. → brääken

Blöötling m. (Wes, Ot, Vr, St, Ge) brauner Feldtorf, oberste Torfschicht, jedoch tiefer als Torfsoden (→ Schadden), minderwertiger, lockerer Torf als Brennmaterial (wurde in viereckigen Stücken gestochen, bis zum Ersten Weltkrieg). Blöötling stääken (Feldtorf stechen, nach der Frühjahrsbestellung). Blöötling satt nich in't Feld, de satt up't Venne. Dat Zwillbrookske Vääne is towossen met Heed un Büske, daor sitt nix äs Blöötling.afblööten, Feldschaddentorf, Schadden 1

Blöötlings-aske, -asse f. Asche, Glut von braunem Feldtorf. In't Komfoor dao ko. ih Blöötlings-aske in doon (geeignet für den Gluttopf des Fußwärmers).

blootsblooß

blööwen, blööen bläuen (lederharte Gefäße mit blauer Schmalte dekorieren)

Blööweschmalte f. Farbe zum Dekorieren von Steinzeug (mit Kobalt od. Mangan, Wasser, Tonbrei u. einem Schuß Essig angerührt)

BlööwßelBläusel

blösserig, blössig (sth. s) 1. kurzatmig, asthmatisch.
2. Völlegefühl od. Blähungen habend. → amböstig, püüsterig

blösüürnblesseern

blubbern zittern, beben. Mien Hatte blubbert (klopft). → buffken, daawersken

blund 1. blutunterlaufen (Farbe der Blutergüsse). He häff sik den Näägel blund schlaagen (blauer Fingernagel). blund un blau.
2. blau vor Kälte, verfroren, blau, rötlich. 'n blund Gesicht (Gesichtsfarbe eines Trinkers). Erpel bünt blund (haben bläuliche Flecken, → Placken). blund Kopper (bläulich angelaufenes, ungeputztes Kupfer).
3. blond (Bo). → blond.
Zs.: rood-

Blunde, Blunne f. (Ot, Vr, St, Sü, Rae) blaue Odenwälder (Kartoffelsorte, von rötlicher Farbe). → Borken, Rooden

Bluud, Bluud-, bluud-Blood, Blood-, blood-

Bluuse f. Bluse. so ne Bluuse van'n Froumääsk (korpulente Frau). → Ooge

Bluusenknoop m. Blusenknopf

bo, bu (Wes, Ge, Bor, Hei, Rae, Rh, Bo) 1. wie. Bo laate is't? Bo lange häs daor Wark an? (Wann ist die Arbeit fertig?). bo länger bo leewer. bo older bo gecker. bo dann?hu, je.
2. als. Bo ik noch jung was. → dao

Bobben-, bobben-, Bobbm-, bobbm-Bomm-, bomm-

Bocholt. Bookelt ON Bocholt. Et is närgens bääter as in Bookelt. De Bookeltsen gaot met de Flässe in de Büsse teggen de Wisse (Ortsneckerei aus Hei, wo Fläske, Taske usw. gesagt wird). Bookelske Breedmääsen (Angeber). Bookeltse Bummelotten (Spott auf Leineweberei, Bor). Bookelse Fugger (Spott aus Reken). En Bookeltsen Jungen häff dübbelt Verstand. Bookeltse Newwelkappen. Bookeltse Pääperbüsse (Spott auf den Kirchturm von Bo, der einer Pfefferstreudose glich). Bookeltsen Wind. Wat van Bookelt kümp, is 't Aflaan nich wäärd (Ortsneckerei aus Bor). Bookelt is ne mooie Stadt, Borken geht noch all so wat, Ree is en Lock, Krechting is en Hundeschott. tüsken Ree un Bookelt in de Büsse. Bookelse hooge Kaore (hohe, schwere Sturzkarre aus Bo, zwei kleine Vorderräder u. zwei hohe Hinterräder, darüber ein großer Kasten zum Kippen, bes. von Kohlenfuhrleuten benutzt). Bookelse Quadrillje (volkstümlicher Tanz, in fünf Touren getanzt. → Kunderdanz). Bookelsen Steen (Ziegelsteinart als Verblendwerk, → Alstätte, Stadtlohn). → Schlaotmuule, schlecht, Timphood

böcken, bocken 1. pochen, klopfen; stampfen (z.B. Flachs), schlagen (Tonmasse), walken; schlagen, hauen. He häff 'n bockt (hat in Auseinandersetzung gewonnen). Uppet Market, daor wödde bocket (wurde geprügelt, in Vr nach Mundart von St). → dosken, Stadtlohn.
2. stark husten. He häff de heele Nacht bockt.
Zs.: kott-

Böcker; Bocker (Bor, Hei, Bo) m. großer Hammer, bes. Holzhammer (Werkzeug des Holzschuhmachers). → Schlaage.
Zs.: Gröss-, Hand-, Holt-, Küüten-, Töör-

Böcker(t) m. großer, starker, breitschultriger Junge od. Mann. ne Böckert van ne Jungen. → Böögert

Bockhaamer m. (Ge) kleiner Holzhammer. → Böcker, Handböcker

bocklammbooglamm

Bodd m. (Vr, St, Ge) in Wendungen wie alle Bodd (jeeden Bodd, elke Bodd) (jeden Augenblick). Et räägnt alle Bodd. Den häff jeeden Bodd wat (Er hat ständig etw. anderes).

Bodd n. Nachricht, Mitteilung. Bodd gebben (doon) (benachrichtigen, z.B. zu einer Hochzeit einladen). Bodd stüürn (Nachricht geben, auch als Verneinung, wenn man nicht einverstanden ist). He sägg wall Bodd (gibt Bescheid). Se dee mi gudd Bodd met (gab mir gute Ratschläge mit auf den Weg). He häff en Bodd metekreggen (bekam gute Ratschläge). Daor kriss wall Bodd van (Das wird wohl quittiert, kritisch angemerkt). → Bodde f., Dööre.
Zs.: Af-, Ge-, Öwwer-, Uppen-, Ver-

Bodde m. (Bodden) Bote.
Zs.: Breew-, Dooden-, Groowen-, Leed-, Liek-, Post-

Bodde f. Nachricht, Mitteilung; Einladung. Kaos (faort) met de Bodde metgaon (mit der Nachricht mitgehn; oft ärgerlich gesagt, weil die Einladung zu spät kam). → Bodd n.

Bodde "Boden" → Boddem

Bödde f. (Bödden; Böddeken) (Vr, St, Ge, Rae, Bo) Kübel, Faß, hölzerner Bottich. 'n Böddeken to't Botter-knään (Napf zum Butterkneten). → Bottermolle, Bütte, Küümen.
Zs.: Brou-, Büüke-, Flees-, Maische-, Waske-

Boddel m. (Boddels; Boddelken) (Ot, Vr, Sü, Ge, Rae, Bo) Schnaps (alt). → Schnaps. ääben ne Boddel drinken

Boddem, Bodden, Bodde m. (Boddens) Unterseite, Boden. den Bodden van de Schoh met de Brandsolle (Unterteil des Schuhs). den Bodden van de Taarte (Tortenboden). Wi mott't Mähl bestellen, wi bünt up'n Bodden (Faßboden). Man dröff nich in'n Fatt melken, dat kinnen Bodden häff.
Zs.: Danz-, Fatt-, Foot-, Holt-, Ieser-, Keller-, Moor-, Speck-

bodden (Wes, Vr) Bescheid geben. He mott bodden (Er muß z.B. einladen zur Hochzeit, Beerdigung). → nöögen.
Zs.: Dooden-, Groowen-, Liek-

Boddengang m. Botengang

Böddenrand m. Rand des Kübels

Boddfassdagg m. Tag vor den hohen Festen, an dem von der Kirche Fasten geboten war

Boddfasten, -fass n. von der Kirche gebotene Fastentage (bes. vor den hohen Feiertagen), Fasten- u. Abstinenztag(e), Quatembertage. → Fastendagg, Quatemberdaage.
Zs.: Quatember-

Boddenholt n. Holzwerkzeug des Töpfers, mit dem er die Bodenstärke eines Topfes festlegt

Boddschup, -schop f. Botschaft, Bericht. Wat is de Boddschup? (Was ist los). Dat is de Boddschup! (die Wahrheit).

bofui pfui! (Ausruf des Ekels, Abscheus)

BoggeBoggen

Böggel 1 m. (Böggels) 1. Bügel, z.B. Griff am Korb.
2. bügelartiger Gegenstand, z.B. Teil des Ackerwagens. de Böggel, wo dat Langwaag inlöpp. Böggel van de Säidelkaore (Spriegel, Spannbogen für das Wagenverdeck). → Kuckuck.
Zs.: Kipp-, Kleeder-, Korw-, Stieg-

Böggel 2 m. (Böggels) (Rh) kleine, runde Erhebung im Gelände. → Höggel

Böggelpiepe f. halblange, krumme Pfeife. → halwlang

Böggelkorw m. Armkorb zum Einkaufen. → Armkorw

Böggelsaage f. Bügelsäge, Bogensäge

Böggeltaske, -tasse f. Handtasche (mit Bügelgriff)

Boggen, Bogge; Boogen (We, Ra, Bor, Hei, Bo) (Boggens, Böggen; Böggsken) Bogen (z.B. beim Mauerbau, Bogen aus Steinzeug über den Feuerkanälen im Brennofen, Bogen aus Tannengrün). Den Boggen binn wi uut Dännengröön. de Böggens maaken (Kantenbefestigung in Bogenform, z.B. an Kissen, Spitzen). De Katte leep met'n grooten Boggen üm den Hund hen.Münster.
Zs.: Bolten-, Döören-, Ell(en)-, Fenster-, Flitze-, Nenndöör-, Räägen-, Rund-, Tunnel-, Viggelienen-

Boggen-setten Errichten eines Ehrenbogens mit Girlanden aus Laub od. Tannengrün (z.B. über der Straße am Ortseingang, wenn der neue Pastor ins Amt eingeführt wird); Hochzeitsbrauch (Am Abend vor der Hochzeit wird die Haustür mit einem Kranz aus Tannengrün u. Papierblumen geschmückt). → Böömkes-setten, kränzen

Bohäi "Lärm" → Pohäi

Bohle f. (Bohlen) Bohle. Den Boom wodde an Bohlen schnedden. → Planke

Bohn-ääkster m'f. (Wes, Ot, Vr, St, Ge, Rae) Eichelhäher (alt). → Markolle, Schraap-, Schreew-ääkster

Bohne f. (Bohnen; Böhnken) Bohne. Ik häbb de ne Bohne mähr up daon (Antwort auf: Dat is gudden Koffie!). Häs daor ne Bohne inhangen? (dünner Kaffee, → döörscheeten). Daor kann he nich vull Bohnen met fangen (kann keine Ehre damit einlegen). • Dat bünt diene Bohnen nich, de bruuks du nich te döppen (meine Angelegenheiten, z.B. bei neugierigen Fragen). He was ratz van (totaal in) de Bohnen (ganz von Sinnen, → Passeel). → gröön, plücken.
Zs.: Brääk-, bruune, Buss-, Feld-, Fieze-, groote, kläine, Koffie- , Krüüpers-, Kuggel-, Peerde-, Potte-, Puff-, Saod-, Schlaot-, Schnibbel-, Schnie-, Speck-, Spitz-, Staake-, Stao-, Wibbel-, witte

Bohnenbast, -bass Bohnenschote, Bohnenschale

Bohnenbedde f. Bohnenbeet

Bohnenbraaner, -branner m. Kaffeeröster, -brenner. → Koffiebraaner

Bohnendopp m. Bohnenschote

Bohnenkoffie m. Bohnenkaffee

Bohnenköppken Tasse mit echtem Bohnenkaffee

Bohnenkruud n. Bohnenkraut (Gewürzpflanze). → Pääperkruud

Bohnenmähl n. Mehl aus gemahlenen Ackerbohnen. → Peerdebohnenmähl

Bohnenmölle f. Gerät zum Schneiden von grünen Bohnen (Stangenbohnen). → Schnibbelmölle

Bohnenpott m. Topf zum Einmachen von Bohnen

Bohnenpötter, -potter m. Gerät zum Bohnenlegen od. Löcherstechen (nur für große Bohnen). → Pottebredd

Bohnenschnibbel m. Bohnenschnitzel

Bohnenschnoie f. Bohnenhülse

Bohnenstaaken m. Bohnenstange. so schrao as ne Bohnenstaaken (sehr mager)

Bohnenstange f. Bohnenstange. He löpp, as wann he ne Bohnenstange schlocken hadde (läuft steif, mit geradem Rücken). → Fiezebohnenstaaken

Bohnenstroh n. Bohnenstroh. groff as Bohnenstroh (sehr grob). dumm as Bohnenstroh (zu nichts zu gebrauchen). → Bullenstroh, Haawerkaff

Bohnensuppe f. Bohnensuppe

Bohnenstück m. Stück Land mit Bohnen

Bohnentied f. Zeit, zu der die Bohnen gepflückt werden

Bohr n. (Bohrs; Böhrken) Bohrer (z.B. Tischler- Holzschuhmacherwerkzeug, langer Handbohrer für Bodenprobe vor dem Tongraben).
Zs.: Dännen-, Doll-, Dopp-, Dräi-, Drill-, Drillings-, Froulöö-, Hand-, Harken-, Holt-, Ieser-, Klumpen-, Lääpel-, Längten-, Links- , Mannslöö-, Naaben-, Näägel-, Rechts-, Rüüm-, Schlagg-, Schlangen-, Schüppen-, Spitz-, Steen-, Stock-, Wottel-

Bohrmaschien(e) f. Bohrmaschine

bohrn bohren. → Knee

Bohrpraame f. Klemmeinrichtung, mit der der Holzschuh zum Ausbohren festgekeilt wird

Bohr-(üm)schlagg m. (Wes, Ot, Vr, St, Ge) Bohrwinde (im 19. Jh. aus Holz, später aus Eisen). → Dräibohr, Knarre, Ümschlagg

Bohrwinde f. Bohrwinde (Werkzeug des Zimmermanns)

Böidel m. 1. unordentlicher od. baumelnder, gefüllter Beutel. He häff 'n Böidel vull (ist betrunken). → Pöidel.
2. Trinker, Betrunkener. Den ollen Böidel!

Böidelert m. (Ge) Trinker, Betrunkener. → Böidel

böideln, pöideln 1. Flüssigkeiten verschütten.
2. baumeln, wackeln; purzeln, stürzen (von Kindern u. Betrunkenen). He böidelt öwwer de Wegg hen. He böidelt in'n Graawen. → bummeln, büngeln 1

böidelvull 1. sehr voll, ganz voll.
2. betrunken. → Böidel

boin (Bo) Befehl beim Knickerspiel, genau in best. Richtung zu schießen, die Richtung zu halten. boin drupdoone! boin drupdoone ganz! (Der Stein mußte zur Seite gelegt werden im Ggs. zu → strieks). → schocks

Böis n. Böis m. (Rh, Bo) (Böise; Böisken) Männerjacke, (Arbeits- )Jacke, Rock, Wams (wurde über dem Arbeitskittel getragen). dat beste Böis antrecken. → Kamisool, Kiel 1, Noppen, verkehrt.
Zs.: Arbäids-, Baller-, Buller-, dick, Leege-, Löggen-, Loop-, Pluuster-, Pluuter-, Praote-, Schwöidel-, Striepen-, Weer-, Winter-

Böistaske, -tasse f. Jackentasche

böisterig 1. windig, stürmisch, böig. Wat'n böisterig Wäär!jächterig.
2. unruhig, aufgeregt, draufgängerisch, unüberlegt, wild. Wat'n böisterigen Käärl! Dat is Famillie van böisterig! (Er ist sehr wild). → ballstüürig, biesterig, bullerig

Böisterij f. starker Wind, Sturm

böistern stürmen, wehen. Wat is't doch an't Böistern!

Böisterwind m. (Wes, Ot, Vr, St, Hei) Bö, Sturm, starker Wind. Waor häff 'n Möller Schreck vöör? Vöör Böisterwind un hellige Wiewer (Jux). → Buusewind

boldebolle

Bolder-Boller-

Bölk m. (Bölke) (Vr, St, Bor, Rh) 1. Rülpser.
2. Schreihals

Bölkebröör, -brüür m. Mann, der viel schimpft u. brüllt

Bölkedier, -deer n. Person, die viel schimpft, brüllt

Bölkehals m. Schreihals

Bölkekoh f. Kuh, die häufig brüllt

bölken 1. brüllen, schreien, gröhlen. De Kohne bünt an't Bölken. • Kohne, de 't meeste bölkt, vergäät't eerste ähre Kalwer (vom Weinen am Grab, → hüülen). He bölkt vöör (van) Geld (ist sehr reich). → Melk, rieke, teggen-up, Wittkopp.
2. laut reden. De eene bölkt teggen den andern up (Der eine übertönt den anderen).
3. bellend husten. → blecken.
4. aufstoßen. → rööpsen

bölk(e)riek(e) (Wes, Ot, Vr, St, Rae, Bo) sehr reich. → stinkerieke

Bölkerij f. Schreierei, Geschrei

bölkesatt sehr satt

Bölk(e)waater n. Sprudelwasser, Mineralwasser (scherzh.). → Kribbelwaater

Bölkewiew f. Frau, die laut schimpft, brüllt

bölkriek(e)bölkerieke

BölkwaaterBölkewaater

Boll n. (Böllken) (Sü) kurzes Stück (z.B. der Wurst). → Bollen

Boll .Kornrade.Bolle

bollbolle

bolldiesigbulldiesig

Bolle, Boll f. (Ge) Kornrade (rotblühende Nelkenart, früher im Korn zu finden) (alt). → Kornraade. Bolle is noch lange kinn klaoren Roggen. Boll is kinne Rogge (Kornrade ist noch lange kein Roggen; Wortspiel mit bolle; wenn jd. sagt Bolle hä' ik't daone!). → Bollmähl, Raade

boll(e), bolde 1. bald. So boll at't geht (so schnell wie möglich). Bolle is nich wied van Grolle (Ort Groenlo NL, wenn Kinder sagten Bolle doo ik 't). → Bolle, Knolle.
2. fast, beinahe. De kosten bolle nix (sehr billig). He häär dat Gekiewe bolle wunnen. → binao, haoste, wenni

Bollen m. (Bollen; Bölleken) 1. Schenkel, bes. Oberschenkel; Bein. Häbb ih Gicht in de Bollen, treckt Klumpe an, säggt de Ollen. stramme Böllekes (stramme Waden).
2. kurzes Ende. ne Bollen Holt (ein Stück Holz). ne Bollen Speck (Speckseite). Dat was noch ne Bollen wegg (ein Ende, eine Wegstrecke). Dat wann. män kläine Bollen, te völle vergaon (von einer Mooreiche). → Boll, Wille.
Zs.: Ächter-, Hahnen-, Schmacke-, Schnee-, Schwiene-, Speck-, Strie-, Vöör-

bollen stutzen (den Schwanz). De Peerde wodden böllt.Bollstatt, kupeern

Boll-end(e) n. Abfallende (z.B. vom Brett, von der Wurst). → Affall-ende

Bollenflees, -fleesk n. Fleisch vom Schinken

Böller m. (Böllers) Böller, kleines Geschützrohr. → böllern, Kattenkopp

Bollerböis, -buxe, bollerig, BollerjanBullerböis, -buxe, bullerig, Bullerjan

Bollerkaore f. 1. kleiner Handwagen. → Bollerwaagen.
2. unüberlegte Person

Bollerkopp m. grober Kerl. → Ballerkopp

bollernbullern

böllern Schüsse abgeben, Salut schießen, knallen (z.B. am Morgen vor der Hochzeit od. des Schützenfestes zum Wecken, bei der Fronleichnamsprozession während des Segens).

Böllerschötte f. Böllerschuß

Bollerwaage(n) m. kleiner Handwagen, "Bollerwagen" (nach dem rappelnden Fahrgeräusch auf dem alten Feldpflaster, war bis um 1960 sehr gebräuchlich). Kaas ussen Bollerwaagen wall kriegen (lehnen), blooß een Radd nich, dao will usse Bennad noch met spöllen (man verleiht ungern, scherzh.). → blauen Waagen, Handkaore

Bollerwaagen-asse f. Achse des Handwagens (wurde von Hand geschmiedet)

Bollerwaagenradd n. Rad des Handwagens

Bollhuus, Boolhuus (Vr). Bullhuus (St, Hei). n. Hausputz, Großreinemachen, in der Wendg. Bollhuus hollen (ordentlich aufräumen, im ganzen Haus Ordnung schaffen, z.B. putzen, renovieren). → pollshuusig, Rüümstraote, terechtekommen

Bollkette, -kedde f. (Vr, St, Sü, Ge) kurzes Stück Kette

Bollmähl n. (Vr, St) Abfallmehl (entsteht beim Schroten von Roggen, feiner als Kleie, wurde verfüttert, galt als minderwertig). Boll(mähl) is kinne Rogge (Abfall ist kein Roggen). → Bolle

Bollstatt m. Stutzschwanz (bei Pferden), koupierter Schwanz, Stummelschwanz. → Kottstatt

bollstüürigballstüürig

bollwarken, -werken. bullwarken (Wes, Ot, St, Sü, Ge, Rae) 1. poltern, lärmen.
2. hart arbeiten

Bolten, Bolte m (Bolten; Bölteken) Bolzen, Eisendorn (z.B. am Leiterwagen zum Verstellen der Bretter od. als erhitzbarer Einsatz am Bügeleisen). → Bolten-ieser, Niete 2, Stock.
Zs.: Absatz-, Haar-, Schnie-, Schruuwen-

Boltenboggen, -boogen m. Armbrust

Bolten-ieser, -n n. Bolzenbügeleisen (Plätteisen mit herausnehmbarem Einsatz, der erhitzt wurde). → Striek-ieser

Boltenscheere f. Bolzen-, Eisenschere (zum Schneiden z.B. von Bundeisen in der Schmiede)

Bolts (Vr, Ge). Boltsen (Ot, Vr, St, Bor, Hei, Rae) m. (Boltsen; Böltsken) Kater (alt). → Kaater.
Zs.: Määrten-

bolzen grob, schlecht Fußball spielen

Bolzplass m. Fußball-, Spielplatz

Bombe f. (Bomben) Bombe. De Karke was met de Bomben ineeneschmetten (kaputteschmetten) (bombardiert).

bombenfast(e) sehr fest, sicher, stark

BomböiskenBalleböisken

Bömbsken, Bömsken Bonbon. → Babbelken, Steeken.
Zs.: Pääpermünten-

bomm, bommen, bowwen, bobben 1. oberhalb. Et was bommen 'n Keller. De Katte mäck wat bomm mien Bedde.
2. oben. Doo mi de bomm män lück in (unnen kann't löög bliewen)! (beim Nachschenken, scherzh.). Den Haawer geht nao bomm hen (wächst zu schnell, wird gelb). He is bowwen uut gaon (aus der Haustür am oberen Ende des Hauses). He kümp van bobben draawen (von oben herunter). He bölkt van bomm daale (schimpft tüchtig). van bomm daale (direkt von oben). bes bomm vull (randvoll, → striekevull). He ha. de Fietse bes bomm an vull (ganz betrunken). He geht nao bowwen (stirbt, Hei). Et weet nümms, wu't daor bomm uutsüht (vom Jenseits). → bekloppt, harup, mooi, Strunt, vergääten, Waater

Bomm-, bomm- auch: Bobbm-, Bowwen-, Bobben-, bobbm-, bowwen-, bobben-

bomm-an obenan

Bomm-arm m. Oberarm. → Öwwer-arm

Bommdääke, -decke f. Oberbett. → Öwwerbedde

Bommdöör(e) f. Haustür am oberen Ende (Wohnende) des Hauses (weniger benutzt als die → Nenndööre). → Vöördööre

Bommel m. (Bommels; Bömmelken) baumelndes Anhängsel, Troddel, Quaste, z.B. an der Jacke, Mütze. 'n Bommel an de Müske. → Plüümel

bommenbomm

Bomm-end(e) n. oberes Ende

Bommfrach(t) f. Oberladung, hohe Fracht auf dem Ackerwagen. Moss 't Spoor bestrien, wenn du met Bommfracht föhrs (Man muß mit gefährlicher Fracht zwischen der Spur, nicht durch Schlaglöcher fahren).

Bommhoff m. oberer Teil des Hofes

bomm-in obendrein. He kreeg noch bomm-in wat up't Fell (Schläge, Strafe).

Bommkaamer f. "Oberstübchen", Verstand

Bommkorw m. Oberteil des Bienenkorbes. → Korwhüüwe

Bommlech(t) n. Oberlicht

Bommledderken, -lierken kleine Leiter vom Futterboden zum Dachboden. → Hildenledder

bommschesters(k) (Vr, St, Rae) aus Manchesterstoff. ne bommschesterske Buxe.boomsieden, manschestern

bomm-up obenauf. He is de bomm-up (hat sich gut vorangearbeitet).

BomseensJans Bomseens

BömskenBömbsken

bonee (Rae, Rh, Bo) aber nein!

bonne, bunne welch, was für. Bonne Arbäid is dat?wecke, wonne

Bönne, Bönn m. (Bönnen) 1. Oberboden, hochgelegener Raum über den niedrigen Wohnräumen od. Ställen (als Schlafstätte für Kinder u. Knechte benutzt); kleiner Vorratsraum, Kornboden. Gott giff den Roggen, owwer he brägg ne nich up´n Bönne (Häärgott, Nötte).Hilde, Miete 1.
2. Empore in der Kirche, Orgelbühne De Frouen satten bomm up'n Bönn (Empore der Synagoge).
3. Hosenboden; Hintern. 'n breed Bönne. Sa'k di äs in'n Bönne packen (zum Hochheben, an den "Kanthaken" nehmen, → Hahnholt). Wat schlöppt denne 'n Bönne nao (betrunken). He häff den Bönne weer richtig vull hat (sehr betrunken). → Böidel, Solder.
Zs.: Flees-, Floot-, Haawer-, Häcksel-, Hohner-, Höi-, Kaff-, Klumpen-, Krömmel-, Legge-, Örgel-, Saod-, Schnie-, Speck-, Stroh-

Bönnejääger m. 1. Kontrolleur von Speichern. → Naokieker, Unna.
2. "Schürzenjäger". → Böönejääger

Bönnekuhle f. (Wes, St, Sü, Rh) Kuhle in der Nähe des Hauses zur Aufbewahrung von Kartoffeln. → Erpelkuhle, Miete 1

böödenbööten

Boog m. (Bööge) Brustknochen beim Pferd. Dat Peerd ha. ne Druckstää an'n Boog.→ Bostknoop

Böögemaschien(e) f. Biegemaschine, Gerät zum Biegen von Hölzern od. Eisen (z.B. beim Stuhlmacher, in der Wagenschmiede)

BoogenBoggen

böögen. beegen (St, Ra, Bor, Rae, Rh, Bo) (bögg; boog, boogen; boggen) beugen; biegen. dat Ieser böögen. den Nacken böögen (nachgeben). He kann alls böögen un brääken (Kraftprotz). He kann sien Kopp nich böögen (Dickkopf). • Man mutt den Boom böögen, solang as he jung is. He lügg, dat sik de Balken böögt. sik böögen vöör Lachen (→ knööken). → Knecht, Schlaot
Zs.: graade-, wegg-

Böögert m. sehr kräftige Person, Kraftprotz. → Böckert, Brääkert

booglamm, bocklamm, böcklamm, bucklamm 1. Krankheit bei Pferden: Druckstelle vom Geschirr am Brustknochen, wodurch die Vorderhand lahmt.
2. schwergängig (z.B. wenn die Speichen des Wagenrades lose in der Nabe sitzen). Wenn de Speeken loss in'n Naabn sitt't, dann is 'n Waagen bocklamm, dann kraakt de.

böögsaam, -sam biegsam

Bööie f. (Bööien) Windstoß, Bö, Schauer.
Zs.: Räägen-, Wind-

Book 1 n. (Bööker; Bööksken) 1. Buch. Wi häbbt all 'n Book (über Bauern, iron.). Daor kann'k 'n dick Book van schriewen (Davon könnte ich viel erzählen). Denne lügg as 'n Book ("lügt wie gedruckt"). De leewe Gott (Usse leewe Häär) mäck't Book to (wenn jd. stirbt). Dann is't Book to (Dann ist alles aus, die Diskussion zu Ende).
2. Anschreibebuch, Schulden-, Kontobuch. Ik stao bi em noch in't Book. → rieke.
3. Urkunde. te Booke staon (unterschreiben, bekannt od. verantwortlich sein für). Daor stao'k föör te Booke (Dafür stehe ich ein). Ik stao de alleen föör te Booke (trage allein die Verantwortung). → Bedreeger, groff, quaatern, schwatt, strieken.
Zs.: ABC-, Bääde-, Belder-, Dööp-, Doske-, Dunder-, Familljen-, Faschlaowend-, Fest-, Gebääd(e)-, Gesang-, Hand-, Hitler-, Kark-, Karken-, Kock-, Kontroll-, Köör-, Lääse-, Leeder-, Mäi-andachts-, Miss-, Pacht-, Prääke-, Protokoll-, Rääken-, School-, Stamm-, Teeken-, Trou-, Vergääten(s)-, Vertällster-, Waorden-

Book 2. Böök (Rae) n. Buchecker(n). Book is dreekäntig nett as Bookwäitensaod. Dat Book is doow.

Bookbinder, -binner m. Buchbinder

Bööke f. Buche.
Zs.: Blood-, Haage-, Heggen-, Rood-

Book-ecker f. (Vr, Bo) Buchecker (mod.). → Book 2.

Bookels, BookeltBocholt

bööken aus Buchenholz.
Zs.: haa(ge)-, heggen-, witt-

Bööken-allee f. Buchenallee

Böökenbladd n. Buchenblatt

Böökenboom m. Buche

Böökenbuss, -busk m. Buchenwald

Böökenhegge f. Hainbuchenhecke. → Haageböökenhegge

Böökenholt m. 1. Buchengehölz.
2. Buchenholz. Böökenholt häbbt wi nich bruukt, dat stickt te gau (Buchenholz war zur Verarbeitung z.B. für Wagen ungeeignet). → Schlaopholt

Böökenloof n. Buchenlaub

Böökenpässling m. langsam wachsendes Buchenholz (Material z.B. für Stühle, Treppen)

Böökenstamm m. Buchenstamm

Böökenstubben m. Buchenstumpf

Böökentack n. Buchenzweig

Böökentoog n. Buchenzweig

Böökerbaord, -burd m. Bücherregal

Böökerbredd n. Bücherregal

Böökertaske, -tasse f. Schultasche. → Schooltaske, Tornüster

Böökeschriewer, -ber m. wer Bücher schreibt, Schriftsteller

Bookfink m. Buchfink

Bookhandel, -hannel m. Buchhandel

Bookholler m. Buchhalter

Book-kaorn n. (Vr) Buchecker

Booknötte f. (Vr) Buchecker

Bookwäite(n), Buckwäite(n) m'f. Buchweizen (früher für die Bewohner der Sandböden eine wichtige Anbaupflanze; da der Buchweizen empfindlich gegen Frost ist, wurde Ende Mai u. im Juni gesät). Is uh de Bookwäite verfroorne? Gudd'n Morgen, Bookwäite, büs ook verfroorne? (sagten die Bauern um den 14. Juni während der Blüte zum empfindlichen Buchweizen; auch zu jd., der morgens nicht spricht, nicht grüßt). Den kick, as wenn em de Bookwäite verfroorne is (guckt grimmig). Bi't Bookwäiten-dosken moch wi de Klumpe uut-trecken (schonender Umgang mit dem empfindlichen, dreikantigen Buchweizensamen). Säi de Bookwäite nich so dicht; de Katte mott de underdöör loopen können un bowwen öwwerhen (Zwischen den Halmen muß Platz sein, damit die Frucht kräftig wird). 't Geld in de Bookwäite schmieten (verschwenden). Ik find dat Geld ook nich in de Bookwäite (bekomme es nicht umsonst). He dee dat in de wilde Bookwäite (unüberlegt). Van de wilde Buckwäite schlaagt em dat nich an (Er hat es geerbt, z.B. best. Eigenschaften, → frömd). Man soll'n in de Bookwäite jaagen (zum Teufel jagen, entlassen). Haawer mäien, Bookwäit säien. Kehr di links üm, rechts, rechts, rechts (Kinderlied, Spiellied, in Leiermelodie gesungen). → Hecke, Hossenföötling, verhaageln

bookwäiten aus Buchweizenmehl. ne bookwäiten Pannekooken

Bookwäiten- auch: Buckwäiten-

Bookwäitenblöie, -blöite f. Buchweizenblüte. ne Bookwäitenblöie honnigt blooß vöörmiddaggs (Bienen konnten nur vormittags Nektar aus Buchweizenblüten holen).

Bookwäitenbulster m. (Ot, Vr, St) Spelz, Spreu von Buchweizen (wurde für die Wiege, Kindermatratze gebraucht). → Haawerkaff, Pissküssen

Bookwäitendeeg m. Teig für Buchweizenpfannkuchen

Bookwäitenfoor(e), -fuur(e) f. Furche im Buchweizenacker. → Roggenbloome

Bookwäiten-Jan-Hinnerk, -Hinderk m. Buchweizenpfannkuchen. → Bookwäitenpannekooken

Bookwäitenmähl n. Buchweizenmehl (früher ein wichtiges Nahrungsmittel, z.B. als Pfannkuchen u. für die "Mehlwurst", billiger als Weizenmehl). Kaarnemelkspapp met Bookwäitenmähl (war ein Frühstück)

Bookwäitenpann(e)kooke(n) m. Buchweizenpfannkuchen. In Bookwäitenpannekooken mott ne örndlike Fensterschiewe in (von Speckstücken, die den Geschmack verbessern).

Bookwäitenpeer(e) f. Birnensorte (langhalsig mit roter Backe, grau, sauer)

Bookwäitenpüfferken Hefegebäck aus Buchweizenmehl (süß, mit Rosinen). → Struuwen, wegg-gaon

Bookwäitensack m. Sack für Buchweizenmehl

Bookwäitensaod n. Buchweizensamen. Bookwäitensaod un Froulöö Raod geht selten up (gröit blooß alle sewwen Jaor). Wiewer Raod un Buckwäitensaod gerödd alle sewwen Jaor eenmaol. → Book 2, Verlaot

Bookwäitensemmel m. Kleie, Spelzen von Buchweizen (wurde zum Aufbewahren der Mettwürste benutzt od. als Bindemittel unter den Kalk gemischt)

Bookwäitensewwe n. Sieb für Buchweizenmehl (aus Roßhaar od. feinem Draht; Buchweizen wurde geschrotet, ein kleiner Vorrat jeweils mit besonders feinem Sieb ausgesiebt.)

Bookwäitenstroh n. Buchweizenstroh

Bookwäitenstück n. Acker mit Buchweizen

bookwinkeln (St, Sü, Ge, Rae) einkaufen ohne zu bezahlen: anschreiben lassen im Rechnungsbuch

BoolhuusBollhuus

Boom m. (Bööme; Böömken) 1. Baum. de Bööme uut'n Buss schlöppen (rücken). ne Käärl as ne Boom (kraftstrotzende Person). • Usse Häärgott stüüwt de Bööme, ähr dat se in'n Hemmel wasst. Ik kann't Geld nich van de Bööme schüdden, ik mott dr' ook hatt föör arbäiden.Advekaot, ansaagen, Appel, Bladd, Buss, Gewold, Graawen, jung, langsaam, midden, potten, Pötter, saagen, Schlagg m., schwack, stiew, uutrieten, verplanten.
2. langes, bearbeitetes Holz, Baumstamm für best. Zweck, z.B'Holm der Leiter, Holz am Schlagbaum, am Pflug, am Webstuhl (→ Kettenboom), am Wagen. de Bööme van ne Kaore (Einspannbäume einer Pferdekarre).
Zs.: Appel-, Barwen-, Bleek-, Blick-, Bööken-, Böör-, Boste-, Dännen-, Dissel-, Dook-, Dräi-, Driew-, Duur-appel-, Eeken-, Eenspanns-, Festmeeter-, Flankeer-, Fleer-, Flees-, Fuug-, Fuul-, Gaorn-, Haol-, Hasskesappel-, Heck(en)-, Höi-, Holt-appel-, Holunder-, Houpt-, Ieben-, Kaor(en)-, Kassen-, Kastanjen-, Kett-, Köör-, Krist-, Krüüs-, kruuse, Lammersken-nötten-, Linden-, Mäi-, Marie-en-, Mispel-, Mürten-, Nötte(n)-, Pöppel-, Peern-, Palm-, Peersicken-, Ploog-, Poreer-, Pratt-, Pruumen-, Pussel-, Pütt-, Quecke(bääsen)-, Richt-, Rull-, Säißen-, Saod-, Schatten-, Scheer- , Schlacht-, Schlagg-, Schnotterbääsen-, Schussee-, Schuuwkaoren-, silwernen, Ssettel-, Spill-, Stäiger-, Straoten-, Striek-, Stück-, Stuuk-, Stuuw-, Tüüg-, Voggel(bääsen)-, Voggelkassen-, Waagen-, Waakel-, Waaren-, Wääwers-, Wallnötten-, Wedden-, Well-, Wende-, Wess-, Wienachts-, Wilgen-

Boombast, -bass m. Baumrinde; Wickelbast (z.B. beim Veredeln von Bäumen benutzt)

Boomblöie, -blöite f. Baumblüte

Boom-eek m'n. (Vr, St, Sü, Ge) Lohe von dicken Eichen (schlechtere Lohe als von jungen Eichen). → Acker-, Häister-eek, Stammloh

Boom-eerde, -äärde f. Erde unter Bäumen u. in hohlen Bäumen mit verrottetem Laub u. Holz (wurde als Blumenerde benutzt)

böömen 1. den Webstuhl bespannen, die Kette auf den Kettbaum aufziehen, aufbäumen.
2. den Bindebaum des Erntewagens auf das vollbeladene Fuder auflegen u. festbinden. → Wessboom

Boomfalke m. Baumfalke, Lerchenfalke

Boomheck(e) n. Toreinfahrt mit einem Baumstamm mit Wurzelende als Schlagbaum. → Balkenhecke

böömig 1. stark, kräftig, wie ein Baum. böömig Holt (Stammholz). 'n böömig Dingen (etwas sehr Starkes, Festes).
2. sperrig, verwachsen.
Zs.: een-, veer-

Böömken-Böömken-verwessel-di "Bäumchen wechsel dich" (Kinderspiel)

Böömkes-setten (St) Hochzeitsbrauch: Aufstellen von geschmückten Birken vor dem Haus der Braut. → Boggen-setten, kränzen

Boomkrässer m. dreieckiges Messer mit Stiel zum Glätten der Rinde von Obststämmen

boomlang sehr groß (von Personen)

Boomledder, -liere f. Leiter zum Obstpflücken

Boomlööper m. Baumläufer (Spechtmeise, Kleiber)

Boom-marder m. Baummarder

Boom-ollie m. Raps- od. Leinöl (zum Backen von Buchweizenpfannekuchen); bes. feines Öl (z.B. zum Reinigen von Blasinstrumenten, auch für Lampen gebraucht). → Lien-, Raab-ollie

Boompötter, -potter m. Baumpflanzgerät

Boompütt m. Baumbrunnen (Brunnenform aus zwei gehöhlten Baumhälften)

Boomriege f. Baumreihe (z.B. als Begrenzung eines Landstückes)

Boomriete f. (Vr, St, Sü, Bor, Rae) Feldrain mit Obstbäumen

Boomsaage f. Hand- od. Bügelsäge für Bäume u. Bretter (grob geschränkt für frisches Holz, auch zum Auslichten der Obstbäume). → Kuhlsaage

Boomscheere f. Schere, mit der Bäume beschnitten werden. → Brääsaage

Boomschiewe, -be f. Baumscheibe, Garnscheibe (am mechanischen Webstuhl)

Booschoole f. Baumschule

Boomsiede f. Baumwolle

boomsieden aus Baumwolle. → bommschestersk

Boomsiedengaorn n. Baumwollgarn

Boomspeck m. 1. Splintholz. → Splint 1.
2. Obst od. Trockenobst (anstelle von Speck während der Allerheiligen-Fastenzeit, kurz vor dem Schlachten, scherzh.). → Allerhilligenfasten

Boomstamm m. Baumstamm. Sümpe van uutgehöllte Boomstämme (Back-, Wassertröge)

boomstark sehr stark

Boomstubben m. Baumstumpf

Boomtopp m. Baumwipfel

Boomwolte(r) f. Ackerwalze aus einem Baumstamm (wurde mit einem breiten Beil achtkantig, dann allmählich rund gearbeitet, ca. 35 cm Durchmesser, 180 cm lang; außen je ein Eisenring u. Laufzapfenrahmen mit Lager, Einspann für ein Pferd). → höllen, Wellboom

Boomwulldoch(t) m. Baumwolldocht (in der Petroleumlampe

Boomwottel f. Baumwurzel

Boomwulldoch(t) m. Baumwolldocht (in der Petroleumlampe)

Boomwulle f. Baumwolle (mod.). → Boomsiede, Katuun

boomwullen, -wüllen aus Baumwolle (mod.). → boomsieden. boomwullene Hemde

Boomwullgaorn n. Baumwollgarn

Boomwullspinnerij f. Baumwollspinnerei

Boomwullstoff m. Baumwollstoff. → Manschesterstoff

Boona f. (Boonas) (Vr, St, Sü, Ge) Kartoffelsorte Magnumbonum. → Magnenbooner

Böön(e)jääger m. (Vr, St, Sü, Rae) 1. wilde Person, ausgelassenes Kind, bes. Junge. Ih bünt doch Böönejäägers!
2. Teufel (St)

böönenböönern

BöönerBöönert

böönerig (Wes, Ot, Vr, St, Sü, Rae) wild, stürmisch, unbeherrscht

böönern, böönen (Wes, Ot, Vr, St, Sü) 1. toben (z.B. Sturm); wild u. ausgelassen sein, spielen; durcheinander werfen; feiern. unmaneerlik böönern. De böönert alls van de Beene (laufen alles um).
2. hart arbeiten. → röisken

Bööner(t) m. (Wes, Ot, Vr, St) wüste, ungestüme Person. Wat'n Böönert van'n Jungen!

Böönhaase(n) m. (Wes, Vr) 1. ängstliches Tier.
2. wer ein unzünftiges, nicht legitimes Handwerk (z.B. Schwarzarbeit) betreibt

Böör- auch: Büür-

Böörboom m. (Wes, Ot, Vr, St, Ge) Hebel (zum Bewegen schwerer Objekte, z.B. Holz). → Hääwel, Waagenwippe

Böörbuck m. (Ot, Vr, St, Ge, Rae, Rh) Hebel mit bockartigem Gestell. → Böörboom

Böörfrou f. Hebamme. → Wiesemoor

Böörgeld n. Brauch bei der Taufe: Die Paten gaben der Hebamme Geld, wenn sie ihnen das Kind auf den Arm gab.

böörn. büürn (Wes, Ot, Bor). büörn (St, Sü) 1. heben, tragen. Ik kann 'n Pott alleene noch wa. böörn (sagte die Mutter, wenn der Sohn zu früh freite).
2. Geld erhalten, abheben. Et is nix te böörn (kein Geld zu bekommen). → Arwe, Boosem, Hemmel, Peckelhääring.
Zs.: hoog(e)-, Huus-, Kind-

Böört n. (Vr, Bor, Rae) geregelte Reihenfolge. He is an't Böört. Nu bün ik owwer an Böört (an der Reihe).

Böösel m. (Böösels) kräftiger Junge od. Mann. ne Böösel van ne Junge (Kraftprotz).Bäänsel, Bössel

Boosem, Boosen m. (Boosems) bis zur Decke reichender Aufbau über dem Herdfeuer als Rauchfang des Schornsteins. Se was so groot as 'n Boosen hoog. • Dat kaas män in den Boosen schriewen! ("in den Schornstein schreiben"). Könn. we nümms in'n Boosen böörn? (einen Anlaß zum Feiern finden, um einen auszugeben). → Rookfang.
Zs.: Schosteen-

Boosenboard, -burd m. Sims am Rauchfang des Herdfeuers, der als Gestell für Teller u'a. diente. → Richel

Boosenfööleken (Wes, Vr, St, Sü, Ge, Rae, Bo) Gardine am Sims des Herdfeuers. → Boosenkleed

Boosengardienken, -gedienken Gardine am Sims des Herdfeuers. → Boosenkleed

Boosenkleed n. gekräuselter Volant, schmale, gefaltete Gardine am Überbau des Herdfeuers (aus dunklem, bunten Stoff, weiß an den Festtagen). → Kussienkleedken

Boosenkussien n. (Wes, Vr, St, Rae) Profil, Holzverkleidung des Herdfeuerüberbaus

Boosenwieme f. Gerüst im Rauchabzug zum Aufhängen von Fleisch u. Würsten

booshaftig boshaft

Booshäid f. Bosheit

Boot n. (Boote; Böötken) Boot

bööten. bööden (Bo) (bött; bott, botten; botten) Feuer machen, anheizen. Wi bööt't (stockt) hier nich föör de Gaanse! (Mach die Tür zu! → Haaken, kläppen, Pannekooken, Telt). Füür stocken is nett so schlimm as Füür bööden (von übler Nachrede, Bo). → Foss

BorböiskenBalleböisken

Borculo. Borkuloo ON Borculo, NL. dat Borkuloose Schuur (den Borkuloosken Wind) (heftiger Wirbelsturm, ereignete sich 1916)

Borg m. (Vr, St, Bor, Ra, Rae); Börg (Vr, Hei, Bo). Borr (Ge) (Börge; Börgsken) als Ferkel verschnittener Eber. → Foor m., Pitter, Schnieder 2

Borg f. (Borgen) Burg

Börge m. (Börgen) Bürge. He is Börge wodden (Er ist auf einer Bürgschaft sitzen geblieben, iron.).

borgen borgen, verleihen. Borgen bregg Sorgen.lehnen

börgen bürgen

Börger m. Bürger. Van'n Buur nao de Börger, dat geht as 'n Örgel; mao van'n Börger nao'n Buur, dat föllt suur (z.B. von der Arbeit, vom Heiraten). → Boumann, Brügge, Glanz.
Zs.: Acker-, Spieß-

Börgerblaag n., -blaage f. Stadtkind. Börger-, Börgerblaagen, satt'n met't Gatt up'n Mosterpott, dat bünt Börgerblaagen (Spottvers der Bauernkinder, in Leiermelodie gesungen). → Börgerrabatten, Buurnblaagen

Börgerfahne f. Vereinsfahne (der Bürgervereine, Bürgerschützen)

Börgergrund m. Land im Besitz eines (reichen) Bürgers

Börgerhuus n. Bürgerhaus, Wohnhaus in der Stadt

Börgerkappe f. (Wes, St, Ge, Bor, Rae) Goldhaube (der Bürgerfrauen, Trachten- Frauenhaube). → Newwelkappe

Börgerklocke f. (Vr, St, Sü, Ge, Rae, Bo) Glockenschlag um 22 Uhr (wenn die Bürger zu Bett gehen, später als die Bauern). → Beddeklocke

börgerlik bürgerlich

Börgerlöö (Pl.) Bürger, einfache Leute. → Paolbörger

Börgermester m. Bürgermeister. Wann de Osse Börgermester wödd, dann is de nich met ümmegaon. Dao kaas kinn Börgermester bi weern (bei einem schlechten Geschäft, wenn man nichts verdient). hä' den Börgermester nich sienen Polßist un de Pastoor nich sienen Düüwel, können se bäide nix maaken.Amtmann, stewweln

Börgermester-amt n. Rathaus. → Amt, Raodhuus

Börger-rabatten (Pl.) (Vr, St, Ge, Rae) Bürgerkinder, in dem Spottvers Börgerrabatten met'n Pisspott up'n Nacken, Sääbel an de Sied, gudd'n Apptiet (Antwort der Bauernkinder auf den Spottvers, → Buurnblaagen)

Börgersaake f. Angelegenheit der Bürger

Börgerverain m. (Vr, Bor) Bürgerverein (z.B. Gesellschaft "Erholung" im 19. Jh. in Bor); vornehme Gesellschaft

Börgschup, -schop f. Bürgschaft

Borken ON Borken. Et giff mer een Borken. De Borksken gaot met de Flaske in de Taske in de Büske teggen de Wieske (Ortsneckerei aus Bo, wo man Flässe, Tässe usw. sagt). In Borken, dao äät't se den Papp met de Forken. Borkske Ratten häbbt en Pott up'n Nacken (Hei). Borkske Ratten tüsken twee Latten, tüsken twee Müüse, knappen de Lüüse (Bor-Gemen). Borkske Ruupen gaot nao Gäämen hen Waater suupen (Bor-Gemen). In Borken könnt se gudd schnorken (Oeding). Borkske Puggen (Rh). Borksken Wind (wenn jd. angibt, Ra). Borken is ne Stadt, Gäämen is no wat, Wääske is en Ssieppellock, Süüdlohn is en Hundeschott (Bor-Gemen).so fast as Borken (Grolle) (sehr fest, wie die befestigte Stadt). Ik sitt so fast as Borken (festgelegt durch Verpflichtungen). Borkske Haspel (Drehkreuz in Gassen). Borkske Markt (Borkenmarkt). Borkske Roode (Kartoffelsorte, rund, → Blunde, Käpperbast)

Borkenkääfer m. Borkenkäfer

Borkenmarkt; Borksenmarkt (Rae) m. Großvieh- u. Pferdemarkt in Borken

BorkskeBorken

BorkulooBorculo

BorrBorg m.

Borst-, BorsteBost-, Boste

Borßel, Borßel-, borßelnBössel, Bössel-, bösseln

bösbes

boso wieso, inwiefern. → woso

Boss 1 m. (Bösse; Bössken) 1. Eisenhülse, Buchse der Radnabe, worin die Achse läuft. de Bösse inbraanen in den Naaben (wurden z.T. eingebrannt u. fest eingeschlagen). → Büsse 2.
2. Rundholz zum Verschluß der Tonne.
Zs.: Waagen-

Boss 2 m. (Bösse; Bössken) Kleinkind, kleiner, etw. dreckiger Junge, Knirps, Rotzbengel. Ik was so ne Boss van veer Jaor. → Bössel.
Zs.: Luuse-

Boss 3 m. Chef. → Baas

boss nichts mehr. He is boss (Er hat nichts mehr, hat alles verloren, z.B. im Knickerspiel, ist "pleite"). We willt uh äs boss ääten (alles aufessen, bis nichts mehr vorhanden ist). → beet

bosseern Steine roh behauen, bossieren

Bössel, Bossel. Borßel (Rh, Bo) m. (Bössels; Bösselken) 1. Bürste (aus Heidekraut, als Topfreiniger od. aus Schweineborsten als Pinsel).
2. kräftige, starke Person; aufgeschossener od. wilder Junge. ne Bössel van ne Jungen. → Boss 2, Böösel.
3. Nichtseßhafter.
Zs.: Decken-, Draod-, Fatt-, Hand-, Haor-, Jan-, Kannen-, Kleeder- , Schoh-, Schüür-, Staol-, Tand(e)-, Tüüg-, Weer-, Wicks-

Bössel- auch: Bossel-, Borßel-

Bösselken (St) Marienblümchen. → Marie-enblöömken

Bösselkolonie f. Heim für Nichtseßhafte, arbeitslose "Tippelbrüder". → Kolonist

Bösselmääker, -maaker m. Bürstenmacher, Bürstenbinder

bösseln, bosseln, borßeln (Rh, Bo) bürsten.
Zs.: krass-

bossen 1. scharren, wühlen, kratzen, in die Erde hineingraben (z.B. vom Hund, Maulwurf, Schwein). De Pugge bossen in't Wottelbedde. De Hund is an't Bossen. → Gööre, grubbeln.
2. hasten; schuften, tüchtig arbeiten; tüfteln (Vr, St). → busseln, musseln 1, wosseln.
Zs.: loss-

bössen (Vr, St, We, Ge, Ra, Rae, Bo) 1. wegwerfen; wegstoßen, - jagen heraustreiben. uut'n Huuse bössen.
2. schlagen; schießen, Lärm machen beim Schießen.
Zs.: wegg-

bössen "bersten" → basten

Bosskopp m. Boskop, Apfelsorte (eine gelb-rote u. eine grüne Sorte). → Duur-appel

Bosskopp-appel m. Boskop. → quädderig

Boss-stück n. (Rh) Stelle der Mühlenachse, an der die Flügel angeschraubt sind

Bost, Boste. Borste (Rh, Bo) f. (Böste; Bösteken) Brust. Ik häbb't up de Bost (erkältet, Bronchitis). an de Bost leggen (häbben) (Säugling stillen). Dat Kind höllt de Tande alle uut de Boste (hat beim Zahnen Bronchitis od. Husten, Bor). vöör de Boste häbben (noch vor sich haben). He nimp sik te vull vöör de Bost (ehrgeiziges Vorhaben). He häff noch män twintig Jaor vöör de Bost (ist noch ziemlich jung). gudd wat vöör de Bost häbben (reich sein). Dann leggt se de Böste up de Hegge, un dann geht dat Quaaken hen un weer (von tratschenden Nachbarfrauen). → Arm, Kost, schweern.
Zs.: Gääl-, Ganse-, Hohner-, Rood-

Bost- auch: → Borst-

Bostbladd n. Brustblatt am Vordergeschirr des Pferdes. → Sellen

BostboomBosteboom

Bostboomplanke f. Brustbaumbrett (am Webstuhl)

Bostbredd n. Schnitzbrett (schnallte sich der Holzschuhmacher um bei der Arbeit mit dem Ziehmesser, → Treckmess)

Bostdook m'n. Brusttuch

Boste, Böste f. (Bosten; Bös(te)ken) 1. Riß, Sprung, Spalte, Bruchstelle. Dat Glass häff ne Boste.
2. Zeichen auf Bäumen, Bauholz, Brettern (Bo). → Blässe, Klööwe, Riss.
Zs.: Afköhl-, Flamm-, Hatt-, Ies-, Kanten-

Boste "Brust" → Bost

Bost(e)boom m. Brustbaum, Baum am Webstuhl. → Brügge

bösterig, bostig, böstig geborsten, rissig (z.B. von Händen).
Zs.: ies-

Bostfeeber, -wer n. 1. Lungenentzündung.
2. Brustentzündung (bei Wöchnerinnen)

Bostkanne, -kern m. bestes Bruststück vom Rind

Bostkaste(n) m. Brustkasten. heet Schmolt up'n Bostkasten schmeern (zum Lösen bei Husten). He häff kinne gudden Bostkasten ("schwach auf der Brust", asthmatisch).

Bostkind n. Säugling

Bostklöpper m. halblange Tabakspfeife. → Piepe

Bostknoop m. Schulterknochen (beim Pferd); Brustknochen → Boog

Bostlappen m. Lederschurz vor der Brust (z.B. beim Schnitzen, Schneiden von Brot, Runkelrüben)

Bostleer, -läär n. Lederschurz vor der Brust

Bostpien(e) f. Schmerzen in der Brust

Bostreemen m. Brustriemen am Pferdegeschirr

Bostrock m. Trägerrock. ne Bostrock uut Wulle met lange Mouen. → Hemdrock

Boststück n. Bruststück, Teil des Schlachtviehs, der Kuh

Bost-ssucker m. Kandiszucker, Brustzucker

Bost-taske, -tasse f. Brusttasche (außen an der Jacke)

Bost-tee m. Brusttee (wurde eingenommen gegen Husten). Nemm vanaobend äs ne gudden Arm vull Bost-tee (Nimm die Frau in den Arm, scherzh.).
Zs.: Spraakel-

Bostwark, -werk n. üppiger Busen

BottBodd

Botter f. Butter. • Gudde Botter is winterdaggs te hatt, sommerdaggs te week un immer te weenig (Butter gab es nie reichlich). Spott nich met de gudde Botter, du kaans noch äs an't drööge Brood kommen (Man soll bescheiden sein). • De Säcke dicke lappen un de Botter dünne schmeern, dann komm ih wieder! (es durch Sparsamkeit zu etw. bringen). De klööwen de Botter so dick drup, as wenn se de Koh schitt (verschwenderisch). He föllt met't Gatt in de Botter (verbessert sich, hat Glück, Bo). → afkieken, dull, fien, Fisk, Frömde, gaar 1, geröst, Heek, Henne, Madamm, Mess, Naoberlöö, Nood, Pedde, schmeern, stark, Stuutenknappen.
Zs.: Äier-, Bisse-, Bruuds-, Mäi-, Raom-, Rööwen-, Spörrie-

Botter-appel m. Apfelsorte (grün, mittelgroß)

Botterbloome f. Blume mit gelber Blüte (1. Hahnenfuß. "Sumpfdotterblume" → Ääpe. 3. Schlüsselblume). kläine Botterbloome (Hahnenfußgewächs). → Äierbloome, Hahnenfoot

Botterbrood n. Butterbrot (mod.). → Botterram

Botterdagg m. in der Wendg. upin Botterdagg kommen (zu einer guten Gelegenheit kommen)

Botterdööse, -doose f. Butterdose (früher aus Zinn, später aus Porzellan)

Botterfatt n. Butterfaß. He sitt met't Gatt in't Botterfatt (Er hat sich - durch Arbeiten - gut herausgemacht). → Botterlööpen, Puls

Botterflööte f. (Vr, St) Butternapf zum Kneten der Butter. → Botterlööpen

Botterförmken Butterform (z.B. in Form eines Schafes zu Ostern; meist rund, aber auch rechteckig, innen mit Kerbschnittdekor)

Botterjaor n. in der Wendg. Wenn di't Gatt jöckt, dann giff't 'n gudd Botterjaor. Mi juckt de Nösse (Antwort:) Dann giff't 'n gudd Botterjaor, wann't blooß nich in Driete gerödd.

Botterkaarne, -kanne f. Butterkirne (zum Stoßen od. Drehen). → Dräi-, Stootkaarne

Botterknoop m. Butterklümpchen. Den lesten Droppen van de Melk is 'n Botterknoop (der letzte Tropfen Milch von der Kuh ist am fettesten).

Botterkooke(n), -kook m. Butterkuchen, Zuckerkuchen (Hefekuchen auf dem Backblech mit Mandel- u. Zuckerschicht). → Koffie

Botterkorw m. 1. Korb für Butter (zum Einkaufen od. um die Butter zum Markt zu bringen).
2. Butterbrotkorb. → Botterramskorw

Botterkumme f. Butternapf. → Bottermolle

Botterkump m. (Bor) Butternapf. → Bottermolle

Botterlääpel, -leppel breiter Holzlöffel (zum Kneten od. Wässern der Butter). → Botterschleew

Botterlööpen m. geküferter Butternapf (mit Griffdaube) zum Kneten der Butter

Bottermelk f. Buttermilch (mod.). → Kaarnemelk

Bottermolle f. hölzerner, gedrechselter Napf, in dem die Butterklumpen durch Wässern, Werfen u. Kneten mit dem Butterlöffel zur Butterrolle verarbeitet wurden. → Botterwelle

bottern, böttern buttern, Sahne mit der Kirne zu Butter verarbeiten (Der Erfolg war unterschiedlich, es konnte ein bis fünf Stunden dauern, bis sich Klumpen bildeten). Et will nich recht böttern (gelingen). Doch wenn't bottern sall (will), dann bottert't nich. → kaarnen

Botternapp m. Butternapf zum Kneten der Butter. → Bottermolle

Botterpapier, -pepier n. (Vr, St, Sü, Ge) Pergamentpapier; Einschlagpapier von Butter (Innenseite wurde auf die Brust gelegt für die Lunge)

Botterpeer(e) f. Gellerts Butterbirne (grün-gelb, dickbauchig)

Botterpilz m. Butterpilz

Botterpott m. Steinzeugtopf für Butter

Botterpuls, -püls m. Stößer in der Kirne. → Kaarnepuls

Botterram, Bottram n. Butterbrot. De Tieden mochen noch weerkommen, dat de Börger föör'n Botterram arbäiden mochen (über die Nachkriegszeit). Ik kann mi ook keenen Füftigmarkschien up't Botterram leggen (Ich kann nicht alles umsonst tun, Bor). Ik kann wall van groote Bottrams kläine maaken (Selbstironie). → Brügge, Frää, Fuust, Karro 1, plodderig, Schnää.
Zs.: Honnig-, Keese-, Schinken(flees)-, Schmolt-, Stuuten-

Botterram- auch: Bottram-

Botterramsdööse, -doose f. Butterbrotdose (für Fabrikarbeiter)

Botterramskorw m. Butterbrotkorb, Frühstücks(brot)korb (für die Arbeiter auf dem Feld od. in der Fabrik). → Fabrieks-, Vesperkorw

Botterramstaske, -tasse f. Butterbrottasche (z.B. aus Sackleinen). → Sacktaske

Botterramstied f. Vesperzeit

Botters, Butters (Pl.) Butterbrote (mod.). → Botterram

Bottersalt n. feines Salz (zum Würzen der Butter)

Botterschäöpken Butterform in Form eines Schafes (zweiteilig, zu Ostern). → Botterförmken

Botterschleew m. breiter Holzlöffel. → Botterlääpel

Botterschöttel f. Butternapf

Botterspaan, -spaon m. hölzernes Buttermesser (mit geriffeltem Blatt, zum Abteilen fürs Wiegen). Botterspäöne (breite Schneidezähne)

Botterspäddel, -spättel m. breiter Holzlöffel zum Buttern. → Botterlääpel

Botterstück n. Stück Butter

Botterstuute(n) m. Weißbrot aus feinem Mehl, Milch u. Butter (zu Ostern)

Botterteller m. Butterteller, Fußschüssel (oft aus Zinn)

Botter-wäägen best. Sportübung: zwei Kinder mit dem Rücken aneinander heben sich abwechselnd hoch

Botterwaoge f. Waage zum Abwiegen von Butter

botterweek(e) butterweich. De Peeren bünt botterweek.drieteweeke

Botterwelle f. Butterrolle (Die Butter wurde nach häufigem Durchkneten zu Rollen geformt u. in Rollen von zwei Pfund zum Verkauf angeboten.)

Bottram, Bottram-Botterram, Botterram-

Bou m. (Bouten; Böiken) 1. Bau, Hausbau. uut'n Bou gaon (aus dem Haus, vor die Tür gehen, spazieren gehen). nao'n Bou gaon (zur Arbeit des Maurers).
2. Höhle, Gang, Bau von Tieren. → Lääger n., Piepe, Pott.
3. Ernte, Erntezeit. in'n Bou (Getreideernte, bes. Roggenernte). → Sünt Jobke.
Zs.: Acker-, An-, Dass-, Flass-, Fossen-, Haawer-, Höi-, Huus-, Kanienen-, Klinker-, Land-, Nij-, Roggen-, Straoten-, Tuffel-, Tüsken-, Üm-, Under-, Up-, Ver-, Vöör-, Wääge-

Bou-acker m. Ackerland; Landwirtschaft allgemein. De häbbt noch Bou-acker debi (als Nebenerwerb). up'n Bouacker gaon (Landwirtschaft betreiben). → Ackerland

bou-ackern Ackerbau, Landwirtschaft betreiben

bou-baatsbous

Boubuude f. Bauwagen (beim Straßen- od. Hausbau)

bouen 1. (Häuser) bauen. He häff sik bout (hat ein Haus gebaut). Bouen un trouen, dat mö´ich jung doon, süss bliff´t debi.setten.
2. pflügen. De Börger hä'en nich alle ne Ploog; dat Bouen dee ne Fohrmann. Bou nich so schnaor längs de Foore! (Pflüg nicht so dicht an der Furche entlang). → achter-äärs, delangs, plöögen.
Zs.: kuhl-, loss-, saod-

Bouerij f. Bauen (z.B. An-, Umbau des Hauses)

Boufoore f. Ackerfurche

Bougrundstück n. Stelle, an der ein Haus gebaut werden kann

Bouhäär, -herr m. Bauherr, wer ein Haus bauen läßt. De Bouhäär mutt de trouen (Zimmermannsspruch: Der Bauherr muß den ersten Nagel zur Verbindung der Sparren einschlagen, pro Schlag eine Kanne Schnaps ausgeben).

Bouholt n. Bauholz. → Timmerholt

Bouland n. 1. Bauplatz.
2. Acker, Pflugland, altes Ackerland, im Ggs. zu → Feld, Schöörgrund

Bouknech(t) m. Großknecht. → Boumester

Bouledder, -lier(e) f. 1. Leiter für den Hausbau, für Maurer u. Dachdecker (mit stabilen 22 cm engen Sprossen, die wegen des Gewichtes, das der Maurer tragen muß, in die Holme eingekerbt sind).
2. Leiter des Ackerwagenaufbaus. → Bouwaagenledder

Boulöö (Pl.) Ackerbürger, die pflügen

Boumann 1 m. Bauer (alt). → Buur. Groot un floot helpt den Boumann uut de Nood (is föör den Börger good) (Bauern pflügten für Geld bei den Bürgern ziemlich großzügig: breit u. flach).

Boumann 2 m., -männeken (Ot, Sü, Ge, Rh, Bo) Bachstelze (alt). → Quick-, Wippstatt

Boumester m. (Wes, St, Sü, Ge, Rae, Bo) Großknecht, der die Aufsicht über Pferde u. Wagen hatte. → Peerdeknecht

Boumesterken (Ra) Bachstelze. → Boumann 2

Boupeerd n. Pferd für die Feldarbeit, "Ackergaul"

Bouplass m. Bauplatz. jeeden Tratt ne Bouplass (wenn jd. gewichtig u. mit großen Schritten geht). → Huusplass

Bouploog m. Bockpflug, Stellpflug. → Buckploog

bous, bou-baats bauz! → baats, kabaatz, pardous

Bousaiden m. Kniesense, Getreidesichel

Bousand m. Bausand, Mauersand, Sand für Mörtel. Bousand uut de Sandkuhle haalen.Messelsand

Bousich(t) m. (Wes, Vr) Kniesense, Getreidesichel

Boustrick n. (Vr, St, Sü, Ge, Rae) Wetz-, Schleifbrett zum Nachschleifen der Sichel od. Sense (Daran befindet sich unten ein Haken zum Zusammenraffen des Getreides u. zum Ausrollen der Garben). → Pick-, Strickhaaken

Bouwaage(n) m. Ackerwagen, Leiterwagen. → Rengstenwaagen

Bou(waagen)ledder, -lier(e) Leiter des Ackerwagenaufbaus (paarig). → Flechte 1, Rengste, Saodledder

Bouwark, -werk n. Erntearbeit

bouwarken, -werken Ackerbau betreiben

bovull, -völle wieviel. Bovölle mo'k betahlen?wovull

Böww(e)-eske, Bewwe(r)ske f. Espe, Zitterpappel, -esche

Böww(e)gröss, -gräss n. Zittergras → Zittergröss

Böwwekunte f. unruhige, nervöse od. ängstliche Person

bowwenbomm

böwwen, böwwern, bewwern zittern, beben. Daor kaas 't Böwwen bi kriegen (das Zittern, Fürchten). Em böwwen de Buxe vöör't (under't) Gatt (Angst). De Beene böwwet em under't Gatt (von Angst od. zu schwerer Arbeit). → Angst, bibbern, Espenloof, pappeln, riddern, röistern

Bowwen-, bowwenBomm-, bomm-

Böwwenliene f. in der Wendg. Böwwenliene setten (Windmühlenflügel zu drei Vierteln bespannen)

Böwwergrund m. (Wes, Vr, St, Sü, Ge, Rae) fruchtbarer Oberboden des Ackerlandes

böwwerig, bewwerig zittrig, bebend. Oopa häff all böwwerige Hande. → bibberig

Böwwerkant(e) f. Oberseite, -kante. de Böwwerkante van't Disslaaken (Oberseite des Tischtuchs)

Böwwerlippe f. Oberlippe. → Öwwerlippe

böwwernböwwen

Böwwersied(e), -siete f. Oberseite

böwwerste oberste. böwwerste Stöwweken ("Oberstübchen", Verstand). Ünderste te eerst, dann sitt 't Böwwerste van sölws loss (Wenn man gestapelte Dinge ungeschickt abräumt). → bomm

Böww-eske, -grössBöwwe-eske, -gröss

BrööBredd

Bröögen, Breegen m. (Bröögens) 1. Thymusdrüse am Hals von Kälbern (wird gebraten, gilt als Delikatesse).
2. Bregen, Hirn (von Kalb, Kuh). → Hassens

Brääk- auch: → Breck-

Brääkbohne f. -böhnken gelbe Brechbohne, Wachsbohne. → gääle Bohne, Schnibbelbohne

Braake 1 f. (Braaken) Flachsbreche, Gerät zum Brechen der gedörrten Flachsstengel. → Räbbel.
Zs.: Flass-

Braake 2 (Wes, Vr, St); Bracke (Ot, St, Vr, Rh) f. (Braaken) 1. altes Haus, Ruine. Dat was so ne olle Braake. → Schabracke.
2. magere Kuh. Wat ne Braake van ne Koh!Schraage

Braakemölle f. Gerät zum Brechen des gedörrten Flachses. → Braake 1

braaken 1. Flachs brechen.
2. loslegen, wüst arbeiten; ungestüm laufen. → rabraaken.
Zs.: nacht-

brääken. brecken (Wes, Ot, Bor, Hei) (bräck; brack, bracken; brocken) 1. brechen. He bräck sien Been. He ha. nix te brääken un te bieten (nichts zu beißen, wenig Geld). He häff 't Waord ebrocken (Versprechen nicht gehalten). De Oogen wassen a. brocken (kurz vor dem Tode). → Ies, Toom.
2. abbrechen, umbauen (Haus). Se wassen an't Brääken un Bouen.
3. erbrechen.
4. Zahnwechsel haben (bei Pferden). Se wodden verkofft, wenn se brocken hadden (wenn die Milchzähne herausfielen, bei 2 1/2-3jährigen Pferden). → blööten, Ieser, Nacken, wesseln.
Zs.: Bütte(n)-, daale-, kaputt-, kott-, loss-, wegg-

Braakenwottel f. Baldrian. → Kattenwottel

BrääkerBrääkert

Brääkerij f. (Ot, Vr, St, Sü, Ge, Rae) 1. Umbau, Änderung am Haus.
2. Zahnwechsel bei Pferden von 2 1/2 bis 3 Jahren

Brääker(t) m. sehr kräftige Person, Kraftprotz. ne Brääkert van ne Jung. → Bäägert.
Zs.: Bütten-, In-, Knocken-, Tande-, Uut-, Ver-

Brääk-ieser, -n n. Brecheisen

Brääkmann m. sehr kräftige Person, "Brechmann"

Brääkstange f. Brechstange; Flaschenöffner (scherzh.)

braakstempel nutzlose Arbeit verrichten. Wat bün ich doch an´t Braakstempeln (Was halst ihr euch doch überflüssige Arbeit auf.).

Braan- auch: → Brann-, Brenn-

braanen (Vr, Rae); brannen (Bor, Rh, Bo). brennen (Wes, Ge, We, Hei) (brennt; brannde, brannden; gebrannt) 1. verbrennen, abbrennen; heizen (z.B. Töpferofen). Se brannden alle Buusken. He bindt sik ne braanende Buuske vöör't eegene Gatt (Er schadet sich selbst, → Finger). De lött nix te Potte braanen (paßt auf, ist klug, → anbraanen).
2. rösten. Koffiebohnen braanen.
3. brandmarken. Dat Veh wodde brannt.
4. brennen. De Piepen brannden acht Daage (vom Feldbrandofen, eingeteilt in Kanäle, → Piepe). Em brennt 't Geld in de Taske (kann kein Geld behalten). • Wenn olle Schüürn braant, brennt se nich lange (dann is de kinn Lösken mähr an) (vom späten Freien, von der Liebe älterer Leute, → määten). → Buxe, köhlen, Lampe, prockeln, stocken 1, Strohwisk, Welle 2.
Zs.: hatt-, Suur-, wegg-

Braaner (Vr, St, Ge, Rae); Branner (Bor, Rh, Bo). Brenner (Wes, Ge, We, Hei) m. 1. Schnapsbrenner. → Fuuselstöcker, Stöcker.
2. Ziegelbrenner.
Zs.: Bohnen-, Koffie(bohnen)-, Schnaps-, Schüdde-, Schwatt-

Braanerij,Brannerij f. Brennerei. → Fuuselstöckerij.
Zs.: Fuusel-

Braan-nettel, Brann-nettel, Brandnettel f. Brennessel. fiene un gewohne Bran-nettel. Dat Kruud kenn ik, sägg de Düüwel, daor satt he sik in de Braan-nettel.

Braan-nettelhook m. mit Brennesseln verunkrauteter Acker

Braan-nettelsaod n. Brennesselsamen (Heilmittel). → Nettelsaod

Braan-ommen, -owwen(t) m. Feldbrandofen

braans (Vr, Sü, Bor, Rae); brääns (Wes). brenns (Vr, Ra, Rh) angebrannt, brenzlich. Et rück so braans. Wat rück dat hier brenns!bränderig

Braanstüür f. Steuer für Bierbrauen u. Schnapsbrennen

Brääsaage f. Brettsäge. → Kuhl-, Plankensaage

Brääsem, Brääsen m. (Brääsens) 1. Brachse (Flußfisch, stachelig). → Brasse.
2. dicke Person

Braask; Braas (Bor) m. Gestrüpp, in der Wendg. döör Busk un Braask (quer durch Wald u. Gestrüpp, z.B. bei der Jagd, durch dick u. dünn)

Braaskefett n. Juxwort, z.B. in der Wendg. Dann nemm doch eenfach Braaskefett (als Antwort auf Ik kann nich gudd loopen).

braasken, brasken Krach machen; laut reden, schimpfen; stürmisch, unbeherrscht, aufgeregt, wütend sein; überstürzt, unüberlegt handeln, arbeiten; sich wild benehmen, herumalbern, wüst feiern. → bäärn, bracheern, brasseln, trabaals

Braaskenbüül, Braskenbüül m. Wüstling

Braasker(t), Brasker(t) m. wilde, ungestüme od. laut redende Person, Wüstling

braaskig, braskig laut, wild, ungestüm

BräästohlBreddstohl

Bräätuun m. Bretterzaun

Brääverschlagg m. Bretterverschlag

brabbeln undeutlich sprechen. → plappern, sabbeln

Bracheer- auch: Brageer-, Brawier-

Bracheerer m. wer sich wüst benimmt, unüberlegt arbeitet

Bracheermester m. wer sich wüst benimmt, unüberlegt arbeitet

bracheern, brageern; brawiern (Bo) sich wüst benehmen, herumtoben; großtun, prahlen; lauthals feiern. suupen un bracheern. He bracheert sik eene längs. → drawaalen

Bracke 1 f. (Bracken) Jagdhund. He leep as ne Bracke (so schnell wie ein Jagdhund). → Gescher, Stadtlohn

Bracke 2 f. (Bracken) Seitenstück, bewegliches Brett am Wagen. → Rengste

Bracke 3 f. (Bracken) (Vr, St, Bo) sperriger Zweig

Bracke "altes Haus" → Braake 2

Brackholt n. (Ra, Bo) trockenes Reisigholz. → Sprockenholt

Braddel m. baufälliges Haus; wertlose alte Sachen; Durcheinander, Wirrwarr, ungeordneter Haufen. Haal den Braddel äs van'n Balken! He häff vull Braddel an'n Kopp (viel um die Ohren). → Brassel, Pröttel

braddelig 1. unordentlich, durcheinander.
2. nicht mehr fest, unsicher; baufällig, alt, verschlissen, zerbrechlich. → rappelig

Brageer-, brageernBracheer-, bracheern

Bräi, Bräi- "Porree" → Präi, Präi-

bräien, bräiden (Vr). bruien (Bo) stricken (alt). → stricken 1

Bräinaodel, -naole f. (Vr, Bo) Stricknadel (alt). → Strickstock, - naodel

Bramme f. (Brammen) (Bo) mürrisches Gesicht

bramsen (Wes, Sü, Rh, Bo); bramken (Wes, Sü) weinen (von Kindern). → praamen

Brand m. (Brände, Bräin(d)e) 1. Brand, Feuer. Dat Huus stonn in Brand. Et kümp in Brand (beginnt zu brennen). He steck sien Huus in Brand, üm sik an't Füür te wärmen (Er veräußert sein Letztes, um davon zu leben, Bo, → anstääken). Loop di nich in Brand! (Nicht so eilig). so maager as Brand (sehr mager, → brandmaager).
2. Brennmaterial, Brennholz, Vorrat an Kohlen. Brand föör'n Winter. Brand uut't Vääne (Torf aus dem Moor). Brand haalen (Holz holen, war Aufgabe der Kinder).
3. angebrannter Holzscheit. Grööne Bräine bünt achtern heet, laot se liggen, dann braant se uh neet! (Aus grünem Brennholz kocht heißes Wasser heraus, Vorsicht!). Grööne Brände un olle Wiewer moss van de Määse bliewen! (Bor). Ik häbb't em gudd up de Brände daon (anständig die Meinung gesagt).
4. Garbrand im Töpferofen; Inhalt des Töpferofens.
5. Entzündung; Brandwunde. Brand bääden (besprääken) (beten, besprechen bei Brandwunden). Brand puusten (kreuzweise über die Brandwunde blasen, Aberglauben). → helder.
Zs.: Balken-, Feld-, Hals-, Hemmel-, Hette-, kolle(n), Schmöll-, schwatten-, Sünnen-, Suur-

Brandbuck m. (St, Ge, Rae) Feuerbock, eisernes Gestell für das Brennholz auf dem offenen Herdfeuer. → Brandroode

Brandblaore f. Brandblase

Brand-emmer m. Feuerlöscheimer (früher aus Leder)

bränderig. branderig (Bor, Bo) angebrannt. bränderig Ääten. De Beschüütenränder schmeeken bränderig (etw. bitter). → braans, Foss

Brand(e)wien m. Branntwein, Schnaps.
Zs.: Franz-

Brandewienshuus n. 1. Haus des 'nächsten Nachbarn., in dem die Hochzeit gefeiert wurde (Bei der Ankunft des Hochzeitspaares wurde Branntwein getrunken). → Bruudlachtshuus, Bruud-nao-Bedde-brengen. → Bruudlachtshuus, Doodenbuur.
2. Gaststätte, Kneipe

Brandfoss m. rothaarige Person

Brandhaaken, -haok(en) m. schwerer Eisenhaken mit langem Stiel (brauchte die Feuerwehr zum Abreißen brennender Strohdächer; auch zum Abwehren von Eisschollen). → Föör-, Ieshaaken

Brandhaorn, -hurn n. Horn des Nachtwächters u. der Feuerwehr. → Tuutemannshaorn

Brandholt n. Brennholz. An Brandholt kaas di dreemaol an wärmen: wenn't daalemäcks, wenn't klöwws un wenn't verbraans (von der schweren Arbeit des Holzschlagens u. -spaltens). → Schlaggholt

Brandholts-end(e) n. Brennholzscheit

Brandholtskloss m. Brennholzscheit

Brandhook m. Ecke in der Küche od. auf der Tenne für Brennmaterial; Stelle, wo Brennholz gelagert wird. → Holt-, Stockhook

Brandhoop m. Brennholzstapel

Brandkalk m. noch nicht gelöschter Stückkalk

Brandkasse f. Feuerversicherung. He is in de Brandkasse gaon.

Brandkaste(n) m. Kasten für Brennholz (stand vorn auf der Tenne)

Brandklocke f. Brandglocke. Et treckt an de Brandklocke (wenn ein Kind weint).

Brandkolk m. Löschteich, Wasserloch für den Brandfall

brandmaager sehr mager

brandmarken mit Brennstempel markieren, mit Brandzeichen versehen (z.B. Pferde). → Brandteeken

Brandmester m. Brandmeister (Amt in der Nachbarschaft: mußte den Feueralarm u. das Löschen organisieren)

Brandmüür(e) f. 1. Brandmauer im Haus (zwischen Wohnungs- u. Stallteil).
2. Begrenzungsmauer im Töpferofen (zwischen Feuerung u. Stapelraum)

BrandnettelBraan-nettel

brandnij sehr neu, "brandneu". → gloodnij

Brandprussioon(e) f. Brandprozession zur Erinnerung an einen Stadtbrand

Brandröcke f. Brandgeruch

Brandroo(de) f. (Vr, St, Sü, Ge, Rae) Feuerbock, Gestell für das Brennholz im offenen Herdfeuer (damit das Holz von unten Luft bekommt). → Föörbuck

Brandsalwe f. Brandsalbe

Brandschau f. Kontrollgang durchs Haus (Schornsteinfeger, Polizei u. Bauunternehmer kontrollieren, ob die Einrichtungen zum Feuerlöschen, zur Brand- u. Gefahrenverhütung vorhanden sind.)

Brandschoppe f. Schuppen für Brennholz

Brandsolle f. Brandsohle; Innensohle des Schuhs

Brandspöite f. (Wes, Vr, St, Ge, Rae, Bo) Feuerwehrspritze

Brandsprütze f. Feuerwehrspritze. → Waatersprütze

Brandstää f. Stelle, an der es gebrannt hat

Brandteeken n. Brandstempel, Brandzeichen (z.B. bei Tieren, Fässern). De Peerde ha'n en Brandteeken up de linke Basse.

Brandtorf m. schwarzer Brenntorf. Brandtorf stääken

Brandwehr f. (Rh) Feuerwehr

BrandwienBrandewien

Brängel "Knüppe", "Bengel" → Prengel

brannen, Branner, Brannerijbraanen, Braaner, Braanerij

Brann-nettelBraan-nettel

Braobänder m. (Vr, Ge) 1. aus Brabant stammend; Holländer.
2. schweres Kaltblutpferd. → Belgi-er.
3. holländischer Schäferhund

Braobant Brabant. Se äät't un drinkt, dat ähr de Buuk nao Braobant steht (Sie essen sehr viel).

Braod-appel m. Bratapfel (im Backkasten gebraten)

Braoden, Braon m. Braten. Dat mäck den Braoden ook nich mähr fett! in Bräödeken (Filetstück vom Schwein, → Filee).
Zs.: Enten-, Ganse-, Haasen-, Hammel-, Kalws-, Kanienen-, Lamm-, Lummer-, Nacken-, Reh-, Schwiene-, Sunndaggs-, Suur-

braoden, braon (brödd; brodd, brodden; braoden) braten. gebraone Erpel (Vr, Ra). braone Tuffel (Rh, Bo) (Bratkartoffeln). Se ligg in de Sünne te braon (zum Braunwerden).

Braod-erpel (Pl.) (Vr, Ra, Bor, Hei); Braod-erappel (Wes, St, Sü, Ge) Bratkartoffeln (aus gekochten Kartoffeln, → Fuuss-erpel). Gao nao Huus un piss Mooder 't Föör uut; dann giff't kolle Braod-erpel (zu Kindern, die man loswerden will). → Erpelplaaten

Braodetuffels (Bo); Brao(d)kartuffeln (Ge, Rae). Braotuffel (St, Sü, Rh) (Pl.) Bratkartoffeln

Braodfett n. Bratfett

Braodflees, -fleesk n. Bratfleisch

Braodpanne f. Bratpfanne

Braodpeer(e) f. (Wes, Ot, Vr, Ge, Rae) gedörrte Birne. → Backpeere

Braodpott m. Kasserolle. Wenn van'n Pisspott en Braodpott mäcks, dat stinkt immer!

Bräödsel n. Gebratenes, in der Pfanne zubereitetes Essen. → Gebraodsel

bräödseln 1. braten, brutzeln. De Braod-erpel bünt in de Panne an't Bräödseln.
2. sich ein Essen in der Pfanne bereiten. He bräödselt sik wat terechte.

Braodsooße f. Bratensoße

Braodwost(e) f. Bratwurst; gebratene Mettwurst; Wurst mit Buchweizenmehl (→ helle, witte Braodwoste) od. aus Roggenschrot, Blut u. Speckstücken. → Bloodkooken, schwatte Braodwoste.
Zs.: schwatte

Braodwostentied f. Schlachtzeit, Winterzeit (scherzh.)

braok brach, ungepflügt. Dat Land ligg braok.

Braoke f. (Braoken) Brache, brachliegendes Ackerland; umgebrochenes Ackerland.
Zs.: Sommer-, Winter-

braoken flach pflügen, grob vorpflügen. Se braoken dat Stoppelland, dat de Stoppeln so ääben drunder wann'.bouen, floot, plöögen, schöörn, strieken

Braokland m. Brachland

Braokploog m. Schälpflug, Brachpflug (in der Höhe verstellbarer Pflug zum Vorpflügen). → Schülpe, Striekploog

Braom m. Ginsterstrauch, Besenginster (zur Herstellung von Besen).
Zs.: Bessem-, Farwe-

Braombessem, -n m. Ginsterbesen

Braombuss, -busk m. Ginsterstrauch

Braombuur m. Bauer im Sandgebiet (Westmünsterland). → Sandbuur

BräömenBremen

Braomries, -er n. Ginsterzweig

Braomstruuk m. Ginsterstrauch

Braomwösteken (Bor) kleine Mettwurst für Kinder. → Jööselwoste

Braon, braonBraoden, braoden

BraotuffelBraodetuffels

brappelig (Wes, St, Ge) wild, unbeherrscht. → rappelig

brasken, Braskenbüül, Braskert, braskigbraasken, Braaskenbüül, Braaskert, braasken

Brass, Brast m. Wut, Erregung; Begeisterung, in der Wendg. in Brast wenn. (aufgeregt, wütend, erregt, in Fahrt sein)

Brasse f. (Brassen) Brachse (Karpfenart). → Brääsem

Brassel (sth.s) m. Durcheinander, unaufgeräumter Haufen; Plunder. Ik bün den ganzen Brassel leed (z.B. den Hausrat, die Arbeit). vull Brassel an'n Kopp häbben (viel gleichzeitig um die Ohren haben). → Braddel

brasseln (sth.s) poltern, Lärm machen; wütend sein; sich wild benehmen; herumtoben; hektisch arbeiten. → braasken

Bratske, Bratse f. (Bratzen) Schramme, Kratzwunde, Narbe. Bratsen an de Müüre (Mörtelspritzer an der Wand)

Brawier- brawiernBracheer-, bracheern

breckenbrääken

bredaol 'nichts Besonderes. → predaol

Bredd n. (Brää; Breddken) Brett. He dööt (lögg), äs wenn he en Bredd vöör'n Kopp häff. Et gaff richtig wat up't Bredd (gut zu essen). Wat krieg wi dann wat up't Bredd! (Dann wird gefeiert!). Se krigg't genau up't Bredd (vorgeschrieben, was sie zu tun hat). → groff, Planke, stiew.
Zs.: Achter-, Afdeck-, Back-, Bi-, Bööker-, Bost-, Büügel-, Deck-, Eeken-, Ende-, Fenster-, Fimpen-, Fluur-, Footbodden-, Fummel-, Gewwel-, Haaken-, Hacke-, Holt-, Kant-, Kruuwaagens-, Lääpel-, Mest-, Potte-, Profiel-, Putz-, Schaal-, Schäämel-, Schaol-, Schapp-, Schlöttel-, Schmeer-, Schnie-, School-, Schoppen-, Schriew-, Schuuwkaoren-, Sied(en)-, Solder-, Spöll-, Spring-, Sprütz-, Spund-, Staff-, Stäiger-, Steen-, Steern-, Stoot-, Striek(e)-, Trapp-, Tüsken-, Under-, Upsatz-, Waagen-, Wark-, Waske-, Wöske-

BreddeBrette

Breddholt n. Kernholz. → Plankenholt

Breddstohl, Bräästohl m. 1. Holzstuhl.
2. hoher, geschlossener Kinderstuhl mit einem Topf unter dem Sitz (Kanzelstuhl). → Brödd-, Kack-, Tunnenstohl

Breebiele f. Breitbeil (Zimmermannsbeil mit seitwärts gebogenem Stiel zum kantigen Abbeilen der Balken). → Boomwolter, Houbiele

breed 1. breit. He häff 'n breed Krüüs (einen breiten Rücken). He treckt ne breede Lippe (verzieht das Gesicht zum Weinen). Wat kick se breed (unfreundlich, → Breedschnuute). Wi häbbt 'n dick Fell un 'n breeden Puckel (sagt man bei Vorwürfen). Dat is so breed as't lang is (von einer Seite nicht vorteilhafter als von der anderen). Nix te breed häbben (ärmlich leben). De is breed vöör't Gatt (1. stark. 2. eingebildet). De häff't breed vöör't Gatt (großzügig beim Geldausgeben). Se is so breed vöör't Gatt (eingebildet, hochmütig, hochnäsig). Man mutt sik nich breeder maaken, as man is. wied un breed (weit und breit). → groot, Stell m., trääden.
2. ausgebreitet; der Breite nach, quer. Dat Toppholt lagg breed.breedflaaks, Rahmen.
Zs.: äiden-, dummen-, finger-

breedbeenig breitbeinig. Bi't Böörn dröffs nich breedbeenig staon, süss kaas di ne Bröcke böörn.bestredden

Breed-dackske f. (Ot, Vr, Ge, Rae) breiter Dachziegel, Hohlziegel (niederländischer Machart). → Langdackske

Breed-dosker, -dösker m. Breitdrescher, breite Dreschmaschine (im Ggs. zu → Hääkeldosker). Ne Breed-dosker de dosket in de Bredde, daor kommt de Garwen intwass drin (Die Garben kommen quer hinein).

BreedeBrette

breedflaaks (Vr) breit; behäbig. He sitt daor so breedflaaks vöör de Döör. Dat Höi ligg daor so breedflaaks (ausgebreitet). → breed

breedkallen (Bor, Bo) überreden, breitschlagen

breedkrempig mit breiter Krempe (am Hut)

breedküürn, -köiern 1. überall herumerzählen. → breedpraoten.
2. überreden, breitschlagen. He leet sik breedküürn.

Breedmääse, -merse f. Angeber. → Bocholt

Breedmieger(t) m. Frau, Mädchen (z.B. wenn ein Mädchen statt eines Jungen geboren wurde, abw., grob). → holländsk, Hoog-, Hossenmiegert

Breedploog n. breiter Pflug, im Ggs. zu → Spitzploog

breedpraoten überall herumerzählen. He häff dat öwwer't ganze Kaspel breedpraot't.

breedschlaon breitschlagen; überreden. He häff sik breedschlaon laoten.

breedschuldrig breitschultrig

Breedschnuute f. -schnuuten m. mißmutige Person (unfreundliche Miene). → Schlaotlippe

breedspöörig 1. breitspurig
2. großtuend, großspurig

breedträä(de)n breittreten (z.B. überall herumerzählen)

BreegenBräägen

BreeteBrette

Breew m. (Breewe; Breewken) 1. Brief.
2. Zettel; Los. Breewkes trecken (Brauch in der Nachbarschaft bei Hochzeit od. Sterbefall. Es wurden die Zettel mit den Adressen der Verwandten gezogen, die von den Nachbarn eingeladen werden mußten. So wurde einseitige od. absichtliche Überlastung vermieden, → Glück, Ssettel).
3. Butterbrot. Kaas du den Breew wall lääsen? (Antwort:) Jaowall!Brügge.
4. Urkunde, Privileg. de öllsten Breewe (die ältesten Rechte, gebührender Vorrang, z.B. vom ältesten Familienmitglied).
5. quadratische Drachenart. → Spitzkopp.
Zs.: Bäädel-, Bruudlachts-, Dooden-, Dööp-, Geburts-, Gesellen-, Koop-, Nijaors-, Pacht-, Pröttel-, Wille-

Breewbodde m. Briefträger, Postbote

Breewdrääger m. Briefträger, Postbote

Breewduuwe, -be f. Brieftaube

Breewkasten m. Briefkasten

Breewmarke f. Briefmarke (mod.). → Frijmarke

Breewtaske, -tasse f. Brieftasche

breggenbrengen

Bremen. Bräömen Straße in Vr, in Wendungen wie De is so wies as 't Driethuus (Schiethuus) van Bräömen (sehr geizig).nijsgierig

Bremsbacke f. Bremsbacke

Bremse 1. Brömse (Ot, Sü, Ge) f. (Bremsen) Bremse, Stechfliege. → Bleeseken

Bremse 2 f. (Bremsen) 1. Bremse im Fuhrwerk, Fahrzeug (war nur bei schnell fahrenden Pferdewagen vorhanden, z.B. beim Marktwagen, Jagdwagen). → Remme.
2. Knebel für die Oberlippe des Pferdes. Bi't Beschlaon wodde dat Peerd de Bremse upsatt.
Zs.: Fietsen-, Kettboom-, Radd-, Uploop-

bremsen bremsen. Wi mott't us 'n bettken bremsen un nich so hatt arbäiden. → remmen

Bremskloss m. Bremsklotz

Brems-schiewe, -be f. Bremsscheibe

Brems-seel n. Bremsseil (am mechanischen Webstuhl)

Brems-spindel f. Spindel, Holzschraube zum Andrehen der Bremsen am Wagen

brengen, breggen (brengt; brach, brachen; bracht) bringen. Mäiräägen bregg Säägen.borgen, Sied, Tied.
Zs.: Bruud-nao-Bedde-, Bruudstück-, fäärdig-, Gaowen-, hoog(e)-, rund-, weer-, wegg-, wieder-

brennen, Brenner, brenns → braanen, Braaner, braans

Brette, Breede, Breete, Bredde f. (Bretten) Breite. De Brette van de Raa was dree un veer Toll.
Zs.: Dummen(s)-, Foot-, Haores-, Schulder-, Spoor-

Brewier n. (Brewiers) Brevier, Buch für das Stundengebet. dat Brewier bääden

Bricke f. (Bricken) (Vr, St, Ge, Rae) schlechte od. kranke Kuh. → Braake 2, Hippe

briddeln (St, Rae, Bo) nörgeln

Brij m. (Brijken) Brei, z.B. angedickte Milchsuppe (dicker als → Papp); dickflüssige Masse. Den Brij wödd nich so heet gääten, as he kockt (upscheppt) wödd. De bünt alle met eenen Brij gebotten.Aard, Gescher, harümpraoten.
Zs.: Balken-, Mähl-, Pannass-

Brijbuck m. in Ortsneckerei.Erle

brij-ig breiig

Brijpott m. Breitopf, in Ortsneckerei.Erle

Brikett n. (Briketts) Brikett (Kohlensorte).
Zs.: Äier-, Torf-

Brikett-aske, -asse f. Brikettasche (z.B. aus dem Töpferofen, war gefährlich, da sie sich noch beim Ablöschen bewegte)

Brille, Brill f. (Brillen; Brilleken) Brille. • Wat hölp Käärße un Brille, wenn de Uule nich sehn will (von einem unbelehrbaren Menschen, St). → Bille, Oogenglass, Tunne.
Zs.: Bullen-, Lääse-, Nickel-, Sünnen-

Brillendööse, -doose f. festes Brillenetui

Brillenglass n. Brillenglas

Brillenhüüsken Brillenetui

Brillenkieker(t) m. Brillenträger

Brink m. Grasfläche; Grünfläche.
Zs.: Quecken-

Brink ON Brink, Bauersch. von Ra. de Brinker Köttelpeern (Ortsneckerei)

Britske 1, Britse f. (Britsken) (Wes, Ot, Vr, Sü, Rae) Schlaginstrument, Lärminstrument für Fastnacht (hartes, kantiges Stück Holz, wird aufgesägt; damit wird z.B. auf den Tisch od. an den Rauchfang geklopft, zur Fastnacht eingeladen.)

Britske 2 f. (Britsken) Pritsche, schlichte Liege. Legg di up de Britske!

Britsken-, auch: → Britsen-

Britskenmester m. (Vr, Sü, Rae) wer ein best. Amt in der Nachbarschaft innehat (zumeist das jüngste Mitglied der Nachbarschaft, geht von Haus zu Haus, um zur Fastnachtsfeier einzuladen; er muß ein best. Lied singen u. mit der → Britske an den Rauchfang klopfen.)

BrockeBrocken

Bröcke f. (Bröcken) Bruch. ne gladden Bröcke. sik 'n Bröcke böörn (zu schwer heben, sich einen Bruch heben). He böört sik ginn Bröcke (ist faul). → breedbeenig, Schlette.
Zs.: Af-, Arm-, Been-, Butten-, In-, Knocken-, Naffel-, Ribben-, Steen-, Wolken-

bröckelig brüchig, bröselig

bröckeln, brocken bröckeln, einbrocken. He häff gudd wat in de Melk te brocken (gutes Auskommen). He häff nix in'n Papp te bröckeln (ist arm od. weiß nichts zu erwidern).
Zs.: kaputt-, wegg-

Brocken, Brocke m. (Brocken; Bröcksken) 1. Brocken, kleines Stück (z.B. Brot). Brood (Holt) an Brocken schnieden.
2. Scherbe. Et was in (an) Brocken (entzwei). an Brocken kaputtschmieten.
3. Gerät, Werkzeug, Kleidung, Allerlei. Pass diene Brocken bääter up (z.B. vom Arbeitsgerät). de Brocken dedaale schmieten (achter-uut schmieten, henschmieten) (Arbeit, Amt unter Protest aufgeben, z.B. im Streit kündigen).
Zs.: Klumpen-, Torf-

brockenbröckeln

Brockenmelk f. mit heißer Milch übergossene trockene Weißbrotbrocken. → Knabbelmelk

Brodd f. Brut (z.B. aus einem Brutgehege geschlüpfte Küken). → Bröößel.
Zs.: Wepsen-

Broddel (Ge) Durcheinander, Verwirrung. → Braddel, bruddeln

bröddelig, broddelig krankhaft hohl od. locker hustend. He moch düftig hoosten, he hä"t all mooi bröddelig"schröddelig

Bröddstohl m. (Vr, St, Ge, Rae, Rh) hoher geschlossener Kinderstuhl mit einem Topf unter dem Sitz. → Breddstohl, brööden

Bröiback m. Holztrog zum Abbrühen der Borsten von geschlachteten Schweinen. → Bröisump

Bröie f. Brühe, Suppe; trübes Wasser (z.B. schlechter Kaffee). Dat is weer ne Bröie vandaage (Nieselregen, Nebel). De sitt in de Bröie (in Verlegenheit).
Zs.: Hohner-, Loh-, Rindflees-, Woste-

bröien sieden, kochen; überbrühen, abbrühen. dat Schwien bröien (Borsten vom geschlachteten Schwein abbrühen). Dann wodd Mähl bröit föör de Beester met heet Waater.

Bröikäätel, -kettel m. Kessel mit heißem Wasser zum Abbrühen von geschlachteten Schweinen

BröißelBröößel

Bröisump m. (Wes, Ot, Vr, St, Ge, Rae) langer Holztrog (zum Abbrühen von Schweineborsten nach dem Schlachten durch Übergießen mit kochendem Wasser)

Bröiwaater n. Brühwasser (zum Abbrühen)

Brömmelbääse, -beer(e)Brümmelbääse

BrömseBremse 1

BrööBrood

Bröö-äi n. Brutei

Brööback n. Mistbeet, Frühbeet (zumeist mit Pferdemist abgedeckt, der Wärme entwickelt)

Brood n. (Bröö; Bröödken) 1. Brot, bes. Schwarzbrot, Roggenbrot od. Pumpernickel (im Ggs. zu Weißbrot, → Stuuten). Bröödkes (Brötchen, bes. als Brötchenhälften, die im Backofen getrocknet wurden, → Beschüüte). •• Bääter en Brood in de Kiepe as ne Feere up'n Hood (das Geld nicht für Tand ausgeben). Brood un Botter kann de wenn., Tabak un Fuusel mott de wenn. (vom Tabak- u. Alkoholkonsum, iron.).
2. Brot als allgemeines Grundnahrungsmittel. He süht de uut, as wenn he von kinn Brood bitt (sieht schlecht aus). Denne de is an Brood (Papp) gewönnt, de kümp wall weer (z.B. als Trost, wenn jd. noch nicht nach Hause gekommen ist). Öwwerall wödd Brood ebacken (z.B. als Trost, wenn jd. seine Stelle, Heimat verlassen muß). Bäckerskinder mütt ih kinne Bröödkes doon (→ Speck). Wi bünt noch 'n Brood in't vönne (haben noch Vorrat, Geld). Den kann mähr as Brood ääten (von einem, dessen Können imponiert). Giff Gott Nood, giff he ook Brood (Man soll Gottvertrauen haben).
3. Broterwerb; Lebensunterhalt. Et is 'n schrao (suur) Brood (schwerer Broterwerb). Brood wödd unegaal verdennt un un-egaal vertehrt (Der eine kommt leichter durchs Leben als der andere). Häff man sien Brood (Wenn wegg is de Nood), dann kümp de Dood (Es ist im Leben nichts vollkommen, Bo). Ungegönnt Brood wödd 't meeste gegääten (von der Mißgunst der Menschen, Bo). No nich sehn, dat een met'n Brood uut de Karke kommen is (In der Kirche kann man nichts verdienen). Dat frett kinn Brood (wenn etw. keine Kosten verursacht).
4. in der Wendg. Nu backt he sööte (kläine) Bröödkes (wenn jd. klein beigeben muß).
5. brotförmiger Gegenstand, z.B. in der Töpferei: Tonstrang, der aus dem Tonschneider kommt u. zur Weiterverarbeitung abgemessen wird. → anbeeden, Bäädeler, backen, bidden, bieten, Botter, Crosewick, Dood, drööge, Frömde, Grosken, Kluus, Kooken, maager, Nood, Paape, Pech, Pucher, riewe, röödig, satt, Schapp, Schlagg m., Speck, Spind, Stuuten, Sünne, Waater.
Zs.: Backer-, Blood-, Botter-, Büülkes-, Egge-, Haasen-, Halwschääpel-, Jans-, Johannis-, Juuden-, Koffie-, Kommis-, Koopmanns-, Korinten-, Möppkes-, Peerde-, Plass-, Pott-, Roggen-, Rosienen-, Schmolt-, Schwatt-, Sünt-Jans-, To-, Twintigpund(s)-, Vesper-, Woste-

brood-äätend, -ettend in der Wendg. ne brood-äätende Profeet (kein Alleswisser, auch nur ein Mensch). → Broodprofeet

Brood-ääter, -etter m. wer viel Brot ißt. ne kläinen Brood-ääter (Kind, das lieber Butterbrote als warme Speisen mag). ne mooien Brood-ääter (Nichtsnutz). Dat bünt alle Brood-ääters (auch nur Menschen).

Broodback m. Brotkorb

Broodbacker, -bäcker m. Schwarzbrotbäcker, gewerblicher Bäcker. → Groffbacker

Broodbank(e) f. Regal für Brot in der Backstube

Broodbüül m. 1. Brotbeutel, Proviantbeutel (beim Militär).
2. Junge, der viel Brot ißt

Brood-deeg m. Brotteig, Schwarzbrotteig. Daor kommt se an van Hössel (Hörsteloe), häbbt 'n Brood-deeg noch an de Beene (kommen eilig; Schwarzbrotteig wurde mit den Füßen geknetet).

brööden, bröön (brödd; brodd, brodden; brodd) brüten. Wenn de Froulöö nix üm de Hande häbbt, dann sitt't se daor te bröön (sitzen müßig am Feuer). Ik bruuk ne Frou, de kluckt, abber nich mähr brödd (von der zweiten Frau, die Kinder übernimmt, aber selbst keine Kinder mehr bekommt).

Brooder, Broor, Bröör. Brüür (Rh, Bo) m. (Bröörs, Bröörken) Bruder. Süsters un Bröörs (Geschwister). → Arbäid, Crosewick, kold, Wark.
Zs.: Bäädel-, Bölke-, Föttke-, Fuske-, Halw-, Ik-, Jao-, Kaarte-, Kööchel-, Köster-, Lööter-, Lou-, Mussel-, Paochel-, Prääke-, Puche-, Steef-, Tippel-, Tüntel- , Vull-

Broodform f. Brotform

Broodfrääter, -fretter m. wer viel Brot ißt

Broodhäär, -herr m. Dienstherr, Arbeitgeber

Bröödkesvisiete, -vesiete f. (Wes, Vr, St, Sü, Ge, Rae) Kaffeeklatsch mit Brötchen (ohne Kuchen, meistens am Morgen, z.B. monatlich, von Kolleginnen, Kegelclubs u'ä.)

Broodknallen, -knällen m. dickes Stück Brot, Knust. Haal äs ääben en Broodknällen föör de Peerde!

Broodknapp(en) m. Brotende, Knust

Broodknuuw m. Brotknust

Broodkorw m. Brotkorb, Butterbrotkorb. den Broodkorw hööger hangen (weniger essen, sich einschränken, → Buukreemen)

Broodkoste, -köste f. Brotkruste. Se fratten de Broodkosten van'n Disk (aßen sehr gierig, hungrig). He mutt noch mehr Broodkosten ääten (um zu wachsen).

Broodkrömmel m. Brotkrümel

Broodkumme f. Schüssel für Brotteig

Broodkump m. Schüssel für Brotteig

Broodmacke f. dicke Brotscheibe, -schnitte, Knust. → Peerdeknallen

Broodmände, -männe f. Butterbrotskorb

Broodmess, -er n. Brotmesser

Brood-ommen, -owwen(t) m. (Vr, St, Ge, Ra, Rae) Backofen für Schwarzbrot. → Stuuten-ommen

Broodpapp m. Milchsuppe aus Brotresten (in die Milch gebrocktes Schwarzbrot, durch Erhitzen angedickt)

Broodprofeet m. (Wes, Vr, St, Sü, Ge) "brotessender Prophet", in der Wendg. Dat bünt ook män Broodprofeeten (sind keine Alleswisser; was sie sagen, ist kein "Evangelium"). → brood-äätend, Wosteprofeet

Broodsaod n. (Ot, Vr, St, Ge, Ra, Rae) Getreide, bes. Roggen, zum Brotbacken. Broodsaod nao'n Bäcker doon.Säisaod

Broodschapp n. Schrank zum Aufbewahren des Brotes (Küchenschrank, Wirtschaftsschrank, oft wandfest eingebaut). Vandaage vöör de Hemmelspaorte un morgen vöör't Broodschapp (himmelhochjauchzend, zu Tode betrübt, → Graawen). → Broodspind

Broodscheeter m. Brotschieber. → Backscheeter, Broodspäddel

Broodschnää, -schnedde f. Brotschnitte

Broodschüüwer, -ber m. Brotschieber. → Stuutenschüüwer

brööds(k), bröös(k) (Wes, Ot, Vr, St, Ge, Rae) brütend. Se sitt daor äs ne bröödske Henne (wie eine Bruthenne: Sie beginnt nicht z.B. mit der Arbeit, mit dem Aufbruch bei einem Besuch).

Broodspaan, -spaon m. (Wes, Vr, St, Sü, Ge, Rae) Teigmesser (zum Kneten u. Zusammenschlagen des Teiges, meist aus Holz). → Deegspaon

Broodspäddel, -spättel m. (St, Sü, Ge, We) Brotschieber zum Einschießen der Laibe in den aufgeheizten Backofen. → Scheeter

Broodspind m. n. (Wes, Vr, St, Ge, Rae) Schrank zum Aufbewahren des Brotes. → Broodschapp

Broodsuppe f. Brotsuppe. → Broodpapp

Broodtrogg m. hölzener Trog zum Kneten von Schwarzbrotteig. → Backtrogg

Broodworm m. (Wes, Vr, St, Ge, Bo) Mehlwurm. → Mählworm

Brööhenne f. Bruthenne

Brook m. (Brööke) Bruchland, Moor, tiefliegendes Weideland

Brookhaorn, -hurn n. (Wes, Ot, Sü, Ge, We, Bor, Rae) hölzernes Signalhorn der Kuhhirten im Moor. → Koh-haorn

Brookhirtner m. (Ot) Kuhhirte

Brookland n. Bruchland

bröönbrööden

Broor, BröörBrooder

Bröörsdochter f. Nichte

Bröörskind n. Neffe, Nichte. → Mäi-, Öhm-, Tantensägger

Bröörs-sönn m. Neffe

Bröößel, Bröißel n. (Vr, St, Ge, Rae) Brutgelege. een Bröißel Äier (12-15 Eier, die eine Henne bebrüten kann). → besitten, Dutz, Gebrodd, Gelegge

brööseln bröckeln (z.B. von zu trockenem Ton beim Brennen)

bröös(k)bröödsk

Broske, Brosse f. (Brosken; Brösken) Brosche

bross locker, mürbe, zerbrechlich, brüchig, knusperig. Dat Eskenholt is bross, kaas nich föör alles bruuken. Den Pannkooken is bross (locker u. kross). Dat Ies is völl te bross, gaot daor nich mähr up!kross

Brosse f. (Brossen) (Bor) zu Kügelchen gekautes Flachsteilchen (wurde zum Schießen mit dem "Pusterohr" gebraucht). de Brossen van de Kötte kouen (sich Kügelchen aus Flachsteilchen, Werg, zurechtkauen). → Proffen

Broubödde f. (Vr, St, Sü, Ge, Rae) Bottich zum Bierbrauen. → Geerback

BroueBruue

brouen brauen, Bier brauen. → backen, inbööten

Brouer m. Bierbrauer. Wann 'n Brouer de west is, bruukt 'n Backer nich mehr te kommen (Man soll das Geld nicht für Bier, sondern für Brot ausgeben).

Brouerij f. Brauerei.
Zs.: Beer-

Broufatt n. Braubottich, Maischefaß. → Maischefatt

Brougaste f. Braugerste

Brougest, -gess f. Bierhefe

Broukäätel, -kettel m. Braukessel, in dem das geschrotete Malz gekocht wird

Brouküümen, -küüwen m. Braubottich

Broupanne f. Braukessel

Broupott m. Braukessel. → Broukäätel

Brourech(t) n. Braurecht

Brouspieker m'n. Speicher, in dem das Bier gebraut wurde. → Backspieker

Bruch m. Ausschußware der Töpferei. → Frackwaare

Bruchsteen m. Naturstein. → Natuursteen

bruddeln (Wes, Vr, St, Sü, Ge, Rae) sieden, Blasen werfen (von kochendem Wasser). → bullern

BrüddigamBrüüm

Brügge f. (Brüggen; Brügg(e)sken) 1. Brücke. → Funder.
2. brückenartiger Gegenstand. Brügge an'n Klump (Schaft am Holzschuh). de Brügge, well under de Asse sitt (Eisenverbindung zum Verstärken der Wagenachse). de Brügge van't Töi (Brustbaum am Webstuhl, → Bostboom).
3. Butterbrot. Kaas de Brügge (den Breew) wall lääsen? (So fragte man Kinder mit großem Butterbrot). De Börger schmeert Brüggen, de man wall weggpuußen kann (dünne Butterbrote). → Breew, Frää, vöörnste.
Zs.: Bääken-, Balken-, Eerd-, Hou-, Kanaol-, Knüppel-, Messel-, Möllen-, Nood-, Planken-, Schinken-, Schwellen-, Speck-, Spööl-, Ssucker-, Steen-, Stempels-, Waske-, Wende-, Woste-

Brüggenhill(i)gen m. Brückenheiliger, Figur des hl. Johannes Nepomuk. → Jans Bomseens

Brüggenkopp m. "Brückenkopf"; Brückenpfeiler im Wasser (z.B. bei einem gestauten Bach). → Stüwwenkopp

Brüggenkorw m. (Vr, St, Sü, Ge) Korb für Butterbrote. → Botterramskorw

bruienbröien

Brüllbäär, -beer m. (Wes, Vr, St, Sü, Ge, Rae) Schreihals

brüllen brüllen. brüllende Hette ("Bullenhitze"). → bruusen 2

Brüllerij f. Gebrüll

Brüller(t) m. 1. brüllendes Rind (bes. Bulle); Person, die weint, brüllt od. schimpft.
2. brünstige Kuh; liederliche Frau. → Bandloose, brüllsk

brülls(k) brünstig (von Kühen). ne brüllske Koh.bullsk

Brummbäär, -beer m. "brummige", unfreundliche Person

Brummbass m. 1. Baßgeige.
2. tiefe Stimme.
3. Mann mit tiefer Stimme

Brümmelbääse (Wes, Ot, Vr). Brömmelbääse (St, Rae, Bo).

Brömmelbeer(e) (Ge, We, Ra, Bor, Rae, Rh, Bo). Brommbeer (Hei) f. Brombeere. → tamm

Brümmelbääsen- auch: Brömmelbääsen-, -beern-, Brommbeern-

Brümmelbääsensaft m. Brombeersaft (Mittel gegen Erkältung)

Brümmelbääsenranke f. Brombeerranke

brummeln, brümmeln brummen; murmeln

brummen 1. brummen, tief singen od. sprechen. Wenn't achten brummt, is't Hatte gesund (von Blähungen). Daor is't an't Brummen (Die Frau liegt in Wehen). → kräömen.
2. murren, schmollen, aus Wut keine Antwort geben. → prömmeln.
3. im Gefängnis sitzen. → Naffel 1

Brummer(t) m. 1. Schmeißfliege; Hummel. ne dicken Brummer.Brummfleege, Hummel.
2. mürrische, unzufriedene Peron. → Brummpott, Drammert.
3. Brummkreisel, Musikkreisel. → Brummkloot.
4. Flugzeug im Zweiten Weltkrieg

Brummfiets(e) n. Moped

Brummfleege f. Schmeißfliege. De Schinkensack wodde ümmedaon, süss kweemen de Brummfleegen dran.Aosfleege

brummig mißgelaunt

Brummkloot m. Brummkreisel. → Hüüleball, -dopp

Brummkopp m. wer nörgelt, "brummt"

Brummpott m. wer immer nörgelt, unzufrieden, schlecht gelaunt ist. Du olle Brummpott van ne Jungen!Grumm-, Targepott

brümms brummig, wortkarg; eigensinnig; böse. → pröttsk

Brummsaage f. Kettensäge, Motorsäge z.B. des Holzfällers

Brummschwarm m. der erste ausfliegende Bienenschwarm. → Naolaot

Brummstall m. (Vr, St, Ge, Rae) Gefängnis (scherzh.). → Pietermann

Brünen. Brüünen ON Brünen bei Hamminkeln. Ik gao nao Brüünen hen Salt haalen (wenn man keine genaue Antwort geben wollte auf die Frage: Waor gehs hen? Bor). de Brüünske Fasten (wenn Fleisch vor dem Schlachten knapp ist, → Allerhilligenfasten). Du hölls wall de Brüünsken Fasten (Brünen war evangelisch, iron., Bor). He mott een Jaor nao de Brüünse Ossenschoole (In Brünen war die Landwirtschaftliche Winterschule). He is in Brüünen up de Ossenschoole west (heuchlerisch, Ortsneckereien aus Bo).

Bruunen m. braunes Pferd

brünstig brünstig. De Schwiene bünt brünstig.bäärs

Brünte f. (Brünten) (Ge, Rae, Rh, Bo) Sackschürze, Halbschürze aus Jute od. Jutesack (gebraucht für schmutzige Arbeit, z.B. im Stall). → bääter, Schloowe, Schotte, Vöördook.
Zs.: blaue, griese

Brustbüül m. Brustbeutel der Soldaten (z.B. für Geld, Dokumente, Reliquie)

Brüstung f. Brüstung (z.B. bei der Holzverarbeitung). Dat Radd droog up de Brüstung van de Speeke.

brutaal frech, rücksichtslos. Wat ne brutaalen Käärl!

brutzeln brutzeln, braten

Bruud f. (Brüüde) Braut. Ne Dooden un ne Bruud, de dräägt't an Döören un Fenster uut (Beides ist teuer). Brüüde bünt alltied riek; doo män een Nülleken af föör't Mostert-haalen! (wenn jd. prahlt). De Bruud häff de Katte nich gudd foort (wenn es am Hochzeitstag regnet). → fangen, inleeden, ruhig, Schläier, uuthaalen.
Zs.: Huus-, Karmis-, Möller,-, Piggen-, Pingster-, Stää-

Bruudkrüüs n. Brautkreuz (zumeist goldenes Brustkreuz als Verlobungsgeschenk). → beschlaagen

Bruudlacht(e) f. Hochzeit, Hochzeitsfest (alt). . Hochtied. • Man kann män tiedliks up eene Bruudlachte danzen (Man kann nicht auf zwei Hochzeiten zugleich tanzen). Up wuvull Bruudlachten kaas du wall danzen? (wenn jd. vielseitig ist). Van eene Bruudlachte kümp de andere (Feste als Gelegenheit für neue Bekanntschaften). • Nao't Dosken häbbt de Hohner Bruudlachte (satt zu fressen). → golden, Groowe, Hochtied, silwern

Bruudlachts- auch: → Bruudlachs-,

Bruudlachts-ääten, -etten n. Hochzeitsessen (häufige Speisenfolge: 1. Rindflees-/Hohnernatt; Suppenflees met Ssiepelsooße/Rindflees met Backpruumen. 2. Suurmoos/Buuskohl met Speck un Schinken/halwen Kopp. 3. dicken Ries met Kaneel un Ssucker/Pudding)

Bruudlachtsbreew m., -breewken Brief als Einladung zur Hochzeit

Bruudlachtsdagg m. Hochzeitstag. → Troudagg

Bruudlachtsgast m. Hochzeitsgast

Bruudlachtsgeschenk n. Hochzeitsgeschenk

Bruudlachtshuus n. Hochzeitshaus (in dem gegessen wurde). → Hochtiedshuus

Bruudlachtskleed n. Hochzeitskleid. → Troukleed

Bruudlachtskock m. Hochzeitskoch

Bruudlachtsnööger m. Hochzeitsbitter, wer zur Hochzeit einlädt. → Gästebidder

Bruudlachts-schinken m. Schinken als Geschenk bei Einladung der gesamten Familie zur Hochzeit

Bruud-nao-Bedde-brengen, -breggen verschiedene Hochzeitsbräuche in den Bauerschaften (z.B. ging die Nachbarschaft nach der Hochzeitsfeier um ein Uhr nachts mit dem Brautpaar vom → Brandewienshuus zum Haus der Braut: die Frauen steckten den Bräutigam, die Männer die Braut in voller Kleidung ins Bett. Daraufhin mußten die Brautleute aufstehen u. für die Nachbarn Kaffee kochen. Heute wird oft verschiedener Schabernack getrieben). → Bruud-uut-trecken, Schläier

Bruudsää(n)gen m. Brautsegen

Bruudsbedde n. Ehebett

Bruudsbotter f. Butter als Hochzeitsgabe an die Braut; bes. hübsch dekorierte Butter. → Welle 2

Bruudsbux(e) f. Hose als Hochzeitsgabe an die männlichen Trauzeugen. → Knapphemd

Bruudschatz m. Brautschatz, Mitgift, bes. in Ortsneckerei. → Schulten-naamen, Velen

Bruudschau f. Brautschau. He geht up Bruudschau ("auf Freiersfüßen"). → Frijersfööte

Bruudschinken m. Schinken als Geschenk, der zur Hochzeit mitgebracht wurde (wenn man zur Hochzeit für zwei Tage eingeladen war; der Schinken wurde am Knochen mit einer Rose verziert.)

Bruudschläier m. Brautschleier

Bruudschmuck m. Schmuck der Braut

Bruudschoh f. Brautschuh

Bruudschwaoger m. Schwager der Braut

Bruudsdanz, -daa(n)s m. Eröffungstanz am Abend der Hochzeit (Ehrentanz der Brautleute)

Bruudsdiss, -disk m. Brauttisch

Bruudsgeschenk n. Brautgeschenk

Bruudskäärß(t)e f. Brautkerze. Den Jüngsten moch de Bruudskäärße dräägen.

Bruudskiste f. Brauttruhe (gefüllt mit Leinen u. Kleidungsstücken; wertvolles Stück der Aussteuer). → Schraapkiste

Bruudskleed n. Brautkleid

Bruudsklumpe (Pl.) geschnitzte Brautholzschuhe

Bruudsknech(t); Brüüdsknecht (Rh) m. Trauzeuge der Braut

Bruudskoh f. Kuh als Mitgift der Braut (wurde bekränzt u. feierlich abgeholt)

Bruudskooke(n), -kook m. Hochzeitstorte

Bruudskranz, -kraa(n)s m. 1. Kranz vor der Tür des Hochzeitshauses.
2. Kranz auf dem Kopf der Braut

Bruudskuss m. Brautkuß

Bruudslöö (Pl.) Brautleute

Bruudsmaagd f. Brautjungfer, Trauzeugin der Braut (immer zu zweit)

Bruudsmaid f. Brautjungfer. → Bruudsmaagd

Bruudsmisse f. Brautmesse

Bruudsmoo(de)r f. Brautmutter

Bruudspaar n. Brautpaar

Bruudspiepe f. Tonpfeife (meist mit Blumendekor). → Brüümspiepe

Bruuds-schapp m. gefüllter Wäscheschrank als Mitgift für die Braut

Bruudstruuk m. Blumenstrauß der Braut

Bruudstück n. 1. Brautgabe, Geschenke der Braut an die Trauzeugen (oft Kleidungsstücke).
2. Aussteuerteil, z.B. Schrank

Bruudstück-brengen, -breggen (Vr, St, Sü, Ge, Hei) Hochzeitsbrauch: Die Geschenke werden zum Hof der Brautleute gebracht. → Kistenwaagen-föhrn

Bruudstaofel f. Brauttisch

Bruudsvaa(de)r m. Brautvater

Bruudswaage(n) m. 1. Brautwagen (mit grünen Birken- od. Wacholderzweigen u. einer Fahne geschmückter Leiterwagen). → Kistenwagen.
2. Wagen der → Pingsterbruud

Bruud-uut-trecken verschiedene Hochzeitsbräuche (z.B. wurde das Brautkleid gegen ein schlichteres gewechselt; danach wurde der Bräutigam gefragt, ob ihm die Braut noch gefalle, wenn er sie z.B. durch einen Schleier od. einen Durchschlag betrachtete). → Bruudnao-Bedde-brengen

Bruue, Bruune, Broue f. (Bruu(n)en) Augenbraue. He häff sik de Bruuen verbrannt.
Zs.: Oogen-

Bruuk m. (Brüüke) Brauch, Sitte. nao ollen Bruuk un Sitten. Bruuk un Maneern.
Zs.: Faschlaowends-, Ge-, Miss-, Ver-

bruukbaor brauchbar.
Zs.: un-

bruuken 1. brauchen. Dat bruukt nich te wenn. (Das muß nicht sein).
2. gebrauchen. De Kaore wödd bruukt föör Erpel, Runkel un Rööwen. Dat konn he nich bruuken (Das ärgerte ihn). In dat Stück van Saake bin ik nich te bruuken (In der Angelegenheit bin ich nicht zu gebrauchen).
3. sik bruuken (sich anstrengen). → dran, Dröppelfall, liggen, maaken, plaogen

Brüüm. Brüddigam (Ge) (Brüüms) Bräutigam. Bruud un Brüüm.
Zs.: Pingster-

Brüümsbux(e) f. Hose des Bräutigams (festliche Kleidung)

Brüümshuus n. Haus des Bräutigams

Brüümsknech(t) m. Trauzeuge des Bräutigams. → Teggengänger, Troutüüge

Brüümsmaagd f. Trauzeugin des Bräutigams

Brüümspiepe f. Tonpfeife (meist mit Blumendekor). → Bruudspiepe

bruun braun. Met de Tied wödd dat Holt bruun (vergilbt). bruun as ne Pedde (as ne Nötte). lück bruun Waater (dünner Kaffee). ne Bruunen (Pferderasse, → licht).
Zs.: fahl-, gääl-, hell-, kack-, kastanjen-, rood-, schwatt-, witt-

bruune Bohne braune Bohne, im Ggs. zu → witte Bohne

bruune Seepe f. Schmierseife. → grööne Seepe

bruunen Torf m. dunkler Torf (best. Torfsorte). → schwatten, witten Torf

bruun-achtig (Wes, Vr, Ge, Rae) bräunlich

BruuneBruue

Brüüne f. Bräune, braune Farbe. Späöne to't Röökern van Schinken, dat gaff ne schööne Brüüne.
Zs.: Hals-

Brüünekooke(n), -kook (Ge, Ra); Bruunekooken (Ra, Hei) m. Mehlwurst aus Blut u. Roggenschrot. → Bloodbrood

Bruunen m. Brauner, Pferd mit rotbraunem Fell. lechte un düüstere Bruunen met schwatte Mahnen un'n schwatten Statt

BrüünenBrünen

brüünen 1. räuchern. → röökern.
2. bräunen. He brüünt sik in de Sünne. → Määrtensünne, sünnen

Bruunkappe f. Maronenröhrling (kleiner brauner Pilz, wächst unter Tannen). → Häär-öhme

brüünlik bräunlich

BrüünskBrünen

BrüürBrooder

Bruus m. 1. Schaum. den Bruus met 'n Schüümer dr' afscheppen. Dat Peerd häff 'n Bruus vöör'n Beck staon.Schuum.
2. in der Wendg. in Bruus un Brand ("in Saus u" Braus.). → Suus

Bruusekatte f. (Rh) von Kindern gebasteltes Spielzeug aus Knopf od. Knochen u. Schnur. → Schnurrebutt

Bruusekopp m. Hitzkopf. → Föörkopp

bruusen 1 1. brausen; schäumen, z.B. von herabfallendem Wasser. bruusend kocken (mit Blasen u. Dampf).
2. stark wehen. De Wind was an't Bruusen.suusen
Zs.: loss-

bruusen 2 1. üppig wachsen (z.B. Gras, Getreide, Feldfrüchte). bruusend wassen. De Rogge bruust (brüllt) up't Land (Der Roggen steht üppig, wird reif, überreif). → bruusket.
2. sich erwärmen, Hitze bilden. Dat Höi bruust (von sehr trockenem, sprödem Heu).
Zs.: warm-

Bruuskeplacken m. (Ge) Bluterguß, Druckstelle

bruusket weich, matschig, eingedrückt (von überreifem Obst u. Fallobst). den Appel is bruusket (hat Druckstellen). → anfuulen, quetsken

bubo

bubbeln (Wes, St, We, Rh, Bo) Blasen werfen

Bubikopp m. 1. Kurzhaarfrisur (bei Frauen).
2. grüne Topfpflanze ("Bubikopf", z.B. Petersilie in einem Tontopf)

buchstabeern, bustabeern buchstabieren. → du

Bucht 1 f. (Buchten) Biegung, Kurve, Krümmung. ne Bucht in'n Wegg. ne Bucht in de Müüre

Bucht 2 f. (Buchten) Schaf-, Schweinehürde. Buchten in de Wäide

Bucht 3, Buch f. (Vr, Ge, Ra) Unkraut; Abfall, schlechtes Zeug, z.B. Spreu. Bucht is, wat uut de Wanne flügg (aus der Kornfege). → Ruut, Untüüg.
Zs.: Erpel-, Un-

Buck m. (Bücke; Bücksken) 1. Bock (Schafs-, Ziegenbock); männl. Kaninchen. bi'n Buck doon (1. decken lassen, z.B. Kaninchen. 2. betrügen; zum Narren halten). De häbb'ke fien (mooi) bi'n Buck daon (laoten) (Den habe ich gehörig "angeschmiert", zumeist beim Handel). Häbb se di weer bi'n Buck hat? (übers Ohr gehauen). • Je öller den Buck, desto stiewer dat Haorn.Olde Bücke häbbt de stiewsten Häörne.Ne ollen Buck leckt ook noch gäärne (an) en gröön Bladd. Den lesten mott 'n Buck lappen ("Den Letzten beißen die Hunde"). Se mochen den Buck (Sack) lappen (Sie mußten es ausbaden, → Bucklappen). → Buff, güst, rieden, Ssegge, stiew, Stolt, stump, Ülk, verdräit.
2. altes, störrisches, eigensinniges, stures Wesen (Tier od. Mensch). ne ollen Buck (z.B. ältere Kuh als Schlachttier, hat zähes Fleisch). ne Buck van'n Peerd (bockiges Pferd). Daor bün ik ne Buck in (darin bin ich stur). Ne Buur is ne Buck, wenn ne ümdräis (up'n Koop stells), is't ne Saagebuck (Wortspiel mit Bedeutung 2. u. 3, → Buur).
3. bockförmiger Gegenstand, Gestell (z.B. Sägebock, Gestell zum Binden von Reisigbündeln, Arbeitsgestell des Gerbers, Kutschbock, Gestell, in dem der Dachdecker beim Schieferdecken sitzt, Quergebinde beim Fachwerkhaus, aus einem Balken, zwei Pfosten, zwei Kopfstreben, → Gebundpost, Stääkband). de Bücke upsetten (Gerüst).
Zs.: Beschlagg-, Bäär-, Brand-, Breed-, Büüke-, Buusken-, Dräi-, Draod-, Dree-, Fiel-, Flees-, Föör-, Hääkel-, Haasen-, Hass(e)-, Hätt-, Hippen-, Höi-, Holt-, Hou-, Jung-, Kanienen-, Klaower-, Klump-, Kräis-saagen-, Kutsk-, Küümen-, Melk-, Miege-, Ploog-, Prell-, Probeer-, Ramm-, Reh-, Rudd-, Rüüm-, Saage-, Schaa(n)ßen-, Schaops-, Schnie-, Spool-, Sseggen-, Stäiger-, Stroh-, Sünden-, Treck(e)-, Üüter-, Vääne-, Waske-

buckbeenig bockbeinig, störrisch, querköpfig

buck-buck-buck beim Pfänderspiel: buck-buck-buck, wat sall den doon? (Dabei wird auf den Rücken geklopft.)

Buckdiss, -disk m. (Wes, Ot, Vr, St, Ge, Rae) dreibeiniger Tisch mit Klapptafel; Küchentisch

BuckelPuckel

bucken; bücken (Bor) bücken, beugen. Nao Geld, daor buckt sik jeeder-eene nao. Mäien is män bucken (vom Mähen in gebückter Haltung; vor dem Ertrag, Erfolg steht die Mühe). Mäien is mon bucken, maor harken, dat is warken (iron.). → weggschmieten

bücken brünstig sein (bes. von Ziegen, Schafen, Kaninchen). De Kaniene bückt. de Ssegge an't Bücken maaken (zum Bock bringen, St). Ssünte Katriene, dann bückt alle Sseggen un Schnieders. • Well weet van Bücken (Bullen), de mott ook wetten van Staon (Bidoon) (Beides gehört zusammen; "wer A sagt, muß auch B sagen"; Wortspiel mit bucken u. bücken, → A).

Bücketied f. Brunstzeit der Ziegen u. Schafe

buckig störrisch, bockig

Bücking, Bückling m. (Bück(l)inge) 1. Bückling, geräucherter Hering.
2. Verbeugung

Buckjagg(d) f. Bockjagd, Rehjagd (ab 15. Mai)

Buck-kaore f. (Pferde-)Karren mit vier Rädern, Kippkarre mit hohem Kutschbock (vorne zwei kleine, hinten zwei große Räder, der Lenker befindet sich zumeist auf dem Vorderwagen)

Bucklamm n. junges männl. Schaf. → Garw-, Schaopslamm

Bucklappen m. festes Tuch, das dem Schafsbock umgebunden wird, wenn er nicht (mehr) decken soll

Buckmölle f. Bockmühle (Ständermühle, kastenförmige Windmühle)

Buckploog m. (Wes, Ot, Vr, St, Ge) hölzerner Beetpflug (vom Pferd gezogen; damit wurde rund gepflügt). .n Ploogstock to't Verstöcken van'n Buckploog. → Bouploog, Ploogstell, Rundlööper, Stattploog

bücks 1. brünstig (Schaf, Ziege, Kaninchen).
2. mürrisch, unfreundlich, trotzig, störrisch. → stääsk

bucksballerig (Wes, St, Ge) wild, stürmisch, unbeherrscht

Buckschaop n. (Rh) Schafsbock. → Schaopsbuck

Buckschoppe f. große Kornscheune (mod.). → Fatteschoppe

Bucksellen, -söllen m. (Wes, Ge, Vr, Rae) Brustblattgeschirr. → Bladdsellen

Buck-springen Bockspringen (Kinderspiel)

Buck-staon, Buuk-staon sich als Leiter benutzen lassen ("Räuberleiter" z.B. beim Besteigen eines Baumes, beim Fastnachtsbrauch, um im Rauchfang nach Würsten zu sehen). → Puckel-staon

Buckwäite, Buckwäiten-Bookwäite, Bookwäiten-

Buck-weggbrengen, -breggen (Wes, St, Ge, Ra, Bor, Rae) Brauch zum Abschluß der Hochzeitsfeier: Ein bockartiges Gestell (einem Ziegenbock ähnlich) wird zum Hause jenes Nachbarn gebracht, in dem die voraussichtlich nächste Hochzeit stattfindet.

Budd(e)käärl, -kerl m. (Wes, St) "Buhmann", Teufel, Gespenst, Knochenmann. Daor is de Buddkäärl in! (abschreckend zu Kindern, z.B. nicht zu nahe ans Wasser, an den Ofen zu gehen). → Bäömann, Buulekäärl

buddeln wühlen, leicht graben. → bossen

Buddelworm m. (St, Ge, Rae) Ungeziefer

BuddkäärlBuddekäärl

Buff m. in der Wendg. up'n wilden Buff (Buck) lossjaagen (kommen) (ohne Überlegung u. Ziel wegrennen, ohne Anmeldung kommen)

Büffee n. Büffet, Anrichte. → Wertiko

Büffel m. (Büffels; Büffelken) 1. Büffel.
2. ungefälliger, unhöflicher Mann. ne Büffel van ne Käärl

büffelig stur, unfreundlich, grob; sich dumm anstellend

buffken schlagen, klopfen. Mien Hatte dat buffket so (lauter Herzschlag). → blubbern

Buffkert m. Stoß

Bühr m. Teil des Mahlganges, Verkleidung der Steine

Bulder-Buller-

bulldiesig (Vr, St); bulliesig (Ot). bolldiesig (St) großartig, gewaltig, üppig; komfortabel (z.B. von Wohnungen, Gebäuden). → balldiesig

Bulldogg(e) m'f. 1. Bulldogge (Hunderasse).
2. Traktor (Vorkriegsmodell Lanz-Bulldog)

BulleBullen

Bullemann m. Gespenst, "Buhmann". → Buddekäärl, Kullemann

Bullen, Bulle m. (Bullens; Bülleken) Bulle, Stier. He geht demet nao'n Bullen. He häff ne Kopp as ne Bullen (dickköpfig, stur). → räppeln.
Zs.: Deck-, Heggen-, Koh-, Motoor-, Rucksack-, Schlacht-, Wäide-

bullen brünstig, geschlechtsreif sein (von Kühen). De Koh bullt. → bücken, Määrt

Bullenbieter m. (Wes, St, Ge, Rae) bissiger Hund

Bullenbrill(e) f. (St, Ge, Bor, Rae) brillenähnliche Scheuklappen aus Leder für schwere od. gefährliche Bullen

Bullengeld n. Erlös aus dem Verkauf von Bullen. Dat Äiergeld is föör der Frou un dat Bullengeld is föör´n Mann (ironisch). → Äiergeld

Bullenhaorn, -hurn n. Bullenhorn

Bullenhette f. "Bullenhitze"

Bull(en)käärl, -kerl m. "Buhmann", Teufel, Gespenst. → Buddekäärl

BullenkalwBullkalw

Bullenkopp m. Bullenkopf (Krugform, Steinkrug für 6 l)

Bull(en)kruud n. (Wes, Vr, St, Ge, Bor, Rae, Rh) Schöllkraut (Die gelbe austretende Milch wurde gegen Warzen, das Kraut als Heilmittel für Kühe verwandt). Bullenkruud föör de Kohne, wenn se nich bullen willt (Worterklärung). Bullenkruud is gudd teggen Weerten.Frattenkruud, Weertenkruud

Bullenpääserik, -pesserik m. Bullenziemer

Bullenpiss m. Bullenziemer (grob)

Bullenstall m. Bullenstall

Bullenstatt m. Bullenschwanz

Bullenstroh n. "Bullenstroh", in der Wendg. dumm as Bullenstroh (stockdumm). → Bohnenstroh

Bullentüüg n. Bullen (alle zusammen, abw.)

Bullenwäide f. Weide für Bullen; Jungviehweide

Buller- auch: Bulder-

Bullerbaas m. Person, die im Zorn schimpft

Bullerback m. (Vr, St, Ge) "Buhmann" für Kinder. → Buddekäärl

bullerballen (Wes, St, Ge) im Zorn schimpfen, poltern*

Bullerbasse, -bast f. grobe, ungehobelte Person, die unüberlegt od. wild arbeitet, handelt, schimpft. ne Bullerbasse van ne Käärl.Kalbaanis*

bullerbasten, -bassen im Zorn schimpfen

Bullerböis, Bollerböis n. (Wes, Ot, Vr, St, Sü, Ge, Rae) grober Kerl, der im Zorn schimpft; unüberlegte, hastige Person (bei der Arbeit u. im Wesen). → Ballerböis

Bullerbraaken m. Baldrian. → Braaken-, Kattenwottel

Bullerbüsse f. (Wes, Vr, St, Ge, Bor, Rae) Person, die im Zorn schimpft; grobe, ungestüme Person. → Ballerbüsse

Bullerbüül m. (Wes, Ot, Vr, St, Ge, Bor, Rae) grober Kerl, der im Zorn schimpft; Angeber, Aufschneider

Bullerbuxe, Bollerbux(e) f. Person, die eifrig od. beschäftigt tut; grobe, ungestüme Person. → Ballerbuxe

Buller-ies n. in der Wendg. up't Buller-ies terechtekommen (auf die schiefe Bahn geraten)

bullerig, bollerig 1. polternd, ungestüm, grob; unruhig, wild. 'n bullerig Wäär. 'n bullerigen Jungen. → böisterig.
2. uneben, holperig. ne bullerige Straote (z.B. voller Schlaglöcher).
3. unordentlich, unsauber. 'n bullerig Gesicht (z.B. voller Pickel). → bülterig, häöbelig

Bullerij f. (Wes, Vr, St, Ge, Rae) Lärm, Gepolter; wüstes Tun. → Ballerij

Bullerjan, Bollerjan m. ungestüme, polternde Person, "Polterhans". → Ballerjan

Bullerjaore (Pl.) Flegeljahre. → Baller-, Raosejaore

Bullerkopp m. wilde, ungestüme Person. → Ballerkopp

Bullern m. (Wes, Vr, St, Ge, Rae) ungeschickte Person

bullern, bollern 1. poltern, rumpeln (z.B. Wagen auf unebener Straße); purzeln, hinfallen. He bullert in't Lock. Wat bullert mi't doch in'n Buuk.ballern, rappeln.
2. Blasen werfen beim Kochen (von sprudelndem Wasser). → bruddeln, gluckersken.
3. laut schimpfen, wild, von Sinnen sein.
Zs.: loss-

Bullerschuur n. Gewitter mit Regenschauer

Bullertaorn, -turn m. Gewitterwolke. → Dundertaorn

bulliesigbulldiesig

BullhuusBollhuus

bullig 1 brünstig (von Kühen). → bullsk

bullig 2 (Wes, Ot, Ve, St, Ge) hart, unbiegsam, stur (von Personen)

Bulljonn f. Bouillon, Suppe

Bulljonnsuppe f. Bouillon, Suppe

BullkäärlBullenkäärl

Bullkalw, Bullenkalw n. männliches Kalb. Treck Buur, et giff en Bullenkalw! (schwerer als ein weibl. Kalb; streng dich an). → Starkenkalw

BullkruudBullenkruud

Bull-osse(n) m. (Wes, St, Ge, Rae) halbkastrierter Bulle (bösartig; Ggs. → fromm). → halwverschnedden

bulls(k) brünstig (von Kühen)

bullwarkenbollwarken

Bulster m. (Bulstern) (Wes, Ot, Vr, St) Spelzen, Spreu (Abfall bes. vom Hafer od. Buchweizen). De Bulstern van de Bookwäite bruuken se in de Pissküssens (wurde für die Wiege, Kindermatratze, gebraucht). → Kaff.
Zs.: Bookwäiten-, Haawer-

bulsterig voll von Schalresten, Spelzen. → pelzerig

Bulstermölle f. (Wes, Ot, Vr, St) "Beutelkasten" in der Mühle zum Sortieren von Kleie u. Mehl. → Büülmölle

bulstern Spreu vom Korn trennen

Bulstersack m. (Wes, Ot, Vr, St) mit Spreu gefüllter Sack als Matratze. → Bedde-, Haawersack, Kaffküssen

bült-af bergab

Bülte f. (Bültens, Bültken) (Bor, Rae, Rh, Bo) altes Haus. → Braake 2, Kafeete

Bülten, Bülte m. (Bültens, Bültken) 1. flache Erhebung im Gelände, Anhöhe, kleiner Hügel; Beule. Praot mi kinnen Bülten an'n Kopp!Duust, Rubbel, uplieken.
2. Haufen, Menge, viel. Daor kümp ne Bülten bineen.Barg.
Zs.: Kanienen-, Mäi-, Möllen-, Sand-, Stuuwe-, Torf-

bülten Torf aufhäufeln, ringförmig zum Trocknen aufstellen. → ringen, tunnen

bülterig uneben. bülterigen Grund. bülterige Huud (unreine, picklige Haut). → bullerig, polterig

Bültsand m. (Wes, Vr, St, Ge, Rae, Bo) Feldsand

bült-up bergauf

Bummbamm m'n. (Wes, Vr, St, Ge, Rae) 1. baumelndes Ding, Anhängsel. → Bimmbamm, Bummel 1.
2. Strick über dem Bett zum Aufrichten. → Maaksachte

Bummel 1, Bümmel m. (Bummels, Bümmels; Bümmelken) 1. Schaukel (alt). → Büngel 1, Röidel.
2. baumelndes Anhängsel, Troddel. 'n Bümmelken an de Müske. → Bommel

Bummel 2 m. Spaziergang. ne Bummel maaken. → flaneern

Bummel-äärs m. langsame Person

Bummel-arm m. gelähmter, herunterhängender Arm

Bummelant m. arbeitsscheue od. nicht regelmäßig arbeitende, langsame Person; Landstreicher. → Bummelotten

bummelig 1. baumelnd, schwankend, wackelig.
2. schlaff, ohne Haltung, krumm. → schlackerig

bummeln, bümmeln 1. schaukeln; baumeln, wackeln; taumeln. De Taofel bummelt (wackelt). He bummelt in'n Graaben. He bummelt up de Beene (taumelt). → böideln, büngeln 1, schoukeln.
2. langsam, unregelmäßig u. unzuverlässig arbeiten

Bummelotten m. (Bummelöttken) (St, Ge, Bo) 1. "baumelndes Lot", Faden mit Bleimarke daran, mit der gewebte Leinenstücke nach der Kontrolle markiert wurden.
2. Bummelant, langsame Person, → Bocholt

Bummeltriene f. langsames Mädchen. → Drömmeltriene

Bummelzugg m. (Rh) 1. Umzug der Kinder nach dem Kinderschützenfest.
2. Personenzug

Bummert, Bungert m. nasse Weide; Weide mit Obstbäumen.
Zs.: Appel-

Bums m. Geräusch beim Aufschlagen, Fallen. Et gaff ne Bums.

bumsen geräuschvoll aufschlagen, klopfen. an de Dööre bumsen

Bumskopp m. dicker Kopf

Bunaschnaps m. künstlich hergestellter, 98%iger Methylalkohol. → Balkenbrand

Bund m. 1 (Bo) Genossenschaft. → Schoppen

Bund m. 2 (Bünde; Bünd(e)ken) verengter Bund unten am Hemdärmel u. an der Hose, Bündchen. Den Bund, de knipp so (sitzt zu stramm). → Baord 2.
Zs.: Hossen-, Röhr-

Bund n. (Bünde; Bünd(e)ken) Bündel (z.B. Stroh, Möhren). De Krüüpersbohnen wodden an Bündekes upebunden un weggehongen to't Dröögen.
Zs.: Schlöttel-, Stroh-

bündig, bünnig bündig; passend, schließend. bündig maaken (winkelig). kott un bündig. → messkantig

Bunge f. (Bungen) 1. Fischreuse, -netz (meist zum Aalefangen), Doppeltrichter als Reuse. → Fiskekorw.
2. fliegendichter Schrank im Keller. 3. Viehwagen, tiefliegender Viehtransporter (mit gebogener Achse bei Holzrädern).
Zs.: Aol-, Draod-, Farken-, Fiske-, Puggen-, Schwiene-, Veh-, Wedden-

Büngel 1 (Vr, St, Sü). Püngel (Bo) m. (Büngels; Büngelken) Kinderschaukel (z.B. dickes Seil mit beiden Enden an einem Baumast befestigt). → Bummel 1, Röidel

Büngel 2 m. (Büngels) Knüppel, Klotz aus Holz, Gewicht an der Kette am Hals von Hunden, Rindern od. Pferden (soll Tiere am Ausbrechen hindern). He häff ne Büngel an't Been (Er ist unfrei, kann nicht tun u. lassen, was er möchte). Daor häbb se sik 'n Büngel met an't Been daon (z.B. junges Paar mit unehelichem Kind; Einheirat auf einem Hof, auf dem noch viele Geschwister sind, → Kloss). Buur gao nao Huus, du häs kinne Büngel an! (wenn jd. nicht nach Hause will). → Bengel, Prengel, Püngel, Schüngel-de-Büngel.
Zs.: Hunde-

büngeln 1 (Vr, St, Sü) schaukeln, baumeln. met de Beene büngeln. → bummeln, röideln

büngeln 2 mit einem Halsklotz versehen. He häff den Hund nich büngelt (Es war Vorschrift, wurde mit einer Geldstrafe geahndet.)

BungertBummert

Bunke f. (Bunkens) 1. großes Stück, Brocken, Klumpen. ne Bunke Flees.
2. grobe Person. ne Bunke van ne Käärl (z.B. schlechter, durchtriebener Mensch)

Bunk-eerde f. obere Erdschicht über dem Weißtorf, als sog. Schadden gestochen und nach dem Trocknen als Brennmatereial verwendet

Bunken, Bunke m. (Bunkens) Klumpen, Scholle. ne Bunken Eerde (Erdklumpen, typisch für schwere Böden). Daor kümp 'n grooten Bunken an (eine dicke Wolke). → Flaatsen, Humpen, Kluuten, Tossen

Bunker m. Bunker; Raum, Haus (abw.).
Zs.: Ies-

Bunker-ommen, -owwen(t) m. kleiner Blechofen zum Heizen von Bunkern, Kellern, Werkstätten (Kriegsware 1943-45). Wi häbb dat Waater met'n Bunker-öwweken dou hollen.

bunkig klumpig. → kluuterig

Bunkler n. Kronrad; kleines Zahnrad, das die Kraft von der Hauptachse der Mühle (→ Könning) abnimmt

bunnebonne

bünnigbündig

bunt bunt. In de Dööre nao de beste Kaamer was bunt Glass in. 'n bunten Hand-dook (blaues Handtuch, Buntwäsche). so bunt as 'n Ääkster (as ne Kräie) (z.B. von bunter, geschmackloser Kleidung od. von Hautpickeln, Windpocken). ne bunte Koh (→ roodbunt, roodwitt, schwattbunt). Et giff mehr bunte Hunde (nicht voreilig bezichtigen). Maakt 't nich te bunt (treibt es nicht zu toll). → bekannt, maolen, Placken, Strunt.
Zs.: ääkster-, gääl-, kaater-, kräien-, kunter-, rood-, schwatt-

Bünte f. (Bünten; Bünteken) 1. Kuh, Rind (schwarz- od. rotbunte Kuh; bes. Name der Leitkuh, der ersten Kuh im Stall). Humme di, Bünte (sagt man beim Melken). → Blänke, Blässe, Lünten, schwattbunt.
2. bunt angezogene, "aufgetakelte" Frau.
Zs.: Spörrie-

Buntspecht m. Buntspecht. ne grooten un ne kläinen Buntspecht (zwei Arten). → Gröön-, Schwattspecht

Buord(e), Burd(e)Baord, Baorde

büörnböörn

Burga PN Walburga. → Walburga

Burlo. Buurlo ON Burlo, Ortsteil von Borken. Buurlo hoppla, hopp (Ortsneckerei)

Bürokraat m. Bürokrat, Büroangestellter. De Bürokraaten, de häbbt dat Schwill tüsken de Finger (Schwielen zwischen den Fingern).

Büroo n. (Büroos) Büro; Amt. → Amt.
Zs.: Forst-

Buss. Busk (Wes, Ge, Bor, Rae). Busch (Vr, Hei) m. (Büske; Büsken) kleiner Wald. dat Veh in de Büske driewen (Waldweide). • In ussen Busk bünt se ook all an't Houen, owwer daor bliewt noch etlike Bööme staon (In unserer Altersgruppe sterben schon manche). dat Gatt vöör'n Busk (teggen'n Buss an) schmieten (aufgeben, resignieren, "das Handtuch werfen"). → Braask, Gefaor, Hegge, midden.
Zs.: Aolbääsen-, Arften-, Bääsen-, Bickbääsen-, Bisse-, Bloomen-, Bääken-, Braom-, Dännen-, Döörnen-, Draguun-, Eeken-, Elsen-, Erpel-, Esken-, Feern-, Fiezebohnen-, Fleer-, Fürsten-, Gemeens-, Haor-, Hinnebääsen-, Hüls(krabben)-, Jansbääsen-, Karken-, Kruud-, Luuse-, Maggi-, Mählbääsen-, Mispel-, Nötten-, Palm-, Possen-, Prowinz-, Roosen-, Sälwen-, Schlehn-, Schneeballen-, Spooken-, Steckbääsen-, Stadts-, Sticken-, Sünte- Jansbääsen-, Telgen-, Tuffel-, Waakel-, Wattholt-, Wedden-

Buss- auch: Busk-, Busch-

Bussard m. (Bussarde) Mäusebussard.
Zs.: Muuse-

Bussbohne f. Buschbohne, niedrig wachsende Bohnensorte → Krüüpersbohne

Bussdüüwel, -bel m. 1. Winde, Drehbock zum Roden von Baumstümpfen (wurde mit Drahtseil u. Rolle von einem Pferd gezogen). → Holtdüüwel.
2. ungehobelte, grobe Person

Büsse 1 f. (Büssen; Büssken) 1. Büchse, Kanne (z.B. Milchkanne). De Jungs häbbt den Hund ne Büsse an'n Statt bunnen.
2. (dickliche) Frau. Dat is doch so ne Büsse. Wat büs? Ne Büsse, dat büs (Juxvers). → Düppe.
Zs.: Baller-, Blick-, Buller-, Drinkens-, Fabrieks-, Fett-, Kääkel-, Karbied-, Kläister-, Knabbel-, Koffie(bohnen)-, Melk-, Pääper-, Pläite-, Plapper-, Sammel-, Schlicker-, Schnääter-, Splenter-, Spöit-, Spoor-, Steenollies-, Täödel-, Tienkanns-, Tienlitters-, Trampel-, Waater-, Waske-

Büsse 2 f. (Büssen; Büssken) Jagdflinte; Kinderschießgewehr, Bolzenschußapparat. → Pluffe.
Zs.: Knall-, Knapp-, Pluff-, Proff(e)-

Buss-eeke f. Waldeiche, bes. groß u. gerade gewachsene Eiche im Wald (als Möbelholz, im Ggs. zur Eiche in einer Wallhecke, → Walleeke)

busseln, bussen (sth.s) vor sich hin arbeiten, schuften; tüfteln (erfolglos). → bossen, musseln 1

BusseluunBusseruun

Büssenholt n. Holunder (Holz für den Bolzenschußapparat). → Pluffholt

Büssenreck(e) n. 1. Gestell an der Hauswand zum Trocknen gewaschener Milchkannen (in der Nähe der → Waskekaamer).
2. Wagenrad im Boden, auf der Achse drehbar, zum Trocknen der Milchkannen (am Brunnen)

Busseruun, Busseluun m.; Baselüünken (Bo) Arbeitsjacke, Männerkittel od. Oberhemd (meist blau). He leep in't bloode Busseluun nao buuten. → Kiel 1.
Zs.: Arbäids-, Jan-

Bussgröss, -gräss n. Waldgras

Busshengs(t) m. ungekörter Hengst

Busskaasie f. Unterholz, dichtes, verwildertes Gestrüpp, ungepflegter Wald, Wildnis. Den Gaorn was de räinste Busskaasie!

Busskant(e) f. Waldrand

Bussmieg-ampe f. Waldameise

Bussrump m. (blauer) Männerkittel. → Busseruun

Bussrüüter m. wilde, ungestüme Person, bes. Junge. → Rüüter

Buss-uule f. Waldeule

Busswindröösken Anemone, Buschwindröschen

bustabeernbuchstabeern

Butt m'n. (Bütte; Büttken) Knochen. Van sebben Jaor an wodden de Peerde eers faste in de Bütte (kräftig genug zum Ziehen schwerer Frachten). He häff de Büttkes noch nich schlotten (zu jung für schwere Arbeit). • Waor Büttkes bünt, de dögget, bünt ook Hunde, de se mögget.Wao Bütte bünd, dao bünt ook Hunde (von schönen Mädchen, St). Ik schlao di de Bütte kott. Piene in de Bütte. Ik häbb't vandaage weer in de Bütte (Rheuma, Muskelkater). De stönnt met gesunde Bütte. Nich klaagen met gesunde Bütte! Dat breck em kinn Bütte (Das schadet ihm nicht, z.B. finanziell). Denne häff de Bütte de nich nao staon (nicht geeignet, ungeschickt). Vandaage hä' ik de Bütte (keine Lust). He konn de Bütte de nich vöör kriegen (konnte den Anfang nicht finden, → Huud). Se häff't em richtig an de Bütte säggt (deutlich die Meinung gesagt). so hatt as ne Butt (knochenhart). ne Butt van ne Käärl (kräftiger, hartherziger, grober Kerl). He föllt öwwer siene eegenen Bütte (Beene) (ungeschickt). schlee as 'n Butt (sehr stumpf). Ik waog miene Bütte daor nich an. De häff de besten Bütte to't Arbäiden in de Muule (in'n Mund) (wenn jd. gut reden kann). Kack maor kinn Büttken! (Sei nicht so zimperlich). → afsabbeln, donne, Fell, Flees, groff, Hals, Knocken, krakeelen, Lampe, loopen, losskommen, Nood, nüchtern, Rügge, trecken.
Zs.: Backen-, Elektriseer-, Els-, Ende-, Hilten-, Hunde-, Hüppen-, Juuden-, Kiewen-, Knaakse-, Knaaster-, Knabbel-, Mark-, Nössen-, Peesen-, Ribben-, Rügge-, Schinken-, Schnotter-, Schnurre-, Schulder-, Spölke-, Statt-, Suuge-, Telefoneer-

buttbutts

butt-arm (Wes, St, Sü, Hei, Rae) sehr arm. → blood-arm

Bütte, Bütt f. (Bütten) kleiner hölzener Trog zum Kneten von Weißbrotteig; rundes Holzgefäß zum Waschen. → Bödde, Flööte

BüttebrääkenBütten-brääken

büttebrääkend, -breckend knochenbrecherisch. Wat'n büttebrääkend Wark! (schwere Arbeit, iron.)

Butt(e)mähl, Büttemähl n. Knochenmehl (als Dünger)

bütten laugen, einweichen. de Wöschke bütten.büüken

Bütte(n)-brääken, -brecken, Butte-brääken Knochenbrechen, in der Wendg. He is de met (aone) Bütte-brääken van afekommen (glimpflich, "mit einem blauen Auge" davon gekommen, er ist nicht tot). → Buxen-schöörn, teschamper

Büttenbrääker, -brecker m. Heilpraktiker (iron.). → Knockenbrääker, -doktor

Büttendokter m. Heilpraktiker; grober Arzt. → Striekedokter

Butten-hollen (St, Ge) Fastnachtsbrauch: Schinken u. Würste bei den Nachbarn abholen (acht Tage vor Fastnacht). → Wost-uphaalen

Büttepiene, Butte(n)piene f. Gliederschmerzen, Gliederreißen, z.B. Rheuma. → sitten, Weddepiene

ButtersBotters

Büttesetter m. Knocheneinrenker

Büttfatt n. Waschfaß. → büüken

Buttfiller m. (Vr, St, Ge, Rae) 1. stumpfes Messer (mit dem man nur noch Knochen abschaben kann).
2. grobe Person (nicht feinfühlig, quält andere); Geizkragen

büttig; buttig (Wes, Ge) knochig.
Zs.: fien

buttkold, -koll sehr kalt

butts, butt 1. plump, grob, klobig; rauh.
2. abweisend, unliebenswürdig, gefühllos, rücksichtslos, stur. Wess doch nich so butts! Sägg dat nich so butt!
3. plötzlich. He feel butts up't Gröss.

Butzenschiewe, -be Butzenscheibe (best. Fensterglas)

Buude f. (Buuden) 1. Werkstatt; Schmiede.
2. Kirmesbude.
Zs.: Bou-, Fietsen-, Karmis-, Klumpen-, Kraom-, Lechtmissen-, Lecker-, Markt-, Moppen-, Plunder-, Rammel-, Scheet-, Schnieder-, Schuuster-

Büügelbredd n. Bügelbrett

Büügeldook n. Bügeltuch

Büügelfoot m. Untersatz für Bügeleisen

Büügel-ieser, -n n. Bügeleisen (mod.). → Striek-ieser

büügeln bügeln (mod.). → strieken

Buuk m. (Büüke; Büüksken) Bauch; Leib. Daor häbb wi us up'n Buuk in de Foore schmetten (bäuchlings in die Furche gelegt, z.B. beim Schmuggeln). Up'n Buuk schlaopen, dat schlöpp sik gäwwer. Sik up'n Buuk leggen un met't Gatt todecken (z.B. dumme Erzählung, etw. Unmögliches). Den Buuk moch wegg. Den Buuk was de lück af (vom Abmagern). Den Buuk is wall vull, abber de Oogen noch nich. •• Bääter ne dicken Buuk van't Frääten as ne krummen Puckel van't Arbäiden (wer viel vom Essen hält). Leewer 'n Buuk basten, as de Kost verdarwen laoten Bääter den Buuk as de Kost verdarwen. Schaade, dat .m nich twee Büüke häff (bei gutem Essen). De häff 'n dicken Buuk (schwanger). Buuk, wahr di, et giff 'n Stöttschuur (beim Schnapstrinken). Ik häbb't (kriegt't) in'n Buuk (Leibschmerzen). Een Hemd up'n Buuk un een up'n Struuk (als Wäscheleine; von armen Leuten, die nur zwei Hemden haben). Daor sitt nix achter (in) as 'n Buuk vull warme Woste (ohne Charakter, Faulpelz). → Arm, Ärsbasse, Been, bieten, Braobant, Gatt, Geföhl, Ingewäide, klook, Kost, Könning, krassen, Kuhle, lachen, Liew, Lock, platzen, Riege, Schlierbahne, schrao, Stuutenknappen, Titt, vööruut, vullschlaon, Waater, Waord, Wind.
Zs.: Dick-, Erpel-, Fett-, Hange-, Knubbel-, Schmeer-, Schwiene-, Speck-, Tuffel-

Buukbinde, -binne f. Leibbinde

BüükbuckBüükebuck

Büüke 1 f. (Wes, Vr, St, Ge, Rae) große Wäsche. → büüken, Wöske

Büüke 2, Büükerske, Buuke best. Lage des Knöchels beim Knöchelspiel: Er liegt mit der Wölbung nach unten. → Bickel, Gääte

Büükebödde f. (Vr, Ge, Rae) großer Waschbottich. → Büükefatt

Büük(e)buck m. dreibeiniges Gestell für den Wäschebottich. → Büükschraagen, Waskebuck

Büük(e)fatt n. Waschbottich für die große Wäsche (stand in der "großen Küche" auf einem dreibeinigen Gestell; Durchmesser ca. 1,5 m, Höhe ca. 80 cm). → Waskeküümen

Büük(e)küümen, -küüwen n. großer Waschbottich. → Büükefatt

büüken die "große Wäsche" waschen (Die Nachbarfrauen halfen sich gegenseitig bei der großen Wäsche, viermal im Jahr. Zuerst wurde Aschenlauge aus Buchenholzasche gewonnen. Am folgenden Tag wurde die Wäsche mit der wieder heiß gemachten Lauge mehrfach übergossen, durchgewalkt u. mit der Hand gewaschen). De Froulöö bünt an't Büüken. → bütten, groote Wöske, Holt-aske, suddewasken

BüükerskeBüüke

Buukfatt n. bauchiges Faß

BüükfattBüükefatt

Buukfell n. 1. Bauchfell.
2. Zwerchfell

Buukflees, -fleesk n. Bauchfleisch

Buukhaore (Pl.) Wollgras. → Wullgröss

Büük-kaamer f. Waschküche. → Waskekaamer

Büük-kuhle f. Kuhle am Herdfeuer, wo Buchenholzasche (zum Waschen) gesammelt wurde

Büük-küümenBüükeküümen

Buuklaaden m. Bauchladen (des Hausierers)

Büüklaaken n. großes, grobes Leinentuch über dem großen Waschbottich (wurde mit der im Laufe der Zeit angesammelten Holzasche gefüllt, die zum Auslaugen mit kochendem Wasser begossen wurde). → Pott-aske

Buukmelker m. um den Bauch der Kuh gespannter Behälter, in den beim Melken die Milch fließt (statt in den Eimer)

Buuknaffel, -naawel m. Bauchnabel

Buukpien(e) f. Leibschmerzen. Kopp-pien moss wegg-ääten, Buukpien moss weggschmachten (Gesundheitsregel). Wi häbbt us Buukpiene lacht. Buukpiene an'n grooten Tehn (keine ernstzunehmende Krankheit, Spott). Se möggt sik so gäärne lieden äs Buukpiene (zerstritten). → Liewpiene

Buukpott m. (St, Ge) leicht gebauchter (Stadtlohner, auch Westerwälder) Einmachtopf aus Steinzeug. → Ssilinderpott

Buukreemen m. 1. Gürtel (zumeist aus Leder, wie ihn z.B. der Hausschlachter trug, → Koppel-leer). den Buukreemen knapper schnallen ("den Gürtel enger schnallen", → Broodkorw). → Schmachtreemen.
2. Bauchriemen beim Pferdegeschirr

buukschlaagen eilig Luft holen, bauchatmen, keuchen (z.B. von Hunden, Pferden nach schnellem Laufen; starke Bewegung der Bauchmuskulatur); sich erholen, Pause machen (nach einer Anstrengung). He kamm hier buukschlaagend an van't Loopen. Ik häbb 'n Buukschlaagen (Angst, Herzklopfen).

Büükschraagen m. (Vr, Ge, Bor, Rae) dreibeiniges Gestell für das Waschfaß. → Dreebeen, Schraagen, Schredden, Waskebuck

Buukseel n. (Wes, Vr, Ge) unteres Seil der Garbe. → Koppseel

Buukspeck m. Bauchspeck (vom Schwein, kam in die Wurst). → Tittenspeck

Büükstaaken m. Stange im Waschbottich

Büükstaff m. langer Stock, der in die Ablauföffnung des Waschbottichs gesteckt wurde (Die Lauge wurde aufgefangen u. wieder verwendet). → Waskestock

buukstaonbuckstaon

Buukstück n. Magerspeck

Büül m. (Büüls; Büülken) 1. Beutel, Sack (z.B. Einkaufstasche aus Manchesterstoff mit zwei Eisenringen als Griff). Lachen un Hüülen geht in eenen Büül (in een Pöttken) (wechselnde Stimmung z.B. bei Kindern).
2. Geldbeutel; Portemonnaie. Langsam bi´n Büül un händig bi´n Hood helpt mancheen jung Blood (St, → Hood). He höllt 'n Dummen up'n Büül (geizig). met'n to-en Büül betahlen (tauschen, mit Naturalien od. Gegenleistungen bezahlen; bis heute üblich). Se häff den Büül (Sie hat in wirtschaftlichen Dingen das Sagen). Bi'n Büül schäidt sik de Fröndschup (In Geldangelegenheiten gibt es keine Freundschaft). Den eenen hoppt up den Büül, den andern up't Geld (Ge). → Bäädeler, Kattengewinn, lääwen, lehrn, Ooge, Pott, Sack.
3. Lausbub, Racker, Tölpel. ne Büül van ne Jungen.
4. beutelartiger Gegenstand, z.B. Hoden. Bi't Tuusken van Ossens kriss noch 'n Büül ümsüss debi (Wortspiel).
Zs.: Bäädel-, Baller-, Blaose-, Braasken-, Brood-, Brust-, Buller- , Driete-, Dröppen-, Dröpsen-, Ende-, Fiske-, Föhl-, Frääte-, Frij(e)-, Geld-, Häbbel-, Inkoops-, Kamillen-, Klaage-, Klabaster- , Klammer-, Klingel-, Klocken-, Knicke-, Knicker-, Knooie-, Kungel-, Leege-, Linnen-, Lögge-, Lööter-, Lou-, Mähl-, Manschester-, Mussel-, Nörgel-, Pingel-, Prääke-, Praote-, Pröttel-, Puche-, Quaater-, Raose-, Rott-, Schinken-, Schlacker-, Schmeer-, Schnotter-, Splenter-, Steen-ollies-, Stinke-, Stönne-, Tabaks-, Targe-, Trampel-, Treck(e)-, Tüntel-, Weer-, Wind-, Woste-

Büül-ääwert m. (Wes, Vr) Tölpel, Faulenzer

Buule f. (Wes, Vr) große Menge. ne heele Buule. ne heele Buule Masse. ne ganze Menge Buule (sehr viele, große Menge, Haufen). Wi mött't de Kuhle todecken, süss früss us de heele Buule kaputt (z.B. Haufen Runkeln). → Masse 2, Stange

Buulekäärl, -kerl m. Gespenst, Buhmann. In'n Suupkolk, daor sitt 'n Buulekäärl in, daor dröff ih nich bi kommen.Buddekäärl, Bullemann

büülen (Wes, Vr, St, Ra, Bo) 1. beuteln, sieben, Mehl reinigen. gebüült Mähl (Feinmehl, → Büülmähl).
2. ausbeuteln (z.B. von Stoff, Leder), aus der Form gehen, bes. in Wendungen wie Dat geht up Büülen of Basten (aufs Ganze, "auf Biegen u" Brechen.). Dat kann büülen of basten (Koste es, was es wolle).
3. sik büülen (schwellen, sich blähen)

Büülkaste(n) m. "Beutelkasten" in der Mühle zum Sieben des Mehls. → Büülmölle

Büülkesbacker, -bäcker m. Lohnbäcker (erhält die Portionen Mehl beutelweise von den Kunden u. backt davon Brot od. verarbeitet mitgebrachte Erstlingsmilch im Weißbrotteig, → Biestemelk)

Büülkesbrood n. im Beutel gekochte Wurst aus Blut mit Roggenschrot. → Büülwoste, Möppken-, Wostebrood

BüülkeswosteBüülwoste

Büülmähl n. Feinmehl, Staubmehl, sehr fein gesiebtes (gebeuteltes) Mehl (für Weißbrot; mit Alaun u. Wasser vermengt auch als Tapetenkleister verwendet). → Dampmähl

Büülmölle f. Beutelkasten in der Mühle zum Reinigen, Sieben des feinen Weizenmehls

Büülsand m. Mahlsand, feiner Sand. → Kruul-, Mahl-, Möllsand

Büülschnieder m. 1. schlecht arbeitender Schneider (der nicht viel Ahnung vom Nähen hat). → Flickschnieder.
2. ungezogener, ungeratener Junge.
3. Angeber

Büülwost(e), Büülkeswost(e) f. "Beutelwurst" (Wurst aus Roggenmehl, Blut, Lunge, in einem Beutel, wurde im Wasserkessel gekocht). In Büülwoste bünt kiene Fierdaage (Sunndage, Oogen) in (enthält kaum Speckwürfel). → Blood-, Kock-, Roodwoste, inbüülen 1, Speck, trecken.
Zs.: griese, helle, roode

Buur m. (Buurn, Büürken) Bauer, Hofbesitzer. Kispelts Buur (Bauer Kisfeld). ne grooten (dicken) Buur (reicher Bauer). ne kläinen Buur (´n Büürken) (kleiner Bauer, mit geringerem Hofbesitz). Ne dröögen Buur steht gäwwer weer up as ne versoppenen (Ein zu trockener Sommer schadet weniger als ein verregneter; auch von hohem, trockenem bzw. niedrigem, nassen Land). Se häbbt 'n jungen Buur kreggen (den ersten Sohn, → Sönn). Ne Buur is verwennder met sien Peerd as met sien Wiew (geht sorgsamer mit seinem Pferd um als mit seiner Frau). So Buur so Peerd ("Wie der Herr, so's Gescherr", → Löö). Ne Buur is ne Buur (geistig unbeweglich). Daor stehs as 'n Buur an't Kribbeken (verlegen). De dümmsten Buurn häbbt de dicksten Erpel. Wat ne Buur nich kennt, dat frett he nich. Bi'n Buur kenns di nooit uut: packs em in't Muul, dann bitt he, packs em an't Gatt, dann dritt he (Foore). Ik bün satt, ik häbb ne Buur in'n Balge (St). Ne Buur un ne Stier is een Dier. Ne Buur is ne Buck; wann'n ümdräis, dann frögg he: Wat suck? Wann ne Buur in de Stadt kümp (von jd., der kein Benehmen hat). Kinne Buur, de nich stönnt. Wenn ne Buur nich mähr stönnt, dann is he krank (vom häufigen Klagen, → Feebruaar). Och Buur, de Lucht häng noch vull Daage (Nur langsam, Zeit genug, sagt der Knecht, wenn der Bauer ihn zur Arbeit antreibt). Krüüs Buur, Schüppen Buur (Bube im Kartenspiel). → Baadebuxe, Baas, Batzdich, Begehrlikk äit, Berlien, bichten, Bischopp, bliewen, Börger, Buck, Dääle, dattehn, doodschlaon, Dröppelfall, Feebruaar, Fell, Fenster, Foore, Frou, gefräätig, Haagebööke, henkieken, holländsk, humme, Hundeschuur, Ies, Jungen, Kalw, Knecht, Knewwel, Kodde, Koh, Lechtmissen 1, Könning, küssen, latiensk, melk, Messler, Metgeföhl, nij, nöödig, Owwerstiggt, Peddestohl, prozessen, Reckel, riegen, riek, Ringelduuwe, säängen, Schelm, schmedden, Schosteen, Stewwel, stönnen, Tandepiene, unbeschufft, Unwettenhäid, up, uutfraogen, Vaader-unser, vermooden, wannen.
Zs.: Äier-, Braom-, Dissel-, Dooden-, Föhr-, Föör-, Fürsten-, Häär-, Hähnkes-, Hatten-, Heed-, Hengste-, Holt-, Ik-, Kaff-, Kläi-, Klüün-, Koh-, Kollen-, Kötter-, Krüüs-, Loh-, Lütten-, Melk-, Mest-, Mugge-, Mussel-, Naober-, Pacht-, Quecken-, Ruuten-, Sand-, Schaops-, Schmeer-, Schulten-, Schüppen-, Schwiene-, Spörrie-, Ssiepel-, Stuuten-, Tichel-, Torf-, Truuw-, Tuffel-, Waagen-, Wull-

BüürBüüre n.

buur-af, buur-of in der Wendg. buur-af maaken (enterben; entmündigen). He is buur-af maakt. Se häbbt em buur-af maakt (Er durfte das Erbe nicht antreten).

Buurbodde f. Bauernbote, best. Amt in der Gemeinde

BuurderijBuurij

BuurdorpBuurndorp

Büüre f. (Büüren) (Wes, Ge) Bauerschaft. He wonnt in de Büüre. → Buurschup, Büürte

Büüre n., Büür (Büüren) Inlett, innerer Federbettbezug.
Zs.: Bedde-

Buurij, Buurderij f. bäuerlicher Betrieb; Landwirtschaft. De Buurij, dat is wall schwaor Wark.

Buurinne f. (Rae, Rh, Bo) Bäurin

BuurloBurlo

Büürlöö (Pl.) (Vr, Bor, Rae) Nachbarn

Büürmann m. (Vr, Bor, Rae) Nachbar. → Naober

buurn Bauer sein, einen Bauernhof haben; wirtschaften. He buurt gudd. He häff gudd in siene Taske buurt (zum eigenen Vorteil). → achter-uut

Buurn-aard f. Bauernart

Buurn-amt n. Gemeindeverwaltung. Wi gaot nao't Buurn-amt (z.B. in Vr zum Amtshaus der Gemeinde Ammeloe, bis zur Gemeindereform 1969).

Buurn-amtmann m. Amtmann der Gemeindeverwaltung

Buurn-arwe n. Hof, Erbe, Hoferbschaft. Döör dat kläine Ströttken kann 'n ganz Buurn-arwe döör (durch die Kehle, vom Trinken).

Buurn-aster f. weiße Winteraster

Buurnbacker, -bäcker m. Schwarzbrotbäcker in der Bauerschaft (oft zugleich Müller), der für die Bauern backte

Buurnblaagen (Pl.) Bauernkinder. Buurn-, Buurnblaagen sitt't met't Gatt in'n Graaben, sitt't met't Gatt in'n Mostertpott, dat bünt Buurnblaagen (Spottlied in Leiermelodie gesungen). → Börgerblaagen, Börger-rabatten

Buurnbladd m. -bläddken Landwirtschaftliches Wochenblatt

Buurnbuss, -busk m. Wald im Besitze eines Bauern

Buurndeerne, -däärne f. Bauernmädchen. Nemm di ne Buurndeerne, de häff Sand in'n Äärs, dao krömmelt immer noch 'n bettken nao (Ein Bauernmädchen hat Mittel, z.B. Naturalien)

Buurndiss, -disk m. Bauerntisch, Tisch in der großen Bauernküche

Buurndorp, -darp n. Bauerndorf. so'n Buurndörpken (kleiner Ort, leicht abw.)

Buurnduuwe, -be f. Haustaube, Lachtaube (wurde im Haus u'a. als Mittel gegen Hautkrankheiten gehalten). → Feldkrässer, Lachduuwe

Buurnfrou f. Bäuerin, Bauernfrau

Buurnfroulöö (Pl.) Bauernfrauen, -mädchen, -töchter

Buurngaor(de)n, -gurden m. Bauerngarten

Buurngatt n. in der Wendg. En Wäär äs 'n Buurngatt: rüüsterig, schmeerig un natt.

Buurngemeende f. Bauerngemeinde

Buurng(e)räi n. bäuerliches Gerät

Buurngrund m. bäuerlicher Besitz. Dat was hier ährer alls Buurngrund.

Buurnhinnerk m. unverheirateter Onkel auf dem Hof. → Buurn-öhm

Buurnhochtied f. Bauernhochzeit

Buurnhoff m. Bauernhof. → Öhm, Room

Buurnhuus n. Bauernhaus

Buurnjunge m. Bauernjunge

Buurnjungs (Pl.) Getränk nach Art des aufgesetzten Likörs mit Rosinen

Buurnkiel, -kääl m. Arbeitskittel der Bauern. → blauen Kiel

Buurnknech(t) m. Knecht auf dem Bauernhof

Buurnköcke(n) f. Bauernküche. Ne runde Frou un ne dicke Katte ziert ne Buurnköcken (Ra).

Buurnkoffie m. Ersatzkaffee. → Ssuckerijs-koffie

Buurnkost f. Bauernessen, deftige Kost

Buurnkotten m. kleiner Bauernhof. → Wönnershuus

Buurnlääwen, -ben n. Bauernleben, in der Wendg. Dat Buurnlääwen is 'n Schloowenlääwen (ein Leben mit der Arbeitsschürze, reich an Arbeit, → Schloowe).

Buurn-leggen einfaches Kartenspiel (Ein Bube wird auf den Tisch gelegt; vor od. hinter dem Buben wird der Kartensatz vervollständigt. Wer keine passende Karte hat, aber einen Buben, kann damit eine neue Reihe beginnen. Gewonnen hat, wer als erster keine Karte mehr hat.)

Buurnlümmel m. frecher Bauernjunge

Buurnmaiken n. Bauernmädchen

Buurnmaneer(e) f. Bauernart; Lebensart der Bauern (einfach, schlicht, altertümlich). Se deen dat nao olle Buurnmanneer.

Buurnmeerske, -määrske f. (Wes, Ot, St, Ge, Bor) Bauersfrau

Buurnmussikant m. altmodischer Musikant (der z.B. auf Bauernhochzeiten, Schützenfesten spielt)

Buurn-nenndöör(e), -nönndöör(e) f. hofseitige Tür des Bauernhauses. en Speckhassen as ne Buurn-nenndööre groot. → Nenndööre

Buurn-öhm(e) m. unverheirateter Onkel auf dem Hof. Buurn-öhms häbbt keene Kinner un starwt nich uut. Ne Buurn-öhm un ne Wallach: aone de geht't nich up'n Buurnhoff. De Buurn-öhms, de wochten de blooß up, dat ne Hahn van't Recke feel (Sie warteten darauf, daß ein Bauer starb u. sie bei einer Witwe einheiraten konnten).

Buurnpappschleew m. grober, ungehobelter Junge. → Pappfrääter

Buurnpolßäi, -pulßäi f. Bauernpolizei (war zuständig für die Außenbezirke). → Stadtpolßäi

Buurnpost, -poss m. "Bauernpfahl", in der Wendg. Olle Buurnpöste de staot faste (Reiche Bauern sind im Handel überlegen). → Hookpost

Buurnrabarber m. Wolfsmilchgewächs

Buurnrabatte f., -rabatt n. Beet im Bauerngarten. Buurnrabatten met'n Pisspott up'n Nacken, Sääbel an de Sied, gudden Aptiet (Spottvers der Schulkinder aus der Stadt auf Bauernkinder, Vr. Antwort → Börgerblaagen)

Buurnreckel m. männlicher Hund auf dem Bauernhof, Hofhund

Buurnschlächter m. Hausschlachter, Metzger. → Döörenschlächter

Buurnschmitt m. Schmied aus dem Dorf, der für Bauern arbeitet

Buurnschnieder m. Schneider auf dem Lande

Buurnschoole f. Bauerschaftsschule, Landschule im Ggs. zu → Stadtschoole (abw., nur in der Stadt geläufig)

Buurnschoppen m. (Vr, St, Sü, Ge) Bäuerliche Bezugs-, u. Absatzgenossenschaft. → Äierschoppen

Buurnschussee f. schlechte Straße, z.B. Schotterstraße in den Bauerschaften. → Schotterschussee

Buurnsollo m. best. Spiel beim Doppelkopf (Bube ist Trumpf)

Buurnspill n. bäuerliches Gerät

Buurnsplien m. Einbildung, Dünkel (bei Bauern). Hooge in'n Kopp un leege in de Knippe, dat is ne Buurnsplien (von eingebildeten Leuten).

Buurnstallströier, -sträier m. in der Wendg. Ne Buurnstallsträier is de noch wall an (von recht dummer Person, die nur zum Stallstreuen taugt).

Buurnstand m. Bauernstand

Buurnstolt m. Bauernstolz

Buurnstraote f. Wirtschaftsweg; schlechte Straße, z.B. Schotterstraße. → Buurnschussee

Buurnstuute(n) m. großes Bauernweißbrot. → gries, witt

Buurnsünne f. Mond (scherzh.)

Buurntimmermann m. Zimmermann in der Bauerschaft (fertigte z.B. Wagenleitern, Eggen, Türen, Klappen für Gitter im Stall, bes. Fachwerkgerüste)

Buurntwist m. bäuerlicher Volkstanz (scherzh.). → Kunderdanz

Buurn-uutdruck m. Ausdruck, Redensart der Bauern

Buurnwaage(n) m. Bauernwagen, Kastenwagen

Buurnwark, -werk n Bauernarbeit (Arbeit des Bauern, wie z.B. pflügen, füttern, od. Arbeit für Bauern, z.B. bes. schwere Arbeit)

Buurnwegg m. schlechter, nicht instandgehaltener Weg. → Drietwegg

Buurnwönner m. (Wes, Ot, Vr, St, Ge) Heuerling. Ne Buurnwönner is dat Leste, wat 'n Düüwel dretten häff (Armut der Heuerlinge). → Liewtüchter

Buurnwormkruud n. (Vr, St, Ge) Rainfarnkraut (wurde gegessen gegen Würmer). → Piernkruud, Räinefarn

buur-ofbuur-af

buurs, büürs bäuerlich. Se treckt sik buurs an (unmodern). → buurswegg

Buurschup, -schop f. Bauerschaft

Buurslöö (Pl.) Bauern. → kläin

Buursmann m. Bauer

buurswegg bäuerlich, derb

Büürte f. Gegend; Bauerschaft. De Büürte döör wann. se an't Wostuphaalen (Fastnachtsbrauch: von Hof zu Hof gehen, um Würste zu sammeln). Giff't noch wat Nijs in de Büürte?Binnte, Kaspel, Ümgeegend, Währinge

buurwarken, -werken (Wes, Ot, Vr, St, Ge, Rae) Hand- u. Spanndienste leisten; gemeinschaftliche Hilfe der Anlieger z.B. beim Wegebau (Sie waren dazu verpflichtet; die Arbeit war unbeliebt, weil unbezahlt.)

Buurwarker, -werker m. (Wes, Vr, St, Ge) wer im Auftrag der Gemeinde Wegebau leistet (als faul verschrien)

Buurwark(er)sköörken (St, Ge, Bo) kleine Sturzkarre (ohne Aufsatz, damit weniger hineinpaßte beim unbeliebten Hand- u. Spanndienst für die Gemeinde)

buusen (Vr, St, Ge, Rae, Bo) stürmen, stark wehen; heulen, toben (vom Wind). Wat buust de Wind.böistern

Buusewind m. (Ot, Vr, Ge, Rae) heftiger, böiger Wind, Sturm. → Böisterwind, Jach-, Plackschnee

Buuske. Buuße (Rae, Rh, Bo) f. (Buusken) Reisigbündel als Brennholz (wurde aus den Wallhecken geschlagen u. mit Gerten aus Weide, Eiche od. Birke zusammengebunden; bes. von Töpfern u. Bäckern gekauft zum Heizen). Föör'n Vehpott bruuken wi anderthalw Buusken (zum Erwärmen des Viehfutterkessels). Daor häbbt se ne Buuske an spoort (Daor schellt noch ne Buuske an) (nicht ganz gar, ein bißchen verrückt, → halwgebacken). Denne, de mott doch ne Buuske mehr unner't Gatt häbben (in der Hölle; von schlechten Leuten, denen man wünscht, daß es ihnen später schlecht geht). Ik häbb miene Buusken bunnen (beim Kartenspiel: hab genug, hab es geschafft). Nu häff de Pastoor föör'n Jaor de Buusken weer in de Wedden (Der Pastor hat es geschafft, sagte man nach dem 40stündigen Gebet). → bineenekribben, braanen, Mäidagg, Rollööken, Schaanße, Wedde.
Zs.: Dännen-, Kribb-, Krüllen-, Schlaggholt(s)-, Schusseebuusken.

buußen (Rae, Rh, Bo) Reisigbündel fertigen (Arbeit im Winter, bei trockenem Wetter). Et is 'n Wäär vandaag! Kaas kienen Hund nao buuten jaagen; dao mött't de Knechte män hen buusken gaon (iron.). → Schaanßen, spradderig, upbuusken 1

Buusken- auch: Buußen-

Buuskenbää(n)sel m. dickerer Knüppel im Reisigbündel

Buuskenbinder, -binner m. wer Reisigbündel bindet

Buuskenbuck m. Haubock, Gestell zum Zerkleinern von Reisigholz für die Reisigbündelfertigung. → Houbuck, -paol

Buuskenforke f. Gabel mit zwei kurzen Zähnen (zum Aufladen der trockenen Reisigbündel auf den Wagen)

Buuskenhiepe f. Messer zum Anfertigen von Reisigbündeln. → Schlaggholthiepe

Buusk(en)holt n. Reisigholz. → Schlaggholt

Buuskenhoop m. großer Haufen von Reisigbündeln; Brennholzvorrat am Hof (war oben dachförmig gepackt)

Buuskenknüppel, -klüppel m. dicker Knüppel im Reisigbündel

Buuskenlängte f. Länge von Reisigbündeln. Dat Loh wodde to Buusken bunnen van normaale Buuskenlängte (Die geschälte Eichenrinde wurde nach dem Trocknen gebündelt u. so gehandelt.)

Buuskenmess, -er n. Messer zum Anfertigen von Reisigbündeln. → Hiepe

Buuskenmiete f. aufgestapelter Haufen von Reisigbündeln, Brennholzvorrat am Hof. → Buuskenhoop

Buuskenpresse f. Gerät zum Binden von Reisigbündeln

Buuskenries, -er n. Zweig, Reis für Reisigbündel

Buuskenschräiner m. Schreiner, der nur grobe Arbeiten macht, nichts kann od. ungenau arbeitet, im Ggs. zu → Bielen-, Fienschräiner

Buuskenseel n. Seil zum Einbinden der Reisigbündel

Buuskenwedde f. dünne Weiden-, Birkenrute zum Zusammenbinden der Reisigbündel. Buuskenwedde met'n Ooge (biegsame Rute mit einer Schlinge). Buuskenwedden un junge Froulöö (gudde Deerns) wodden nommen, wo se wann., un bracht, wo se schellden (dorthin, wo sie fehlten; das Schlagen von Weidenruten galt nicht als Diebstahl). → Buuske, Weddendeew

BuuskholtBuuskenholt

Buuskohl m. 1. Weißkohl (alt). → witten Kabbes. Wuss daor Buuskohl drin potten (wenn jd. zu reichlich Butter od. Aufschnitt nimmt).
2. Sauerkraut aus eingemachtem Weißkohl. → Moos, Suurmoos.
Zs.: blauen, rooden, witten

Buuskohlfatt n. (Wes, Vr, St, Rae, Bo) Sauerkrautfaß (aus Holz, geküfert; der Inhalt wurde mit großem Stein beschwert). → Folge, Steen

Buuskohlmölle f. Gerät zum Zerkleinern von Weißkohl

Buuskohlsbladd n. Kohlblatt

Buuskohlschaawe, -be f. (Wes, Vr, St, Rae, Bo) Weißkohl-, Krauthobel. → Kabbesmölle

Buuskohlsfolge f. loser Deckel auf dem Sauerkrautfaß (mit Findling beschwert)

Buuskohlskopp m. (Wes, Vr, St, Rae, Bo) Weißkohlkopf

Buuskohlsmarkt m'n. (Vr, St) "St" Judasmarkt. in St, Ende Oktober. → Juudasmarkt

Buuskohlsplante f. Weißkohlpflanze

Buuskohlspott m. Sauerkrauttopf, großer Zylindertopf

Buuskohlstämper m. Holzstampfer für Sauerkraut. Wat häff de Buuskohlstämpers! (dicke Beine).

Buuskohlstrunk m. Weißkohlstrunk

Buuskohlstunne f. (Wes, Vr, St, Rae) Sauerkrautfaß. → Buuskohlfatt

Buuße f. Buße; Bußgebet. Buuße doon (Buße tun, z.B. wenn man etw. verbrochen hat). •• Et geht bääter Buuße prääken as Buuße doon (St, Bor).

Buuße, buußen, Buußen-Buuske, buusken, Buusken-

buuten 1. außen, draußen. De hadden buuten Wark (Arbeit im Freien). nao buuten hen (nach außen, äußerlich). Blaagen nao buuten! (wenn die Erwachsenen unter sich sein wollen). Et is alls nao buuten schlaon (Krankheit erscheint als Ausschlag). dat Veh nao buuten doon (nach draußen bringen). Maak de Dööre van buuten to! (Rausschmiß).
2. außerhalb. He wonnt buuten Dorp. Se bückten buuten de Tied (waren außerhalb der normalen Zeit brünstig). buuten Ungemack (wenn inzwischen kein Unglück geschieht, → frij). → binnen, buusken, büütenste, Korw, Schoole, Tied, underdack.
Zs.: te-, ver-, vöör-

buuten-af, -of außerhalb. Se wonnden buuten-af de Stadt (am Stadtrand).

buuten-an draußen, außerhalb. He woll gäärne buuten-an wonnen (auf dem Lande).achter-af.

Buuten-anstrich m. Außenanstrich

Buutenband n. Fahrradreifen. → Fietsenband, Fietsenmantel

buutendem, -deem (Wes, Vr, Ge) außerdem, außer

Buutendöör(e) f. Außentür, äußere Tür

Buutenform f. äußere Form (z.B. des Holzschuhs)

buutengewohn (Vr, St, Sü) außergewöhnlich

Buutenholt n. äußere Holzschicht des Baumstammes. Wenn dat Buutenholt van de eekene Stubben afrott. is, bliff dat hatte Holt staon.

Buutenkant(e) f. Außenseite (z.B. des Hauses, des Holzschuhs). Kaans 't nargends häbben as an de Buutenkant van de Klump (z.B. von best. Schmerz).

buutenköpps auswendig. → uutwendig

Buutenland n. Ausland. → Uutland

Buutenländer, -länner m. Ausländer. → Uutländer

Buutenlängte f. Außenlänge (z.B. des Holzschuhs)

Buutenmaote f. Außenmaß (z.B. des Holzschuhs)

Buutenmüür(e) f. Außenmauer

Buutenpättken Weg außen herum, z.B. um das Haus herum

Buutenputz m. Kalkverputz für außen

Buutensied(e), -siete f. Außenseite

büütenste äußerste. den büütensten Stock van de Kracke (der äußerste Stock des verstellbaren Hebels). → buuten, üüterste

Buutentaske, -tasse äußere Tasche (z.B. in der Jacke)

Buutentaster m. zirkelähnliches Werkzeug (z.B. des Schuhmachers, Küfers)

Buutentuun m. Auslauf (für Schweine). → Farkenloop, Looptuun

Buutenwand f. Außenwand, Außenverkleidung; Außenwand des Hufes

Buutenwark, -werk n. Arbeit im Freien (auf dem Feld, im Garten)

Buutenwegg m. Weg außen herum, z.B. um die Weiden herum

Buxe, Bux, Büxe f. (Buxen; Büxken) Hose. He häff de Buxe üm't Gatt hangen (schlöörn). De höllt kiene Bux an't Gatt (ist bankrott). He krigg wat vöör de Buxe (wird verhauen). Se bünt em achter de Buxe (achter't Gatt) (verfolgen ihn). De Buxe brennt em vöör't Gatt (hat es eilig). Ik mutt ääben uut de Buxe ("austreten"). Et is ne Buxe kölder wodden (kälter geworden, eine Unterhose mehr). Mi kommt se ganz schlimm an de Buxe met't Betahlen (Sie holen mir das letzte Geld aus der Tasche). Dat geht di an de (in de) Buxe (mißlingt). Se kriegt em an de Buxe (erwischen ihn). Du kriggs't an de Buxe (bi de Buxe) (verlierst z.B. beim Kartenspiel, bei einem Prozeß). De treckt di de Buxe uut (betrügen dich, z.B. beim Kartenspiel od. Handel). Du kanns de Buxe ja noch män ääben upbinden (ohne Erfahrung). Ik sall em de Buxe anbinden (warnen vor, in die Enge treiben). van eene Bux in de andere (z.B. beim Feiern bis in den Morgen u. dann sofort arbeiten). Wo Buxen bünt, gelt't kinne Röck (Männersache). Se häff de Buxe an (Die Frau hat zu Hause das Sagen). Se häbbt em de Buxe vöör de Dööre hangen (hinausgeworfen). de Buxe anhäbben (kein leichter Mensch sein, → Ächterbuxe). Dat häff kinn Büxken an (Unsinn). He vertällt, wat kinn Büxken anhäff. Dat häff ook 'n Büxken an (hat etw. zu bedeuten). De Bohnen häbbt kinne Buxen an (von zarten Bohnen, die noch keine dicke Haut haben). Den Haawer krigg de Buxe nich uut (Die Rispen kommen nicht heraus). Daor ha. se sik leewer föör in de Buxe drieten sollt, dat hä' se noch weer dr'uut maaken konnt (von einem Mißgeschick, z.B. von unehelichem Kind). Se häff't vöör de Buxe kreggen (z.B. uneheliche Schwangerschaft). Bux harunder (beim Skat: Null ouvert, Karten offen hinlegen). He häff kinn Bux of Balg (hat gar nichts, Bo). → afsetten, böwwen, Daaler, Daorn, Düüwel, eenerläi, Ende, Föör, griepen, groot, Häärgott, Hahnholt, Hatte, hollen, Hoop, Ies, Kuckuck, laoten, Mest, old, prozessen, Pund, Ratte, sacken, strammtrecken, Stritz, suusen, trecken.
Zs.: Ächter-, Baade-, Baller-, Bange-, Biester-, Bisse-, Bruuds-, Brüüms-, Buller-, Dreeveerdel-, Drömmel-, Fett-, , Föhl-, Jungs-, Kinder-, Klaater-, Klapp-, Klüngel-, Küür-, Lööter-, losse, Mannslöö-, Manschester-, Messlers-, Müürmanns-, Praote-, Prömmel-, Pump-, Quaater-, Ried-, Schiet-, Schlaater-, Schlacker-, Schlaop-, Schlodder-, Schöör-, Schüür-, Spendeer-, Spitzen-, Strick-, Sunndaggs-, Tüntel-, Under- , Vääne-, Weer-, Wull-

Buxenbäärnd, -bernd m. kleiner Junge, kleines Kind

Buxenband n. Hosengürtel

Buxenbaord, -burd m. Hosenbund, Gürtel. He was natt bes an'n Buxenbaord. Dat stopp wi em achter den Buxenbaord (z.B. Juckpulver od. eine andere Art, jd. zu ärgern, z.B. ein Arbeitsgerät mitnehmen).

Buxenbeen n. Hosenbein

Buxenbeer, -bier n. (St, Ge, Rae, Rh, Bo) Nachbarschaftsfest der jungen Männer; Gratulieren zum Aufgebot der Brautleute. → Buxennemmen

Buxendrääger m. 1. Hosenträger (mod.). → Lichte.
2. wer Hosen trägt, männliche Person

Buxengaspel f. Schnalle der Hose, des Hosengürtels

Buxenkäärlken, -kerlken kleiner Junge, Knirps; altkluges Kind

Buxenklamme(r) f. Hosenklammer für Radfahrer

Buxenklappe f. Hosenklappe. → Buxenlidd

Buxenknoop m. Hosenknopf. so kläin as 'n Buxenknoop. → Mäiräägen

Buxenlichte f. Hosenträger

Buxenlidd n. Klappe der alten Hose. → Klappbuxe

Buxenmieger(t) m. wer in die Hose macht (grob). → Hossenmiegert

Buxen-nemmen (Ot, Vr, Wes, St, Rae) Feier zum kirchlichen Aufgebot der Brautleute (Beim Aufgebot heißt es, der Bräutigam sei von der Kanzel gefallen u. habe sich die Hose zerrissen. Die jungen Männer der Nachbarschaft kommen zum "Gratulieren", indem sie unter dem Vorwand, eine neue Hose fertigen zu lassen, dem Bräutigam die Hose stehlen; die Brautleute müssen z.B. Schnaps für diese Vorfeier spendieren). → graleern, Prääkstohl

Buxenpiepe f. Hosenbein. He löpp as wenn he bäide Beene in eene Buxenpiepe häff sitten (läuft sehr langsam u. unbeholfen, St).

Buxenpisser m. wer in die Hose macht; Angsthase

Buxenreemen m. Hosengürtel, -riemen

Buxenschaißer m. im Spottvers der Kinder König, Kaiser, Buxenschaißer

Buxen-schöörn n. 1. in der Wendg. He is de met (aone) Buxensch öörn van afekommen (Er ist ohne größeren Schaden davongekommen, hat Glück im Unglück gehabt, → Bütten-brääken).
2. Nachbarschaftsfeier zum Aufgebot der Brautleute. → Buxen-nemmen

Buxenstall m. Hosenschlitz. → Kohstall

Buxen-stellen (Ot, Wes) Nachbarschaftsfeier zum Aufgebot der Brautleute (Stehlen der Hose des Bräutigams). → Buxen-nemmen

Buxensticke(n) m. Streichholz, das man an Manchesterhosen anzünden konnte (Kopf mit Schwefel)

Buxentaske, -tasse f. Hosentasche. → Bescheed, recht, ümkehrn

Buxteruusen, Buxterhuude (Wes, Vr, St, Ge) ON Buxterhude (bei Hamburg) in Wendungen wie Wo woss hen? (Antwort:) Nao Buxteruusen hen Gaanse melken. in Buxterhuude, wo de Hunde uut't Gatt (met´n Statt) bleckt. Nao Buxteruusen hen Driete klööwen (auf neugierige Fragen). → Poosemuckel

Elisabeth Piirainen & Wilhelm Elling: Wörterbuch der westmünsterländischen Mundart. (Beiträge des Heimatvereins Vreden zur Landes- und Volkskunde, 40). Vreden, 1992.
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